Forum: Wirtschaft
Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?

Die Liste der Zusatzstoffe auf Nahrungsmittelverpackungen ist oft lang und geheimnisvoll. Nicht jeder Verbraucher kann verstehen, was eigentlich alles in den Lebensmitteln ist, die er im Supermarkt kauft. Notwendiges Fachvokabular oder raffinierte Verschleierungstechnik? Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?

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happy2009 25.03.2010, 10:16
720.

Zitat von Der andere Genosse
Die Supermärkte sind so schlau, ben nicht heimische Bioware als "heimisch" anzupreisen, weil dann die Austauschbarkeit flöten geht. Ist im konventionellen Bereich genau so. Wie können Biokartoffeln aus China eigentlich Bio sein, wenn sie um die halbe Welt gekarrt werden? Dachte immer, Bio ist regional??? Ach, hab´ich vergessen, der Verbraucher soll ja belogen und betrogen werden...
genau, deswegen auch keine Ampel, nur klitzekleine Hinweise auf zuviel Zucker etc..
Die schlauen merken es, aber die Dummen sind die Masse der Käufer
Und die schlauen lassen sich gekonnt einspannen, den Dummen das Durchschauen zu erschweren

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x_Y-z 25.03.2010, 10:35
721.

Zitat von happy2009
Beauftragt wurde die Studie von der staatlichen britischen Lebensmittelbehörde FSA (Food Standards Agency). Ihr zufolge sind zwei Arten der Nährwertkennzeichnung signifikant verständlicher als andere Systeme: Eine Kombination aus Text (hoch/mittel/niedrig) und Ampelfarben (rot/gelb/grün) oder eine Kombination von Text, Ampelfarben und zusätzlichen GDA-Prozentwerten. Das reine Industrie-Modell mit Prozentwerten nach dem GDA-System fällt bei dem Vergleich durch.
Leider habe ich die Studie auf die Sie verweisen, nicht finden können. Allerdings konnte man in den Ergebnissen der anderen Studien lesen, dass die tägliche Zuckeraufnahme den empfohlenen Tageswert bis zu 8% übersteigt. Das gleiche war bei Fett und der Kalorienaufnahme zu beobachten. Wie kann das passieren, wenn es doch eindeutig auf der Packung farblich zu sehen ist, dass bei bestimmten Produkten Vorsicht geboten ist?

Zitat von happy2009
Die Gefahr das Lebensmittel grün gepanscht weerden ist durchaus vorhanden. Bei Fertigprodukten wäre es jedoch sehr hilfreich Bei Joghurtprodukten zeigt sich eindeutig der Griff zu gesünderen Produkten.
"gesündere Produkte" ≠ "grün/grün/grün" (zu mindestens nichts zwangsläufig) Und wenn immer mehr Produkte noch mit zusätzlichen "Zutaten" wie E-Nummern versetzt werden, um den gewünschten Geschmack zu erzielen, dann wird es für den bewussten Verbraucher noch unmöglicher, die dazu gemengten Zusatzstoffe zu verstehen. Genau das ist mein Problem mit der Ampel: Sie nimmt Einfluss auf die Beschaffenheit der Lebensmittel.

Zitat von happy2009
Was für einen Nachteil haben Sie denn von einer Ampel (auf Fertigprodukte)
Speziell mit Fertigprodukten habe ich kein Problem, denn denen versuche ich soweit wie es möglich ist aus dem Weg zu gehen ;-). Aber es geht ja hier nicht nur um Fertigprodukte, die ausgezeichnet werden sollen, sondern alle Produkte.

Zitat von happy2009
Was hier immer wieder vergessen wird: uf Grundnahrungsmittel, Einzelprodukte wie Nüsse, Säfte... wäre eine Ampel gar nicht nötig.
Das verstehe ich nicht, haben die kein Fett, Zucker oder sind alle Grundnahrungsmittel kalorienarm? Wie definiert man denn Grundnahrungsmittel?

Zitat von happy2009
Es geht doch nicht darum wa man heutztage kann, sondern darum was für die (dumme) masse aam besten ist
Was ich damit sagen wollte: Es gibt keine "dumme Masse". Die Leute bekommen das was sie wollen und verdient haben: Billigmist. Wer ist denn bereit für Qualität mehr zu bezahlen?

Zudem wollen die Leute sich gar nicht gesünder ernähren. Letztens sah ich, dass McD bereits auf den Verpackungen farblich gekennzeichnet und auch noch durch Symbole untermauert, die wichtigsten Nährwerte angibt. Folglich Ihrer Argumentation für jeden verständlich. Wie erklären Sie sich, dass es immer noch genügend Menschen gibt, die sich als Zwischenmahlzeit einen Burger gönnen?

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waldschrat 25.03.2010, 11:36
722. Gut = teuer?

Zitat von x_Y-z
...Was ich damit sagen wollte: Es gibt keine "dumme Masse". Die Leute bekommen das was sie wollen und verdient haben: Billigmist. Wer ist denn bereit für Qualität mehr zu bezahlen? ...
Schon wahr, was Sie da sagen. Dass Qualtität seinen Preis hat, ist bekannt. Nur mit dem Erkennen der Qualität ist es so eine Sache.
Um bei einem einfachen Beispiel zu bleiben: für mariniertes Fleisch zum Grillen kann hochwertiges, aber auch Gammelfleisch verwendet werden. Zu erkennen ist das am Fertigprodukt kaum. Der Preis wäre hier wohl auch kein Kriterium, da der Umkehrschluss (Teuer = gut) nicht gilt. Die Alternative in diesem Fall: Fleisch selbst marinieren.
Das funktioniert nur bei den meisten (z.T. veredelten) Nahrungsmitteln nicht mehr (wer mahlt schon nach einem vollen Arbeitstag sein Brotmehl noch selbst?).
Und Ehrlichkeit in der Nahrungsmittelindustrie, das klingt wie freiwillige Selbstverpflichtung bei gleichzeitiger Gewinnmaximierung - ein Widerspruch in sich!!

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happy2009 25.03.2010, 11:46
723.

Zitat von x_Y-z
Leider habe ich die Studie auf die Sie verweisen, nicht finden können. Allerdings konnte man in den Ergebnissen der anderen Studien lesen, dass die tägliche Zuckeraufnahme den empfohlenen Tageswert bis zu 8% übersteigt. Das gleiche war bei Fett und der Kalorienaufnahme zu beobachten. Wie kann das passieren, wenn es doch eindeutig auf der Packung farblich zu sehen ist, dass bei bestimmten Produkten Vorsicht geboten ist?
Ampel schützt ja nicht vor zuviel essen,:-)
Zitat von
"gesündere Produkte" ≠ "grün/grün/grün" (zu mindestens nichts zwangsläufig) Und wenn immer mehr Produkte noch mit zusätzlichen "Zutaten" wie E-Nummern versetzt werden, um den gewünschten Geschmack zu erzielen, dann wird es für den bewussten Verbraucher noch unmöglicher, die dazu gemengten Zusatzstoffe zu verstehen. Genau das ist mein Problem mit der Ampel: Sie nimmt Einfluss auf die Beschaffenheit der Lebensmittel.
War ungünstig formuliert
Ich meinte,das eine Ampel bei Joghurt etc sehr wohl hilft, aber natürlich grundsätzlich die Gefahr von Grünpanschen da ist
Zitat von
Speziell mit Fertigprodukten habe ich kein Problem, denn denen versuche ich soweit wie es möglich ist aus dem Weg zu gehen ;-). Aber es geht ja hier nicht nur um Fertigprodukte, die ausgezeichnet werden sollen, sondern alle Produkte. Das verstehe ich nicht, haben die kein Fett, Zucker oder sind alle Grundnahrungsmittel kalorienarm? Wie definiert man denn Grundnahrungsmittel?
Es waren mehrere Ampelmodelle im Gespräch

Und 1 kg Zucker müssen Sie nicht kennzeichnen, es sind 100% Zucker:-) (wenn nicht noch sonstiges reingemischt wurde)

Ich selber hätte gerne eine Ampel, die alle 8 Grundangaben farblich hinterlegt kennzeichnet

Verpflichtend bei allen Fertigprodukten (Mahlzeiten)
Auch bei Milchmischerzeugnissen wäre diese hilfreich

Natürlich müssten alle Bereiche, die eine Ampel bekommen, andere grenzwerte für Farben bekommen.
ein Bonbon darf natürlich mehr Zucker enthalten als Heringssalat


Unterm strich würde auf den ersten Blick also kein Lebensmittel rot leuchten, da die Angaben hinten drauf stehen, dafür lesbar groß

Zitat von
Was ich damit sagen wollte: Es gibt keine "dumme Masse". Die Leute bekommen das was sie wollen und verdient haben: Billigmist. Wer ist denn bereit für Qualität mehr zu bezahlen?
Zwar schon x mal gesagt
Bei welcher Supermarktware sind Sie im Regal vor dem Sie stehen sicher, das das teure höherwertiger ist als das Billige?
Zitat von
Zudem wollen die Leute sich gar nicht gesünder ernähren. Letztens sah ich, dass McD bereits auf den Verpackungen farblich gekennzeichnet und auch noch durch Symbole untermauert, die wichtigsten Nährwerte angibt. Folglich Ihrer Argumentation für jeden verständlich. Wie erklären Sie sich, dass es immer noch genügend Menschen gibt, die sich als einen Burger gönnen?
Korrekt
zu 70% haben Sie recht
Aber die eigenen Kinder werden gesünder ernährt, wenn die Mütter es kapieren.

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x_Y-z 25.03.2010, 12:26
724.

Zitat von happy2009
Zwar schon x mal gesagt Bei welcher Supermarktware sind Sie im Regal vor dem Sie stehen sicher, das das teure höherwertiger ist als das Billige?
Nehme ich als Beispiel Wurst: Wenn ich im Supermarkt die Rückseite der Verpackung einer 69 Ct Salami sehe, dann wird mir schlecht. Da Fett grundsätzlich billiger ist als mageres Fleisch, ist es keine Einbildung, dass bei meinem Metzger die Anzahl der weissen Fettstückchen merklich geringer ist, allerdings auch ein wenig teurer.

Zitat von happy2009
Korrekt zu 70% haben Sie recht Aber die eigenen Kinder werden gesünder ernährt, wenn die Mütter es kapieren.
Aber mit der Kennzeichnung die McD bereits eingeführt hat, sollte es doch verständlich sein, oder? Wieso "kapieren" denn die Mütter es immer noch nicht? Richtig, um es zum x-mal zu wiederholen: Es liegt nicht am "kapieren"!

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x_Y-z 25.03.2010, 13:11
725.

Zitat von waldschrat
Schon wahr, was Sie da sagen. Dass Qualtität seinen Preis hat, ist bekannt. Nur mit dem Erkennen der Qualität ist es so eine Sache. Um bei einem einfachen Beispiel zu bleiben: für mariniertes Fleisch zum Grillen kann hochwertiges, aber auch Gammelfleisch verwendet werden. Zu......
Das Problem ist doch, dass die Nachfrage nach Billigprodukten zu groß ist, denn die Industrie bedient nur die Nachfrage. Warum sollte man dieser diesbezüglich einen Vorwurf machen?

Fleisch ist ein gutes Beispiel: Kaufe ich Fleisch direkt beim Schlachter/Metzger verringert sich das Risiko gegenüber dem bereits abgepackten Fleisch in einer großen Supermarktkette, an Gammelfleisch zu geraten. Dass dies auch seinen Preis hat, will keiner wissen. Merkt man dies an, folgen schlagartig Argumente wie "das kann sich nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung leisten". Dazu kann ich nur sagen, für einen kleinen Teil der Gesellschaft mag das stimmen, allerdings spielt da auch das Problem des übermäßigen Konsums eine Rolle, denn es reicht wenn man ein/zwei Mal die Woche ein Fleischgericht zubereitet und man muss daher auch nicht jeden Tag einen fetten Braten verspeisen.

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waldschrat 25.03.2010, 15:19
726. ...

Zitat von x_Y-z
Das Problem ist doch, dass die Nachfrage nach Billigprodukten zu groß ist, denn die Industrie bedient nur die Nachfrage. Warum sollte man dieser diesbezüglich einen Vorwurf machen? ...
Es geht hier um "Ehrlichkeit", die bei der Erhöhung der Rendite auf der Strecke bleibt. Die Grauzone zur bewussten Körperverletzung wird aus diesen Gründen schon gerne mal betreten. Glykol und Wein bzw. Mineralöl und Olivenöl haben sich nicht vermischt, weil heimlich, still und leise irgendwo ein Rohr geplatzt ist und keiner es gemerkt hat. Und die Umetikettierung des Gammelfleischs geschah auch nicht, weil irgendwelche Subalterne Langeweile hatten.

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happy2009 25.03.2010, 19:19
727.

Zitat von x_Y-z
Nehme ich als Beispiel Wurst: Wenn ich im Supermarkt die Rückseite der Verpackung einer 69 Ct Salami sehe, dann wird mir schlecht. Da Fett grundsätzlich billiger ist als mageres Fleisch, ist es keine Einbildung, dass bei meinem Metzger die Anzahl der weissen Fettstückchen merklich geringer ist, allerdings auch ein wenig teurer.
Das ist aber auch eine Sortenfrage
Davon abgesehen, Fett können Sie nur sehen, wenn es sichtbar verarbeitet wurde, an der Optik können Sie das nicht unterscheiden
nehmen Sie vergleichbare Produkte

Zitat von
Aber mit der Kennzeichnung die McD bereits eingeführt hat, sollte es doch verständlich sein, oder? Wieso "kapieren" denn die Mütter es immer noch nicht? Richtig, um es zum x-mal zu wiederholen: Es liegt am "kapieren"!
Erstens bring keiner MC Donalds seinem baby nach huse, zum zweiten ist das ja auch ein "Restaurant"
Wir reden nichtvon Ampel auf Restaurantware, sondern Fertigprodukte

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yamxs 25.03.2010, 19:35
728.

Zitat von x_Y-z
Nehme ich als Beispiel Wurst: Wenn ich im Supermarkt die Rückseite der Verpackung einer 69 Ct Salami sehe, dann wird mir schlecht. Da Fett grundsätzlich billiger ist als mageres Fleisch, ist es keine Einbildung, dass bei meinem Metzger die Anzahl der weissen Fettstückchen merklich geringer ist, allerdings auch ein wenig teurer. Aber mit der Kennzeichnung die McD bereits eingeführt hat, sollte es doch verständlich sein, oder? Wieso "kapieren" denn die Mütter es immer noch nicht? Richtig, um es zum x-mal zu wiederholen: Es liegt am "kapieren"!
Von der Anzahl der kleinen weißen Punkten in der Salami auf die Qualität zu schließen, ist recht abenteuerlich. In diesem Fall tun Sie der Nahrungsmittelindustrie unrecht.
Es gibt eine Unmenge Salamirezepte.:)
Fett ist ein Geschmacksträger. Interessant ist eher, was sonst noch in Ihrer Salami ist, und was der Zucker, oder die Zuckeraustauschstoffe, Antioxidationsmittel und Konservierungsstoffe da machen. Meistens höherwertige Zutaten ersetzen, bzw die Herstellung beschleunigen. Dabei dürfte in den Supermärkten der Preis kaum eine Rolle spielen. Eine richtige Salami werden Sie da nicht kriegen.
Wie kaum ein anderes echtes Produkt. Es ist Industrieware.
Die Kennzeichnung bei MC ist wohl ein Witz.
Niemand, der in ein Resaurant geht, und für mache Menschen ist Mc ein Restaurant, schaut dort auf die Kalorien.
Und denen, die sich permanent von dem Zeug ernähren ist es wurscht.

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yamxs 25.03.2010, 19:40
729.

Zitat von x_Y-z
Das Problem ist doch, dass die Nachfrage nach Billigprodukten zu groß ist, denn die Industrie bedient nur die Nachfrage. Warum sollte man dieser diesbezüglich einen Vorwurf machen? Fleisch ist ein gutes Beispiel: Kaufe ich Fleisch direkt beim Schlachter/Metzger verringert sich das Risiko gegenüber dem bereits abgepackten Fleisch in einer großen Supermarktkette, an Gammelfleisch zu geraten. Dass dies auch seinen Preis hat, will keiner wissen. Merkt man dies an, folgen schlagartig Argumente wie "das kann sich nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung leisten". Dazu kann ich nur sagen, für einen kleinen Teil der Gesellschaft mag das stimmen, allerdings spielt da auch das Problem des übermäßigen Konsums eine Rolle, denn es reicht wenn man ein/zwei Mal die Woche ein Fleischgericht zubereitet und man muss daher auch nicht jeden Tag einen fetten Braten verspeisen.
Die Industrie hat es geschaft, mit Hilfe der Politik, sich ihre Kunden zu erziehen.
Es gibt nunmal wirklich genug Leute, die Glauben an die Werbeversprechen. Und das ist eigendlich sogar legitim.
Wir wollen ein Rechtsstaat sein, und viele Menschen glauben daran, nicht so dreist, in aller Öffentlichkeit, mit politischer Rückendeckung, bei der wichtigsten Sache, betrogen zu werden.
Wenns anders wäre, gäbe es die Bundesrepublik, in der Form, nicht mehr.

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