Forum: Wirtschaft
Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?

Die Liste der Zusatzstoffe auf Nahrungsmittelverpackungen ist oft lang und geheimnisvoll. Nicht jeder Verbraucher kann verstehen, was eigentlich alles in den Lebensmitteln ist, die er im Supermarkt kauft. Notwendiges Fachvokabular oder raffinierte Verschleierungstechnik? Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?

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ntholeboha 11.11.2009, 13:37
70. Verbraucherschutz

Zitat von Baikal
Dank der EU, die diesen behördlich abgesegneten Betrug auch noch als Abbau von Bürokratie verkaufte. Ärgerlich nur, daß der deutsche Steuerzahler den Brüsseler Wahn auch noch mit jährlich rund 8 Milliarden netto finanziert.
Ich kann es mir nur schwer vorstellen, dass die geheiligte EU-Buerokratie eigenstaendig zu einem Einkauf in der Lage ist. Waere sie es dann haetten sich inzwischen nahezu ueberall einheitliche und Verbraucher freundliche Kennzeichnungen durchgesetzt.
Letztlich bleibt sich jeder selbst der Naechste und eines duerfte sich wohl schon herum gesprochen haben: der Handel hat den Betrug nicht erfunden aber solange es den Handel gibt ist er durchsetzt mit fingierten Praktiken und massivem Betrug.
Ein Dank gebuehrt dem Verbraucherschutz.

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Harald E 11.11.2009, 13:45
71.

Zitat von Reziprozität
Und genau das ist m.M. nach das (Glaubwuerdigkeits)Problem: Noch vor 20 Jahren konnte man sich relativ sicher sein, dass hochpreisige Nahrungsmittel eine gute Qualitaet aufweisen und diese nicht mittels endlos langer Listen von Zusatzstoffen vorgaukelten. Mein Eindruck ist, dass dieser Zusammenhang seit ein paar Jahren nicht mehr existiert.
Ein Bekannter fotografiert für die Nahrungsindustrie.

Fotografiert wird aber nicht das Produkt selbst, sondern ein optisch optimierter "Nachbau".
Dieser besteht z.b. aus Wachsen, Holzresten, Bauschaum, Plaste-Elaste und jeder Menge Farbstoff.
Das sieht dann echt lecker aus. Viel leckerer als das Produkt selbst.
Und sowas "Leckeres" kann man dem Verbraucher doch nicht vorenthalten. ;-D
Und so wird aus dem hausbackenen Mehrkornbrot ein Hot-waxed foamloaf with divergent elastomere woodgrains.
The taste of fame ;-)

Hört sich unglaublich gesund an...und schmeckt irgendwie nach "zuhause". Genauer Hobbywerkstatt.

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number12 11.11.2009, 14:08
72. Tja ... einfache Antwort

Zitat von sysop
Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?
Sie lügt, betrügt und ist unglaubwürdig.
Wir meiden schon lange den ganzen Plastikmüll, der in bunten Packungen angeboten wird. Und das funktioniert ganz gut. Letztendlich fahren wir sogar billiger mit frischen Lebensmitteln, auch wenn es immer wieder Einwände wie „keine Zeit“, „zu umständlich“ und (was wirklich nicht stimmt) „zu teuer“ gibt, wirklich besser und auch günstiger.

Wenn ich das mal umrechnen darf:

Bordelaise von Iglo: Fischeinlage 52 % von 380 gramm = 197,6 gramm Fisch. Der Rest ist Panade, die den Hersteller so gut wie nichts kostet, dem Verbraucher aber aufgrund seiner ganzen Zusatzstoffe wohl eher schadet.

Bei einem Verkaufspreis vom 3,50 Euro zahlt der Verbraucher rund 17,50 Euro pro Kilo Fisch.

Beim Fischhändler kaufe ich hingegen Rotbarschfilet für 11,50 Euro pro Kilo. Also selbe Fischmenge für 2,30 Euro.

Was gesünder ist, braucht man nicht zu erwähnen. Hinzu kommt, dass die Garzeit für Frischfisch deutlich geringer ist.

Und wer Müsliriegel für etwas „gesundes“ hält, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

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thomas j. aus d. 11.11.2009, 14:14
73. Philadelphia

Ich habe Kraft schon per Mail meine Meinung gesagt.
Interessant ist der Hinweis, dies sei ein besonders tolles Produkt.

Tatsächlich fällt es gerade bei den Zutaten gegen Buko oder Exquisa deutlich zurück, wie ich neulich im Geschäft beim Nachlesen merkte (habe logischer Weise keine Packung hier, aber laut http://das-ist-drin.de/Philadelphia-...r-200-g--2701/ ist das hier drin):
Frischkäsezubereitung der Doppelrahmstufe,
71& Fett i. Tr., wärmebehandelt
Zutaten / Inhaltsstoffe: Milcheiweißerzeugnis, Speisesalz, Verdickungsmittel (Johannisbrotkernmehl)

Zum Vergleich:
Buko und Exquisa kosten weniger und SIND Frischkäse, nicht nur so was ähnliches.
Bei Kraft werden halt inzwischen die Financial-Controlers tonangebend sein. Man hat die stärkste Brand und will sich diese vergolden lassen.

Ich würde sagen, es ist ganz normal, dass der Verbraucher ein solches Verhalten abstraft. Man möchte Kraft fast wünschen, dass 1/8 weniger Philadelphia verkauft wird.

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Motorpsycho 11.11.2009, 14:15
74.

Die Aufgabe der einheitlichen Verpackungsgrößen ist in der Tat gegen den Verbraucher gerichtet. Es war völlig klar, dass das so kommen wird und dass die Auszeichnung über den Einheitspreis pro Gramm oder Kilogramm dies nicht auffangen kann, zumal z. B. Produkte, die pro Stück ausgezeichnet werden, davon gar nicht betroffen sind.

Jetzt haben wir also den 57 Gramm Schokoladenriegel und die 95 Gramm Schokoladentafel und dürfen den in 5 Punkt Schrift gedruckten Einheitspreis suchen.

Die Begründung der Mars GmbH finde ich aber ganz ausgesprochen gut: Man hat also 3 Gramm weggenommen, weil dem Hersteller "dabei [...] eine ausgewogene Ernährung am Herzen [liegt]". Ja wenn das so ist, dann werde ich meine Ernährung noch ausgewogener gestalten, also noch weitere 19 mal 3 Gramm abziehen. Nur Geld, Geld werde ich für diese Form der ausgewogenen Ernährung nicht mehr bezahlen.

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hook123 11.11.2009, 14:32
75.

Zitat von sysop
Die Liste der Zusatzstoffe auf Nahrungsmittelverpackungen ist oft lang und geheimnisvoll. Nicht jeder Verbraucher kann verstehen, was eigentlich alles in den Lebensmitteln ist, die er im Supermarkt kauft. Notwendiges Fachvokabular oder raffinierte Verschleierungstechnik? Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie?
Das sind keine versteckten Preiserhöhungen sondern ganz offene, vor unseren Augen. Das ist auch gut und richtig so, denn schließlich soll ja die Redite der Unternehmenseigentümer stimmen und zweitens müssen ja auch die Boni der Vorstände irgendwie bezahlt werden und wir wollen doch nicht, dass die Besten der Besten, die Elite aus dem Land flüchtet ;-)

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hjm 11.11.2009, 14:40
76.

Zitat von Zuversicht
Der kann durch etwas Aufklärung viel Geld sparen, ...
Wären alle Verbraucher aufgeklärt, würden die Verbraucherschutzorganisationen ihre Existenzberechtigung verlieren. Denn einen aufgeklärten Verbraucher muss niemand schützen. Folglich ist der aufgeklärte Verbraucher das letzte, woran diese Organisationen interessiert sind. Oder würde ein Steuerberater etwa ein einfaches und verständliches Steuersystem befürworten?

Entsprechend muss man die einschlägigen Veröffentlichungen in den Medien lesen und verstehen. Wenn mal wieder von "versteckten Preiserhöhungen" (welche eine moralisch abgrundtiefe Schandtat eines seelenlosen Unternehmers!) oder "irreführenden Zutatenlisten" (dito) die Rede ist, so findet man in der nachfolgenden Verlautbarung grundsätzlich nie irgendeine Art von Aufklärung, sondern einzig und allein die Feststellung, dass man das ganze als armer Verbraucher gar nicht verstehen kann, weil alles so schrecklich kompliziert ist. Mit anderen Worten, was da stets zu lesen ist, lautet sinngemäß: "Du, lieber Leser und Verbraucher, bist dumm, aber ehrlich. Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Deshalb müssen wir dich vor den klügeren, aber betrügerischen Menschen in den Chefetagen der bösen Großkonzerne schützen. Dafür sind wir da, die Verbraucherschützer. Wir werden dich aber nicht mit Details belästigen, denn, wie gesagt, du bist dumm und würdest sie nicht verstehen."

Dazu kommt dann noch eine geballte Ladung mathematischen Analphabetismus und dessen Pflege. Warum, zum Beispiel, soll die Entscheidung, ein Produkt zu kaufen oder nicht, davon abhängen, ob dessen Preis gerade (ob nun "versteckt" oder nicht) erhöht wurde oder nicht? Wenn ich durch den Supermarkt gehe, dann hängt meine Entscheidung, ob ich ein bestimmtes Produkt kaufe oder nicht, vom heute verlangten Preis und davon ab, wie sehr ich an diesem Produkt interessiert bin. Der Preis, für den dasselbe Produkt gestern angeboten wurde, ist für meine Entscheidung vollkommen irrelevant.

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empfei 11.11.2009, 15:03
77. Wie ehrlich ist die Nahrungsmittelindustrie

Mein Mann hat sich heute morgen beschwert, dass sein Joghurt (fettarm, mild, besonders cremig, Ökotest 2007: sehr gut) nicht mehr besonders cremig sondern besonders dünn geworden ist.
Die Wild-Preiselbeeren von demselben Discounter stecken plötzlich nur noch in 400-g-Gläsern und ihr Anteil an Preiselbeeren beträgt 50 %.
Gestern wollte ich bei einem anderen Discounter schlichten Milchreis kaufen, hat der gar nicht mehr, nur noch gezuckerten Tütenmilchreis mit jeder Menge Chemie, dafür aber in 15 Minuten zubereitet.
Ich finde es auf jeden Fall gut, dass ich bei abgepackter Ware sehe, wenn ich Chemie einkaufe und lasse nach Möglichkeit die Finger davon. Wenn ich Wurst oder Käse als lose Ware nehme, sehe ich das nicht und habe doch nichts Besseres! Wer an den Inhaltsstoffen und den Mengen interessiert ist, kann doch lesen und die Ware im Regal lassen. Die Hersteller werden es doch merken, wenn ihr Artikel nicht mehr nachgefragt wird. Ich kann mich noch erinnern, als Jacobs vor vielen Jahren seinen Kaffee besonders fluffig gemacht hat und in der Packung nur noch 400 Gramm drin waren. Die sind ganz schnell wieder zurück gerudert. Und Bio ist auch nicht gleich Bio, wenn ich die Zutaten der Bio-Vollkornbrötchen aus der Fotostrecke ansehe.

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hjm 11.11.2009, 15:23
78.

Zitat von Harald E
Ein Bekannter fotografiert für die Nahrungsindustrie.
Eine Bekannte von mir fotografierte vor 30 Jahren unter anderem für hochwertige Kochbücher, also für genau das, was immer als Alternative zu den "vergifteten" Fertigprodukten der Nahrungsmittelindustrie (klingt ja fast schon wie ein Schimpfwort) propagiert wird. Auch in ihrem Studio wurde fleißig mit Farbe, Haarspray und allerlei Füllmaterialien nachgeholfen. Das Auge ist eben mit. Offenbar auch beim Selberkochen mit den edelsten und "natürlichsten" Zutaten.

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Reziprozität 11.11.2009, 15:35
79.

Zitat von Harald E
...Hot-waxed foamloaf with divergent elastomere woodgrains....
ROFL

Wenn Innovation in der Nahrungsmittelindustrie sich auf Haptik und Optik konzentriert, ist es kein Wunder wenn die Packungsrueckseite bald nicht mehr ausreicht all die "leckeren Ingredienzien" aufzulisten. Vulgo: Es steht zwar alles drauf, was gesetzlich vorgeschrieben ist, allerdings z.T in einer kaum 1mm hohen Winzschrift, selbst fuer Personen mit guten Augen hart an der Grenze zur Unleserlichkeit

Einer der grossen hiesigen Detailhaendler hat das Problem erkannt und grosse Leselupen (! Kein Witz!) an seine Einkaufswagen fest angebracht. Das fuehrt allerdings manchmal zu anderen Problemen... ;-o

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