Forum: Wirtschaft
Warnstreiks bei der Bahn - überzieht die Lokführergewerkschaft?

Zugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?

Seite 23 von 258
5mark 05.03.2011, 11:37
220. überzeugend argumentiert

Zitat von capu65
Hinter fast allen armen, bedauernswerten Privatbahnen stehen milliardenschwere ausländische Unternehmen. Die können das stemmen. Die jährliche Dividende würde etwas kleiner ausfallen, was soll's?
Genau, die ausländischen Unternehmen sollen die dann in der Verlustzone wandelnden Privatbahnen stützen. Das ist doch ne super Idee, vielleicht haben ja auch noch ein paar einheimische Unternehmen Tochtergesellschaften im Ausland die ihren Angestellten dort Hungerlöhne bezahlen. Die sollten sofort auf Kosten der hiesigen Unternehmen auf deutschem Niveau entlohnt werden.

Beitrag melden
capu65 05.03.2011, 11:40
221.

Zitat von Robert Rostock
Apropos, mal ne Zwischenfrage: Ist es dort auch so, dass die Deutsche Telekom bestreikt wird, um Forderungen an O2, Vodaphone und Alice durchzusetzen?
Hat sich die Tarifkommission von Verdi für einen einheitlichen Tarifvertrag der Telekommunikationsbranche entschieden?

Beitrag melden
murrle01 05.03.2011, 12:14
222.

Zitat von atero
Mich würde interessieren, was genau der technische Grund ist, warum man ein Flugzeug automatisch landen lassen kann, einen Zug aber nicht automatisiert betreiben kann? Ich als Bahnlaie kann ehrlich gesagt beim Bahnfahren nicht erkennen was hier besonders schwierig sein soll. Vielleicht kann mir das einer der Bahnprofis hier erklären?
Das werde ich Ihnen gerne in PN erklären, weil es von mir schon einige andere Foristen in PN erhalten haben, und ich es nur weiterleiten muß. Es hier im Board zu machen, würden einige nicht verstehen und andere nicht interessieren.

Beitrag melden
5mark 05.03.2011, 12:19
223. Vertrag

Zitat von masch
Streiks sind einfach alternativlos und sollten von uns respektiert werden. Jeder sollte sich überlegen, wie er/sie sich zur Wehr setzt, bei einer definierten Ungerechtigkeit. In unserer Gesellschaft sind es halt Streiks, man gut:-), und kein Kugelhagel. Deshalb immer die Kirche im Dorf lassen und die streikenden Menschen unterstützen!
Ich will sie jetzt nicht mit dem Urschleim langweilen. Aber:

In einem Vertrag versprechen sich die Vertragsparteien grundsätzlich gegenseitig bestimmte Leistungen. Bei ArbeitsVERTRÄGEN für Lokführer ist es auf das einfachste runtergebrochen: Der Lokführer fährt nach Anweisung des Bahnunternehmens eine Lok und bekommt dafür Betrag X.

Wer Verträge nicht erfüllt macht sich schadenersatzpflichtig. Auf unbestimmte Zeit geschlossene Dauerschuldverhältnisse enden in der Regel durch Kündigung.

Nur beim Arbeitsvertrag wird ständig auf das gröbste davon abgewichen (wenn man in einer Gewerkschaft ist).

Da heißt es dann wir haben zwar einen Vertrag ausgehandelt und du, Arbeitgeber, erfüllst zwar deine Leistung, aber wir sagen jetzt einfach mal das interessiert uns nicht und wir wollen trotz bestehendem Vertrag neu verhandeln und zwar - OHNE RISIKO (was den bestand meines Arbeitsverhältnisses angeht).

Jetzt stellen sie sich mal vor, das würde im Bereich der Miete genauso funktionieren. Dann würde der Mieter sagen können: Ich will den Mietvertrag gern zu meinen Gunsten ändern also verhandeln wir trotz bestehendem Mietvertrag nochmal neu und als Druckmittel verweigere ich bis zu einer Einigung meine Leistung, räume die Wohnung und ziehe zu meine Bruder. Das Mietverhältnis bleibt aber bestehen und nachdem wir uns geeinigt haben oder ich den Streik beende kann ich sofort wieder einziehen (und wehe die Wohnung ist anderweitig vermietet, und ich kann da nicht sofort rein, dann verlange ich Schadenersatz)
Klingt irgendwie eigenartig, oder?

Wer verhandeln will kann das tun. Wer seine Leistung in einem laufenden Vertrag verweigern will, soll sich in einen Zustand versetzen in dem er das rechtmäßig tun, darf. Nach Vertragsbeendigung.

Und jetzt wird es interessant. Wie viele Arbeitnehmer wären tatsächlich bereit, um Druck auf die Arbeitgeberseite aufzubauen, flashmobartig den Arbeitsvertrag kündigen?

Beitrag melden
marka 05.03.2011, 12:20
224. Bitte Rechnung überprüfen

Zitat von hman2
40 mal mehr? Oh, das würde den Piloten gefallen. Stimmt aber nicht, die Zahl haben Sie sich aus den Fingern gesogen. Es gibt sogar Piloten, die weniger verdienen als Lokführer, denn es gibt nicht nur die Lufthansa mit ihren guten Gehältern (die aber ebenfalls nicht das 40fache eines Lokführergehalts zahlt)..
Der Lokführer Maximallohn beträgt in D 30000 Euro pro Jahr, inkl. allen Zulagen.
Der Piloten Maximalohn beträgt in D ca. 320000 Euro pro Jahr, also ca 12 mal mehr.

Piloten bei der LH arbeiten ca 800-900 Stunden im Jahr, Lokführer 2200 Stunden also 2,5 mal mehr. Das bedeutet bereits einen 30 mal höheren Studenlohn.

Lokführer müssen bis zum Alter von 67 jahre arbeiten, LH Piloten bis 56. Somit muss ein Lokführer 47 Jahre arbeiten bis zur Rente, ein Pilot hingegen nur 37 Jahre.

Lebensarbeitszeit Pilot: 31450 Stunden, Lebenseinkommen: 11 Millionen Euro (Basis 80 Lebensjahre), pro Arbeitsstunde also ca 350 Euro Einkommen.

Lebensarbeitszeit Lokführer: 103400 Stunden, Lebenseinkommen: 1.6 Millionen Euro (Basis 80 Lebensjahre), pro Arbeitsstunde also ca 15 Euro Einkommen.

Beitrag melden
marka 05.03.2011, 12:37
225. Selber Schuld

Zitat von Robert Rostock
Wie bitte?! Wieso sind die Hunderttausenden Fahrgäste, die zu spät zur Arbeit kommen, oder Stunden früher losfahren müssen, die die GdL stundenlang in der Kälte stehen lässt, verantwortlich für die Misere?! Gehts noch?
Auch wen es nicht immer so einfach ersichtlich ist. Als Bürger haben sie die Regierung die sie gewählt haben. Sie haben die Regierung die sie verdient haben.

Ihre Politiker haben die Bahn dereguliert und somit die Lokführerausbildung quasi abgeschafft und die Arbeistbedinugen drastisch verschlechtert. Und mit dem unsäglichen und einzigartigen Ausschreibungswettbewerb künstlichen Markt ausgesetzt. Sie waren direkt oder indirekt dafür, dass den Lokführern der Beamtenstauts ab anerkannt wird.

Nun jammern Sie nicht, sondern ertragen sie ihre Fehler. Schieben sie ihre Fehler nicht auf andere ab.

Beitrag melden
atero 05.03.2011, 12:52
226.

Zitat von capu65
Hat sich die Tarifkommission von Verdi für einen einheitlichen Tarifvertrag der Telekommunikationsbranche entschieden?
Nein, auf so eine dämliche Idee ist da noch niemand gekommen. Wenn das Gehalt im eigenen Unternehmen schlechter ist als bei der Konkurrenz, muss man sich eben über einen Wechsel Gedanken machen. Wieso funktioniert das bei der Telekommunikationsbranche und in zahlreichen anderen Branchen, nicht aber bei den Lokführern? Wer würde z.B. auf die Idee kommen alle Autobauer müssten ihren Ingenieuren das gleiche Gehalt zahlen? Von oben angeordnete Einheitslöhne halte ich für Quatsch.

Beitrag melden
marka 05.03.2011, 12:52
227. Selbst automatische Kupplungen sind zu teuer

Zitat von atero
Mich würde interessieren, was genau der technische Grund ist, warum man ein Flugzeug automatisch landen lassen kann, einen Zug aber nicht automatisiert betreiben kann? Ich als Bahnlaie kann ehrlich gesagt beim Bahnfahren nicht erkennen was hier besonders schwierig sein soll. Vielleicht kann mir das einer der Bahnprofis hier erklären?
Flugzeuge sind, ähnlich wie U-Bahnen und Hochbahnen, in einem praktisch keimfreien Raum unterwegs. Störungen und Einflüsse von "aussen" gibt es fast keine. Nur das Wetter ist nicht konstant, aber durchaus berechenbar und prognostizierbar.

Bei der Bahn ist nur schon der Bremsweg schwer zu berechen. Die Bremsen sind nicht sehr präzise und der Bremsweg nicht genau reproduzierbar. Wer bei einem Zug 2 mal kurz hintereinader bremst, hat beim 2 mal eine deutlich geringere Bresmleistung.

Schlussendlich geht es nicht darum ob eine vollautomatische Bahn technisch machbar ist, sondern ob sie bezahlbar ist und ob es Sinn macht tausende Passagiere ohne Personal durch die Gegend zu fahren. Wer behebt oder managet Störungen, wer evakuiert den Zug im Notfall?

Beitrag melden
masch 05.03.2011, 13:48
228. Wäre...

Zitat von Robert Rostock
Apropos, mal ne Zwischenfrage: Ist es dort auch so, dass die Deutsche Telekom bestreikt wird, um Forderungen an O2, Vodaphone und Alice durchzusetzen?
...im Zweifelsfall auch legitimiert, wenn die tarfvertragsführende Gewerkschaft dieses mit den Mitgliedern beschließen würde!

Beitrag melden
Robert Rostock 05.03.2011, 13:51
229. Etwas ausführlicher

Zitat von marka
Auch wen es nicht immer so einfach ersichtlich ist. Als Bürger haben sie die Regierung die sie gewählt haben. Sie haben die Regierung die sie verdient haben. Ihre Politiker haben die Bahn dereguliert und somit die Lokführerausbildung quasi abgeschafft und die Arbeistbedinugen drastisch verschlechtert. Und mit dem unsäglichen und einzigartigen Ausschreibungswettbewerb künstlichen Markt ausgesetzt. Sie waren direkt oder indirekt dafür, dass den Lokführern der Beamtenstauts ab anerkannt wird. Nun jammern Sie nicht, sondern ertragen sie ihre Fehler. Schieben sie ihre Fehler nicht auf andere ab.
Wie gesagt, ich habe die derzeitige Regierung mit Sicherheit nicht gewählt. Muss mir also von Ihnen da gar nichts vorwerfen lassen.

Abgesehen davon, warum nur "meine" Regierung, "meine" Politiker?
Das sind genauso Ihre. Also an die eigene Nase fassen.

Und etwas konkreter: Was ich von der deutschen Bahnreform halte, habe ich bereits oft genug hier geschreiben. Nämlich nicht viel.

Beitrag melden
Seite 23 von 258
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!