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Wirtschaftliche Entwicklung: Industrieverband lobt überdurchschnittliche Erfolge in O
Claudia Drescher / DPA

Seit der Wende vor 30 Jahren hat die Wirtschaft in den neuen Bundesländern enorm aufgeholt. Der Industrieverband BDI sieht diese Bilanz aber gefährdet, sollte es nicht gelingen, mehr Arbeitskräfte im Osten anzusiedeln.

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claudilein 20.05.2019, 08:31
1. Treuhand vergessen

"Das liegt unter anderem an der kleinteiligeren Wirtschaftsstruktur sowie am Fehlen großer Unternehmen und Konzernzentralen zwischen Ostsee und Erzgebirge, was der langen Teilung geschuldet ist."

Daran ist nicht nur die Teilung Schuld, sondern gerade auch die Treuhand, dank der fast alles platt gemacht wurde. Hätte man seinerzeit die Betriebe nicht gleich für einen Appel und ein Ei an die Konkurrenz weitergereicht und die Schulden der volkseigenen Betriebe vergemeinschaftet, sähe die Lage im Osten wesentlich besser aus.

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dima43 20.05.2019, 08:55
2. Nicht die Teilung sonder Treuhand ist die Ursache

"... am Fehlen großer Unternehmen und Konzernzentralen zwischen Ostsee und Erzgebirge, was der langen Teilung geschuldet ist ..." - es ist eine Folge der überstürzten Wiedervereinigung/Anschluß bzw. dem Wirken der sog. Treuhand.

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muellerthomas 20.05.2019, 09:08
3.

Zitat von claudilein
"Das liegt unter anderem an der kleinteiligeren Wirtschaftsstruktur sowie am Fehlen großer Unternehmen und Konzernzentralen zwischen Ostsee und Erzgebirge, was der langen Teilung geschuldet ist." Daran ist nicht nur die Teilung Schuld, sondern gerade auch die Treuhand, dank der fast alles platt gemacht wurde. Hätte man seinerzeit die Betriebe nicht gleich für einen Appel und ein Ei an die Konkurrenz weitergereicht und die Schulden der volkseigenen Betriebe vergemeinschaftet, sähe die Lage im Osten wesentlich besser aus.
Welche DDR-Unternehmen hätten Ihrer Meinung denn erhalten werden können und wären heute etablierte Großbetriebe?

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spiegelleser987 20.05.2019, 09:21
4.

"Dies solle erreicht werden durch die Förderung unternehmerischer Investitionen..."

Dieses Fördermittelprinzip ist voll daneben. Das läuft nach dem :
Du musst nachweisen, dass Du 1 Mio. Euro besitzt. Dann bekommst Du 1 Mio. Fördermittel. Nach Abschluss des Projekts musst Du nachweisen, dass Du diese 2 Mio. dafür ausgegeben hast.

In Summe kommt dann 0 raus. Bei neu entwickelten Geräten oder Software zählen diese Ausgaben als Investition und "Vermögen" und sind entsprechend dem vor 10 Jahren verschärften BilRug-Gesetz über 10 Jahre zusätzlich zu versteuern.

Und vorher muss man 3 Jahre für nichts arbeiten, um den Fördermittelantrag immer wieder zu ändern. Das habe ich nun 3 Jahre lang erlebt.

Besser wäre es die Steuern zu senken, so wie Klaus von Dohnanyi das Ende der 1990er Jahren forderte. Ohne Geld kann es kein Wirtschaftswachstum geben.

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andneu 20.05.2019, 09:21
5.

"Der Industrieverband BDI sieht diese Bilanz aber gefährdet, sollte es nicht gelingen, mehr Arbeitskräfte im Osten anzusiedeln."

Dann mal höhere Löhne zahlen und attraktivere Arbeitsplätze schaffen, dann klappt es auch mit den Bewerbern.

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stelzerdd 20.05.2019, 10:02
6. Gute Frage

Zitat von muellerthomas
Welche DDR-Unternehmen hätten Ihrer Meinung denn erhalten werden können und wären heute etablierte Großbetriebe?
Die Frage ist falsch gestellt.
Welche großen Unternehmen der alten Bundesrepublik hätten denn dahin zurückgehen sollen, wo sie ihren Ursprung hatten? Warum blieb Siemens in München und ging nicht zurück nach Berlin? Wo blieb damals die "Dresdner Bank", die "Alte Leipziger" oder die "Gothaer"?
Man war sehr schnell im "Zurückfordern" irgendwelcher Liegenschaften oder Betriebsteile - und hat das stillschweigend einkassiert.
Die "deutsche Industrie" hat sich damals als Verein vaterlandsloser Gesellen erwiesen. Teil einer Kraftanstrengung zum Gelingen der Wiedervereinigung war sie jedenfalls nicht.
Heute ist es zementiert - im Osten fehlt der Wirtschaftspyramide die Spitze. Viele qualifizierte Arbeitskräfte sind logischerweise abgewandert. Und jetzt wird von eben dieser "deutschen Industrie" nach "Ansiedlung" von Arbeitskräften gerufen. Lächerlich. Der Schwanz soll mit dem Hund wedeln.

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mostly_harmless 20.05.2019, 10:37
7.

Zitat von stelzerdd
[...] Warum blieb Siemens in München und ging nicht zurück nach Berlin? Wo blieb damals die "Dresdner Bank", die "Alte Leipziger" oder die "Gothaer"? [..]Die "deutsche Industrie" hat sich damals als Verein vaterlandsloser Gesellen erwiesen. Teil einer Kraftanstrengung zum Gelingen der Wiedervereinigung war sie jedenfalls nicht. [...]
Ahso, weltweit agierende Unternehmen sind Ihrer Meinung nach "vaterlandslose Gesellen", wenn sie ihre Zentralen nicht in den deutschen nahen Osten verlegen. Aber vermutlich, sind sie NICHT "vaterlandslose Gesellen", wenn sie - wie hundertfach geschehen - Produktion von ihren Stammsitzen in den alten Bundesländern in die NBL verlagern.
Womit wohl klar ist, was Sie unter "Vaterland" verstehen. Die ehemalige DDR. Im wiedervereinigten Deutschland angekommen jedenfalls sind Sie 30 Jahre nach der Einheit offenkundig nicht.

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Das Grauen 20.05.2019, 10:40
8. Beweis für Abzockerei

Da hat Lösch selbst das beste Argument geliefert, das bei der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte etwas entscheidend schief läuft: “Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich mehr als verdoppelt, die Produktivität stieg um das Vierfache"

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - daß die Löhne und Gehälter ganz offensichtlich erheblich hinter der Produktivitätssteigerung zurückgeblieben sind (wobei die Differenz von den Investoren abgeschöpft wird), wird hier als Erfolg präsentiert! Daß damit unsere Marktwirtschaft weniger sozial geworden ist, können nur Radikalkapitalisten als Erfolg sehen. Genau solche Ignoranz der Arbeitgeber macht linksradikale Ansichten wie die eines Kevin Kühnert populär. Wer schlechte Resultate so schönredet, muß sich nicht wundern, wenn er damit den politischen Extremismus stärkt. Gerade im Osten wird sicher sehr wenig Begeisterung dafür vorhanden sein, daß man geschlagene 30 Jahre nach der Wende immer noch weniger verdient als im Westen. Das ist ein trauriger Stand der Dinge, der dringend geändert werden muß, nicht ein Grund für Arbeitgeber, sich auf die Schulter zu klopfen!

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kocmoc 20.05.2019, 11:01
9. Massenhafte Produkte aus der DDR in die BRD

Privileg war z.B. eine Marke, die für Quelle und Otto produzierten.
hier ist ein guter Beitrag über die Menge der Produkte, die aus der DDR in die BRD gingen:https://www.mdr.de/zeitreise/quelle-und-ddr-produkte-100.html

Die Treuhand war ein Problem, allerdings stellte die damalige Währungsumstellung von DDR-Mark zur starken DM das wesentlich größere Problem dar. Um es einfach auszudrücken: Der Großteil der DDR-Produktion war mit einem enorm hohen Anteil an Arbeitskraft hergestellt wurden. Das funktionierte ganz gut, solange man die Löhne in DDR-Mark zahlte, dann mit der DM war das quasi der Todesstoß. Kaum ein Unternehmen konnte mit so hohen Lohnkosten noch wettbewerbsfähig produzieren.

Die Lösung, wie damals auch in Betracht gezogen, wäre gewesen, die Währungsreform später durchzuführen. Das war aber zu der damaligen Zeit den wenigsten "DDR-Bürgern" zu verkaufen gewesen. Da wollte die überwiegende Mehrheit sehr schnell die starke DM.

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