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Wirtschaftskrise und Inflation: Argentiniens Präsident verkündet harte Sparmaßnahmen
REUTERS

Abschaffung von Ministerien, höhere Besteuerung von Exporten: Das argentinische Parlament hat sich für die Sparmaßnahmen von Präsident Macri entschieden. Auf den Straßen kam es zu heftigen Protesten.

zeitgenosse99 26.10.2018, 00:49
1. Don't cry for me Argentina!

Ich habe von 2009 bis April 2016 meinen Zweitwohnsitz in Buenos Aires gehabt und war vorher schon oft dort. Die Lebensqualität war allen westlichen Unkenrufen zum Trotz unter der Kirchnerregierung einiges besser, zumal die 2003 ein Land nach einem von den Rechtsbürgerlichen verschuldeten Staatsbankrott wieder aufpäppeln mussten (ähnlich wie Obama), dem Land mit zwei Schuldenschnitten wieder etwas Luft geschafft haben, von den Finanzmärkten als Paria wie ein Land ausserhalb des Systems behandelt haben. Und man konnte sich nicht einfach verschulden, denn Argentinien bekam damals kaum Kredite, es gab sicher auch Korruption, aber die gabs in Argentinien schon vorher und unter Macri mit seiner Vetternwirtschaft und Panamakonten immer noch.
Macri hat im Dezember 2015 ein Land mit 55.5% Staatsverschuldung übernommen, sowohl Firmen (12.4%) als auch Verschuldung der privaten Haushalten (6.4%) und auch der rel. kleine Finanzsektor stellte keine grosse Risiken.
Gut die Geierfonds, die sich mit dem Schuldenschnitt nicht zufrieden geben wollte und damals nach dem Staatsbankrott arg. Staatsanleihen für 5-10% des Nonimalwertes gekauft hatten, wollten sich nicht mit einer Performance von über 1000% in 12 Jahren zufrieden geben, sie wollten gegen 2000% und haben Argentinien bis aufs Blut geplagt.
Macri wusste nichts besseres als klein beizugeben, 15 Mrd US$ zu 8% aufzunehmen um die Geier zu befriedigen, alle Agragexportstuern ausser Soja abzuschaffen oder bei Soja massiv zu reduzieren (diese Steuern gibt es schon seit 1864 - mal waren sie höher mal tiefer, aber keine Erfindung der Kirchners) und sogar noch einen 100-jährigen Bond zu fast 8% herausgegeben - an der Wall-Street hat man sich krumm gelacht ab soviel Blödheit!
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Nun nach fast 3 Jahren Macri ist das Land bis Ende 2018 ca mit 110% verschuldet, hat wieder Frau Lagarde vom IWF im Rücken, (den IWF konnte man nach einigen Jahren nach dem Bankrott 2001 endlich loswerden), die Arbeitslosigkeit (akt fast 10%), die Armut, die Kriminalität, die Inflation entwickelten sich alle zu schlechteren, die Defizite inkl. Aussenhandelsdefizit stiegen. Jetzt wird bei Behinderten, Bildung, den Aermsten gekürzt, nachdem die arg. Oligarchie von 2016 bis Frühjahr 2018 dank einem massiv überbewerteten Peso in Paris und Miami die grossgekotzten Argentinier raushängen konnten (was sie von ihrem ital. Blut her gerne machen).
Die ganzen abgeschafften Landwirtschaftssteuern für die Grossgrundbesitzer musste Macri übrigens jetzt auf Druck von Lagarde wieder einführen. Hätte man auch beibehalten können, den Grossgrundbesitzern geht es in der Regel nicht schlecht.
Aber wie man so ein Land mit soviel Potential so schnell ins Elend treiben kann - unverständlich. Und man kann nicht alles auf die Kirchnerregierung abschieben, denn zumindest ging es einem Grossteil des Volkes so gut wie vermutlich noch selten in der Geschichte Argentinien. Unter schwierigen Umständen hat man damals das beste gemacht und es war möglich!
Macri ist ein pseudoneoliberaler Totalversager & während in Brasilien das Land vermutlich am Sonntag nach ultrarechts kippt, könnte es in Argentinien 2019 bei den Wahlen wieder eine Gegenbewegung nach links geben!

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hagenvon 26.10.2018, 04:53
3. welcher

"Starinvestor" zockt denn wieder gegen Argentinien?

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newera2100 26.10.2018, 04:58
4. Viel Potenzial...

.. aber leider von weitverbreiteter Korruption und Vetternwirtschaft gelähmt, die ironischerweise vom Niveau selbst jene der korruptesten anderen lateinamerikanischen Staaten übertreffen.

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naeggha 26.10.2018, 06:11
5. seit langer zeit mal wieder ein guter politiker

vorbildlich und nicht populär. da sollten sich andere politiker aus bestimmten ländern mal ne scheibe abschneiden.

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pansenhans75 26.10.2018, 11:03
6. Was passiert?

Danke für den ersten Beitrag! Gute Zusammenfassung. Fazit: das Kapital bereichert sich massiv, liberale Politik nutzt wie immer in der Geschichte den ohnehin schon Wohlhabenden, die Leidtragenden sind die normalen und armen Bürger, deren Leben durch massive Kürzungen noch schwerer bzw. unmöglich macht..... dann legt die internationale Finanz Erpresser Vereinigung den Kürzungshebel an .
Wer die Situation in Griechenland kennt weiß worauf das alles hinaus läuft...... arme Welt, für alle, die nicht reich sind

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noerglerfritz 26.10.2018, 11:13
7. Schlecht

Zitat aus dem Artikel:
“Der argentinische Peso büßte seit Jahresbeginn 50 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar ein. Grund ist vor allem die beunruhigende Entwicklung der Inflation.”

Aha. Der Grund für die Inflation ist... die Inflation. Kann da nur den Kopf schütteln.
Und Näheres zu den Einschnitten hätte ich auch gern erfahren. Ich finde den Artikel sehr schlecht!

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zeitgenosse99 27.10.2018, 01:37
8. Weniger nörgeln, mehr denken

Zitat von noerglerfritz
Zitat aus dem Artikel: “Der argentinische Peso büßte seit Jahresbeginn 50 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar ein. Grund ist vor allem die beunruhigende Entwicklung der Inflation.” Aha. Der Grund für die Inflation ist... die Inflation. Kann da nur den Kopf schütteln. Und Näheres zu den Einschnitten hätte ich auch gern erfahren. Ich finde den Artikel sehr schlecht!
Wenn Sie auch nur eine leise Ahnung hätten von Argentinien, dann wüssten Sie, dass das Land nach den USA den zweithöchsten Barbestand an US$ Geldscheinen hat.
Und logischerweise wenn die Inflation anzieht, dann versuchen die Argentinier ihre Kaufkraft in US$ zu schützen indem sie vermehrt solche kaufen, teilweise auch ins Ausland transferieren (nennt man Kapitalflucht) und arg. Pesos sind ausserhalb Argentiniens nun mal praktisch wertlos, weil niemand diese kauft.
Und wenn der Währungszerfall vs. dem US$ grösser ist als die Inflationsrate, dann haben sie sogar noch ein Geschäft gemacht.
Währungszerfall und Inflation sind eben nicht 1:1 identisch.

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