Forum: Wirtschaft
Weihnachtsmarkt-Tombola: Arbeitsvermittler verlost Langzeitarbeitslose
Jobcenter Mayen-Koblenz

Ein privater Bildungsträger in Rheinland-Pfalz verlost auf einem Weihnachtsmarkt Dienstleistungen älterer Langzeitarbeitsloser an Firmen. Gewerkschafter sind entsetzt. Es sei doch alles gut gemeint gewesen, sagt das Unternehmen.

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klaus meucht 20.01.2013, 13:55
60. Entwertung von Arbeit

Zitat von urban4fun
Mich wundert, dass die Arbeitslosen da selbst noch mitgemacht haben.
Das wundert mich nicht.

1. Es mag bei Absagen Angst vor Sanktionen des ALG-2 geben. Auch wenn dies nicht explizit gesagt wird.

2. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn man keine Chance hat, muss man die nutzen die man nicht hat. Vielleicht ergibt sich doch eine bezahle Beschäftigung daraus.

3. Arbeitslose sind dem andauernden Vorwurf ausgesetzt, dass sie nicht arbeiten wollen. Hier können Sie sich selbst und der Gesellschaft beweisen dass es nicht am Engagement liegt.

4. Langzeitarbeitslose Menschen leiden i.a. an fehlenden sozialen Kontakten. Mangels Geld zum Ausgeben und vielmehr in der Angst beschumpfen zu werden igeln sie sich zu Hause ein. Da ist jede Abwechslung willkommen.

Ich sehe nicht das Problem dass Arbeit ausgeht, sondern das Problem dass die Bereitschaft fehlt Arbeit vernünftig zu bezahlen.

Wobei zwar der Arbeitslose mit Aufstockung dem Niedriglohnverdiener sehr nahe kommt. Das Problem ist anderstherum stärker. Wenn der Arbeitgeber nur ein bis zwei Euro zahlen muss, warum sollte er für dieselbe Tätigkeit regulär jemanden einstellen und einen Stundenlohn von 7 bis 8 Euro zahlen?

Ich argumentiere ungern mit dem Begriff der Menschenwürde. Es liegt mir fern diese an einem Geldbetrag festzumachen. Aus Sicht des Langzeitarbeitslosen ist die kostenlose Arbeit vielleicht das was bei Unternehmen Werbegeschenke sind. Nur sind Menschen in einer Notlage nicht wirklich frei in Ihren Entscheidungen. In einem unregulierten Markt zahlt immer der Schwächere. Frei und unreguliert ist ein Widerspruch. Man braucht Regeln für eine faire Verhandlungsbasis.

Ich sehe eine Entwertung von Arbeit wenn diese immer billiger und z.T kostenlos angeboten wird. Dieser Trend wird durch solche Aktionen wie Verlosung von Arbeitslosen gefördert. Ich sehe die Geschichte nicht als Skandal, denn es war gut gemeint. Gut gemeint ist aber meistens schlecht gemacht.

Hier wird der Sozialstaat umgedreht. Menschen die kein Geld haben schenken ihre Arbeitskraft Unternehmen die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bedürftig sind.

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AusVersehen 20.01.2013, 13:56
61. Unfassbar

Zitat von sysop
Ein privater Bildungsträger in Rheinland-Pfalz verlost auf einem Weihnachtsmarkt Dienstleistungen älterer Langzeitarbeitsloser an Firmen. Gewerkschafter sind entsetzt. Es sei doch alles gut gemeint gewesen, sagt das Unternehmen.
Unglaublich was hier in Deutschland inzwischen abgeht!!!
Gibt es da wirklich Leute, die sich darüber wundern, wenn Menschen auf dem Arbeitsamt aggressiv werden???

In Deutschland fehlt es ganz eindeutig an Respekt vor dem Menschen und das kann noch ein böses Ende nehmen! Denn wenn sich Menschen von dem System wehrlos gemacht an die Wand gedrückt fühlen, werden sie gefährlich!

Unfassbar was für asoziale Leute auf dem Arbeitsamt und anhängenden Vermittlungsbetrieben ihren Dienst verrichten dürfen!

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james-100 20.01.2013, 14:00
62.

Zitat von pömpel
Jaja man kann es natürlich hochdramatisieren und schlecht reden, aber die Aktion bringt auch Vorteile: So kommt ein Arbeitnehmer in eine Firma rein und kann sich dort beweisen um hinterher vllt fest angestellt zu werden. Mir haben persönliche Termine mit den Arbeitgebern jedenfalls immer sehr viel gebracht, denn schriftliche Bewerbungen sind gerade bei größeren Firmen eher wie Lotto-Spielen. 200 Bewerber und 10 werden eingeladen. Ob die Firmen wirklich interesse an neuen Arbeitnehmern hatten steht natürlich leider auf einem anderen Blatt. Und kostenlose Arbeit sollte man generell ablehnen und sogar soweit gehenund ein Mindestlohn einführen. Aber die Arbeitslose bekommen ja trotzdem Geld dafür, nämlich ihr Arbeitslosengeld, auch das ist nicht umsonst und man muss auch für Arbeitslosengeld etwas tun.
Also für die Privatwirtschaft Frohndienste leisten. Jetzt werden statt Niedrigstlöhner , Arbeitslose als Praktikanten eingesetzt. Der Steuerzahler darf also bald alles für die Wirtschaft zahlen. Lasst uns noch mehr sozialversicherungspflichte Arbeitsplätze in "Praktikantenstellen" umwandeln.

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Phoenix2006 20.01.2013, 14:00
63. Tombola: Arbeitsvermittler verlost Arbeitslose

Wir haben zur Kenntnis genommen das Sie am Spiel Arbeitnehmer/in, Zeit-Leiharbeiter, Scheinselbsständige und Arbeitslose teilnehmen.
Literaturtipp.: UN-Menschrechtscharta, Grundgesetz

Phoenix2006, die Unbestechlichen

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james-100 20.01.2013, 14:03
64.

Zitat von pömpel
Niemand wird zur Arbeit gezwungen! Aber es bekommt nur derjenige Geld vom Staat, der sich auch bemüht wieder arbeit zu finden. Das ist ein sehr gutes Grundprinzip. Über die Umsetzung lässt sich natürlich streiten, die ist in der Realität vllt nicht immer so fair, wie es sein sollte. Ich bin jedenfalls auch nicht bereit mit meinen Steuern auch noch die mit zu finanzieren, die jegliche Fortbildungen ablehnen und sich darauf verlassen vom Jobcenter den perfekten Job zu bekommen, bei dem man nichts tun muss und hinterher 3500 Euro Brutto bekommt. Mit ein wenig Eigeninitiative bekommt man auch einen Stundenlohn von 8 bis 10 Euro. Man muss nur flexibel sein (auch ein Kellner-job ist nicht unter der Würde des Menschen)
Ach, Fenster putzen ist Fortbildung?

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klaus meucht 20.01.2013, 14:05
65. Soziale Hilfen schützt den Arbeitnehmern

Zitat von spon-1236724621813
Warum HartzIV nach, sagen wir mal 3 Jahren, nicht ausläuft versteh ich nicht. Das würde mal etwas Bewegung reinbringen.
In Spanien wird ein halbes Jahr Arbeitslosengeld in Höhe von Hartz IV bezahlt und dann ist Schluss. Es gibt überhaupt kein Geld.

In Griechenland ist es ähnlich. Nicht dass nicht nur kein Geld gezahlt, sondern auch Leistungen der Krankenversicherung wird auf Null gestrichen. Auch für dijenigen die jahrzehntelang in die Krankenversicherung eingezahlt haben gibt es keine Leistungen mehr.
An diesen Ländern wie auch z.B. in Amerika sieht man dass das Wegfallen von Sozialleistungen keine Lösung bringt.

Ganz im Gegenteil. Die Löhne im Niedriglohnbereich würden noch einmal einen Schub nach unten bekommen. Die Arbeitnehmer, die leicht ersetzt werden können, können kein Angebot ablehnen, ohne die Angst dann die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Gute Sozialleistungen nützen nicht nur den Bedürftigen sondern vor allen den Arbeitnehmern.

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Neurovore 20.01.2013, 14:05
66.

Zitat von abryx
Solange die beteiligten Langzeitarbeitslosen der Aktion zugestimmt haben, ist an der ganzen Sache nichts verwerfliches festzustellen...
Naja, wenn Erwachsene sich nackig mit parfümierten Schnürsenkeln auspeitschen wollen, dann ist bei einem gegenseitigen Einverständnis auch nichts dagegen zu sagen.

Es darf nur nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Und ob staatliche/kommunale Behörden sich daran beteiligen sollten, bleibt auch noch fraglich...

Da es sich hier allerdings nicht um beiderseitigen Lustgewinn, sondern um einseitiges Profitstreben handelt, ist das ganze zudem extrem obszön. Die Beteiligten sollten nicht mit Menschen arbeiten. Vor allem nicht mit solchen, die der Hilfe bedürfen...

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habnichviel 20.01.2013, 14:06
67. Privatisierung......

Bei der Vorantreibung der Privatisierung kann es vorkommen, daß plötzlich auch Menschen privatisiert werden, die vorher meinten zur Gesellschaft der Erwerbslosen zu gehören. Wie war das doch gleich mit dem "vogelfrei", ach ja, es lebe die Freiheit. Jeder kann mit dem Freien machen, was er will. Naja, nun nicht gleich schlachten. Aber wie wäre es erstmal mit Blut spenden und irgendwann einmal ne Niere, jetzt will ich aber aufhören.

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franks meinung 20.01.2013, 14:07
68. Dämmerts?

Zitat von james-100
Keine Ahnung wie man ticken muss, um so etwas toll zu finden. Ich finde es abartig und menschenverachtend.
Zeigen Sie mir die Stelle, in der ich, wie sie mir unterstellen, etwas als "toll" bezeichne. Keine Ahnung, wie jemand ticken muss, der anderen Dinge unterstellt, die er weder gesagt, noch gemeint hat. Aber das trifft den Zeitgeist. Wenig wissen und viel sagen.

Ich empfinde die gesamte Praxis kostenloser Praktika als menschenverachtend. Jedoch ärgert es mich, wenn hier plötzlich auf einen Bildungsträger gezeigt und sich aufgeregt wird, obwohl es diese Praxis schon seit vielen Jahren gibt. Daran sind aber nicht die privaten Bildungsträger Schuld, sondern die Auftraggeber. Und das ist Vater Staat in Form der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Bei der Verlosung ging es scheinbar um ein Kurzeitpraktikum. Deutlich besser, als die teilweise Monate und in Folge auch Jahre andauernden unterschiedlichen Praktika der Arbeitsagenturen.

Jeder Arbeitgeber, der Praktikanten ohne angemessene finanzielle Gegenleistung beschäftigt, genießt somit nach meinem Rechtsverständnis einen geldwerte Vorteil und blockiert damit auch reguläre Arbeitsplätze, wenn man mal von sehr eng begrenzten Ausnahmen absieht. Sobald ein Arbeitnehmer aber kostenloses Essen in der Kantine erhält, bekommt er Ärger. Warum hakt das Finanzamt da eigentlich nicht auch bei den kostenlosen Praktika nach? Dämmerts?

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xehris 20.01.2013, 14:10
69. Das ist Frau Merkels Jobwunder!

Wenn man unserer Regierung Glauben schenkt, haben wir gar keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt, sind 10 Millionen Stellensuchende nicht existent und brauchen wir immer mehr Zuwanderung. Noch vor kurzem wurde ein Jobwunder ausgerufen und die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit dem seltsamen Prädikat "robust" umschwurbelt.

Wie kann es aber ein Jobwunder geben, wenn die Arbeitskraft nichts mehr wert ist, wie das o. a. Beispiel der Verschacherung von "Lohnsklaven" eindeutig zeigt. Hätten wir eine gute Arbeitsmarktlage, würden auch ältere Arbeitnehmer noch Chancen haben und müssten kein Geld mitbringen, um ihre Arbeitskraft für einen Appel und ein Ei zur Verfügung stellen zu dürfen.

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