Forum: Wirtschaft
Weihnachtsmarkt-Tombola: Arbeitsvermittler verlost Langzeitarbeitslose
Jobcenter Mayen-Koblenz

Ein privater Bildungsträger in Rheinland-Pfalz verlost auf einem Weihnachtsmarkt Dienstleistungen älterer Langzeitarbeitsloser an Firmen. Gewerkschafter sind entsetzt. Es sei doch alles gut gemeint gewesen, sagt das Unternehmen.

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zynik 20.01.2013, 13:19
40.

Zitat von querollo
Ich bin selbständig. Ziemlich lange schon. Und da kommt sowas JEDEN TAG vor. Permanent hätten potentielle Auftraggeber gern schon mal vorweg und gratis eine Probe meiner Leistung.
Nix für ungut, aber die Problematik der Selbstständigen hat mit der Nötigung und Zwangsarbeit von Hartz4-Beziehern nichts zu tun.

Für diese Menschen heisst es beim Jobcenter: "Entweder nehmen sie diese Maßnahme an oder sie zeigen keinen Willen sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ergo Leistungskürzung unterhalb des Existenzminimums."

So werden die Menschen systematisch gezwungen sich selbst zu erniedrigen.

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pömpel 20.01.2013, 13:19
41.

Jaja man kann es natürlich hochdramatisieren und schlecht reden, aber die Aktion bringt auch Vorteile: So kommt ein Arbeitnehmer in eine Firma rein und kann sich dort beweisen um hinterher vllt fest angestellt zu werden.
Mir haben persönliche Termine mit den Arbeitgebern jedenfalls immer sehr viel gebracht, denn schriftliche Bewerbungen sind gerade bei größeren Firmen eher wie Lotto-Spielen. 200 Bewerber und 10 werden eingeladen.
Ob die Firmen wirklich interesse an neuen Arbeitnehmern hatten steht natürlich leider auf einem anderen Blatt. Und kostenlose Arbeit sollte man generell ablehnen und sogar soweit gehenund ein Mindestlohn einführen.
Aber die Arbeitslose bekommen ja trotzdem Geld dafür, nämlich ihr Arbeitslosengeld, auch das ist nicht umsonst und man muss auch für Arbeitslosengeld etwas tun.

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key_art 20.01.2013, 13:20
42.

Zitat von
Dazu zählten etwa die Reinigung von Fenstern und Fußböden oder die Gestaltung einer Firmen-Website.
Oh Gott, wie peinlich. Fensterputzen. Sowas nennt sich also ein „Praktikum“. Wer eine Website für ein Unternehmen professionell gestalten kann, hat es als Beruf gelernt, der macht kein Praktikum.

Zitat von
Der private Träger betont in einer schriftlichen Erklärung, dass die Langzeitarbeitslosen ihre angebotenen Dienste "ausdrücklich selbst ausgesucht und angeboten" haben und völlig frei entscheiden konnten, ob sie überhaupt teilnehmen.
Haha. Eher sind die schon so eingeschüchtert, dass die dem Frieden nicht trauen, sondern haben trotzdem Angst vor Sanktionen. Bei der Willkür verständlich.

Zitat von
Wie er selbst hätten auch die anderen Teilnehmer die Verlosungsaktion als Chance begriffen, schildert er seinen Eindruck. Menschenverachtend fand er die Aktion nicht.
Was sollen die denn sonst sagen? Wohlverhalten ist von oben angeordnet.

Die Verantwortlichen gehören geteert und gefedert. Während der Sklaverei war das doch eine gängige Praxis in Amerika.

Ich frage mich allerdings, was die Menschen in diesem Land noch alles mit sich machen lassen, ohne zu protestieren. Der Deutsche ist offensichtlich ein guter Untertan aber ein schlechter Bürger einer Demokratie mit einem Anspruch auf ein Mindestmaß an Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und Menschenwürde..

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fagus 20.01.2013, 13:20
43.

Zitat von gustavsche
Alle Beteiligten waren damit einverstanden und es sind erwachsene Menschen. Eine Arbeit ist eine Arbeit ist eine Arbeit. Müll rausbringen ist auch eine Arbeit und kann genauso ausgelost werden. Die Soziologen bringen viel Unsinn hervor, aber sie haben in einer Angelegenheit recht: Die langjährige Abwesenheit einer Arbeitsstelle führt zur Verlotterung. Selbst eine schlecht bezahlte Arbeit wäre für diese Menschen ein Segen, sofern sie dadurch zu festen Arbeitszeiten und einem geordneten Alltag kommen.
Haben Sie diese Argumentation direkt aus dem 19. Jahrhundert importiert? Die Armen sind selber schuld, daß sie arm sind, weil sie ja so verlottert und unterentwickelt sind. Die muß man mit Zucht und Ordnung erstmal zu richtigen Menschen erziehen. Also ab ins Workhouse.

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Zaphod 20.01.2013, 13:20
44. Das Internet ist geduldig

Ein Hohn sind die Leitlinien der "gemeinnützigen" Gesellschaft:

Leitlinien - DG Mittelrhein

Hier wird sogar ausdrücklich die Menschewürde genannt und betont, dass die selbstbestimmte und selbstverantwortet Persönlichkeitsentfaltung für die Arbeit des Unternehmens wesentlich ist.

Wie billig ist es doch, im Internet schöne Phrasen zu veröffentlichen und dann ganz anders zu handeln!

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james-100 20.01.2013, 13:21
45.

Zitat von pepe_sargnagel
Das hat nichts mit der Würde zu tun. Meines Erachtens hat das mit Schamlosigkeit und verbrecherischem Gedankengut zu tun. Schamlosigkeit, weil wie im alten Rom auch Menschen am Existenzminimum wie Sklaven zur Belustigung der "Gewinner" gehalten wirden (spätrömische Dekadenz).
Das ist ganz im Sinne der FDP!

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fagus 20.01.2013, 13:23
46.

Zitat von spon-1236724621813
Jaja, die armen armen Langzeitarbeitslose. Wer jahrelang ohne Eigeninitative der Allgemeinheit auf der Tasch liegt gesteht ein, dass er keine Würde hat. Hier nun die Aktion als würdelos zu bezeichnen, ist eine gewagte These. Nunja, ich habe keine Lust die Herrschaften HartzIV jahrelang durchzufüttern. Warum HartzIV nach, sagen wir mal 3 Jahren, nicht ausläuft versteh ich nicht. Das würde mal etwas Bewegung reinbringen.
Ja klar, damit die Ausbeuterbande (nein, nicht alle Unternehmer zählen dazu, nur viele) Arbeiter für ein Bett im Schichtbetrieb und einen Teller Suppe bekommt. Alles schon dagewesen, und wahrscheinlich immernoch so manchen Kapitalisten' feuchter Traum.

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james-100 20.01.2013, 13:23
47.

Zitat von franks meinung
Wer sich hier plötzlich entsetzt oder überrascht zeigt, hat sich bisher wohl eher nicht mit der Materie beschäftigt und vermutlich wenig Ahnung. Man schaue sich bei aller Emotionalität mal die Fakten an. Langzeitarbeitslose sind bei Bezug voller Leistungen (SGB2 u. SGB3) Teilnehmer einer Maßnahme der Jobbörse und / oder Arbeitsagentur. Im Rahmen dieser Maßnahmen müssen diese Maßnahmeteilnehmer schon seit vielen Jahren Praktika in den Firmen ableisten, bei denen sie neben den SGB2- oder SGB3-Leistungen keinerlei Leistungen durch den Arbeitgeber erhalten. Bei dieser Verlosung wurden nun kurzfristige unentgeltliche Tätigkeiten verlost, die sie ja während der Maßnahmezeit (Arbeitszeit) erbringen sollten. Wo liegt da der Unterschied? Stimmt! Im Wesentlichen gibt es keinen. Lediglich die Praktikumszeit ist vermutlich kürzer, als in den meisten anderen Fällen. Ein Teilnehmer einer BVB-Maßnahme z.B. muss in aller Regel ca 50% der 9-11 Monate in einem Betrieb als Praktikant arbeiten, ohne dass der Betrieb einen Cent dafür zahlt. Gleiches gilt für EQJ-Maßnahmen usw. usf. Das ist in Deutschland tägliche zigtausendfache Praxis. Warum jetzt diese Aufregung?
Keine Ahnung wie man ticken muss, um so etwas toll zu finden. Ich finde es abartig und menschenverachtend.

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pömpel 20.01.2013, 13:23
48.

Zitat von Petra Raab
Einen Menschen gegen seinen Willen zur Arbeit zu zwingen ist Sklaverei. Die Hartz IV Behörden versklaven so jährlich mehrere Millionen Menschen in Deutschland. Wer nicht für 3 Euro die Stunde arbeiten oder eine Sinnlosmaßnahme besuchen will, der wird sanktioniert.
Niemand wird zur Arbeit gezwungen!
Aber es bekommt nur derjenige Geld vom Staat, der sich auch bemüht wieder arbeit zu finden. Das ist ein sehr gutes Grundprinzip. Über die Umsetzung lässt sich natürlich streiten, die ist in der Realität vllt nicht immer so fair, wie es sein sollte.
Ich bin jedenfalls auch nicht bereit mit meinen Steuern auch noch die mit zu finanzieren, die jegliche Fortbildungen ablehnen und sich darauf verlassen vom Jobcenter den perfekten Job zu bekommen, bei dem man nichts tun muss und hinterher 3500 Euro Brutto bekommt. Mit ein wenig Eigeninitiative bekommt man auch einen Stundenlohn von 8 bis 10 Euro. Man muss nur flexibel sein (auch ein Kellner-job ist nicht unter der Würde des Menschen)

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Atouk 20.01.2013, 13:24
49. Sklaverei und Leibeigenschaft

Zitat von franks meinung
Wer sich hier plötzlich entsetzt oder überrascht zeigt, hat sich bisher wohl eher nicht mit der Materie beschäftigt und vermutlich wenig Ahnung. Man schaue sich bei aller Emotionalität mal die Fakten an. ... Das ist in Deutschland tägliche zigtausendfache Praxis. Warum jetzt diese Aufregung?
Zustimmung zu Ihrem Beitrag.

Eine kleine Übertreibung am Rande:
Früher gab es Sklaverei und Leibeigene. Die Besitzer dieser haben in der Regel die Arbeitsfähigkeit ihres Besitzes (Menschen) durch die minimalste Bereitstellung von Nahrung und Schlafmöglichkeiten erhalten.
In der heutigen Zeit, durch GG und gesellschaftlichen "Zwängen", besteht diese Mindestleistung in Hartz4-Zahlungen, Wohngeld und weiterer Leistungen.
Die heutigen Leistungsempfänger müssen sich den Anweisungen der Arbeitsvermittler i.d.R. beugen, da sie sonst Einschränkungen zu befürchten haben.
Früher wurde bei Ungehorsam, im geringsten Fall, die Nahrungsrationen gesenkt, als abschreckendes Beispiel der Aufsässige ausgepeitscht oder sogar als Abschreckung für andere Querulanten Hingerichtet.
Heute wird mit Leistungskürzung gedroht bzw. diese dann auch umgesetzt.

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