Forum: Wirtschaft
Weltwirtschaftsforum in Davos: Zombies im Schnee
DPA

Jedes Jahr treffen sich den Schweizer Bergen die globalen Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft. Einst eine verschworene wie verachtete Elite, haben sie sich längst in verschiedene Lager aufgespalten. Das ist ein Problem.

Seite 1 von 4
qoderrat 20.01.2019, 21:47
1.

Ein typischer Müller-Artikel, ich glaube das sind inzwischen nur noch Satzblöcke, die jeweils mit einem aktuellen Ereignis verknüpft werden, Globalisierung der Produktion und Liberalisierung der Finanzmärkte gut, und alles was dem entgegensteht schlecht.
Ich glaube nicht dass Hr. Müller irgendwann verstehen kann oder möchte, dass genau diese Asozialisierung der Märkte für die gesellschaftlichen Spaltungen die Grundlage und in der Folge die politischen Verwerfungen die Ursache sind. Kapitalismus brutal bis es zum Kollaps oder Schlimmerem kommt.

Beitrag melden
anja-boettcher1 20.01.2019, 21:48
2. Selbstbereicherung und Werterhetorik

In Wirklichkeit war die "Werterhetorik" einer Elite, die sich im Zeitalter von Thatcherismus und Reagonomics schamlos auf Kosten der Bevölkerungen bereichern konnte, immer schon eine Farace: Alleine die von Pickety herausgearbeitete Vermögensasymmetrie zeigt, dass es nie dabei um Menschenfreundlichkeit ging.

Nun sitzen diesen Herren die unzufriedenen Massen im Nacken - und sie hoffen das eigene Privileg durch die Ankurbelung des Nationalchauvinismus zu wahren - was auch vergeblich sein dürfte. Denn mit einer stetigen kriegerischen Eskalation gingen beide Modell einher - und es sind just solche Militärausgaben, die ihnen zunehmend die egienen Bevölkerungen nicht mehr auf Kosten von öffentlicher Infrastruktur erlauben werden.

Es gibt in der Tat eine Reihe globaler Probleme - aber die lassen sich durch nichts weniger lösen als durch den ökonomischen Sozialdarwinismus in der Gefolgschaft der Einflüsterer Reagans und Thatchers. Notwendig ist die Rückkehr zum Sozialstaat mit einer erhöhten gemeinschaftlichen Bereitschaft, die Probleme anzugehen, die eben nicht nur einer winzigen Elite, sondern uns allen auf die Füße zu fallen drohen.

Was hat die Zeit einer elitären moralischen Hybris gebracht? Hat sie den CO2-Ausstoß gemindert? Die Ressourcenverschwendung reduziert? Die Kriege verringert? Die Erosion von Staatlichkeit durch Nomadisierung der Weltbevölkerung aufgehalten? Alle diese Fragen muss man mit einem "nein, im Gegenteil" beantworten. Was soll dann die Lamoyanz angesichts der endlich sich in Luft auflösenden Selbstbeweihräucherung durch eine Werterhetorik, die angesichts der wirklichen Politik, eh nur eine Verhöhnung des Gros der Menschheit ausmacht.

Wie wär's mit einer Verbindung von Solidarität, Pragmatismus und praktischer, nüchtern begriffener globaler Verantwortung? ( - was endlich nicht mehr als Synonym für Kriegsführung missbraucht zu werden hat.) Die letzten beiden Jahrzehnte, die verschenkte Chance nach 1989, war eine fürchterliche und blutige Zeit. Dieser Zynismus hat aufzuhören - und deshalb sollte man Davons schließen wie auch die Treffen der Mont-Pellerin-Gesellschaft.

Wie wäre es, wieder einmal ein wenig verantwortungsbewusster mit den Vermittlungsmöglichkeiten der UN umzugehen? Wie damit, wieder eine sozialdemokratische und gewerkschaftliche Internationale anzukurbeln, um der Elitenkummelei eine demokratische Vereinigung von Mehrheiten entgegenzusetzen? Wie den Internationalismus neu zu beleben, anstelle eines nur auf Eliten bezogenen gestaltlosen "Globalismus"?

Der Zerfall eines Elitezirkels wie der in Davos an sich ist jedenfalls in meinen Augen keine schlechte Nachricht...

Beitrag melden
thomas0815-1 20.01.2019, 22:11
3. So, so - globale Eliten.

Ich finde das das keine Eliten sind, sondern Macht- und Geldgierige Totengräber der Menschheit. Auf wessen "Konto" gehen denn all die beschriebenen Fehlentwicklungen? Wer hat die zu verantworten? Wer hat diese initiiert ? Z.B. die im letzten Abschnitt beschriebenen Entwicklungen der "Kommunikationstechnik" ? "In der Vergangenheit stützte sich das internationale Staatensystem auf wenige Großmächte. Inzwischen erleben wir eine Diffusion der Macht, in der diverse Mächte miteinander um Vorherrschaft ringen." Mal ehrlich, gab es die beschriebene Situation nicht schon einmal vor dem 1.Weltkrieg !? Die Frage jetzt ist doch nur, was wird die Menschheit eher von der Erde tilgen: ein dritter Weltkrieg oder die Klimakatastrophe? Das ist leider die Realität.

Beitrag melden
HAJ 20.01.2019, 22:12
4. Man kann einigen Veranstaltungen des WEF im Internet folgen

Vorträge, Debatten - man ist dann verblüfft, erstens wie öberflächlich zusammengefasst, und zweitens wie gestrig die Themen debattiert werden. Es hört sich so an wie ein "executive summary" der gesammelten Schlagzeilen der jeweils vergangenen Jahres. Mit der Zukunft hat das nicht viel zu tun.

Es kann natürlich sein, dass die wichtige Kommunikation privat stattfindet. Möglich, es scheint mir aber wahrscheinlicher, dass sich die Anwesenden eher ihrer konformen Weltschau versichern wollen. Die Themen vor morgen, also des kommenden Jahres, sind dann die Themen des WEF in den kommenden Jahren.

Beitrag melden
zeitgenosse99 20.01.2019, 22:27
5. Die Mont Pèlerin Menschen sind...

...noch einiges beängstigender sowohl als die Davos Menschen als auch die Bilderberger
Die Mont Pèlerin Society MPS wurde 1947 auch in der Schweiz im französischen Teil beim Mont Pèlerin, einem 1080 m hohen Höhenrücken bei Montreux am malerischen Genfersee von F.A. von Hayek, Ludwig von Mises, Karl Popper, Wilhelm Röpke, Milton Friedman und einigen anderen gegründet.
Diese resp. deren Nachfolger ziehen die Fäden so dermassen im Hintergrund, dass die MPS nicht mal eine Sekretärin oder sonstige Angestellte hat, auch wird nichts publiziert und auch keine halböffentliche Treffen wie in Davos durchgeführt.
.
Dort wurde die neoliberale Gegenbewegung zum Keynsianismus ab Mitte der 80er Jahre u.a.mit Thatcher und Reagan geplant und durchgeführt (Friedman und Hayek waren Thatchers Berater beim Big Bang 1986)
Das vom MPS-Mitglied Antony Fisher 1981 gestiftete Atlas Network umfasst nach 35 Jahren 451 „free-market organizations“ in 95 Ländern. D. Plehwe und B. Walpen gaben 2004 eine Liste von 93 Denkfabriken in direkter Beziehung zu MPS-Mitgliedern an, wobei unter "direkter Beziehung" verstanden wird, dass mindestens ein MPS-Mitglied in einer offiziellen Funktion tätig ist oder/und den Think-Tank (mit)gegründet hat.
Diese Think Tanks, darunter auch die potenten US Think Tanks wie Heritage Foundation oder Cato Institute werden von den 700 MPS Mitglieder systamatisch und permanent beeinflusst.
Hier noch etwas mehr Details zur MPS: https://lobbypedia.de/wiki/Mont_Pelerin_Society
.
Was ist da noch der Davos Mensch gegen den Homo Mont Pèlerensis?

Beitrag melden
manicmecanic 20.01.2019, 22:41
6. Typische Propaganda

aus Müllers Tastatur.Wenn ich schon den Begriff liberalistisch lese im Zusammenhang mit diesem Club reichts mir schon.Aber wie soll das bei SPON noch wundern,da wurde letztens erst ein anderer dieser Beutegeier,der neue Heiland Macron doch tatsächlich in einem Artikel sozial-liberal genannt.Wenn sich diese Clubs intern in die Wolle kriegen kann das für normale Menschen nur von Vorteil sein.

Beitrag melden
ned divine 20.01.2019, 22:55
7. das sind doch keine Eliten, allerhöchstens Geldeliten....

....So so, "Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft...Elite", also wenn man das liest, da wird einem ja schlecht,
Diese sogenannten Politiker, Minister und Unternehmensbosse - das sind fast allesamt Machtmenschen, die so ziemlich alle globalen Probleme doch erst verursacht haben durch ihre Profitgier, schliesslich sind sie für die meisten Entscheidungen verantwortlich.
Und , wen wundert es da, dass sich die Lager nun spalten, weil natürlich ureigenste Interessen vorherrschen und null Zusammenhalt, geschweige denn etwas Verantwortungsbewusstsein...
Das Essay von Huntington ist tatsächlich sehr lesenswert und ich kann es nur empfehlen.

Beitrag melden
seamanslife 20.01.2019, 23:11
8. die sogenannten Eliten haben nichts

Zitat von thomas0815-1
Ich finde das das keine Eliten sind, sondern Macht- und Geldgierige Totengräber der Menschheit. Auf wessen "Konto" gehen denn all die beschriebenen Fehlentwicklungen? Wer hat die zu verantworten? Wer hat diese initiiert ? Z.B. die im letzten Abschnitt beschriebenen Entwicklungen der "Kommunikationstechnik" ? "In der Vergangenheit stützte sich das internationale Staatensystem auf wenige Großmächte. Inzwischen erleben wir eine Diffusion der Macht, in der diverse Mächte miteinander um Vorherrschaft ringen." Mal ehrlich, gab es die beschriebene Situation nicht schon einmal vor dem 1.Weltkrieg !? Die Frage jetzt ist doch nur, was wird die Menschheit eher von der Erde tilgen: ein dritter Weltkrieg oder die Klimakatastrophe? Das ist leider die Realität.
aus der Geschichte der letzten hundert Jahre gelernt. In zwei Weltkriegen ist sich die Menschheit gegenseitig an die Kehle gegangen. Heute stellt sich dringender die Frage ob solche Städte wie Bangkok und Shanghai mit dem gesamten Umland eines Tages bis zur ersten Etage im Wasser stehen. Das ist bildlich gesehen nur der Anfang. Halb Bangladesh und ganze Inselstaaten werden weltweit verschwinden, Wasser kennt keine Grenzen. Geld und Waffen kann man nicht essen, sie sind nutzlos gegen Wasser.

Beitrag melden
dunnhaupt 20.01.2019, 23:44
9. Bloß noch Prominenz zweiten Ranges?

Die Liste der Absagen ist dieses Jahr länger denn je. Weder Macron noch May, weder Trump noch Xi Jinping. Da sich die führenden Politiker der Welt erst kürzlich in Argentinien trafen, besteht ja auch wahrhaftig kein zwingender Grund für sie, nun auch noch die Schweizer Berge zu besteigen.

Beitrag melden
Seite 1 von 4
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!