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Wirtschaftsmacht Deutschland: Studie entzaubert Hartz-Mythos
REUTERS

Das deutsche Jobwunder machte die Hartz-Reformen zum Vorbild für die Krisenländer Europas. Eine neue Studie räumt mit diesem Mythos auf: Nicht die Agenda 2010 hätte Deutschland zum ökonomischen Superstar gemacht, sondern die Unabhängigkeit der Betriebe und der Gewerkschaften vom Staat.

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curiosus_ 02.02.2014, 13:34
50. Kann es sein, dass

Zitat von Mac_Beth
Diese Studie ist letztendlich nichts anderes als eine Preisung des Kapitalismus in seiner reinsten Form. Ich kann nur jedem raten sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Die PR Maschinerie läuft auf Hochtouren um Neoliberale Kräfte bei uns für die kommende Europawahl zu stärken. Das wiederum würde die Verhandlungsmacht der Industrie für das geplante Freihandelsabkommen in eine bessere Position hieven.
Sie da etwas missverstehen? Die Studie sagt doch gerade, dass die Kürzungen über Hartz4 gar nicht nötig gewesen wären um uns wirtschaftlich erfolgreich zu machen!

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straff&locker 02.02.2014, 13:35
51.

Zitat von sysop
Das deutsche Jobwunder machte die Hartz-Reformen zum Vorbild für die Krisenländer Europas. Eine neue Studie räumt mit diesem Mythos auf: Nicht die Agenda 2010 hätte Deutschland zum ökonomischen Superstar gemacht, sondern die Unabhängigkeit der Betriebe und der Gewerkschaften vom Staat.
Hm. Verstehe ich nicht. Das die Agenda2010 nicht alleinig "das Werkzeug" war um der "kränkelnden" Wirtschaft auf die Beine zu helfen dürfte wohl jeden normal denkenden Menschen einleuchten. Ferner gibt es in etlichen Bereichen der freien Wirtschaft keine Lohnerhöhungen seit Mitte der 90er - und dass die Gewerschaften "frei & unabhängig" sind - naja das würde ich jetzt auch nicht unterschreiben.

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vwl_marlene 02.02.2014, 13:36
52. optional

Fuer die, die die Studie interessiert, ab naechster Woche:
http://www.aeaweb.org/articles.php?doi=10.1257/jep.27.4
Zugang ist kostenlos.

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brux 02.02.2014, 13:36
53. --------

Wirtschaftswissenschaften sind eine reine Meinungswissenschaft. Die Modelle sind so grob geschnitzt, dass man gar nichts ableiten kann.

Prekäre Arbeitsverhältnisse, wie sie Hartz IV erzeugt hat, brechen eben auch die Macht der Gewerkschaften und verhindern deren ständige Obstruktion.

In Frankreich sind 8% der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Trotzdem hält der Staat die Bonzen aus und erlaubt ihnen, die Wirtschaft ohne jede Urabstimmung zu lähmen.

Hier wäre also anzusetzen, aber das macht Reformen wie Hartz IV ja nicht überflüssig. In Frankreich gibt es z.B. ALG schon nach 4 Monaten Beschäftigung, und das dann für 36 Monate. So zementiert man Arbeitslosigkeit.

Übrigens sagt niemand, dass jedes EU-Land genau dasselbe machen soll. Die EU-Kommission hat für jedes Land eigene Reformvorschläge erarbeitet.

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Giancarlo 02.02.2014, 13:36
54. Fertilitätsrate

Zitat von sysop
Das deutsche Jobwunder machte die Hartz-Reformen zum Vorbild für die Krisenländer Europas. Eine neue Studie räumt mit diesem Mythos auf: Nicht die Agenda 2010 hätte Deutschland zum ökonomischen Superstar gemacht, sondern die Unabhängigkeit der Betriebe und der Gewerkschaften vom Staat.
Mir ist es ein Rätsel, wie ein Wachstum von deutlich unter 2% zu den Jubelstürmen über das Deutsche Wirtschaftswunder führen kann. Die Beschäftigungsschwelle liegt bei 2,2% Wachstum d. h. ab hier werden zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. Die jetzige Entwicklung entspringt einzig und allein der Tatsache, dass aufgrund des demographischen Wandels mehr Arbeiter und Angestellte in den Ruhestand gehen und diese freiwerdenden Arbeitsplätze nicht in ausreichendem Maße besetzt werden können.

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mtergeman 02.02.2014, 13:37
55. Hartz führte zu Jobwunder??

Komische Studie, Hartz- Reformen sollten kein Jobwunder schaffen, sondern dem Staat Handlungspielräume wiedergeben. Denn die galoppierenden Sozialausgaben mussten eingedämmt werden. Der Staat gab dem deutschen Bürger Verantwortung für sein Leben zurück. Denn viele Langzeitarbeitslose und Arbeitssuchende liessen sich, dank Arbeitslosengeld/hilfe Zeit. Viele nutzten den Schnitt in der beruflichen Laufbahn zur Umorientierung und liessen sich vom Amt berufliche Um-Weiterbildung bezahlen. Da sollten die Hartz Reformen ansetzen. Das Arbeitsamt sollte nur noch für eine bestimmte Zeit unterstützen, danach musste der Bürger entweder liefern, oder er ging in Hartz4. Das sollte indirekt auch der Wirtschaft helfen, denn so konnten später, nach Sanierung der Arbeitsagentur der Sozialbeitrag bei den Löhnen gesenkt werden. Arbeit wurde günstiger, und wer arbeitete bekam mehr raus. Das waren aber nicht die primären Pläne. Die Autoren der Studie scheinen ausser Acht gelassen zu haben, dass Deutschland unter Kohl Schulden angehäuft hat wie kein anderes Land in Europa, ohne eine einzige Ausgabe zu kürzen. Schröders Kassensturz nach Übernahme der Verantwortung zeigte, dass das Land quasi handlungsunfähig war. Geld war Mangelware. Die Agenda 2010 sollte diese Mängel auf der Ausgabenseite beheben. Daran krankte Deutschland und das wurde durch die Agenda nicht komplett, aber teilweise behoben. Wenn der Staat wieder investieren kann, dann belebt dass auch den Binnenmarkt. Die Sozialdemokraten haben wirtschaftlicher gearbeitet als die Konservativen, aber so war das schon öfters, die erste Groko unter Merkel hat das weitergeführt und nun ist es wieder so. Die SPD liefert, die CDU erntet.

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straff&locker 02.02.2014, 13:38
56. so gesehen...

Zitat von ruedigerguenter
Ich stimme ihnen zu.. Bei Studien muss allerdings immer danach gefragt werden wer die Studie finanziert hat. Meiner Ansicht nach sind die Kräfte der freien Wirtschaft unverzichtbar. Allerdings muss es immer einen gesetzlichen Rahmen geben um die rücksichtslose Gier des Einzelnen und die Macht des Geldes zu zügeln.
Sind anscheinend 4 Studenten.

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struck@gmx.info 02.02.2014, 13:40
57.

Fast alle meinen, es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Nur: so genau weiß eigentlich keiner, wie diese gemessen werden kann, auch volkswirtschaftliche Theoriengebäude kennen den Begriff nicht so wirklich - jedenfalls nicht als exakt definierbare makroökonomische Größe. Wenn heute viele davon reden, diese Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext erhöhen zu müssen, reduziert sich das Ansinnen zumeist darauf, die Lohnstückkosten und damit in erster Linie die Löhne als variablen Bestandteil des Kapitals zu drücken. Das ist billige mainstream-Rhetorik und nicht mehr!

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cato-der-ältere 02.02.2014, 13:40
58. Schon länger klar

Es gab schon vorher Studien die zeigten dass der Einfluss der Hartz-"Reformen" (Reform ist eigentlich zu viel der Ehre für diesen simplen Abbau von Arbeitnehmerrechten und Lebensqualität) weit weniger Einfluss auf die aktuell günstige Lage haben als behauptet. Und dass der Einfluss auch schwer heraus zu rechnen ist.
Die mittelständische und industrielle Tradition in Deutschland, die Infrastruktur, die hohe Arbeitsmoral, das Verantwortungs-Bewusstsein der Bürger, und ihre Tüftelfreude sind natürlich weitere starke Einflüsse. Das sind Faktoren die wieder zum Tragen kommen wenn die Nachfrage durch Schwellenländer boomt, wie in den letzten 10 Jahren.

Wenn man dagegen hält wie die Hartz-Reformen das soziale Klima vergiftet haben, und das Leben von Millionen negativ beeinflusst, sind sie natürlich als der große Mist entlarvt die sie sind. Aber ihre Initiatoren können das natürlich nicht ertragen. Und die Neolibs hier und weltweit quaken immer irgendwelche platten Weisheiten vom segensreichen Markt heraus, um die gewollte Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer zu legitimieren.
Auch unsere Angie wird intellektuell wohl stark überschätzt. Wenn man hört was sie zu Cannabis sagt ("Einstiegsdroge", aber Alkohol relativ harmlos), zum Internet ("Neuland") und eben zur Agenda... Naja....

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Lord Nerof 02.02.2014, 13:42
59. Der Sieg des Kapitalismus...

geht wieder einmal mehr über den Menschen. Welches Elend müssen Wir alle noch ertragen, bis diese Gesellschaftsform endlich abdankt. o nomen dulce libertatis.

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