Forum: Wirtschaft
Wahldesaster: Die Selbstzerstörung der SPD
Kay Nietfeld/ dpa

Die SPD unterschätzt, welch dramatischen Bruch es mit ihrer Wählerschaft in der Zeit von Rot-Grün gegeben hat. Nie zuvor und nie mehr danach wurde die eigene Klientel so dramatisch abgehängt wie damals.

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geando 02.06.2019, 00:16
530. Politik der vertauschten Rollen

Die letzen 20 Jahre haben wir eine Politik der vertauschten Rollen erlebt. Die SPD hat die Agenda 2010 ins Leben gerufen und Hartz4, die Grünen haben die Bundeswehr in die ersten Kampfeinsätze geschickt, die CDU/CSU hat die Wehrpflicht abgeschafft und die Grenzen für alle geöffnet. Jede dieser Parteien hat mit vorgenannten Handlungen jeweils grundsätzliche Selbstverständnisse ihrer Parteilinien torpediert. Jede dieser Parteien hat damit einen grossen Teil ihrer Stammwähler vor den Kopf gestossen, als wenn ein politischer Masterplan schon bestanden hätte der, egal durch wen, durchgeführt werden musste. Nun bekommt zumindest schonmal die SPD ihre Quittung dafür. Die Grünen haben dank ihrem Fokus auf die Klimapolitik noch mal die Kurve bekommen und der Zerfall der CDU steht nach dem Ende der Ära Merkel dann als nächstes an.

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syracusa 02.06.2019, 00:26
531.

Zitat von kakophoniephobie
Politik ist ein ewiges Ringen um die "beste Lösung"
Nein, das war Politik noch nie, und das wird sie nie sein. Politik ist in einer Demokratie das Ringen um eine von einer hinreichenden Zahl von Entscheidern (das sind hin und wieder sogar die Wähler) akzeptierten Lösung. In aller Regel sind das nie die besten Lösungen. In einer Diktatur hingegen ist Politik ein ewiges Ringen um den Machterhalt und den Zugewinn von Macht. Das ist in aller Regel nie die beste Lösung, außer manchmal vielleicht und immer nur vorübergehend für den Diktator.

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hegemon0815 02.06.2019, 01:22
532.

Die Sozis haben sich ihren rasanten Abstieg redlich verdient.
Wer hat die Arbeiter verraten?

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Die rote Natter 02.06.2019, 01:35
533. Fridays for Future

Zitat von kakophoniephobie
Woran mag es wohl liegen, dass viel zu viele Arbeitnehmer nicht organisiert sind, vor allem junge Menschen? Darüber sollten sich die Gewerkschaften Gedanken machen. Als mögliche Gründe fallen mir spontan ein: Gewerkschaften bzw. ihre Funktionäre sprechen eine Sprache, die junge Menschen möglicherweise eher abschreckt als anspricht und begeistert. Und sie nutzen das Internet, insbesondere die sozialen Medien, viel zu wenig und hinsichtlich der Performance vielleicht auch an der jungen Generation vorbei. Eine andere Erklärung wäre: Jugendliche sind meist völlig unpolitisch (siehe "Fridays for Future")!
Schauen Sie sich doch mal die Anzahl Demos und Anzahl Teilnehmer an. Das liegt doch im Promille Bereich. Wird halt von SPON hochgeschaukelt, Zahlen werden nicht genannt, berichtet auch kaum. es wird einfach so getan, als wäre das eine Massenbewegung. Einfach lachhaft und unglaubwürdig

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tomatosoup 02.06.2019, 02:01
534. Nein!

Es ist leicht, gegen die Agenda 2010 zu wettern, aber das trifft nicht den wahren Grund für den Niedergang der SPD. Schröder hat niemals Frankreich und die anderen Länder regiert, in denen die Sozialisten ebenso im Orkus verschwinden wie jetzt SPD, die gestern in der Forsa-Umfrage gerade noch auf 12 % kommt. Fehlerquote hin oder her, über 14 % sind für die SPD nicht mehr drin. Der Niedergang der SPD begann in der Zeit, als sie zusammen mit den "Grünen" erklärte: "Regieren macht Spaß". Die wollten zu Beginn der ersten Rot-Grün-Koalition den Benzinpreis auf 5,00 DM anheben. Auf die Arbeitnehmer, die täglich ihr Kfz benötigen, wurde keine Rücksicht genommen. Es sind nicht die Schröders, sondern die Lafontaines und Genossen, die mit ihrer Ideologie über Leichen gehen. Die SPD hatte sich vor Jahrzehnten mit dem "Godesberger Programm" modernisiert, aber dann fiel sie wieder zurück in ihre antiquierten Strickmuster. Wenn Sie meinen, ein Möchtergern-Maduro vom Kiez wie der aktuelle Jungsozialistenführer mit seinen robespierrehaften Verbotsfantasien könnte der SPD ihre Wähler wiederbringen, dann lassen Sie ihn doch einfach mal von der Leine, um zu sehen, wie aus 12 % plötzlich 6 % werden. Die SPD-Chefin, die angetreten war, um den anderen "in die Fresse zu hauen", verschwindet zum Glüvk bald, aber wer weiß, was nachkommt?! Fakt ist: Unser Land braucht keine faulen Ideologen und Schwafler, sondern talentierte und fleißige Könner.

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Kalif78 02.06.2019, 02:36
535. Total falsch analyisiert

Erstmal war Schröder für die SPD als Kanzler in etwa gleichzusetzen, mit dem Bundespräsidenten für die BRD. Er war der Schönwettermann, der Verkäufer. Poltik hat er nicht gemacht, das taten die wirklichen Verbrecher: Münte, Steinbrück, Clement und Eichel.

Dann wird hier der Faktor Lafontaine überhaupt nicht beachtet. Er trat als Parteichef und Finanzminister zurück, mit seinen Worten:; "Um weiteren Schaden an der Partei zu vermeiden!" Diese Worte waren wohl auch so gemeint, denn er hätte diese durch Steinbrück eingebrachte Neoliberale Politik niemals guten Gewissens mittragen können. Die SPD konnte es damals (und bis heute) weder verstehen oder einfach akzeptieren, sodas sie ihn immerfort angriffen und quasi zum Judas machten.
Ob nun diese ewigen angriffe oder die nicht mehr soziale Poltik SEINER Partei ihn dazu brachten, sich mit Gregor Gysi zusammen zur Gründung der Partei "Die Linke" zu entschliessen, weiß ich nicht.
Dieser Zusammenschluss bestand ursprünglich aus WASG und PDS. Nur gab es da noch einen linken Flügel innerhalb der SPD, die aber fast vollständig wechselten zu der "Die Linke". Okay, Gabriel hat den letzten noch Links erscheinenden ins Bundespräsidialamt abgedonnert.
Und da ist der Punkt der Selbstzerstörung. Eine Partei die den Demokratischen Sozialismus im Parteibuch stehen hat, aber nur noch konservative und liberale Entscheider in ihren Reihen hat, wird nicht mehr gewählt. Nahles hätte es unter Wehner nur zur Kaffekocherin gebracht, wenn überhaupt.
Was der nächste Punkt wäre, Personalentscheidungen. Nahles geht garnicht, wenn die wenigstens immer einen Sitzen hätte, wie Brüderle es tat, könnte man ja auch mal ein Auge zudrücken. Dann dachte man Martin Schulz könnte den Messias geben. Nur leider gab es wohl mehr Menschen wie mich, die ihn im EU- Parlament als .... erlebten.


Abschließend möchte ich noch darum bitte die SPD nicht mehr als Sozen zu bezeichnen, denn deren derzeitige Politik beleidigt die ursprüngliche Idee des Sozialismus, wie es auch der Stalinismus und der Maoismus taten.

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Kalif78 02.06.2019, 02:42
536. Wie schön

Zitat von molokai
Der Kommentar ist genauso hilflos wie die SPD selbst. Der SPD sind schlicht die Wähler ausgestorben (wie den Kirchen die Mitglieder). Der überwältigenden Mehrheit geht es gut, aber herum-gedoktert wird (auch in diesem Kommentar) ausschliesslich an den Rändern. Jeder der über die Autobahn fährt oder in die Ferien 'fliegt' fragt sich doch: sind wir alle so arm? Deutsche geben mehr als 80 Milliarden jährlich für Urlaub aus; sind das nur "die Reichen"? Natürlich nicht. Der Kommentator und die SPD müssten doch glatt mal nachdenken, aber das ist aus der Mode gekommen. Heute ist Brückentag, die Mehrheit nimmt sich frei oder bekommt frei. Krankheit verteilt sich statistisch gesehen besonders auf Montage und Freitage, aha, und heute ist Freitag. Arme Angestellte in Feuerwehr, Krankenhäuser, Läden, da muß wenigstens eine Notbesatzung Dienst machen. Sonst sperren wir das "Armenhaus" einfach für einen Tag zu. Schauen Sie doch heute mal auf die Parkplätze. Wahrscheinlich hat der Kommentator seine Arbeit zuhause am Frühstückstisch erledigt und sich solche Anblicke erspart. Es läuft so vieles falsch, aber keiner, wirklich keiner traut es sich lau sagen, man könnte ja...... Umwselt: warum müssen eigentlich diese ganzen SUV's von der armen Bevölkerung gekauft werden? nur ein Beispiel
Wieder mal einen Beitrag von einem Empathileosen und nur Ichbezogenem Umweltscheuklappen tragendem ... zu lesen. Warum gibt es in D nochmal "Die Tafel"?

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kodu 02.06.2019, 03:34
537. Alle die, die hier die Agenda2010 feiern...

...waren und sind sicher keine SPD-Wähler. Und genau DA liegt auch das Problem dieser Partei. Sie wird sich entscheiden müssen...!

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rainercom 02.06.2019, 07:25
538. Kann man den Schröder

nicht Verpixeln?
ich kann den Menschen nicht mehr sehen.
Ein Sargnagel für die SPD.

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kakophoniephobie 02.06.2019, 08:11
539. Populismus

Zu den Beiträgen Nr. 521 von "andreas.bondar" und Nr. 529 von "Schartin Mulz": Populistisch nenne ich das von dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in Talkshows und Diskussionen immer wieder geäußerte Versprechen, sich für mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen, zumal er diesbezüglich viel zu wenig konkret wurde und es nur im Vagen beließ. Zudem schien er perplex und überfordert in Diskussionen mit dem Publikum angesichts von Klagen wie unzumutbaren Arbeitsbedingungen, starker Überlastung im Beruf etc., war er doch darauf überhaupt nicht vorbereitet und vermutlich davon ausgegangen, dass das zentrale Anliegen der Arbeitnehmer wohl nur in der Forderung nach höherer Entlohnung bestehen könne. Auch vermittelte er nicht den Eindruck, als wolle er den ganz großen Wurf wagen, nämlich die völlige Abkehr von der Schröderschen Agenda-2010-Politik, die ja von Kritikern der Agenda 2010 als Hauptgrund für den Absturz der SPD gesehen wird. (Eine ganz andere Frage ist, ob die Agenda 2010 überhaupt auf den Weg gebracht werden musste, noch dazu von den Sozialdemokraten, ob sie wirklich wichtig und richtig für Deutschland war, oder ob der damals wieder einsetzende Aufschwung nichts anderes als die Folge des weltwirtschaftlichen Aufschwungs war.) Auch schien Schulz in den eigenen Reihen nicht den vollen Rückhalt für seinen großen Wurf zu haben. Jedenfalls legte sich der Hype um den bärtigen Mann aus Würselen, der angetreten war, die SPD wieder zur Partei des kleinen Mannes und zum Anwalt der sozial Schwächeren zu machen, nach und nach. In Kolumnen und Diskussionsforen bekam er sein Fett ab als Phrasendrescher und Dampfplauderer sowie den Leuten nach dem Mund redender Rattenfänger. Dies alles erwähne ich, weil ja von dem unaufhaltsamen Abstieg und der Selbstzerstörung der SPD die Rede ist, bzw. nach Gründen für den Abstieg gesucht wird. Und einer der Gründe liegt neben der Ratlosigkeit und Halbherzigkeit natürlich auch in der Gespaltenheit der in diesen modernen Zeiten verzweifelt nach neuer inhaltlicher Ausrichtung und neuem Profil suchenden SPD. Ich möchte auch daran erinnern, dass es der irrlichternde Zickzackkurs war, der die damals von Schulz geführte SPD nach dem Scheitern von "Jamaika" und der Frage, Regierungsverantwortung in einer ungeliebten GroKo oder lieber doch Erneuerung in der Opposition, in arge Bedrängnis brachte, bzw. wegen der Entscheidung, nun doch erneut in einer GroKo mitzuwirken, mitverantwortlich ist für die wenig kommode Situation der im Sinkflug befindlichen, sich selbst zerfleischenden SPD. Gegner der GroKo fühlen sich bestätigt, und wie ich das sehe, wird die SPD alles daran setzen, aus der GroKo rauszukommen, indem sie sich hart und unnachgiebig in den Verhandlungen mit der CDU/CSU zeigt.

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