Forum: Wirtschaft
Wirtschaftsweise zur Eurokrise: Der Markt soll's richten
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Könnte ein gemeinsamer Finanzminister künftige Eurokrisen verhindern? Die Wirtschaftsweisen wollen lieber auf die Kontrolle durch die umstrittenen Finanzmärkte vertrauen. Das findet Mitglied Peter Bofinger allerdings paradox.

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yxciuz 28.07.2015, 14:00
1.

Das Problem ist in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht "der Markt", sondern dass es im Markt irrationale Teilnehmer gab, und deren Vorstellungen von irrational agierenden Staaten erfüllt wurden.

Warum haben Anleger Griechenland Geld geliehen? Obwohl die Zinsen stiegen? Steigende Zinsen sind normalerweise ein Anzeichen für höheres Risikio - also sollte man irgendwann davor zurückschrecken.

Aber einige gewiefte Anleger dachten sich: Wenn GR nicht zahlen kann, wird das schon irgendjemand übernehmen.

Obwohl dieses Übernehmen fremder Staatsschulden laut Maastrichter Vertrag ILLEGAL ist, und von der CDU in einem pre-Euro Wahlkampf explizit ausgeschlossen wurde, wurden die Staatsschulden unglaublicherweise TROTZDEM übernommen.

Hätte man es "den Märkten" überlassen, hätten sich alle diese Investoren entsprechend der Marktregeln ein blaues Auge geholt, und würden ein solches Spiel nicht nochmals wagen.

Nun waren diese Investoren aber nicht irgendjemand, sondern große D und F-Banken. Diese haben dann ihre Regierungen dazu gedrängt die Schulden zu übernehmen, damit sie ihr Geld wiederbekommen.

Es ist einfach nur eine Umverteilung von Nord-Steuergeldern zu Nord-Banken. Der Umweg über Griechenland versucht diese ILLEGALE Umverteilung zu legitimieren.

Der GR-Bürger hat davon entweder nichts oder nur sehr wenig.

Zusammenfassung: Hätte man es dem Markt überlassen, wären wir jetzt nicht wo wir sind.

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Dr. Kilad 28.07.2015, 14:07
2. Sozial war gestern

Gewinne und öffentliches Eigentum wird privatisiert, Verluste sozialisiert. Nun greift man bereits die Demokratie an.

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accademico 28.07.2015, 14:08
3. Ein Gedanke in die richtige Richtung

Die Einführung des Euros war ein Fehler. Dieser Fehler sollte mittelfristig durch eine geordnete Auflösung der Eurozone behoben werden. Ein Austrittsrecht wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das Prinzip der Unumkehrbarkeit der Währungsunion basiert auf einer Ideologie des europäischen Größenwahns. Weniger ist mehr: weniger Euro-Zentrismus = mehr Freiheit, = mehr Demokratie etc. Der Gedanke müsste zu ende geführt werden. Rückabwicklung der EU zur EG (oder EWG = nicht Einer wird gewinnen, sondern alle werden gewinnen), Rückabwicklung des Euro zum ECU, d.h. zurück in die Zukunft.

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pom_muc 28.07.2015, 14:11
4.

In den Jahren 2008-2010 nahm D durchschnittlich jährlich 12 Milliarden Euro neue Schulden für Konjunkturprogramme auf.

Es wäre Bofingers Aufgabe zu erforschen ob diese Konjunkturprogramme oder die Vielzahl anderer Reformmaßnahmen wesentlich für den Konjunkturaufschwung in den Folgejahren waren.

Wie man in GR sieht helfen Konjunkturprogramme ohne Reformen nicht.

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Banause_1971 28.07.2015, 14:20
5. Da wäre es doch sicher auch im Interesse aller,

wenn die berühmten Leerverkäufe von Aktien und Rohstoffen ein Ende haben. Wie kann es sein, dass ich heute eine Tonne Gold (auf dem Papier) verkaufe, die ich noch gar nicht eingekauft habe? Da geistert also virtuelles Gold durch die Märkte, drückt den Preis, aber es existiert gar nicht. Begrüßen würde ich es auch, dass Zocker an den Aktienmärkten auch mal verlieren können, und nicht der Steuerzahler in die Pflicht genommen wird, den großen Casino-Saal Börse bei Verlusten zu stützen. Auf den Märkten können sich ja gerne die Reichen und schönen vergnügen und sich gegenseitig das Geld um die Ohren hauen, aber bitte nicht das Geld der Steuerzahler. Wer verliert, hat verloren. Fertig. DAS wäre etwas, was ins Grundgesetz gehört.

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muellerthomas 28.07.2015, 14:21
6.

Zitat von pom_muc
In den Jahren 2008-2010 nahm D durchschnittlich jährlich 12 Milliarden Euro neue Schulden für Konjunkturprogramme auf. Es wäre Bofingers Aufgabe zu erforschen ob diese Konjunkturprogramme oder die Vielzahl anderer Reformmaßnahmen wesentlich für den Konjunkturaufschwung in den Folgejahren waren. Wie man in GR sieht helfen Konjunkturprogramme ohne Reformen nicht.
Welche Reformprogramme gab es denn in Deutschland 2009/10? Und welche Konjunkturprogramme gab es in Griechenland in den letzten Jahren?

Die Staatsausgaben in Griechenland sind massiv gesunken, die FIskalpolitik war extrem restriktiv. Das Ergebnis waren ein sinkendes BIP, sinkende Steuereinnahmen, steigende Arbeitslosigkeit und am Ende mehr Schulden. In Spanien, Portufal, Irland und Italien war es ähnlich, aber in weitaus kleinerem Maße - und seitdem die Staatsausgaben etwa in Spanien und Irland nicht mehr sinken, geht es auch wieder aufwärts.

Die Schuldenaufnahme. die Sie für Deutschland 2008-10 heranziehen, hat fast keine Aussage. Ein Staat mit hoher Schuldenaufnahme kann eine restriktive Fiskalpolitik verfolgen und einer mit wenig Schuldenaufnahme eine expansive.

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muellerthomas 28.07.2015, 14:26
7.

Zitat von Banause_1971
wenn die berühmten Leerverkäufe von Aktien und Rohstoffen ein Ende haben. Wie kann es sein, dass ich heute eine Tonne Gold (auf dem Papier) verkaufe, die ich noch gar nicht eingekauft habe? Da geistert also virtuelles Gold durch die Märkte, drückt den Preis, aber es existiert gar nicht. Begrüßen würde ich es auch, dass Zocker an den Aktienmärkten auch mal verlieren können, und nicht der Steuerzahler in die Pflicht genommen wird, den großen Casino-Saal Börse bei Verlusten zu stützen. Auf den Märkten können sich ja gerne die Reichen und schönen vergnügen und sich gegenseitig das Geld um die Ohren hauen, aber bitte nicht das Geld der Steuerzahler. Wer verliert, hat verloren. Fertig. DAS wäre etwas, was ins Grundgesetz gehört.
Ah, Ihr Goldbugs verkraftet es nicht, dass der Goldpreis - fundamental prima erklärbar - einfach nicht steigen will..

Wann wurde der Steuerzahler in Europa denn für Aktienmarktverluste in die Pflicht genommen?

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alt_f4 28.07.2015, 14:28
8. Old School Kreditvergabe

Früher da musste jemand der Kredite vergab prüfen ob der Kreditnehmer id Lage ist per Raten oder Annuitäten sein Darlehen zu begleichen. Wurd ein kredit vergeben und der Kreditnehmer wurd zahlungsunfähig, hatte der Kreditgeber eben PECH GEHABT. Heute haften alle nachbarn drumherum. Null Risiko für die Bank und mehr Gewinn je mehr Kredite man vergibt. Superdeal für die Bank !!!

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mueller23 28.07.2015, 14:33
9.

Bei dem Begriff kann ich nur noch lachen.
Wo waren die denn vor fünf Jahren, als klar wurde, dass die korrupten griechischen Regierungen im Zusammenspiel mit internationalen Banken und Konzernen den Karren voll an die Wand gefahren hatten? Sie haben seelenruhig (oder eher: seelenlos) zugeschaut, wie Banken und Konzerne profitiert haben, der Steuerzahler darf es jetzt ausbaden.
Ich beobachte schon seit Jahrzehnten, wie der Markt es "richtet".
Er richtet sehr streng, nochmal 20 Jahre, und er wird es "hingerichtet" haben.
Wettbewerb ist grundsätzlich nichts Schlechtes, seine Grenzen scheint aber niemand wahrhaben zu wollen. Alle befinden sich in einem Überlebenskampf, in der europäischen "Union" suchen die nationalen Regierungen ihr Heil darin, die Wettbewerbsfähigkeit ihres Landes auf Kosten der anderen zu stärken.
Der Wettbewerb kennt nur Sieger und Verlierer, der Mensch ist nur noch möglichst preiswertes Produktionsmittel und möglichst dummer Konsument. Die Sieger werden immer weniger, die Verlierer immer mehr.
Noch fühlt sich der größte Teil der deutschen Bevölkerung auf der Siegerseite.
Die, die hier immer Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit als das Allheilmittel propagieren, werden spätestens, wenn ihre Kinder ausstudiert haben und plötzlich für ein Gehalt, das dem Lohn eines Handwerkers vor 30 Jahren entspricht, arbeiten sollen, aufwachen.

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