Forum: Wirtschaft
Wahldesaster: Die Selbstzerstörung der SPD
Kay Nietfeld/ dpa

Die SPD unterschätzt, welch dramatischen Bruch es mit ihrer Wählerschaft in der Zeit von Rot-Grün gegeben hat. Nie zuvor und nie mehr danach wurde die eigene Klientel so dramatisch abgehängt wie damals.

Seite 33 von 55
luny 31.05.2019, 17:32
320. Schröder platzte vor Stolz - und die SPD gleich mit

Hallo Herr Fricke,

Sie schreiben:

"Selten ist de facto so viel Geld von unten nach oben verteilt worden wie - unter Sozi-Kanzler Schröder.

Und das alles, ohne dass das ökonomische Versprechen eingelöst wurde, wonach dank der Reformen am Ende alle mehr Einkommen haben. Heute kriegen trotz wirtschaftlicher Erholung viel mehr Leute nur einen Niedriglohn als vor der Agenda-Zeit. Aufstieg durch Verzicht? Von wegen."

Mit der Agenda 2010 hätte zwingend ein Mindestlohn eingeführt werden müssen, von dem ein Arbeitnehmer leben kann, und zwar auch noch im Alter mit einer auskömmlichen Rente.

Das wurde versäumt.

Das geschah nicht aus Versehen, nein, das geschah, weil es Schröders Ziel war, in Deutschland den größten Niedriglohnsektor innerhalb der EU zu schaffen.

Gerade weil die Zahl derer, die unter die Tarifbindung fallen, immer weiter fällt, wäre ein anständiger Mindestlohn das Rettungsnetz für viele gewesen, die jetzt von Altersarmut bedroht sind.

LUNY

Beitrag melden
Archie69 31.05.2019, 17:33
321. Gründe für den Niedergang

Zum einen schwaches Führungspersonal, durch Verbleib in der GroKo kein klares Programm bei Klimapolitik und Festhalten an der Agendapolitik, zum anderen auch die Flüchlingspolitik. Die SPD hat bei allen diesen Punkten Wähler verloren, bei Klima an die Grünen, wegen Flüchtlingspolitik auch an die AfD, wegen Verbleib in der GroKo viele, die gegen eine Weiterführung waren. Hier 5%, da 5%, dort 5% und vorbei ist es mit der Volkspartei. Die SPD sitzt bei vielen Themen zwischen den Stühlen. Da hilft nur raus aus der GroKo, in die Opposition gehen und programatisch ohne Kompromisse neu aufstellen.

Beitrag melden
nobody_incognito 31.05.2019, 17:34
322.

Zitat von heinzgünther
Das ist einfach falsch. Als Hartz4 Empfänger (benannt nach dem verurteilten kriminellen Peter Hartz, sollte nie unerwähnt bleiben) müssen sie für jeden Euro beim Amt Rechenschaft stehen. Kein einziger Sozialhilfeempfänger bekommt etwas geschenkt, oder gar Wohltaten! Denken sie mal drüber nach, Rente ist Einkommenssteuerpflichtig, Kapitalerträge nur mit 25% pauschal besteuert! Dann finden sie schnell denjenigen, der sich auf kosten der Mittelschicht die Taschen voll macht!
Man bekommt Wohltaten, die unmittelbar wieder in den Realwirtschafts-Kreislauf fließen, statt in irgendwelchen Finanzmärkten zu versumpfen. Aber es ist dann doch wieder nur "ABM", d.h. an sowas wie "Vernunft" (Antithese zu sinnloser Energieverschwendung) führt kein Weg vorbei.

Beitrag melden
minimalmaxi 31.05.2019, 17:38
323.

Schröders Agenda enthält auch eine versteckte Langzeitwirkung, die bei vielen Menschen erst nach einer Zeitverzögerung schmerzhaft angekommen ist. Dazu zählen die Hartz-Reformen, das Rentenniveau, die Versteuerung von Einkommen aus Betriebsrenten und viele andere bösartige Veränderungen, die in der Summe die Einkommen beträchtlich schmälern und richtig wehtun. Schröder hat die Privatisierung vorangetrieben und mit seiner neoliberalen Politk den Job der CDU/CSU übernommen und sogar noch getoppt.
Als ich noch berufstätig war, habe ich das zwar alles "verstanden" und auch abgelehnt, aber erst jetzt, als Rentner, weiß ich, was das alles wirklich bedeutet. Die SPD hat die Arbeitnehmer verarscht -und Frau Nahles (Betriebsrentenverstärkungsgesetz!!!) ist eines ihrer Gesichter. Für mich inzwischen unwählbar.

Beitrag melden
elkacko 31.05.2019, 17:40
324.

Mir kommt es immer so vor, als wäre die SPD die Bad-Bank der früheren rot-grünen Regierungszeit. Aller Unmut darüber bläst den Sozis seit Jahren ins Gesicht, die Grünen werden dagegen von so gut wie allen Medien auf wundersame Weise davon verschont. Siehe auch wieder in diesem Artikel. Wenn die alten Kamellen schon ständig wieder aufgewärmt werden müssen, dann doch bitte mal ein wenig differenzierter.

Beitrag melden
luny 31.05.2019, 17:41
325. Profilierung

Zitat von meinung2013
Wählerschaft ist lange und sie begann bereits vor Schröder. Lange hats gedauert, bis die SPD Wähler das linke tasche / rechte Tasche Spiel der SPD erkannten. Nur die SPD hats immer noch nicht verstanden. Ich hätte mir gewünscht, die SPD wäre auf die Oppositionsbank und nicht in die GroKo. So hätte diese partei eien Chance auf Regeneration gehabt. Wollten die Parteibosse und Delegierten halt nicht. In jedem Niedergang steckt auch ein Neuanfang, muss ja nicht die SPD sein.
Hallo Meinung2013,

die SPD war/ist der irrigen Meinung, sich in der Koalition mit der CDU/CSU profilieren zu können.

Dabei kam dann der Mindestlohn von 8,50 EUR/Stunde heraus, den die damalige Arbeitsministerin, jetzt SPD-Fraktions- und Parteivorsitzende stolz verkündete.

Dabei war damals schon klar, daß dieser viel zu gering angesetzte Mindestlohn direkt in die Grundsicherung im Alter führen würde.

Berechnung ihrer Vorgängerin, jetzt Verteidigungsministerin:

Wer 2.500 EUR brutto durchgängig 35 Jahre verdient, landet genau auf dem Niveau der damaligen Grundsicherung. Das waren 688 EUR.

LUNY

Beitrag melden
spon_4790321 31.05.2019, 17:45
326. Das sehe ich ähnlich wie Sie. Geschätzte 9 Millionen

Zitat von andree_nalin
für alle, die einfach nicht wahrhaben wollen, das etwas gewaltig stinkt im Staate Germany. Mittelstand und Niedriglöhner sorgen ungewollt für den unermesslichen Reichtum der oberen Arroganz in unserem Staat. Zuletzt wird dann noch der einfältige Autokäufer betrogen, was das Zeug hergibt und der Staat ist Mitwisser. Entgegen aller anderen Aussagen: Es gibt noch die Arbeiterschaft, aber die SPD hat sie vergrault, gerade durch die unverschämte Politik der einstigen Arbeitervertrauten wie Müntefering. Genau dieser feine Herr tingelt durch die Lande und versucht sich in seinem Buch als der Gutmensch zu artikulieren. Den hat er aber in seiner Regierungszeit abgelegt und danach für sich und die Seinen die Pfründe gesichert. Wir brauchen für die Kleinen Leute eine neue Partei und der Name SPD gehört auf den Müllhaufen der Geschichte als Partei, die ihre Klientel in der neueren Zeit hintergangen hat.
fleißige Menschen in unserem Land wie Minijobber, im Niedriglohnsektor, Menschen die weit unter dem gesetzlichen Stundenlohn arbeiten müssen und andere haben nach Abzug der Miete nicht mehr als 400 - 550 Euro zum Leben zur Verfügung. Kein zweites westeuropäisches Nachbarland gibt seinen Menschen nach Abzug der Miete nur würdelose 424 Euro zum Leben. Nach Abzug der Mieten erhalten die Österreicher laut Gesetz 863,04 Euro bis Dänemark 1 340 Euro zum Leben. Siehe Beispiel Quelle: "Mindestsicherung 2019 in Österreich - Kürzungen, Höhe, Anspruch." Aus diesem Grunde hat unser reiches Deutschland heute ca 2 Millionen Bürger die betteln gehen müssen in den Tafeln um satt zu werden. Jeder 2. wohnungslose Bürger in Europa ist heute ein Deutscher. Siehe Fakt Quelle laut Zählung Ende 2016: "Wohnungslosigkeit - 860 000 Menschen haben in Deutschland keine Wohnung." USW.

Beitrag melden
nobody_incognito 31.05.2019, 17:49
327. Nachtrag

Zitat von nobody_incognito
Aber es ist dann doch wieder nur "ABM", d.h. an sowas wie "Vernunft" (Antithese zu sinnloser Energieverschwendung) führt kein Weg vorbei.
Die "Mutter" aller Energieverschwendungen wird wohl der "enthusiastische" Sexualtrieb sein. Wahrscheinlich die einzige "Betätigung" bei der man dafür bezahlt sie "ausüben" zu dürfen^^. (-;

Beitrag melden
joke61 31.05.2019, 17:53
328. Anhand etlicher Beiträge

kann man ermessen in welch verdorbener, asozialer, gleichgültiger Gesellschaft wir leben! Muster: wer Miete nicht nehr bezahlen kann muß halt umziehen, etc. Zur Not unter die Brücke oder was! Ich fürchte mich vo einem Bürgerkrieg, wenn die Abgehängten die 40% überschritten haben. Bei der Empathie, die für sozial schwäschere rüberkommt, würde mich das nicht wundern! Einfach nur ekelhaft, diese neoliberale gleichgültige Gesinnung!

Beitrag melden
luny 31.05.2019, 17:55
329. Zur Erinnerung

Zitat von trimalchio
Das Problem war nicht die Regierungszeit und schon garnicht die Agenda, bei beidem war die SPD sehr erfolgreich. Das Problem war, dass die SPD nicht in der Lage war, zu dem zu stehen, was sie erreicht hat. So konnte Merkel die Früchte ernten. Die SPD hat viele Kernthemen und ist damit in der Groko auch erfolgreich gewesen. Aber sie zerreibt sich selbst, meint linker als die Linken und grüner als die Grünen sein zu müssen, kann dort nicht liefern und verliert Stimmen an Linke und Grüne. Nicht Schröder war das Problem, sondern alles was danach kam.
Hallo Trimalchio,

als Schröder die Agenda 2010 im Jahre 2003 im Bundestag verkündete, fielen viele SPD-Abgeordnete, darunter viele Gewerkschafter bildlich gesprochen förmlich vom Hocker.

Der Sinn und Zweck Schröders Agenda war nicht, das SPD-Klientel zu unterstützen. Es ging Schröder darum, daß die Wirtschaft mit billigen Arbeitsplätzen versorgt werden konnte.

Stichworte dazu: Minijobs, 1-EUR-Jobs, Befristungen, Leiharbeit und Werksverträge.

Erreicht wurde, daß die Arbeitszahlen auf dem Papier sanken.

Erreicht wurde nicht, daß alle Arbeitnehmer von ihrer Hände Arbeit leben können, Stichwort Aufstockung.

Das Konzept stammte von Peter Hartz, der bei VW bereits erfolgreich die Stammbelegschaft reduziert hatte, die nach Tarif bezahlt werden muß.

Und da schließt sich auch schon der Kreis. Schröder war Ministerpräsident von Niedersachsen und saß bei VW im Aufsichtsrat.

LUNY

Beitrag melden
Seite 33 von 55
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!