Forum: Wirtschaft
Warum der Osten nicht aufholt: Mühende Landschaften
DPA

Ostdeutschland hat eine rasante Entwicklung hinter sich - doch an das Westniveau reicht es auch nach 30 Jahren nicht heran, selbst das Saarland ist weiter. Wirtschaftsexperten zufolge liegt das an der Politik, aber auch an der Bevölkerung.

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kajoter 04.03.2019, 19:58
30. @ #9

Zitat von WoRiDD
30 (!!!) Jahre nach dem Mauerfall immer noch die gleiche Leier. Die Ossis sind zu dumm (angeblich schlechtere Bildung), wohnen zu wenig in den Städten... Glaubt denn der Autor Kröger selber, was er da schreibt? Warum sind denn die Löhne (auch bei völlig gleichen Bedingungen wie im Westen) viel niedriger? Angeblich wegen zu geringer Produktivität. Bestimmt nicht. Sondern weil es Regierung und Gewerkschaften so wollen. Wie kann es sein, dass bei Tarifabschlüssen der Osten generell benachteiligt wird. Ebenso bei Kindergeld, Rente... Die Mauer ist weg - physisch - ,aber in den Köpfen immer noch vorhanden und nicht etwa, weil wir Ossis es so mögen, nein weil wir uns immer noch als Billiglohnland des Westens wie einst in der DDR fühlen. Es braucht sich dann auch keiner zu wundern, wenn im Osten die AfD immer stärker wird, selbst dann, wenn sie keine Sozialkompetenz hat.
"Warum sind denn die Löhne (auch bei völlig gleichen Bedingungen wie im Westen) viel niedriger? Angeblich wegen zu geringer Produktivität. Bestimmt nicht. Sondern weil es Regierung und Gewerkschaften so wollen."

Glauben Sie das tatsächlich?
Glauben Sie, dass Regierung und Gewerkschaften ein Interesse daran haben, dass sich allmählich ein flächendeckender Unmut breit macht?
Nein, der eigentliche Grund liegt darin, dass man meinte, dass es der Markt schon richten würde. Aber spätestens mit den Wendegewinnlern und den Misserfolgen der Treuhand hätte man aufwachen und erkennen müssen, dass der Markt derartig große Unterschiede wie damals zwischen Ost und West nicht auszugleichen versucht, sondern sie ausnutzt.
Insofern betrachte ich Ihren Kommentar leider als weitere Stammtischparole.
Nur eine bescheidene Frage: Wenn denn der sog. "Westen" es derartig schlecht mit den "Ossis" meint, wie passt dann die Umtauschrelation von 1:1 für Ost- gegen Westmark damit zusammen?

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wahnbert 04.03.2019, 20:07
31. war ja zu erwarten

die Ostdeutschen sind faul und rassistisch,
deswegen geht es wirtschaftlich nicht aufwärts. Schön immer die gleichen Sprüche von arroganten Wessis, die überhaupt keine Ahnung haben. Was Frau Breuel und die Treuhand in der Wendezeit da angrichtet haben? wird noch ewig nachwirken. Aber das paßt ja nicht zu den Vorurteilen der Besserwessis.

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kunibertus 04.03.2019, 20:12
32. Und diese "hoffnungslos veralteten"

Zitat von interessierter Laie
zugrunde gerichtet war die Wirtschaft im Osten vorher schon. Die Maschinen und Anlagen waren hoffnungslos veraltet. Die Produkte waren ebenfalls alt und wären nur über niedrige Preise verkäuflich gewesen. Wenn man aber in einer alten unproduktiven Anlage produzierte Waren billig verkaufen will, geht das nur über sehr geringe Löhne - so wie damals in Polen, Tschechien und anderen osteuropäischen Ländern. Dann hätte ein ostdeutscher Arbeitnehmer vielleicht ein Zehntel des Westlohns bekommen. Aber das haben die Gewerkschaften sofort verhindert - Ergebnis: Die Betriebe hatten nur noch Schrottwert.
Maschinen und Anlagen sind nach der Übernahme von der Treuhand für 1,14 DM und millionenschwerem "Verlustausgleich" von den neuen Eigentümern sofort demontiert und in den westdeutschen Mutterunternehmen wieder aufgebaut worden, zumindest ist es so im Werkzeugmaschinenbau gemacht worden. Man hätte ja auch selbst ein neues Trumatic-Zentrum kaufen können, aber so haben sie es quasi geschenkt bekommen. Dann sind die Facharbeiter und Ingenieure mit unhaltbaren Versprechungen in die Mutterunternehmen gelockt worden. Nicht zu vergessen die Gründung von Betreibergesellschaften, die dann systematisch in den Konkurs getrieben worden sind. Da sind die "Käufer" alle Belastungen los gewesen, haben aber die Immobilien in teilweise bester Innenstadtlage behalten. Den Arbeitern, die entlassen worden sind ist nur gesagt worden: "Ihr dürft nicht an eurem Ort kleben bleiben, sondern müsst dorthin gehen, wo es Arbeit gibt. " Und die hat es eben nur noch in den alten Bundesländern gegeben.

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spon-tan 2012 04.03.2019, 20:22
33. Produktivitätsunterschiede ?

Da kann ich nur lachen. Ich kenne mich berufsbedingt in der Ost-Wirtschaft gut aus. Wenn man die Produktivität daran misst, was ein AN an Umsatz/Gewinn erwirtschaftet, ist der Osten schon deshalb benachteiligt, weil hier fast ausschließlich die "Werkbank" - sprich die reine Produktion - der Konzerne sitzt. Kein Vertrieb, kein Finanzservice, keine Vermietung , kein höheres Management. D.h., rein statistisch erwirtschaften die Zentralen im Westen mehr Umsatz/Gewinn pro AN als im Osten (schon richtig), aber nur deshalb, weil die Produktion ganz schlank im Osten statt findet (niedrige Löhne) und dann die so geschaffenen Güter vom Westen aus vermarktet werden. Da steht auf der Rechnung natürlich dann München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg usw., und die Margen werden den Zentralen gut geschrieben. Die Ost-Betriebe, die ich kenne, sind oftmals moderner und leistungsfähiger als alte Produktionsstandorte im Westen, jedoch zieht kaum einer seine Verwaltung mit um. So werden die Gewinne weiterhin im Westen "gemacht". Die GewSt- u. KSt-Zerlegung ist oftmals ein Witz. Umsatzsteuerlich wird innerhalb Deutschlands meistens 1:1 weiter verrechnet (vom Standort zur Zentrale). Sobald ein ganzer (Groß-)Betrieb im Osten ist, stimmen dort auch die Gewinne - bei Tochterunternehmen hingegen wird nur soviel Gewinn im Osten gelassen, dass so gerade die laufenden Kosten gedeckt werden. Hat auch mit der Förderpolitik der Vergangenheit zu tun (Stichwort: Investitionszulage).

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claara 04.03.2019, 20:28
34. Ist klar

Massentierhaltung ist immer billiger als artgerechtes Leben.
Interessant, dass Menschen nur noch als Produktivzahl gesehen werden. Mag sein, dass es für einen Makroökonomen in seiner Wachstumsgläubigkeit richtig erscheinen mag, Lebensqualität gegen Stadtstress einzutauschen. Ob das in einer Zeit aber wirklich Sinn macht, in der man schon aus ökologischen Gründen Reichtum eher besser verteilen müsste, als noch mehr zu produzieren und dabei weitere Ressourcen zu verschwenden, erscheint mir mehr als fragwürdig.
Apropos: Was dabei herauskommt, wenn man zu viele Menschen auf zu engem Raum hält, kann man an der Chaosstadt Berlin gut beobachten - mit oder ohne digitale Infrastruktur.

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Sendungsverfolger 04.03.2019, 20:35
35. Wilkommen in der Demokratie

Die Bürger der - damals - neuen Bundesländer wollten doch mehrheitlich das "System Westen" übernehmen. Und haben es bekommen. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die erierlegende Wollmilchsau gibt es eben leider nicht.

Und es ist auch völlig egal, wer jetzt wann warum an was "Schuld" war oder ob es einfach nur zwangsläufige ökonomische, politische und wirtschaftliche Abläufe waren, die die Situiation zu der gemacht haben, die sie heute ist. Denn es ist vorbei und nicht mehr zu ändern.

Aber eines muss auch klar sein: "Osten" ist kein Bevölkerungsbegriff (mehr), sondern eine Ortsangabe. Niemand nimmt dort etwas weg oder zwingt Menschen dazu, diesen Ort zu verlassen. Es sind die Menschen selbst, die ihrem (vermeintlichen) Glück nachlaufen. das ist östlich nicht anders als westlich, nördlich oder südlich. Es sind die Menschen selbst, die aus den Möglichkeiten etwas (er)schaffen oder auch nicht. Es sind die Menschen selbst, die bestimmen, jetzt extrem links, rechts bunt oder lila zu sein. Und sie tragen selbst die Verantwortung dafür. Was in der ganzen Republik gleich ist.

Ebenso geht "das Kapital" dort hin, wo die Gewinnmarge größer erscheint, die Kosten geringer und der Ertrag höher. Ist in der ganzen Republik so.

Und keiner, außer wir selbst, nimmt uns ab, dass andere daran schuld sind, wenn wir den Hintern nicht hochbekommen, um für etwas einzutreten oder sich sonst irgendwie gesellschaftlich oder politisch zu engagieren. Jammern, lamentieren und angeblich "Schuldige" suchen bringt keinen auch nur einen Zentimeter weiter. Ist auch in der ganzen Republik so.

Und alle Studien dieser Welt werden nicht das Gegenteil bewirken, weder bei den Hutbürgern hier noch bei den Totalignoranten dort. Auch das ist in der gesamten Republik gleich.

Wilkommen in der freiheitlich demokratischen Bundesrepublik Deutschland.

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zweitstimme 04.03.2019, 20:57
36. Ja, sie steht noch...

...die Mauer in vielen Köpfen! Und es wird in Politik und Medien sehr viel dafür getan, diese Mauer regelmäßig zu sanieren! Man muss endlich aufhören, von Ost und West zu reden und gleichzeitig die Unterschiede zu pflegen. In seinem Beitrag hat Ronald1952 hat endlich mal jemand sehr objektiv kommentiert- sehr gut!

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der_egon 04.03.2019, 20:59
37.

@29
Danke für diesen Kommentar! Ich habe hier im Westen Leute kennenlernen dürfen die fest der Meinung waren nur Westdeutsche zahlen den Soli! Erschreckend auch wie wenig sich Westdeutsche mit Ostdeutscher Geschichte und Kultur befassen.

@30
Siehe oben, getauscht wurden Sparguthaben nur bis zu einer gewissen Grenze 1:1, darüber wurde halbiert!

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darkk 04.03.2019, 21:00
38. meine Güte

Ich als waschechter Wossi (Wessi im Osten mit Ostfrau) möchte einen Teil meiner westdeutschen Mitbürger an dieser Stelle ein wenig beruhigen. Nein, hier im Osten fühlt man sich nicht wie in einer Melange aus Postsowjetzeiten und Drittem Reich light. Die knapp 300 Flüchtlinge gehören mittlerweile genauso zum Ortsbild, wie der türkische Imbissbetreiber, den wirklich jeder persönlich kennt. Ja es gibt hier einen braunen Bodensatz, aber es gibt auch eine viel größere linksalternative Szene. Die meisten AfDler hier erzählen das gleiche wie die CDUler in meiner Heimat, also den gleichen Dünnpfiff, da sehe ich kaum Unterschiede. Und dieses Ost-West-Ding interessiert sowieso niemanden unter 40, hüben wie drüben. Ich will die tatsächlich vorhandenen Probleme, die es hier natürlich gibt (fehlende Vermögensbildung, gebrochene Biographien, usw.) gar nicht kleinreden, aber das hier alle bloss Jammern stimmt halt einfach nicht. Und ich wurde als offen linksliberaler, umweltliebender, westdeutscher Wolfsfreund sehr gut an- und aufgenommen. Kein Vergleich zu dem, was sich die Ossis in meiner westdeutschen Heimat alles an Dummfug anhören mussten.

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mucschwabe 04.03.2019, 21:08
39. @wahnbert Nr. 31

Ja, ja, die böse Treuhand! Wollte keiner die Trabbi-Fabrik damals kaufen? Wurde einfach alles platt gemacht, obwohl es doch so wertvoll ist! So ein Quatsch! Die Prdukte waren einfach nicht wettbewerbsfähig. Eventuell hätte es eine Chance gegeben, wenn die D-Mark im Osten nicht eingeführt worden wäre. So hätte durch Abwertung der Währung, der Produktivitäts-- und Technologierückstand gegenüber dem Westen teilweise ausgeglichen werden können. Und als Fachmann können Sie mir bitte erklären, warum zum Beispiel in Thüringen, in einem Land fast ohne Migranten oder Moslems, ein Nazi wie Björn Höcke rund 20% der Bevölkerung hinter sich hat? Es sind immer die anderen schuld, dass es im Osten nicht läuft? Oder? Entweder wir arrogante Besserwessis oder die vielen Migranten. Stimmt’s?

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