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Wiedervereinigung vor 25 Jahren: Wie sähe Europa ohne Deutsche Einheit aus?
REUTERS

Die Wiedervereinigung vor 25 Jahren war keineswegs alternativlos. Was wäre passiert, wenn die beiden deutschen Staaten selbstständig geblieben wären? Ein Gedankenexperiment.

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hanfiey 27.09.2015, 18:32
1. behaglichkeit

Diese Behaglichkeit konnte ich letztens im alten "Zonenrandgebiet" bewundern. Niemand hatte Geld oder Zeit und alle waren sooo glücklich.

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conocedor 27.09.2015, 18:36
2. Widerspruch

„Den Euro gäbe es vermutlich nicht; schließlich war die Währungsunion ein Projekt, um das übergewichtige Gesamtdeutschland unverrückbar in europäische Strukturen einzubinden.“

Dieses Märchen wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahr. Die finalen Entscheidungen zur Verwirklichung der Währungsunion waren spätestens im Sommer 1989 gefallen.

„Sobald ein selbsttragender Wachstumsprozess erreicht gewesen wäre, wären viele ostdeutsche Übersiedler zurückkehrt.“

Wären sie nicht. In praxi in den letzten 25 Jahren zu besichtigen. Wer einmal weg ist und ein halbwegs auskömmliches Leben im Westen gefunden hat, kehrt nicht mehr zurück.
Ausnahmen bestätigen die Regel.

„Doch nach 1990 erfuhr die Idee, dass jede Nation in ihrem eigenen Nationalstaat leben sollte, enormen Aufwind - von der Aufspaltung der CSSR und Jugoslawiens bis zu den heutigen Unabhängigkeitsbewegungen Schottlands oder Kataloniens.“

Und eben deshalb ist das Gedankenspiel einer eigenständigen DDR so nicht durchführbar.
Die Ostdeutschen wollten in ihrer großen Mehrheit -und das eben nicht nur aus Gründen der Wohlstandspartizipation- ebenso ihren „richtigen“ Nationalstaat haben.
Hier aber eben keine eigene kleine DDR als zweiten deutschen Staat, sondern ein geeintes Deutschland.
Die über Jahrzehnte konservierte stille Sehnsucht vieler DDR-Bürger nach einer einheitlichen deutschen Nation, die sich etliche Westdeutsche gar nicht mehr vorstellen konnten, weil sie ihnen selbst völlig abhanden gekommen war, hat neben den ökonomischen Verheißungen westlicher Politik zu diesen überwältigenden Wahlerfolgen der konservativen Parteien geführt.
Dass Oskar Lafontaine als damaliger sozialdemokratischer Spitzenkandidat nicht mit dem
Herzen bei der Sache war, haben viele im Osten gespürt. Ergebnis bekannt.

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ludwig49 27.09.2015, 18:36
3. Was wäre ohne Wiedervereinigung...

....bleibt jetzt eine theoretische Frage. Sicher ist aber, der Drang Richtung Westen oder nach westlichen Standards war anfangs sehr groß. An Helmut Kohls "blühende Landschaften", kostenlos dazu, wollte wahrscheinlich ohnehin niemand recht glauben. Die DDR war die letzte Besatzungszone, die spät wieder eingefügt wurde, nicht umsonst hieß die DDR auch "der dämliche Rest".

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WernerT 27.09.2015, 18:37
4. In dem Moment wo die Ostdeutschen sich im Westen niederlassen konnten

War alles erledigt, wer sollte für 800 Ostmark im Monat arbeiten, wenn er im Westen 1500 DM verdient. Übriggeblieben wären nur die Alten / Nichtarbeitsfähigen - das hat Kohl sehr schnell erkannt und daher auf die Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion gedrängt.

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arr68 27.09.2015, 18:37
5. Was man nicht vergessen darf,

ob konkurenzfähig oder nicht, ganz viel Industrie wurde verschachert und dann aufgelöst statt investiert wie gedacht.

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aby52 27.09.2015, 18:38
6.

Sie fragen "Wie sähe Europa ohne Deutsche Einheit aus?"
Kurze, knappe Antwort: Viel besser.

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Mitreder 27.09.2015, 18:41
7. Anders.

Uns wäre Frau Merkel erspart geblieben.

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peter_panther 27.09.2015, 18:42
8. Ach ...

waere das schoen.

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cdrb 27.09.2015, 18:47
9. Bahnbrechend!

"Nehmen wir an, die Bundesrepublik hätte der DDR großzügig mit Geldern und Expertise geholfen. (...) zu einem drastischen Wohlstandsverlust geführt. Millionen Arbeitsmigranten wären nach Westdeutschland aufgebrochen, (...) Westdeutschland hätte in diesem Szenario eine Menge Geld gespart."
Ah ja.
"Insgesamt sähe Europa heute deutlich anders aus."
Nein, ehrlich?
"Die deutsche Wiedervereinigung, soviel ist klar, hat der politökonomischen Topographie Europas neue Konturen hinzugefügt."
Gut, dass das endlich einmal akribisch herausgearbeitet wurde.
"Aus dieser Erkenntnis erwächst Verpflichtung: zur Selbstbeschränkung, zur Rücksichtnahme - zu einer Interpretation von Führung, die gelegentlich die eigenen Interessen und Vorlieben hintanstellt."
Und hier sind wir endlich bei der SPON-konformen Schlussfolgerung angelangt, die letztlich nur das bestärkt, was ohnehin schon seit Jahrzehnten geschieht: Deutschland möge bitte der Zahlmeister für irgendwelche sonstwo in Europa gepflegte (Alb-) Träume sein.

Kurz: Ob die Welt ohne diesen Artikel ärmer wäre, darf bezweifelt werden.

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