Forum: Wirtschaft
Wahldesaster: Die Selbstzerstörung der SPD
Kay Nietfeld/ dpa

Die SPD unterschätzt, welch dramatischen Bruch es mit ihrer Wählerschaft in der Zeit von Rot-Grün gegeben hat. Nie zuvor und nie mehr danach wurde die eigene Klientel so dramatisch abgehängt wie damals.

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ALEMANNE2 31.05.2019, 13:42
110. Da bin ich vollkommen bei Ihnen

Zitat von promoexxl
Was Schröder damals gemacht hat war wichtig und richtig, Punkt. Das Problem ist, dass in den Folgejahren, als es wirtschaftlich dann wieder bergauf ging, versäumt wurde Änderungen und Anpassungen vorzunehmen. Seit Schröder sitzt die CDU am Ruder. Vielleicht beschwert man sich mal bei denen? Stattdessen wird seit 15 Jahren auf die SPD eingedroschen, die damals dafür gesorgt hat, dass Leute wieder in Lohn und Brot kamen und die Staatskasse deutlich weniger belastet wurde. Ohne die Agenda würde es vielen Leuten heute noch schlechter gehen. Vielleicht guckt man mal in die Zukunft und versucht gegenzusteuern? Stattdessen wird über die Vergangenheit gejammert und aus Trotz gar nicht mehr gewählt, oder Leute die enwteder nichts daran ändern können, weil sie keine Mehrheiten bekommen oder Leute, die überhaupt kein Interesse daran haben die Verhältnisse wieder zu ändern. Selber schuld?
und ich weiß auch nicht, woher 'Kommunisten-Fricke' seine Zahlen hat. Wenn ich diese und ähnliche Kolumnen zu diesem Themenkreis lese, dann erhalte ich den Eindruck, dass in D mittlerweile bei der breiten Masse der Bevölkerung die Armut grassiert, die Menschen können sich nichts mehr leisten und demnächst wird wahrscheinlich eine armutsbedingte Hungersnot ausbrechen. Kann sein, dass wir hier im Schwarzwald/Oberrhein auch auf einer Insel der Glückseligen leben, aber wenn ich mich in meiner Kleinstadt sowie den umgebenden Städten und Gemeinden umschaue, dann kann ich nichts von diesen schlimmen Zuständen feststellen. Der vor allem mittelständisch geprägten Industrie geht's gut, dann haben auch die meisten der dort Beschäftigten ein gutes und geregeltes Einkommen.

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Medienbeobachter 31.05.2019, 13:42
111. Marktversagen, der Mensch nur Kostenstelle mit Ohren, Humanismus tot

Ein vollkommen freier Markt ist eine wirklich furchtbare, furchtbare Idee und nicht das Kindermärchen das den BWLern an den Universitäten gelehrt wird. Den vollkommen freien Markt durfte die Menschheit bereits im 19.Jahrhundert bewundern. Er führte dazu das es eine in Lumpen herumlaufende leidende Unterschicht gab, ohne die leiseste Hoffnung auf ein wenig Lebensglück. Das kann der Kapitalismus 2.0 in der Jetztzeit, durch die weit, weit entfernte Ausbeutung in den Textilfabriken in Bangladesh und China, optisch besser. Die Million Obdachloser, die Harzer und die Niedriglöhner dokumentieren wie ein wenig Mode den Kapitalismus zu einer schön geschminkten Leiche machen kann. Die frühere Soziale Marktwirtschaft wurde mit dem Tarnwort Reformen gnadenlos gemeuchelt in den letzten 20 Jahren. Aber all dies war gebildeten Menschen schon lange klar. Wieso durfte man es erst jetzt in einer Publikation von über Hundert Medien lesen? Marktversagen, oder ist die Aufklärung gescheitert? Heute darf der Mensch, dem Menschen wieder ein Wolf sein, so wie es dem Philosophen Hobbes immer zugeschrieben wurde. Er darf ein Wirtschaftsliberaler sein.

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karl_der_kurze 31.05.2019, 13:44
112. Quatsch

Die untersten 10% sind nicht die "kleinen Leute". Typischer Fricke-Unsinn. Wäre er so ehrlich, die Lage der Normalos zwischen den oberen und unteren 10% zu beleuchten, würde seine ganze linkspopulistische Argumentation in sich zusammenfallen.

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mgaul 31.05.2019, 13:44
113. Die Gründe für den jetzigen Absturz liegen woanders

Die Analyse ist nicht verkehrt und auch sehr interessant, taugt aber kaum als Erklärung, warum die SPD auch 14 Jahre nach Schröder immer weiter abstürzt. Das ist genug Zeit, um sich zu reformieren und durch neue politische Positionen neue Wähler hinzu- und alte zurückzugewinnen. Das aktuelle Problem der SPD ist eher, dass sie eigentlich dringend in die Opposition müsste, um sich dort ein neues klares Profil zu verschaffen, durch die gesamtpolitische Lage aber in eine GroKo gezwungen wurde, in der sie nur verlieren kann. Sie hat als kleiner Koalitionspartner nicht die Macht, durch wichtige Gesetze bei ihren Wählern zu punkten, kann aber als mitverantlicher Teil der Regierung auch nicht in der Opposition für andere Ziele werben. Die SPD hat sich ihrer staatspolitischen Verantwortung gestellt und ist in eine Koalition gegangen, die sie nicht wollte. Sie hat das Land damit regierbar gehalten, dafür gebührt ihr Achtung. Dass sie sich damit selbst in eine monumentale Krise stürzen würde, war aber damals schon klar.

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Bibe 31.05.2019, 13:45
114. Wenn dem so wäre, wie hier behauptet wird:

Warum driften dann so viele Wählerinnen und Wähler aus dem SPD-Lager ausgerechnet zu den Grünen, die die Entscheidungen in der Regierung Schröder/Fischer schließlich mitzuverantworten haben und mit ihrer Politik wesentlich dazu beitragen, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland deutlich höher liegen als anderswo?

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muunoy 31.05.2019, 13:45
115. Warum Fricke wieder mal falsch liegt

Zunächst stellt sich die Frage, ob ich Fricke richtig verstehe. Er behauptet, dass die Maßnahmen der SPD unter der Regierung Schröder der Grund für das Auseinanderdriften der Netto-Einkünfte seien und daher Arbeitnehmer die SPD nicht mehr wählen. Die These halte ich für falsch, wobei ich den Verdacht hege, dass Fricke ein Auseinanderdriften der Brutto-Einkünfte meint. Aufgrund des extrem progressiven Steuersystems Deutschlands driften die verfügbaren Netto-Einkommen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so sehr auseinander. Auch die Annahme, dass die Wähler in erster Linie Neid in ihre Wahlentscheidung mit einbeziehen, halte ich für falsch. Es stellt sich nämlich die Frage, warum die Grünen nicht auch unter ihren Taten während dieser Zeit leiden. Die immer wieder kolportierte Umverteilung von unten nach oben, gibt es in Deutschland ja eigentlich nicht. Dort, wo es sie gibt, also z. B. beim EEG, wurde diese Umverteilung maßgeblich durch die Grünen betrieben. Die schnitten bei der Europawahl aber recht gut ab, wobei es sich allerdings um einen Sonderfall in der EU handelt.
Dass die Minderleistungen der Grünen in Regierungsverantwortung seltsamerweise nicht diesen, sondern ausschließlich der SPD zugeschoben werden, ist in der Tat ein interessantes Phänomen, welches auch in NRW zu beobachten war, wo die katastrophale Bilanz der Rot-Grünen Landesregierung nur der SPD angelastet wurde.
Nun denn, vielleicht sollte man ehem. SPD-Wähler einfach mal fragen. Dann presche ich mal vor. Auch ich habe Schröder dazu verholfen, Kanzler zu werden und würde heutzutage niemals die SPD wählen. Die Hartz IV Reformen fand ich richtig. Dies insbes., weil junge Uni-Absolventen der MINT-Fächer Ende der 90er keine Jobs bekamen (so auch ich als Chemiker) und daher was anderes machen mussten. Die Reformen von Schröder haben den Arbeitsmarkt radikal entkrustet und somit auch jungen Leuten wieder eine Chance geboten. Inzwischen schießt aber die SPD so ziemlich gegen alle Interessen von Menschen, die ihren Lebensunterhalt in der Privatwirtschaft erwirtschaften. Ständig steigende Steuer- und Abgabenlasten und eben auch die Verteuerung des Wohnens sind nun einmal ein Markenzeichen der SPD geworden. In meinem Fall kommen erschwerend die kontinuierlichen Angriffe der SPD auf Selbständige hinzu. Ich kenne inzwischen keinen Selbständigen aber auch keinen Angestellten in der Privatwirtschaft mehr, der noch SPD wählt. Also, die vermeintlichen Ungerechtigkeiten beim Betrachten anderer sind wohl nicht der Grund für die Wahlabstinenz gegenüber der SPD. Vielmehr ist SPD-Politik für die arbeitende Bevölkerung inzwischen immer von Nachteil. Und dies unabhängig vom Einkommen, sobald dieses oberhalb der Grenze liegt, wo noch mit staatlichen Zuschüssen zu rechnen ist. Nach Ansicht der SPD ist man dann halt schon ein pöser Reicher. Nach Ansicht der Betroffenen aber noch lange nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die SPD unter Schröder eine Partei des Aufstiegs war. Es ging darum, dass die Leute mehr erreichen können sollten. Heute favorisiert die SPD den abhängigen und um staatliche Transferleistungen bettelnden Bürger, was für kaum einen Wähler sonderlich attraktiv ist.

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fördeanwohner 31.05.2019, 13:46
116. -

Ich halte die Agenda 2010 immer noch für richtig. Das Problem ist doch wohl eher, dass notwendige Nachjustierungen nicht möglich waren, da seit 2005 immer die Union bestimmt hat. Die SPD hat nichts zu melden gehabt bzw. bei bestimmten Entscheidungen wurde die SPD nicht als Initiator erkannt.
Die SPD hat es für mich 2014 halb und 2017/18 ganz vergeigt, weil sie erneut eine Groko eingegangen ist. Dadurch wurden die Überarbeitung der Agenda 2010 und anderes unmöglich.
Zusätzlich, da beißt die Maus keinen Faden ab, gibt es weder eine charismatische Führungspersönlichkeit noch jemanden, der/die Frau Merkel ähnelt, wenn es um das Gefühl von Stabilität, Besonnenheit und Ruhe angeht. Frau Nahles gibt sich viel Mühe, aber sie ist ungeeignet, eine Partei zu repräsentieren. Und sonst noch? Mir fällt niemand ein.

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Hörbört 31.05.2019, 13:46
117. Modewochen bei SPIEGEL online

Wow, da ist was in Bewegung geraten. Nach einem (offenkundig folgenschweren) Hinweis vom Twen-Couturier Rezo befassen sich plötzlich alle mit der Garderobe:

Was sind das eigentlich für Gewänder, die da und dort getragen werden? Schauen wir auf Splitternackte oder stellen die Models einfach nur ultratransparente Politik zur Schau?

Wie auch immer. Die eiligst geschneiderte, journalistische Frühjahr-Sommerkollektion 2019 gefällt. Weiter so!

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howard_phillips 31.05.2019, 13:46
118. Wie sollen sie auch argumentieren?

Es war im letzten Wahlkampf schön zu sehen, wie die CDU jede Kritik an der Regierung mit den Worten "Aber ihr habt doch mitgemacht. Aber die SPD hat doch auch dafür gestimmt!" weg gewischt hat. Auch das wird der SPD nachhängen. Man kann eben nicht gleichzeitig Koalitions-und Oppositionspartei sein.

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chjuma 31.05.2019, 13:50
119. Gut geschrieben

... Und könnte man stehen lassen als kausale Faktenkette, die die Selbstversenkung der SPD einleitete. Ich, der ich heute durch den Mainstream als "rechts" gesehen werde, habe damals Gerhard Schröder gewählt. Geister wie Willi Brand oder Helmut Schmidt würden mich auch heute noch dazu veranlassen die SPD zu wählen. Weil diese eine Eigenschaft hatten, die 99% der heutigen Politiker gänzlich abhanden gekommen ist, nämlich klare Ansagen zu machen, was sie zu tun gedenken, wenn man sie lässt. Die einzige, die das tut, ist Angela Merkel. Ich werde darum einen Teufel tun, ihr meine Stimme zu geben, aber sie hat meinen Respekt. Diesen Schneid muss man erst mal haben, seine Ansagen auch komplett durch zu ziehen, auch wenn der Rest der Welt mit dem Kopf schüttelt. Alle anderen labern nur, sind weder bereit sich festzulegen und gleich gar nicht Verantwortung zu übernehmen. Was soll man da "wählen"? Die Wahl zwischen 100 hohlen Tüten mit nix drin... Na toll. Und die dürfen mit der größten Volkswirtschaft im Euroraum spielen? Mir wird echt übel

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