Forum: Wirtschaft
Weihnachtsmarkt-Tombola: Arbeitsvermittler verlost Langzeitarbeitslose
Jobcenter Mayen-Koblenz

Ein privater Bildungsträger in Rheinland-Pfalz verlost auf einem Weihnachtsmarkt Dienstleistungen älterer Langzeitarbeitsloser an Firmen. Gewerkschafter sind entsetzt. Es sei doch alles gut gemeint gewesen, sagt das Unternehmen.

Seite 8 von 25
haarer.15 20.01.2013, 14:12
70. Moralisch anfechtbar

Zitat von abryx
Solange die beteiligten Langzeitarbeitslosen der Aktion zugestimmt haben, ist an der ganzen Sache nichts verwerfliches festzustellen. Ich kann auch eigener Erfahrung bestätigen, das es manchmal beser ist, umsonst zu arbeiten um n icht einzurosten und/oder durch gute Arbeit dadurch auch vielleicht einen Fuß in die Tür mancher Unternehmen zu bekommen, die einen sonst nicht mal mit der Zange angepackt hätten.
ist diese Aktion in jedem Fall - entwertend. Der Mensch ist nicht mehr Mensch sondern eine Ware. Schlimm finde ich, dass selbst die beteiligten Arbeitslosen noch nicht einmal merken, wie sie bei dieser Weihnachts-Tombola verheizt werden. Tolles Geschenk.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
xehris 20.01.2013, 14:19
71. Perfide Manipulation per Schuldgefühlen

Zitat von klaus meucht
Ich sehe eine Entwertung von Arbeit wenn diese immer billiger und z.T kostenlos angeboten wird. Dieser Trend wird durch solche Aktionen wie Verlosung von Arbeitslosen gefördert. Ich sehe die Geschichte nicht als Skandal, denn es war gut gemeint. Gut gemeint ist aber meistens schlecht gemacht.
In Deutschland fehlt ein gesetzlicher Mindestlohn und der Arbeitsmarkt ist vor zugewanderter Konkurrenz weitgehend ungeschützt.

Da die Arbeitslosen diese Zusammenhänge oft nicht erkennen, suchen sie die Schuld an ihren Problemen bei sich selbst, ein Segen für unsere Politiker! Mit Hilfe von künstlich erzeugten Schuldgefühlen kann man Menschen zu den absonderlichsten Verhaltensweisen bringen und das weiß man mittlerweile in den Arbeitsbehörden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hafenschiff 20.01.2013, 14:23
72.

Zitat von urban4fun
Hat etwas vom Sklavenmarkt im 18. Jahrhundert in den Südstaaten. Nur dass die Sklaven dort nicht noch Spirentzien machen mussten, um auf sich aufmerksam zu machen.
Heute ist es sogar noch schlimmer. Damals haben die Sklavenkäufer ihre Sklaven sogar noch vom Vorbesitzer gekauft. Heute will man die vom Arbeitsamt gleich ganz für lau geschenkt bekommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
silverhair 20.01.2013, 14:23
73.

Zitat von spon-1236724621813
Jaja, die armen armen Langzeitarbeitslose. Wer jahrelang ohne Eigeninitative der Allgemeinheit auf der Tasch liegt gesteht ein, dass er keine Würde hat. Hier nun die Aktion als würdelos zu bezeichnen, ist eine gewagte These. Nunja, ich habe keine Lust die Herrschaften HartzIV jahrelang durchzufüttern. Warum HartzIV nach, sagen wir mal 3 Jahren, nicht ausläuft versteh ich nicht. Das würde mal etwas Bewegung reinbringen.
Sklaverei mag ihnen ja gefallen - aber guter Tip , sie rentiert sich nicht - deshalb hat man sie abgeschafft - hatte nicht viel mit Menschlichkeit zu tun, sondern mit sehr kommerziellen Überlegungen!

Wenn sie allerdings nicht bereit sind im Rahmen der Menschlichkeit, des Verstandes und auch der Wirtschaft andere die keinen Arbeitsplatz haben zu unterstüzten , solten sie einfach den Bereich der Menschen verlassen - niemand muss Ausbeuter unterstützen und ihre Gewinne garantieren!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kent Brockman 20.01.2013, 14:27
74.

Zitat von aspi01
In Berlin werden unter dem Deckmantel der "Chancengleichheit" die Plätze am Gymnasium verlost statt nach Leistung vergeben. Habe nicht gehört das sich hier die "Meute" darüber aufregt oder "DGB und Bischöfe" ihren moralisch entrüsteten Zeigefinger erheben. Inzwischen greift sich offenbar die Öffentlichkeit nach Gutdünken heraus, was in die Pfanne gehaut wird und was nicht. Besonders gut kommen dabei alle weg, die Nichtstun, die sind über jede Kritik erhaben. Wer sich dagegen bewegt und engagiert und was unternimmt, hat schon fast verloren.
Was gibt es hier eigentlich für Menschen die solche Aktionen gutheißen?
Ich wette eine ordentliche Summe das sich hier einige Foristen einen Sklaven kaufen würden wenn es nicht verboten wäre.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cassandra106 20.01.2013, 14:28
75.

Zitat von pömpel
Niemand wird zur Arbeit gezwungen! Aber es bekommt nur derjenige Geld vom Staat, der sich auch bemüht wieder arbeit zu finden. Das ist ein sehr gutes Grundprinzip. Über die Umsetzung lässt sich natürlich streiten, die ist in der Realität vllt nicht immer so fair, wie es sein sollte. Ich bin jedenfalls auch nicht bereit mit meinen Steuern auch noch die mit zu finanzieren, die jegliche Fortbildungen ablehnen und sich darauf verlassen vom Jobcenter den perfekten Job zu bekommen, bei dem man nichts tun muss und hinterher 3500 Euro Brutto bekommt. Mit ein wenig Eigeninitiative bekommt man auch einen Stundenlohn von 8 bis 10 Euro. Man muss nur flexibel sein (auch ein Kellner-job ist nicht unter der Würde des Menschen)
Selbiges kann man auch zu jedem Sklaven sagen. Er bekommt ja Brot und irgend eine Form der Unterkunft. Oder sagen Sie das mal den Zwangsprostituierten (eignen sich hier gut als Beispiel, da durch den Feminismus auf diesen eine besonder Aufmerksamkeit in der Zwangsarbeit gerichtet wird). Die Frauen werden doch voll nett nach Deutschland gebracht, bekommen Unterkunft und Geld, dafür müssen die halt auch eine Gegenleistung bringen. Ihre Argumentation.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
haarer.15 20.01.2013, 14:30
76. Seltsame Blüten

Nicht alles was kreative Arbeitsvermittlung ist, ist auch anständig. Eine Verlosungsaktion dieser Art degradiert nämlich den Menschen zur Ware. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Und etliche gutmütige Lämmer fallen auch noch darauf herein. Mehr als ein unbezahltes Praktikum oder 1-Euro-Job ist eh nicht drin. So sieht die Realität aus. Damit sind die Langzeitarbeitslosen aber schon abgewertet genug. Das Privatunternehmen - auch noch ein Bildungsträger - sollte sich schämen. Mit Menschenwürde hat das sehr wohl was zu tun, um nicht zu sagen moralische Abgestumpftheit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hafenschiff 20.01.2013, 14:48
77.

Zitat von mafischer
Ich verstehe es nicht: Da bekommen Arbeitslose, die dieser Aktion freiwillig zugestimmt haben einen Job und dann beschwert sich der Gewerkschaftsbund darüber?
Äh, nein. Die haben keinen Job bekommen. Ein Job ist etwas, wo Sie eine Arbeit tun und als Gegenleistung eine Bezahlung bekommen. Eine Bezahlung gabs aber nicht. Von den 30 Leuten, die sich da haben verschenken lassen, hat ein (!) ganzer als Anschluss ein wiederum unbezahltes Praktikum bekommen. Eine wahre Erfolgsgeschichte!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
person012 20.01.2013, 14:48
78. .

Zitat von pömpel
Niemand wird zur Arbeit gezwungen! Aber es bekommt nur derjenige Geld vom Staat, der sich auch bemüht wieder arbeit zu finden. Das ist ein sehr gutes Grundprinzip. Über die Umsetzung lässt sich natürlich streiten, die ist in der Realität vllt nicht immer so fair, wie es sein sollte. Ich bin jedenfalls auch nicht bereit mit meinen Steuern auch noch die mit zu finanzieren, die jegliche Fortbildungen ablehnen und sich darauf verlassen vom Jobcenter den perfekten Job zu bekommen, bei dem man nichts tun muss und hinterher 3500 Euro Brutto bekommt. Mit ein wenig Eigeninitiative bekommt man auch einen Stundenlohn von 8 bis 10 Euro. Man muss nur flexibel sein (auch ein Kellner-job ist nicht unter der Würde des Menschen)
Aber Sie sind sicher bereit, mit Ihren Steuern Firmen zu finanzieren, die Leute mit einem so niedrigen Gehalt abspeisen, dass sie aufstocken müssen. Oder Firmen, die Vollzeitarbeitsstellen mit "Praktikanten" besetzen, die nicht selten ebenfalls vom Jobcenter finanziert werden. Es geht nicht um einen perfekten Job, sondern darum, dass man nunmal gerne einen Job haben will, von dem man auch leben kann. Das ist aber leider nach Ansicht einiger Menschen schon zu viel verlangt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
silverhair 20.01.2013, 14:49
79.

Zitat von 52er
möchte ich dem privaten Bildungsträger gar nicht absprechen. Das Ganze zeigt, wie sich Arbeitssuche immer mehr ins Absurde bewegt. Es ist eben nicht jede Arbeit besser als gar keine Arbeit. Es kommt auf die Motivation und die Ziele des Anbieters an. Diese sollte ein Jobcenter prüfen, bevor es einen Arbeitssuchenden zu einer Bewerbung drängt. Im Zuge der Agenda 2010 wurden zweifellos Arbeitsplätze geschaffen. Auf der anderen Seite wurden zuvor erworbene Qualifikationen zu Tausenden vernichtet. Unternehmen, die aufgrund Missmanagment existenziell bereits bedroht waren, konnten "teuere" Arbeitsplätze in prekäre verwandeln und so erfolgreich arbeitenden Unternehmen mit unlauterem Wettbewerb zusetzen, die dadurch gezwungen wurden selbst Arbeitsplätze umzuwandeln. Seltsam warum gerade in diesem Punkt die FDP nicht gegen offensichtliche Unterstützung nicht lebensfähiger Unternehmen war.
Kapitalistische "Freie Märkte" gibt es nicht - sondern es gibt immer nur Zwangsmärkte , die durch Regulierung "entschärft wurden".

Die Vorgänger der "Liberalen FDP" haben noch Anfang 1905 in England für die Kinderarbeit votiert , indem sie die "Vertragsfreiheit" von Kindern hervorhoben - und es als behinderung der freien Märkte ansahen das man diese Vertragsfreiheit einschränkte!
Gleiches natürlich für Sklavenarbeit aller Art, so waren natürlich auch die Kolonial-Staaten doch frei in diesem Sinne - sie waren ja nur nicht "Wettbewerbsfähig auf dem Schauplatz des Krieges und der Wirtschaft"!

Vertragsfreiheit gibt es faktisch niemals - es ist eine Illusion durch erzeugen der "gesellschaftlich Erlaubten Zwänge"!

So gehörten auch "Kaufen von Abgeordneten, Parteien, Wählern etc. genauso zur "gesellschaftlich akzeptieren freien Märkten" wobei Parteispenden eben inzwischen das "legale Kaufen von Parteien darstellen"!
Auch gehört die Lieferung von Gammelfleisch und Schrottware ebenso zu "freien Märkten" wie unwirklsame Medikamente und vergiftete Lebensmittel!

Frei ist natürlich inzwischen auch der Bau von "AKW's" -weil ja die "freien Vertragspartner" also die Bürger genauso einfach das Land nach einem Gau wechseln könnten wie die Aktionäre!

Die Freiheit der Unternehmen wird ja durch die "Limited" Haftung gewährleistet - AG oder Gesellschaften mit Beschränkter Haftung haften ja nur noch minimal - es ist dennen vollkommen egal ob das Unternehmen pleite geht, weil sie durch schnellen Verkauf der Aktien sich ein neues Unternehmen suchen können!

Warum sollte also die FDP für "Unternehmserhalt" sein? Das ist nicht im Sinne von Aktionären mehr .. da kommt es nur noch auf den schnellen Ausstieg an!

Egal ob Politiker oder Unternehmen - sobald es nur noch eine "beschränkte oder überhaupt keine Haftung mehr besteht" ist nicht mehr der Langfristige Erhalt, sondern der Schnelle Gewinn vorrangig - und so ist die CDU/CSU/FDP schon prinziell nicht an "Unternehmenserhalt" interessiert!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 8 von 25