Forum: Wirtschaft
Warnstreiks bei der Bahn - überzieht die Lokführergewerkschaft?

Zugausfälle, Wartezeiten an den Bahnhöfen - und das bei eisigen Temperaturen. Die Streikmaßnahmen der Lokführer haben bereits für Turbulenzen gesorgt. Überzieht die Lokführergewerkschaft ihren Kampf?

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Robert Rostock 06.03.2011, 12:50
270.

Zitat von marka
... Der EVG Vertrag regelt bezüglich Betreiberwechsel und Ausbildung gar nichts.
Bezüglich Betreiberwechsel steht schon etwas da drin.

Und übrigens: Hätte die GDL bei der Ausarbeitung dieses Tarifvertrages mitverhandelt, dann hätte sie die Chance gehabt, ihre Vorstellungen in diesen Vertrag einzubringen. Wer nicht mitverhandelt, kann auch nichts einbringen.

Und durch die Streiks hat die GDL bis jetzt erreicht, dass es mit einiger Sicherheit keinen allgemeingültigen Flächentarifvertrag für Lokführer geben wird.

Tja, dumm gelaufen.

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5mark 06.03.2011, 12:56
271. Was bitte soll das heißen?

Zitat von marka
Die Vorschriften in der Luftfahrt sind global gültig. Ein A 340 fliegt in Amerika unter den selben Vorschriften wie in China oder Deutschland es gibt keine unterschiede. Die Eisenbahnen sind sehr viel stärker von Vorschriften abhängig, die Verkehrsregeln bei der Luftfahrt sind nicht annähernd so kompliziert und umfangreiche wie bei der Eisenbahn. Als schweizer Lokführer habe ich keine Ahnung von deutschen Eisenbahnvorschriften und somit keine Ahnung wie man einen Zug in Deutschland führt. Das fängt damit an das in der Schweiz die Signale grundsätzlich links aufgestellt und in D rechts und hört irgendwo bei der Vorschrift vom befahren von starken Gefällen der Kategorie A, bei ausgefallener elektrischer Bremse auf.
Gut jetzt müssen sie nur noch ausführen, was Sie uns damit sagen wollen. Das Lokführer mit Piloten vergleichbar sind?

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marka 06.03.2011, 13:15
272.

Zitat von 5mark
Gut jetzt müssen sie nur noch ausführen, was Sie uns damit sagen wollen. Das Lokführer mit Piloten vergleichbar sind?
Der vergleich Pilot zu Lokführer hinkt weit weniger als der Vergleich Busfahrer zu Lokführer. Habe selber eine Pilotenausbildung und Sie?

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masch 06.03.2011, 13:41
273. Klar...

Zitat von schattenwolf08
sind sie. Jetzt alles auf die gierigen Manager zu schieben, ist eine beliebte Ausrede geworden.
...Lokführer sind fleißig und sollen entsprechend gleiches Geld für gleiche bekommen.

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marka 06.03.2011, 13:44
274. Sie haben teilweise recht

Zitat von Robert Rostock
Wo ist jetzt der Widerspruch zu Ihrer Aussage? Er hat doch extra gesagt, dass dasGrundgehalt, also die Entgeltgruppe, höher ist! Wenn er bei seinen anderen Punkten genaus "unrecht" hat...
Wie so lacht er den wen ich schreibe, dass selbst Disponenten mehr verdienen würden? Ich sehe nicht einen Grund wieso administrative Berufe höher bewertet sein sollten als Lokführer. Ein Lokführer muss für den Disponentenberuf ca 2 Wochen eingearbeitet werden. Umgekehrt dauert es viel länger.
Haben sie schon mal gelesen das es wegen einem Disponenten zu Zugsunfällen gekommen ist oder das ein Disponent während der Arbeit einen Menschen überfahren musste?

Die Arbeit des Lokführers ist ungleich schwerer, verantwortungsvoller und anspruchsvoller als administrative Arbeit. Wo also müsste der Lokführer eingestuft werden? Das ist hier die Frage

Lokführer würden auf ihre im Vergleiche mit anderen Branchen bezahlten Schichtzulagen gerne verzichten, wenn sie denn keine unregelmäsige Schichtarbeit mehr leisten müssten. Übrigens, auch Disponenten bekommen Schichtzulagen, wen sie den Schichtarbeiten, obwohl ihre Arbeitszeiten generell wesentlich Humaner sind als die der Lokführer.

Sichtzulagen sind wieder ein anderes Thema, es gibt unterschiedliche Schichtarbeit die auch unterschiedlich bezahlt sein müsste. Auf jeden Fall sind sie bei der Bahn viel zu tief.

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eikfier 06.03.2011, 13:54
275. ...daher also der Hang zur Überzieherei? ;-)

Zitat von Streikgegner
So einfach ist das aber nicht. Es gibt drei verschiedene Signalsysteme in Deutschland. Das Sv-System wäre Nummer 4. Die funktionieren alle anders. Dazu gibt es PZB und LZB, klare Vorgaben, wie schnell man bei Ausfall der Pfeifeinrichtung, der Sandstreueinrichtung, der Sifa, ... fahren darf, wie ein Zug gesichert werden muss (alleine dafür gibt es zig Regelungen), ... Das Vorschriftenwerk für Lokführer ist sehr umfangreich und umfasst mehrere Regelwerke. Wichtig sind auch gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift. Ein deutscher Lokführer kann nicht automatisch auch in der Schweiz, in Österreich oder Frankreich eingesetzt werden. Dafür sind die nationalen Besonderheiten einfach zu unterschiedlich. Es gibt in Europa weder ein einheitliches Regelwerk, noch identische technische Gegebenheiten. Deutsche Lokführer, die im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt werden, sind besonders geschult worden. Und sie verdienen auch mehr Geld als die Lokführer, die nur in Deutschland fahren.
...natürlich!, das glaube ich Ihnen mit
a)Tucholsky unbesehen und auch, weil
b) dieses in meinen Augen bedingt a-soziale Quartett: Lokführer,Piloten,Ärzte, Fluglotsen nach dem gleichen Streikkonzept mit egoistischem Gedanken-un-Ansatz argumentiert:
erst komme ICH, weil ich derzeit die Macht dazu habe, ihr Neid-Hammel... ;-)
zu a):
lesenswertes köstliches Essay von 1925 von Kurt Tucholsky: "Die Laternenanzünder" als ironische Begleitmusik zu Ihrem Beitrag:
"...es gibt in Deutschland drei verschiedene Signalsysteme...!".
zu b)
ganz ernsthafte auch fach-sachliche, nicht nur streik-technische Parallele zum Fliegen:
wer eine Pilotenlizenz für z.B. Cessna100 besitzt, hat die Pilotenlizenz ganz streng NUR für dieses Flugzeug wie auch parallel bei Lokführern für nur spezielle
Loks, wie Sie hier sagen...
daher also vielleicht auch die kundenunfreundliche Geistesverwandschaft bei nervig-egoistischen Streiks...;-) ??
P.S.: speziell Tucholskys seherischer Nachsatz liegt ganz genau auf meiner Meinungslinie:
...sein schon damaliger Hinweis auf automatische, dann aber ohn-menschliche, wenn auch wohl sachlich bessere Lösungsmöglichkeiten - so modern sind wir also heute auch wieder nicht!

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masch 06.03.2011, 13:59
276. § 613 a BGB

Zitat von 5mark
"§ 613 a Abs 1: Geht ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen anderen Inhaber über, so tritt dieser in die Rechte und Pflichten aus den im Zeitpunkt des Übergangs bestehenden Arbeitsverhältnissen ein. Satz 2 gilt nicht, wenn die Rechte und Pflichten bei dem neuen Inhaber durch Rechtsnormen eines anderen Tarifvertrags oder durch eine andere Betriebsvereinbarung geregelt werden. Vor Ablauf der Frist nach Satz 2 können die Rechte und Pflichten geändert werden, wenn der Tarifvertrag oder die Betriebsvereinbarung nicht mehr gilt oder bei fehlender beiderseitiger Tarifgebundenheit im Geltungsbereich eines anderen Tarifvertrags dessen Anwendung zwischen dem neuen Inhaber und dem Arbeitnehmer vereinbart wird." Wie sagt man so schön in dieser Branche: "Ein Blick ins Gesetz erspart manches Geschwätz"
Entschuldigen Sie bitte, aber Sie haben keine Ahnung von der derzeitigen Rechtssprechung s.o., geschweige denn, dass Sie die Auslegung des §613 a BGB in der Praxis kennen!
1. Ich hatte erwähnt, dass ein schlechterer TV im neuen Betrieb existiert und damit gilt dieser schlechtere TV sofort! für die übergeleiteten AN.
2. In der Tat war dieses Paragraf mal ein Schutzparagraf für die AN. Nämlich ein Jahr nach Überleiten den alten Arbeitsvertrag zu behalten. Danach wurden die alten Arbeitsverträge in aller Regel verschlechtert.

Mit meinen ganzen Beispielen will ich zumindest versuchen Ihnen klar zu machen, dass AN niemals so gute Ausgangspositionen wie AG haben werden. Deshalb sind Ihre Beispiele, mit Verlaub, realitätsfremd und einseitig für AG ausgelegt. Aus diesem Grund gab es auch im BGB diesen Sicherungsparagrafen für AN, der allerdings mittlerweile durch die AG umgedreht wurde.

Einfach nur Paragrafen abschreiben und einseitig interpretieren hilft den Menschen nicht. Reden sie mal mit einem Arbeitsrechtler, der sich etwas besser auskennt:-)).

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murrle01 06.03.2011, 15:53
277.

Zitat von Ozmaker
Hier nochmal meine Fragen von Gestern, vielleicht könnte sie mir ja jemand beantworten: Ich habe 3 Fragen: 1.Warum wechseln Lokführer, die unzufrieden mit ihrer Bezahlung sind, nicht den Arbeitgeber? Ich arbeite in einem gewerkschaftslosem Beruf und kenne es nicht anders.
Wie soll ein "Wechsel" geschehen, bei jeder "Firma" und Eisenbahnbetreiber sind andere Fahrzeuge am Start, werden andere Strecken gefahren. Monate und jahrelange Ausbildung und Streckenkunde wären dann umsonst, und müßten beim neuen Arbeitgeber von Vorne begonnen werden. Ein Schlosser oder ein Bäcker kann innerhalb weniger Tage in eine andere Firma integriert und eingesetzt werden, ein Lokf. nicht.

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murrle01 06.03.2011, 16:02
278.

Zitat von Kirschelein
Wohl keiner. ;) Es geht ja schon allein damit los, dass ich mich frage, wieso streiken eigentlich nur / vorrangig die Lokführer, die gerade arbeiten. Warum stehen nicht auch andere Mitglieder da, die gerade keinen Dienst haben? Wenn ich doch möchte, dass meine Sicherheit, meine Arbeitsbedingungen, und und und verbessert werden und meine Lohnschaufel vergößert werden sollte, dann stehe ich doch auch außerhalb meiner Dienstzeiten da und zeige meinen Willen persönlich. Klar, bringt kein gesondertes Geld und man müsste seine Freizeit opfern, aber wenn ich als Mitglied etwas einfordere, sollte sich dafür auch jeder engagieren.
Schon einmal darüber nachgedacht, das zwischen den Dienstschichten manchmal weniger "Freizeit" ist, als bei Ihnen? Sehr viele Kollegen reisen zum Dienst eine Stunde oder mehr an, und bei den Dienstzeiten mit Anfang und Ende von 24 -6 Uhr, kann es schon vorkommen, das man gerade so viele (wenige) Zeit im Haus ist, die dann unbedingt geschlafen werden sollte, um einigermaßen ausgeruht den nächsten Dienst beginnen zu können? Sie machen auch hier schon wieder den Fehler, es mit einem normalen Beruf und Bedingungen zu vergleichen.

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murrle01 06.03.2011, 16:11
279.

Zitat von Streikgegner
Für meine Kollegen, die sich über die Arbeitszeiten, den Verdienst oder was auch sonst noch beschweren: Es stand jedem frei, Lokführer zu werden oder einen anderen Beruf zu ergreifen. Es gibt halt Tätigkeiten, die mit Arbeitszeiten jenseits der Norm verbunden sind. Nicht nur Lokführer trifft das, auch Ärzte, Flugbegleiter, Piloten, Beschäftigte in der Gastronomie, ... Ich für meinen Teil liebe meinen Beruf und bin auch mit meinen Arbeitszeiten zufrieden. Jeder Beruf hat Vor- und Nachteile. Ein Lokführer weiß von Anfang an, dass er auch dann arbeiten muss, wenn seine Familie vielleicht gemütlich zuhause sitzt und Weihnachten feiert. Allerdings sage ich mir, wer an Feiertagen zum Essen gehen möchte, Radio hört oder fernsehen will (also Dienstleistungen in Anspruch nimmt, für die bestimmte Leute arbeiten müssen), der sollte auch bereit sein, selbst ebenfalls zu arbeiten. Die Deutsche Bahn ist mit einem Bundesrahmenlokführertarifvertrag einverstanden und will diesen unterzeichnen, wenn er bei mindestens 50 Prozent der privaten Mitbewerber auch gilt. Diese Position kann ich verstehen. Andernfalls verpflichtet sich die Deutsche Bahn, auch bei Tochtergesellschaften überall das hohe Entgelt der DB zu zahlen, während andere Mitbewerber Dumpinglöhne anbieten könnten. Als Lokführer habe ich nichts von hohen Löhnen, wenn mein Arbeitgeber überall den Zuschlag verliert, weil Wettbewerber günstiger anbieten können. Nur soweit denkt die GDL nicht. Zum Abschluss noch ein Kommentar zur Beschäftigungsgarantie bei einem Betreiberwechsel. Die EVG hat das hinbekommen. Die Deutsche Bahn bietet das auch der GDL an. Allerdings will die GDL, dass jeder Mitarbeiter der will, übernommen werden muss. Was macht denn der neue Arbeitgeber, wenn er aufgrund geringerer Bestellungen von Verkehrsleistungen durch das entsprechende Bundesland weniger Personal benötigt? Dann soll (muss) er mehr Mitarbeiter einstellen als er beschäftigen kann? Wie realitätsfremd ist das denn?
Aha, ein "Kollege" von der ehemaligen Transnet? Kollege, Du weißt schon, das Du hier viel Unsinn geschríeben hast?
So viele Disponennten Posten gibt es gar nicht, und nicht alle kaputt geschriebenen Kollegen werden untergebracht, das ist Fakt. Ich bin auch gegen den Streik zu dieser Jahreszeit und Witterung, aber alles Andere ist in Ordnung und nur Recht.

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