Forum: Wirtschaft
Warum der Osten nicht aufholt: Mühende Landschaften
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Ostdeutschland hat eine rasante Entwicklung hinter sich - doch an das Westniveau reicht es auch nach 30 Jahren nicht heran, selbst das Saarland ist weiter. Wirtschaftsexperten zufolge liegt das an der Politik, aber auch an der Bevölkerung.

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ernit 04.03.2019, 17:21
1. Firmensitze

Es ist ja nicht so, dass sich keine erfolgreichen Firmen im Osten gründen. Aber wenn eine Firma ein bestimmtes Level erreicht, wird sie ja in der Regel von der größeren Konkurrenz aus dem Westen einverleibt und somit ist die Zentrale wieder futsch.
Nach der Wende wurde die Wirtschaft im Osten so systematisch platt gemacht, dass der Westen uneinholbar weggezogen ist. Das ist einfach nicht wieder aufzuholen. Ein bisschen vergleichbare Situation wie im Profifußball.

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fottesfott 04.03.2019, 17:35
2. Schon die Prämisse ist doch falsch...

warum muss es denn überall in Deutschland wirtschaftlich gleich gut gehen? Das ist doch unrealistisch. Und war in der alten BRD auch nicht gegeben; damals war es auch im Großraum Frankfurt oder Stuttgart insgesamt prosperierendér als im Bayerischen Wald oder in der Lüneburger Heide. Es sollten alle halbwegs die gleichen Chancen haben, das scheint mir der Fall zu sein. Und wenn in den FNL die Produktivität bei rund 82% liegt und das Gehalt auch, dann ist doch nach klassischen volkswirtschaftlichen Maßstäben alles in Ordnung ?? Das klingt teilweise alles so, als sei die Ex-DDR ein Dritte-Welt-Land oder ein Freilichtmuseum.

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freigeist1964 04.03.2019, 18:22
3. Also wenn ich so sehe wie die Wirtschaft im Westen nur so brummt

in Städten wie Bremerhaven, Oberhausen und Co., dann frag ich auf welchem Niveau im Osten gejammert wird. Als wenn es in den Armenhäusern von "Westdeutschland" auch nur einen deut besser ist als im Osten! Der Unterschied ist, dass der Westen nicht so latent fremdenfeindlich und obrigkeitshörig ist, aber ansonsten tut sich da nichts!

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mk70666 04.03.2019, 18:26
4.

Berücksichtigt man die geringeren Lebenshaltungskosten im Osten (insbesondere Mieten/Immobilien und Dienstleistungen) sind die Reallöhne laut Ifo nur noch 15% geringer als im Westen. Mit solchen Unterschieden muss ein Staat leben können.
Für Rentner, Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger bedeutet das niedrigere Preisniveau im Osten laut Ifo sogar ein real höheres Einkommen.

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wi_hartmann@t-online.de 04.03.2019, 18:26
5.

Nach der Wende kamen aus dem Westen Glücksritter, Spekulanten
und Großbetrüger zur den Ossis, die damit als Entree nicht die besten
Erfahrungen mit den Wessis machten.
Diese negative Grundeinstellung hat sich bis heute in weiten Kreisen
Ostdeutschlands fortgepflanzt. Dies wird auch immer wieder in Wahlen dadurch bestätigt dass die "staatstragenden" Parteien
des Westens ( SPD u. CDU) miese Wahlergebnisse einfahren.

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Strichnid 04.03.2019, 18:28
6.

Neben dem Verramschen der Betriebe durch die Treuhand und das bereits beschriebene Prinzip, dass fast jedes ostdeutsche Neuunternehmen irgendwann vom Westen aufgekauft wird, gibt es vor allem einen Grund für die Stagnation:

Fehlende Vermögensbildung.

Es wird zwar inzwischen - überfällig - viel über die wachsende Vermögensungleichheit geschrieben. aber recht wenig über die geografische Verteilung dieser Ungleichheiten. Allein schon die Eigentümerstruktur der Mietshäuser zeigt deutlich Richtung Westen. Das heißt, 40% aller Gehälter und Renten fließen dorthin ab - Monat für Monat.

Ich schätze, der Osten hat sogar eine geringere Vermögensungleichheit, weil die Spitzen so gut wie vollständig fehlen.

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Schlaflöwe 04.03.2019, 18:36
7. Fremdenfeindlichkeit?

Die AfD und ihre Gefolgschaft haben nichts gegen Schweden oder weiße US-Amerikaner. Es geht um Rassismus. Für Bayern werden jährlich 10mal so viele Arbeitserlaubnisse ausgestellt als für Neufünfland. Solange AfD und NPD und sonstige Rassisten in Ostdeutschland den öffentlichen Raum beherrschen, will da auch keiner hin. AfD/NPD sind wirtschaftsschädlich.

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tomkey 04.03.2019, 18:36
8. Tarifbindung

Ein wichtiger Grund wurde in der Analyse vergessen: die Tarifbindung der Firmen und Unternehmen im Osten. Diese ist weit unterentwickelt und echte Tarifverträge gibts eigentlich nur in ein paar großen Firmen. Wer dann noch einen Tarifvertrag hat (wenn überhaupt), ist dann meist ein Betriebstarif, wo die Geschäftsführung oder Inhaber alles vorgibt. Da ist kaum was auf Augenhöhe mit der Belegschaft ausgehandelt. Entweder akzeptiert man es oder der nächste steht schon bereit. Das liegt aber auch zum großen Teil an den Leuten selbst, da sie es nicht gewohnt waren und vor allem sind, sich um ihr Schicksal selber zu kümmern. Böse könnte man meinen - selbst dran schuld. Ist man gutmütig, könnte die SPD (auf gehts Herr Tiefensee) hier viel bei einer Gesetzinitiative für Tarifpflicht gewinnen. Übrigens auch im Westen. Und übrigens somit Verbesserungen bei der Rente

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WoRiDD 04.03.2019, 18:36
9. Ich fasse es nicht

30 (!!!) Jahre nach dem Mauerfall immer noch die gleiche Leier. Die Ossis sind zu dumm (angeblich schlechtere Bildung), wohnen zu wenig in den Städten... Glaubt denn der Autor Kröger selber, was er da schreibt?
Warum sind denn die Löhne (auch bei völlig gleichen Bedingungen wie im Westen) viel niedriger? Angeblich wegen zu geringer Produktivität. Bestimmt nicht. Sondern weil es Regierung und Gewerkschaften so wollen. Wie kann es sein, dass bei Tarifabschlüssen der Osten generell benachteiligt wird. Ebenso bei Kindergeld, Rente...
Die Mauer ist weg - physisch - ,aber in den Köpfen immer noch vorhanden und nicht etwa, weil wir Ossis es so mögen, nein weil wir uns immer noch als Billiglohnland des Westens wie einst in der DDR fühlen.
Es braucht sich dann auch keiner zu wundern, wenn im Osten die AfD immer stärker wird, selbst dann, wenn sie keine Sozialkompetenz hat.

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