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Wirtschaftskrise: Rating-Agentur S&P stuft Russland auf Ramsch herunter
REUTERS

Sinkende Öleinnahmen, hohe Inflation: Russlands Wirtschaft steht schlecht da. Nun senkt die Rating-Agentur Standard & Poor's auch noch ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramsch-Niveau. Der Rubel reagiert mit einem Kurseinbruch.

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DirkSt 26.01.2015, 20:41
1. Ganz objektiv betrachtet ...

... wird es für Russland nun deutlich schwerer, die in den letzten Jahren mit finanziellen/wirtschaftlichen Mitteln erkaufte "Zustimmung" (Abhängigkeit/Gefügigkeit/Loyalität) in Regionen wie Süd-Ossetien, Abchasien, Transnistrien und auch der Krim und der Ost-Ukraine aufrecht zu erhalten. Viktor Normalrusse wird nicht irgendwann nicht mehr akzeptieren, dass sein Lebensstandard wieder sinkt, während man sich kostspielige "Abenteuer" an den Rändern leistet. Im Moment ist mir auch wirklich ein Rätsel, wie man sich eine solide Zustimmung im Osten der Ukraine "erkaufen" will. In den "kleinen" Regionen mag das gehen - aber in einem Landesteil mit einigen Millionen Leuten, denen allen Einkommen und Versorgung fehlen, vom nötigen Wiederaufbau mal ganz abgesehen. Selbst der fanatischste "Fan" von DNR und LNR wird irgendwann erkennen müssen, dass nicht ukrainische Truppen einen zerstörerischen Krieg in seiner Region begonnen haben, die das vorher so normale Leben unmöglich gemacht hat.

Fragt sich eigentlich nur, ob der wirtschaftliche Abstieg den Akteur Russland nicht noch aggressiver macht. Vermutlich können wir schon bald vernehmen, dass auch S&P vom CIA gesteuert wird ...

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geando 26.01.2015, 20:56
2. instabiles russland= gefährliches russland

obwohl ich wirklich kein putin-russland-fan bin, mache ich mir bei solchen meldungen mehr sorgen als durch die ukraine-krise. ein instabiles, wirtschaftlich angeschlagenes russland, voll von nationalistischen verlieren und von einem autokraten geführt ist einfach unberechenbar. sollte putin verschwinden, wird es allerdings auch nicht unbedingt besser. es gibt für den westen keinen grösseren sicherheitsgarant als ein wirtschafts-stabiles russland. das haben viele der sanktions-befürworter noch nicht verstanden. im schlimmsten fall werden die sanktionen sogar ein "jetzt erst recht, weil eh alle gegen uns sind"-gefühl auslösen. so wie der bombenkrieg gegen deutshcland im zweiten weltkrieg die menschen nur enger an die machthaber gebunden hat als umgekehrt.

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andi1963 26.01.2015, 20:59
3. aha...Ratingagenturen

braucht man nicht kommentieren
seeehr unabhänig;)

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Thorsten_Barcelona 26.01.2015, 21:18
4. @geando

Ein instabiles Russland ist ohne Frage gefährlich, aber ein Russland dem man alles durchgehen lässt, kann sich genauso in einen nationalistischen Traum von einem neuen Gross-Russland hineinsteigern. Davon abgesehen sind die Sanktionen nur ein Teil der wirtschaftlichen Probleme Russlands.

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dr.ocer 26.01.2015, 21:23
5. das das passiert ...

....war den Russen völlig klar, kann man dort innenpolitisch super ausschlachten und ändert letztendlich nix außer das es den nächsten Sargnagel für einen anständigen Dialog liefert...

Merkt denn keiner das Russland diesen Konflikt will weil es ihn braucht?

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steppenwolff 26.01.2015, 21:24
6.

Zitat von andi1963
braucht man nicht kommentieren seeehr unabhänig;)
Was Sie von den Ratingagenturen halten ist völlig irrelevant. Wenn man sich den Kursverlauf von heute ansieht, scheinen die relevanten Akteure auf der Welt den Ratings auf jeden Fall eine gewisse Bedeutung beizumessen. Und dumm sind die meisten Leute, die mit Millionen jonglieren dürfen, nicht.

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go-west 26.01.2015, 21:33
7. Schön festzustellen,

daß es heute Mittel abseits von kriegerischer Auseinandersetzung gibt, um willkürlichen Aggressionen und Annexionen fremder Länder Einhalt zu gebieten. Ich kann natürlich nachvollziehen, daß es den Russen nicht gefällt wenn demnächst Ihre westliche Landesgrenze gleichzeitig die Grenze zur Nato ist. Aber dies ist alleinige Entscheidung der Ukraine. Hätte man auf russischer Seite in der Vergangenheit ein attraktives Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell entwickelt, würde sich die Ukraine ja heute gar nicht gen Westen orientieren. Diesen freien Wettbewerb der Länder und Systeme dirigistisch zu unterdrücken, ist leider sowjetische und damit auch russische Tradition.

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spiegelwatcher 26.01.2015, 21:35
8. Rating-Noten nur das Symptom für den Niedergang Russlands

Zitat von geando
obwohl ich wirklich kein putin-russland-fan bin, mache ich mir bei solchen meldungen mehr sorgen als durch die ukraine-krise. ein instabiles, wirtschaftlich angeschlagenes russland, voll von nationalistischen verlieren und von einem autokraten geführt ist einfach unberechenbar. sollte putin verschwinden, wird es allerdings auch nicht unbedingt besser. es gibt für den westen keinen grösseren sicherheitsgarant als ein wirtschafts-stabiles russland. das haben viele der sanktions-befürworter noch nicht verstanden. im schlimmsten fall werden die sanktionen sogar ein "jetzt erst recht, weil eh alle gegen uns sind"-gefühl auslösen. so wie der bombenkrieg gegen deutshcland im zweiten weltkrieg die menschen nur enger an die machthaber gebunden hat als umgekehrt.
Was man vom Urteil von Rating-Agenturen zu halten hat, weiß man spätestens seit der Lehmann-Pleite: nämlich nichts.

Dennoch muss man keine Experten bemühen um festzustellen, dass sich Russland schon lange vor seinem völlig halsbrecherischen Ukraine-Abenteuer selbst in den Abstieg manövriert hat.
Anstatt die Erträge aus den Rohstoffverkäufen dazu zu nutzen, die Infrastruktur und die Diversifikation der Wirtschaft voranzutreiben, Pluralismus und Meinungsfreiheit zu fördern, hat man diejenigen mit billiger Propaganda bedient, die immer noch glauben, der Glück des Landes hinge davon ab, wie viel Kilo Militärorden man sich um den Hals hängen kann. Man hat, statt auf Bildung, Forschung und Entwicklung zu setzen, die erwirtschafteten Vermögen verwendet um das primitivste zu fördern, was die Menschheit je hervor gebracht hat: den Nationalismus und den Faschismus. Umrandet wurde das mit einem gigantischen Ausbau des Militärs mit dem einzigen Ziel, dem Rest der Welt zu zeigen, dass man auch noch da ist, dass man sich als russisches Volk einreiht in den Reigen derer, die allen anderen sagen: "seht her, ich bin stark und kann Euch, wenn ich möchte, mit einem Wimpernschlag vernichten!"

Einfach toll, diese Russen!
Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, brauche ich - mit Verlaub - keine Ratingagentur!

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olivervöl 26.01.2015, 21:44
9. Wirtschaftskrieg

Ölpreis, Sanktionen, Rubelkurs, Kreditblockade: Dies ist ein ausgewachsener Wirtschaftskrieg und keine normale Krise. Russland wird nicht zusammenbrechen wie unter Jelzin, sondern sich überstürzt in Richtung Asien und Südamerika orientieren müssen.
Für die USA und EU ist dies ein abenteuerlicher Kurs, denn die Folgen der abgebrochenen Wirtschaftsbeziehungen werden auch sie tragen müssen. Und auch wenn die USA jetzt dank des hohen Dollarkurses stabil erscheinen, kann ihr Finanzkartenhaus jederzeit zusammenbrechen.

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