Forum: Wirtschaft
Wirtschaftsbericht: OECD prangert Deutschlands Schulsystem an

Arbeitsmarkt, Netzindustrie und Gesundheitswesen: Will die Bundesregierung das hohe Wirtschaftswachstum halten, muss sie auf vielen Gebieten mehr tun. Dies geht aus dem neuen Wirtschaftsbericht der OECD hervor. Besonders problematisch sehen die Experten das Thema Bildung.

Seite 3 von 6
MoritzF 09.04.2008, 18:06
20. Sichtweise zu ökonomisch

Wieder einmal wird die Argumentation ausschließlich ökonomisch geführt. - Bildung vor allem auf ökonomisch Verwertbares zu verengen, ist nicht die Lösung sondern Teil des Problems.

Beitrag melden
luckyjack 09.04.2008, 18:24
21. Schulsystem

Was sollte am Dreigliedrigen Schulssytem falsch sein?
Sollen einige wenige schlechte etwas besser werden oder viele gute sehr schlecht?
Im dreigliedrigen Schulsystem können die guten Schüler wenigstens gezieltgefördert werden.

Beitrag melden
PaulNeu 09.04.2008, 18:29
22. Nur Phrasen und Vorurteile

Zitat von yk_inc
Heute sind 80% der Schulen dringend renovierungsbedürftig
Stimmt, hat aber mit der Leistungsfähigkeit wenig zu tun. Oder findet in neuen Schulgebäuden besserer Unterricht statt?

Zitat von yk_inc
viele Lehrer sind alt, noch mehr davon verschlafen den Zeitgeist oder die neuen Informationswege.
Alt ist schlecht, je jünger, desto besser? Oder wie soll ich solche Phrasen verstehen. Ich kann nicht behaupten, dass das Alter der Lehrer bei meinen Kindern bei der Beurteilung ihrer Berufsqualifikation irgendeine Rolle spielte.
Und neue Informationswege? Gehen Sie mal in eine Schule. Als wenn dort die jungen Lehrer moderne Informationswege besser beherrschen. Sie stecken voller Vorurteile.

Zitat von yk_inc
Die hälfte von ihnen unterqualifiziert.
Woran messen Sie das denn?

Zitat von yk_inc
Kaum Lehrer mit Migrationshintergrund.
Ist man ein besserer Pädagoge, wenn man Migrationshintergrund hat? Die Frage der Herkunft ist doch wohl völlig uninteressant, oder sind Sie Rassist, dass Sie den Wert eines Menschen nach seiner ethnischen Herkunft bewerten?

Beitrag melden
marrrrtin 09.04.2008, 18:34
23. Ökonomische Sichtweise

Zitat von MoritzF
Wieder einmal wird die Argumentation ausschließlich ökonomisch geführt. - Bildung vor allem auf ökonomisch Verwertbares zu verengen, ist nicht die Lösung sondern Teil des Problems.
Ich glaube, Sie sehen das falsch. In der Ökonomie bzw. wegen solchen Grundlagen wurde lange so getan, als seien Ausgaben in die Bildung v.a. Kosten, die man möglichst gering halten soll. Schliesslich ist der Nutzen erst nach Jahren oder Jahrzehnten sichtbar. Im nicht-ökonomischen Sinne war doch seit Jahrzehnten Einigkeit in diesem Sinne - dass mehr Bildung für möglichst breite Schichten äusserst wünschenswert ist.

Ich sehe es eher so, dass mittlerweile sogar die ökonomische Sichtweise aufdeckt, dass wir unser Bildungssystem zu Tode sparen und die soziale Durchlässigkeit auch ökonomisch höchst verwerflich ist.

Beitrag melden
tl-hd 09.04.2008, 18:39
24. ...

Zitat von marrrrtin
Die Frage ist natürlich, was uns als wichtiger erscheint: Wenige hochqualifizierte und hochspezialisierte Leute und ein Heer an Geringerqualifizierten, die entweder Billigjobs annehmen müssen oder arbeitslos sind, oder die skandinavische Variante mit vielleicht etwas geringeren Fähigkeiten in der Spitze (top 5%), aber im Schnitt besserer Qualifikation.
Ich stimme Ihnen zwar zu, dass geringer Qualifizierte ökonomisch gesehen wenig sinnvoll sind, allerdings denke ich, dass beim häufig herangezogenen Vergleich zwischen Deutschland und Skandinavien die unterschiedlichen Grundvoraussetzungen meist nicht beachtet werden. Denn in Skandinavien ist z.B. der Anteil von Menschen, deren Muttersprache nicht die Landessprache ist, kleiner als in Deutschland. Und sprachliche Barrieren führen dann hier häufig dazu, dass die Schüler "mit Migrationshintergrund" im Schnitt schlechter abschneiden. Daher denke ich nicht, dass das dreigliedrige Schulsystem das Hauptproblem ist, sondern eher die fehlende Sprachförderung im Vorschulalter. Wir sollten deshalb nicht allzu sehr versuchen, von Finnland zu lernen, sondern eher von Ländern, die einen vergleichbaren Migrantenanteil haben und besser abschneiden als Deutschland.

Zitat von marrrrtin
Und neben der Systemfrage (zwei-/dreigliedriges Schulsystem, etc.) ist in Deutschland vor allem auch das Zu-Tode-Sparen von Kindergärten, Schulen und Unis schuld an den schlechten Ergebnissen.
Bezüglich des Schulsystems ist mir irgendwie nicht ganz klar, wie eine Gesamtschule für alle insgesamt bessere Ergebnisse bringen soll, da dort doch eher die Schwächeren die Starken ausbremsen. Was die finanzielle Frage angeht, stimme ich Ihnen allerdings absolut zu. Denn gut ausgestattete Schulen im jetztigen, dreigliedrigen System und die oben angesprochene Sprachförderung vor der Einschulung (die ja auch kostet, aber, so denke ich, sich später bezahlt macht) bringen sicher deutlich mehr als ein schlecht ausgestattetes eingliedriges Schulsystem.

Beitrag melden
marrrrtin 09.04.2008, 18:41
25. Dreigliedriges Schulsystem

Zitat von luckyjack
Was sollte am Dreigliedrigen Schulssytem falsch sein? Sollen einige wenige schlechte etwas besser werden oder viele gute sehr schlecht? Im dreigliedrigen Schulsystem können die guten Schüler wenigstens gezieltgefördert werden.
Und die 60-80%, die nicht so gut bzw. nicht gut genug für das Gymnasium waren? Verschrotten wir die am besten gleich?

Nichts spricht gegen die gezielte Förderung der Guten, aber wir machen bei den Schwachen was falsch. Das zeigt sich am Deutlichsten darin, dass Gymnasien deutlich höhere Ausgaben pro Schüler haben als Real- oder Hauptschulen. Eigentlich sind gute Schüler relativ unproblematisch (sie verstehen z.B. auch bei Frontalunterricht), und man kann mit moderaten Mitteln hervorragend ausbilden. Will man schlechtere Schüler mitziehen, muss man hingegen konzeptuell anderen Unterricht machen, und der braucht bessere Betreuungsrelationen. Sprich, eigentlich müssten wir in Haupt- und Realschulen pro Kopf deutlich mehr ausgeben als im Gymnasium.

Beitrag melden
marrrrtin 09.04.2008, 18:42
26. Fehler...

Zitat von marrrrtin
Ich sehe es eher so, dass mittlerweile aufdeckt, dass wir unser Bildungssystem zu Tode sparen und die soziale Durchlässigkeit auch ökonomisch höchst verwerflich ist.
Ich korrigiere mich, es sollte natürlich soziale Undurchlässigkeit heissen.

Beitrag melden
emmet 09.04.2008, 18:43
27. Gleiches Geld für Alle!

Zitat von reyam
Und dann diese ewige Forderung: Bezahlung nach Leistung!!! Gähn! Auch hier: Wie soll denn das gehen? Um das leisten zu können, bräuchten wir eine Zentralerfassungsstelle, die die Qualität von Schülererkenntnissen misst, diese dann in Punkte umrechnet und die Punkte mit einer Gehaltstafel abgleicht!?
Wieso wird dann im Lehramtsreferendariat der Unterricht der Referendiaten bewertet, wenn diese doch gar nicht "Bewertbar" ist. *grins*

Wieso gibt es dann "vergleichbare" Noten für die betroffenen Schüler?

Zitat von reyam
Es ist gut, dass jeder Lehrer gleich viel erhält in unserem System und man keine Wertigkeiten erstellt.
Es wäre auch gut wenn jeder nicht verbeamtete Arbeitnehmer das gleiche bekommen würde. Nur um "keine Wertigkeit" zu erstellen. Natürlich grenzt dieser Anspruch im Lehramt den Anspruch nicht aus, für die kommende Berufswelt ausbilden zu können *grins*.

Zitat von reyam
Die Schulen haben die Aufgabe, die Schüler als mündige Staatsbürger zu entlassen. Die Erkenntnisse, die ein Schüler im Lauf seiner Schullaufbahn gewinnt, unterliegen eben nicht einem wirtschaftlichen Maximalprinzip, sondern sind tief privater Natur und benötigen vor allem Zeit, schließlich handelt es sich um komplexe menschliche Fragen. Wir brauchen doch nicht Menschen, die brav Kreuzchen in die richtigen Kästchen machen, wenn die OECD-Prüfer kommen, sondern Menschen, die sich trauen, zu denken!
Stimmt! Genau diese Menschen brauchen wir. Allerdings brauchen wir auch Lehrer die dieses Wissen besitzen und die Fähigkeit haben dies auch weiterzugeben.

Leider gibt es aber auch einige Lehrer die ihren Beruf nicht als Berufung sehen. Auch die Qualität des unterrichteten Stoffes müsste überprüfbar sein.

Beitrag melden
PaulNeu 09.04.2008, 18:44
28. Bildungsexperten oder Wirtschaftsexperten?

Seit wann sind die Wirtschaftsexperten der OECD Bildungsexperten für Deutschland? Oder auch Jura-Professoren aus Mittelamerika ;o)

Fest steht, bei Pisa hat D überdurchschnittlich abgeschnitten und viele vergleichbare Staaten hinter sich gelassen. Übrigens auch alle skandinavischen Länder außer Finnland, wo eben ein pädagogisches Umfeld besteht, das in keiner Weise mit D vergleichbar ist.
http://www.sueddeutsche.de/jobkarrie...el/876/145543/

Die OECD bescheinigt dem deutschen Bildungssystem ebenfalls überdurchschnittlichen Erfolg, D liegt klar über dem OECD-Schnitt.
Selbst die OECD stellt klar fest: "Insgesamt zeigt sich, dass Jugendliche in gegliederten Schulsystemen im Schnitt weder besser noch schlechter abschneiden als Jugendliche in Systemen mit nur einem Schultyp." Es besteht eindeutig keine Korrelation zwischen Schulsystem und Leistungsfähigkeit.

http://www.oecd.org/document/45/0,33..._1_1_1,00.html

Warum dann die OECD für D ein anderes Schulsystem fordert, ist rätselhaft. Ich kann diese ideologischen Phrasen schon nicht mehr hören. Man sollte sich eher dafür sorgen, dass alle OECD-Länder zum deutschen Niveau aufschließen können.

Sicherlich ist das deutsche Bildungssystem an vielen Stellen reform- und verbesserungsbedürftig, hat mit besonderen Problemen zu kämpfen, die andere Länder nicht kennen. Die Systemfrage ist aber ein Nebenkriegsschauplatz und lenkt von den wirklichen Problemen ab.

Bitte aufhören, die Leistungsfähigkeit unserer Schulen schlecht zu reden. Die Tatsachen sprechen dagegen. Wir sind nicht Weltmeister, können es unter den Umständen auch nicht sein, aber wir gehören ins obere Drittel, unter den Voraussetzungen, wie sie in D gegeben sind, nicht schlecht.

Beitrag melden
marrrrtin 09.04.2008, 18:48
29. Skandinavien

Zitat von tl-hd
Denn in Skandinavien ist z.B. der Anteil von Menschen, deren Muttersprache nicht die Landessprache ist, kleiner als in Deutschland. Und sprachliche Barrieren führen dann hier häufig dazu, dass die Schüler "mit Migrationshintergrund" im Schnitt schlechter abschneiden. Daher denke ich nicht, dass das dreigliedrige Schulsystem das Hauptproblem ist, sondern eher die fehlende Sprachförderung im Vorschulalter. Wir sollten deshalb nicht allzu sehr versuchen, von Finnland zu lernen, sondern eher von Ländern, die einen vergleichbaren Migrantenanteil haben und besser abschneiden als Deutschland.
Schweden und Dänemark haben ähnliche Migrantenanteile wie wir, und jedenfalls Dänemark liegt deutlich vor uns bei PISA. Kanada hat mehr gar (fremdsprachige) Migranten als wir und liegt trotzdem im Spitzenfeld. Die (andere Mutter-)Sprache ist kaum ein Problem, wenn die Strukturen wie Sprachförderung im frühkindlichen Stadium und begleitend zur Schule da sind.

P.S.: Ich war in Schweden, und dort ist zwar das Schulsystem laut PISA auch nicht besser, aber die Schwedisch-Kenntnisse der (durchschnittlichen) Migranten weit höher als bei uns die Deutschkenntnisse. Da muss was gemacht werden.

Beitrag melden
Seite 3 von 6
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!