Forum: Wirtschaft
Wirtschafts-Nobelpreisträger Krugman: "Habe die Kompetenz der griechischen Regierung
DPA

Stets hat der Ökonom Paul Krugman die Regierung von Alexis Tsipras in ihrer Kritik an den Sparprogrammen unterstützt. Jetzt wendet sich der Wirtschafts-Nobelpreisträger enttäuscht ab.

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Karl Auer 20.07.2015, 17:34
390.

Zitat von Celestine
Er hat die Austeritätspolitik stark kritisiert, als kontraproduktiv und unsinnig. Auch damit hat er Recht.
Hat er nicht.

Am Beispiel Japan sieht man, dass es wenig nutzt, Geld in ein System zu pumpen, in dem das Problem weiter besteht. Die Probleme GRs sind ja struktureller Natur und schon ausführlich beschrieben worden.

Was empfiehlt eigentlich Krugman Japan?

"Vor kurzem hat Abe den amerikanischen Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman nach Tokio eingeladen. Für Krugman ist das, was in Japan passiert, ein großes ökonomisches Experiment. Abe macht in Japan schließlich genau die Politik, die der Amerikaner der ganzen Welt empfiehlt. Und wenn das bislang nicht die erhoffte Wirkung gehabt hat? Dann – so meint Krugman – müsse es eben eine noch expansivere Geld- und Finanzpolitik geben." FAZ 14.11.2014

Mal davon abgesehen, dass das überhaupt nur in Japan mit seiner Verschuldung fast ausschließlich im Inland funktioniert: kleinere Länder hätten längst ein Schrott-Rating und bekämen keine bezahlbaren Kredite mehr. Diese Option besteht also gar nicht.

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Alaaf 20.07.2015, 17:35
391.

Zitat von garfield
Wenn die andere Seite nicht rational handelt, sondern ideologisch (siehe die verlinkten Interna), versagt JEDE rationale Methode, egal ob Spieltheorie oder andere Strategien. Wie Varoufakis schrieb, er hätte auch Lieder singen können, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Mit solchen Leuten, die derart in ihrem Schuld-und-Sühne-Fanatismus gefangen sind (https://i.imgur.com/DB1Ah3C.jpg), dass sie keinen rationalen Lösungsvorschlägen zugänglich waren, kann man nicht verhandeln.
Na dieser Link ist ja der "schlagende Beweis" für Ihre Thesen. Wenn der Karikaturist es so sieht, wird's wohl stimmen. Der würde ja NIE etwas überspitzt darstellen. Das überzeugt mich jetzt aber wirklich total. Danke, dass Sie uns die simple Welt ihrer schlichten Argumente so bildhaft vors Auge führen. Sehr erhellend...

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schwyz 20.07.2015, 17:38
392. Schuldenschnitt?

Aus deutscher Sicht ist ein echter Schuldenschnitt nicht möglich, solange Griechenland Mitglied der Währungsunion ist. Diese Interpretation von Art. 125 des EU-Vertrags (Nichtbeistandsklausel) ist umstritten!

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garfield 20.07.2015, 17:46
393.

Zitat von Alaaf
Was ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass ein wissenschaftlicher Theoretiker in der Regel absolut ungeeignet ist für die Politik.
Keineswegs, wenn alle Seiten rational handeln, wie es der andere Forist ja durchaus korrekt annahm.
Zitat von Alaaf
Varoufakis hat in den letzten viel geschrieben und geäussert. Ob man all dem Glauben schenken darf?
Ja, damit kam auch schon ein anderer Forist. Wenn Sie zu sich selber ehrlich sind, würden Sie sich wohl kaum selber mit der Annahme verdummen, dass er sich das ausdenkt und einfach so in den Raum haut. Gegenüber anderen können Sie das natürlich versuchen....
Zitat von Alaaf
Seine Verhandlungspartner haben sicher allesamt eine andere Geschichte zu erzählen.
Logo, würde ich an deren Stelle auch tun. Aber wie gesagt, ich bin sicher, da ist in näherer Zukunft sicher noch einiges an Enthüllungen zu erwarten.
Zitat von Alaaf
Eigentlich ist es auch wurscht. Am Ende zählt, was bei einer Verhandlung herauskommt.
Da machen Sie es sich aber sehr naiv einfach. Wenn DAS stimmt, was diese bisher zwei Quellen berichten, wäre ein Sturm der Entrüstung über die "Verhandlungsstrategie" der sogenannten Geberländer fällig, der so einigen mindestens das Amt - unfreiwillig - kosten dürfte, von der "Außenwirkung" gar nicht zu reden. Dann wäre Europa wirklich tot.
Zitat von Alaaf
"Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz. Er ist ein überzeugter Europäer und verwurzelter Föderalist." Das ist übrigens auch ein Varoufakis-Zitat...
Ich wäre der Letzte, der dem alten Fuchs im Rollstuhl Intelligenz absprechen würde. Nur leider schützt Intelligenz nicht vor verbohrtem Calvinismus, der jegliche Rationalität vermissen lässt (um es mal so auszudrücken). Das ist auch nicht so schwer zu verstehen, wenn man sich überlegt, was das für den Neoliberalismus bedeutet hätte, wenn man Syriza auch nur den kleinsten Erfolg gegönnt hätte. SO gesehen, ist Schäubles Verhalten fast schon wieder rational zu nennen, aber Du lieber Himmel - das kann doch wohl nicht Maßstab einer vernünftigen Politik sein, sich im ideologischen Systemkampf tot zu siegen und solche "Kollateralschäden" zu verursachen!

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Celestine 20.07.2015, 17:47
394.

Zitat von Karl Auer
Hat er nicht. Der Euro war für GR ein Irrtum bzw. unberechtigt und schädlich. Daran zweifelt wohl kaum jemand. Und ob er für Portugal eine gute Idee war, könnte man wohl noch diskutieren. Ansonsten gibt es kaum Probleme, die es ohne den Euro nicht auch gegeben hätte oder die es nicht auch schon vor dem Euro gab. Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die so viele Länder in die Bredouille brachte, gab es ja nur wahrlich nicht wegen des Euros. Und längst nicht alle Länder mit großen Problemen seitdem haben bekanntlich den Euro.
Tja, Sie übersehen wohl die größeren Länder Italien und Spanien, welche heute schlechteres Rating haben als Portugal und mit BBB beinahe Schrott sind. Auch sind diese Länder mit dem Euro heillos überfordert. Frankreich scheint auch nur stark zu sein, nur der Glaube fehlt mir.

Unterschiedlich entwickelte souveräne Staaten in einer Währungsunion zusammenzubringen, in welcher alle den einen und selben rigiden Wechselkurs haben, spricht gegen jede wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnis und gegen jede Vernunft. Die noch ausstehende notwendige Stützung des System durch eine gemeinsame Schuldenhaftung kraft ESM wird die Eurozone vor gigantische Probleme stellen, denn das Volumen, welches von den noch soliden Ländern zu bewältigen wären, versprengt deren Möglichkeiten bei weitem.

Jetzt schon besitzen nur noch zwei Euroländer das Best-Rating AAA: DE und das winzige Luxemburg. Die Aussichten mancher Länder, die noch ein A-Rating haben, werden von den Agenturen als negativ bewertet. All das ist dem System verschuldet, hat mit einer vorübergehenden Krise nichts zu tun. Die Euro-Zone hat sich in eine Dauer-Krise hineinmanövriert und versucht nun krampfhaft, der Lage Herr zu werden, indem der Fokus auf nur ein "Problemland" GR gelenkt wird, damit die Bevölkerungen die eigentliche Lage nicht erkennen können.

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garfield 20.07.2015, 17:51
395.

Zitat von adal_
Nein damit hat er nicht Recht. Fragen Sie ihn doch mal, was er davon gehalten hätte, das (schon mehrfach) am Rande der Zahlungsunfähigkeit entlanggeschlitterte Kaliformien durch einen Bailout der Union aus der Patsche zu helfen oder warum es immer noch keinen Bailout für das insolvente Puerto Rico gibt.
Wenn Sie sich DA mal nicht irren:

Der amerikanische Kongress wird nun ein Gesetz verabschieden, das Puerto Rico Zugang zu amerikanischen Konkursgerichten verschafft. Die Schulden des Territoriums werden restrukturiert, und all jene, die waghalsig genug waren, ihm Geld zu leihen, werden sehen, dass ihre Ansprüche radikal abgeschrieben werden müssen.

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EraserFS 20.07.2015, 17:54
396.

Zitat von Karl Auer
Was empfiehlt eigentlich Krugman Japan?
Krugman und seine neokeynesianisch verkorksten Kollegen empfehlen alle immer dasselbe in verschiedenen Variationen: Irgendwem mehr Geld in die Hand geben oder dazu animieren mehr Geld auszugeben, um eine gedachte Nachfragelücke zu schließen, welche wiederum Wachstum erezugen soll, wodurch die existente Schuldenlast sinken würde.

Das diese Praxis überhaupt erst diese Empfehlung notwendig macht, ist in dieser Gedankenwelt ausgeschlossen.

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UweZ+ 20.07.2015, 17:54
397.

Zitat von Bondurant
Die "Linke" ist nur zu ganz kleinen Teilen "kopflastig", im wesentlichen macht sie Politik mit Emotionen (Bsp: der/die/das [jede beliebige politische Maßnahme einsetzen] kann doch nicht auf Kosten der Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen gehen). Sowas nennen Sie intellektuell?
Nein, ich habe die "Linke" nicht als "intellektuell", sondern die linke Strategie als "kopflastig" bezeichnet.

Was meiner Wenigkeit als VERNÜNFTIGE Strategie erscheint ("vernünftig" im Sinne der leider vergangenen Epoche der Aufklärung), wenn zu widerlegen gilt, dass heutzutage noch mittels "Bild und Glotze" durchregiert werden könnte.

Zwar kann der mittels nichts anderem als den Massenmedien Macht ausüben zu können Glaubende ihm genehme, kurzfristige Bauchgefühle bei von ihm propagandistisch Zugedröhnten erzeugen.
Auch kann ein Propagandist nachfolgend massenmedial-orchestriert verbreiten lassen, er wäre in Fragen der Meinungsbildung erfolgreich gewesen und die Masse seiner Untertanen wäre seiner Vorsehung als Führer nun hörig.

Er kann allerdings nicht mehr weitgehend verhindern, so wie das noch vor 50 Jahren möglich war, dass beliebig Andersdenkende mit und mit zu der von ihm vernachlässigten Ratio der von ihm rein emotional Manipulierten vordringen.
Und dabei im Kopf der nun weit ausgewogener emotional und verstandesmässig Berieselten derart unüberbrückbare WIDERSPRÜCHE auszulösen, das deren auf Strich gebürstet geglaubten, emotionalen Befindlichkeiten gänzlich ungefragt Achterbahn fahren.

Mich überzeugt das philosophische Konstrukt (genauer: ich GLAUBE daran), dass es nicht das Wahrgenommene, sondern die sich daraus ergebenden Widersprüche sind, die dem Menschen zu aussergewöhnlicher Erkenntnis verhelfen.

Und nichts könnte mehr innere Widersprüche in sich tragen, als jedwede "Alternativlosigkeit".
Weshalb ich letzterer KEINE CHANCE einräume, den Konkurrenz-Kampf mit Alternativen existentiell zu überleben, wenn das Alternativlose nicht mehr widerspruchsarm verhindern kann, das alternative Gedanken den Verstand der Menschen erreichen und dort mit den Gegensätzliches fühlenden Emotionen Pingpong spielen.

(Dass die Schäuble-Kampagneros in der Sondereinheit "Bild und Glotze" zu blöd zu sein scheinen, beim frontseitig-demonstrativen auf die eigene Brust Trommeln die überaus verletzlichen, eigenen Flanken zu schützen, mal aussen vor...)

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maxbeck54 20.07.2015, 17:55
398. Ach, Her Krugman!

Sie sind zwar ein Nobelpreisträger, aber Sie sind auch naiv und sehr Theorie belastet. Das Problem Griechenlands ist das System selbst, das nicht in der Lage ist, vernünftig Steuern einzureiben. Genug Einnahmen über Tourismus und der damit verbundenen Wirtschaftszweige hat das 10 Mio Volk. Aber, wenn Keiner Steuern zahlt, dann bleiben die Kassen leer. Die Regierung will, dass die übrigen Europär für die leeren Kassen aufkommen sollen. Als Nobelpreisträger sollten Sie sowas wissen. Ich zweifle so langsam, ob Sie ihren Nobelpreis wirklich verdient haben oder ob es in Wirklichkeit ihre Doktoranden das hätten bekommen sollen.

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EraserFS 20.07.2015, 17:58
399.

Zitat von garfield
Wenn Sie sich DA mal nicht irren: Der amerikanische Kongress wird nun ein Gesetz verabschieden, das Puerto Rico Zugang zu amerikanischen Konkursgerichten verschafft. Die Schulden des Territoriums werden restrukturiert, und all jene, die waghalsig genug waren, ihm Geld zu leihen, werden sehen, dass ihre Ansprüche radikal abgeschrieben werden müssen.
Konkurs ist das Gegenteil von Bail-Out.

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