Forum: Wirtschaft
Wohlstand: Amerika zweifelt am Kapitalismus
AFP

Junge Wähler in den USA sehen den Turbokapitalismus ihres Landes zunehmend kritisch, linke Politiker wie Alexandria Ocasio-Cortez gelten als cool - und ausgerechnet ein Hedgefonds-Manager befeuert die Debatte.

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Das Grauen 29.05.2019, 12:03
140. @sikasuu Genau, für die Amis ist Deutschland sowas von links!

Zitat von sikasuu
Das was die dort als "Sozialismus" geht im Europa als "soziale Marktwirtschaft" durch. . Gemeint sind solche Selbstverständlichkeiten wie Sozialgesetzgebung, KV/RV, Arbeitslosenversicherung die der Kommunist "Fürst Bismark" bei uns gestartet hat. . Wohl qualifizierte öffentliche Schulen & Unis, die man ohne Schulden von einigen 100.000 Dollar besuchen kann... usw. usf. . Die US Linken sind so weit von Sozialismus entfernt wie die SPD in den 60-80ger Jahren hier in DE! . Die stellen, mMn. berechtigt, den Turbo-Kapitalismus in Frage, auch den "Gewinnern" dabei scheint etwas "bange" zu werden, die sehen wohl einen massiven sozialen Druck auf sich zu kommen,.... aber.... . Die "United Sozialistic States of America" wird es wohl nie/nicht geben:-(
Dazu kommen dann noch unsere Mitbestimmungsgesetze. Arbeitervertreter im Aufsichtsrat! Da fallen uninformierte Amis hinten über, wenn sie das hören, das ist für die schon reiner Sozialismus. Hahaha.

Das sollte man im Kopf behalten, wenn sich Bernie Sanders oder AOC selbst als Sozialisten bezeichnen. Was diese tatsächlich politisch fordern sind sozialdemokratische Selbstverständlichkeiten wie kostenlose Uni-Ausbildung und gesetzliche Krankenversicherung. Bei uns ist vielen schon gar nicht mehr klar, was für soziale Errungenschaften das sind, in den USA wären diese Regelungen bahnbrechende Neuerungen.

In der anderen Richtung kommt es natürlich auch zu einer Verschiebung der Werte. Wer bei uns ein konservativer CDU-Wähler ist findet sich drüben mit seinen Ansichten eher vom Mainstream der Dmokratischen Partei repräsentiert, bei einigen Themen ist er vielleicht sogar links davon. SPD Anhänger sind in diesem Umfeld radikale Progressive. Die Linke gibt es dort gar nicht erst und die AfD entspricht den Republikanern. Das kann sehr verwirrend sein und es ist wichtig, daß einem die Unterschiede bewußt sind, wenn man Vergleiche anstellt.

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Andraax 29.05.2019, 12:04
141.

Zitat von rudi_ralala
Da bin ich aber geschockt, das kann doch gar nicht sein, da war doch zwischendurch ein B. Obama Präsident.
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Ihnen sind selbst die fadenscheinigsten Argumente willkommen um gegen Obama zu hetzen - aber nur "fast" fällt namlich kaum auf.

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darthmax 29.05.2019, 12:09
142. Hoffnungen

Einzelne Personen können Ihre Meinuung veröffentlichen, auch der junge Herr Kühnert darf dies, ob dies allerdings relevant ist mag ich doch bezweifeln.

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saftfrucht 29.05.2019, 12:09
143. Kapitalismus

Ich höre immer Beschwerden über den Kapitalismus, nur gibt es den reinen Kapitalismus leider nirgends genau so wenig wie es reinen Sozialismus gibt oder gab. Stattdessen haben wir Eine ganz besonders perfide Form des Korporatismus, wo sich einzelne durch staatliche Einflussnahme bereichern. Das liegt am menschlichen Wesen und lässt sich nicht verhindern, deshalb kann die einzige Lösung nur sein, die Regierungsbefugnisse auf das absolut notwendige Minimum zu Beschränken und die Exekutive möglichst abschaffen, weitestgehend nur eine unabhängige Judikative bestehen lassen. Politiker können mit Geld nicht Haushalten und deshalb sollten wir Ihnen so wenig davon geben wie nur irgendwie möglich. Nebenbei nimmt man der Politik damit auch die Möglichkeit, den Markt zugunsten einzelner zu beeinflussen und schwups haben wir echten Kapitalismus. Wo jeder die gleichen Chancen hat, nur beeinflusst durch sein Talent und seinen Willen. Das wär ein Träumchen.

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hansaeuropa 29.05.2019, 12:10
144. der Markt kann nicht alles,

Zitat von antelatis
So eine soziale Marktwirtschaft reguliert den Kapitalismus mit sozialistischen Methoden, sie macht ihn damit ein bisschen erträglicher und ein bisschen lebensfähiger. Sollte man wirklich langfristig auf so ein zusammengeschustertes Lebenserhaltungssystem setzen, anstatt den Patienten ganz heilen zu wollen? Warum sollte man, wenn man schon erkennt, dass es ohne den Sozialismus gar nicht mehr geht, diesen nicht auch gleich vollständig übernehmen? Da spricht doch immer weniger dagegen.
aber er hilft in einigen Bereichen die Resourcen vernünftig einzusetzen und gute Produkte zu entwickeln. In vielen Bereichen (öffentliche Daseinsvorsorge) macht Markt wenig Sinn. Natürlich braucht es auch vernünftige Regeln und keinen sinnlosen Wettbewerb in allen Bereichen (zwischen Ländern, bei Steuern, Löhnen usw.)

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conr0y 29.05.2019, 12:12
145.

Schön für die USA. Währenddessen ist Europa und Deutschland so rückwärtsgewandt reaktionär und neoliberal wie nie, haben wir gerade bei den Wahlen erlebt. Europa wählt mangels überzeugender Angebote von Links entweder reaktionär oder liberal (grün) und bemüht sich amerikanischer als die Amerikaner zu sein. Die politische Linke der früher sozial- und wirtschaftspolitisch progressivsten Staaten Europas, Deutschland und Frankreich, ist in dem Moment, wo sie gebraucht wird, auf handliches Westentaschenformat geschrumpft und unfähig zu liefern. Man beschäftigt sich nicht mehr mit ökonomischen und sozialen Problemen, sondern mit alberner Identitätspolitik und hechelt jeder neuen Sau nach, die liberale oder reaktionäre Spin-Doktoren und Werber durch's Dorf treiben. Die Chefs der Erben der einst so starken Sozialdemokratischen Partei haben Angst vor den eigenen Altvorderen (Marx, Engels, Bebel et al.) und wollen die Linkspartei anscheinend so zahm und "akzeptiert" beim Kapital machen wie die liberalen Grünen und die SPD erschrickt vor sich selber, wenn ein Kevin Kühnert das Wort Sozialismus in den Mund nimmt und die allergröbsten Auswüchse des Kapitalismus ausnahmsweise mal nicht mit Samthandschuhen anfassen will

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dirk.resuehr 29.05.2019, 12:15
146. Kapitalismusformen

Den einzigen unitären Kapitalismus gibts nicht. Der US Kapitalismus unterscheidet sich signifikant von unserem, der nicht zufällig "soziale Marktwirtschaft heisst". Trotz des Standardgeplärres über Armut und Abgehängte ist er dennoch die nachweislich humanste aller Wirtschaftsformen. Der US-Kapitalismus ist wesentlich anders. Oberste Ziele sind die Umsatz- und Gewinnsteigerung ohne Rücksicht auf Verluste, ob Volk, Klima, Umwelt, egal, jedes Quartal muss besser sein als das vorige. Das ist nichts Anderes als Raubtierkapitalismus mit all seinen Auswüchsen. Kein Vorbild für nix, außer für DT und Follower, ein Tanz auf dem Vulkan.Also Kapialismuskritik ist in, auch und gerade unter der Jugend. Klar, die kennt überhaupt keinen Mangel, nicht an Geld und nicht an Essen etc..Total falsche Erfahrungen. Wer hingegen die Nachkriegszeit erinnert, weiss, welchen Segen Frieden und soziale Marktwirtschat für alle bringen!

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werner-brösel 29.05.2019, 12:16
147. Begrifflichkeiten

an denen die Amerikanische Gesellschaft sich selbst definiert. Der Amerikanische Traum ist eine Karriere als Kapitalist. Die Wirtschaftsflüchtlinge, die vor hundert Jahren in die USA strömten, hatten diesen Traum und gaben ihn an ihre Kinder und Enkel weiter. Sozialismus und Kommunismus waren die Schreckgespenster, die an ihrem Sperrholz-Haus und ihrem technologiefreien Auto nagen. Solange jeder nur schon diese Chance für sich sah, waren alle Amerikaner eigentlich schon Millionäre, nur vielleicht gerade in diesem Moment nicht ganz liquide. Sozialabgaben waren also nur unbequeme Hürden auf dem eigenen Weg zum Reichtum. Darum war Sozialismus nie auch nur eine Option in der Amerikanischen Gesellschaft und wurde dort wo er aufkeimte mit Waffengewalt bekämpft. Nun sind es mittlerweile die Enkel der verlorenen Generation der Vietnam-Veteranen, die in dritter Generation erleben, daß weder ihre Großeltern, noch ihre Eltern wirklich eine Chance hatten, auch nur wenigstens ihren teilweise präkeren Situationen zu entkommen. Da man sich nie wirklich mit sozialen Aspekten, oder gar dem, was in Europa passiert, beschäftigt hat, kann sich in Amerika niemand etwas unter Sozialdemokratie vorstellen und so also nützt man das Wort, das man kennt : Sozialismus. Dabei ist es nicht einmal exklusiv sozialdemokratisch, wenn man tiefste Grundbedürfnisse wie Krankenversicherung, frei zugängliche Schulen und Universitäten, Rente etc. fordert. Es ist eigentlich nichts weiter, als eine Marktnachfrage, die befriedigt werden muß. Das ist soziale Marktwirtschaft.

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goodand 29.05.2019, 12:23
148.

Zitat von antelatis
So eine soziale Marktwirtschaft reguliert den Kapitalismus mit sozialistischen Methoden, sie macht ihn damit ein bisschen erträglicher und ein bisschen lebensfähiger. Sollte man wirklich langfristig auf so ein zusammengeschustertes Lebenserhaltungssystem setzen, anstatt den Patienten ganz heilen zu wollen? Warum sollte man, wenn man schon erkennt, dass es ohne den Sozialismus gar nicht mehr geht, diesen nicht auch gleich vollständig übernehmen? Da spricht doch immer weniger dagegen.
Wieso wollen Sie ein System übernehmen, welches in seinen der Reinform am nähsten gekommenen Ausprägungen (noch nie gab es ein rein sozialistisches oder auch kapitalistisches System) noch NIE funktioniert hat (nicht einmal über kürzere Zeiträume)? Verstehen Sie mich nicht falsch, der reine Kapitalismus würde auch nicht funktionieren und unser gegenwärtiges System tut es auch nicht so wirklich... aber eine sinnvoll gestaltete soziale Marktwirtschaft ist der einzig gangbare Weg.
Und das heißt:

1. Den Markt so frei wie möglich machen lassen. Das führt zu Fortschritt, Produktivitätszuwächsen und entspricht am ehesten dem menschlichen Naturell.

2. Den Markt begrenzen, wo er nicht funktioniert (z. B. Krankenversicherung, Bildung u.v.a.m.) und wo humanistische Überlegungen es erfordern (jegliche Art von Fürsorge). Diese Begrenzungen dürfen durchaus auch radikal sein, welchen Marktvorteil bringt bitte unser System mit privaten KVs?

3. Umverteilen. Kapitalismus führt immer zu einer zunehmenden Konzentration des Wohlstandes und zwar aus dem einfachen Grund, dass es KEINE Chancengleichheit unter den Neugeborenen gibt. Kinder wohlhabender Eltern haben sowieso schon bessere Chancen, durch Erbschaften wird dieser Effekt verstärkt! Einzige Lösung: Eine erhebliche Erbschaftssteuer für ALLE (auch bei geringen Erbschaften und dem Vererben von Unternehmen etc.). Die Einnahmen werden aber nicht zusätzlich dem Staat zur Verfügung gestellt, der damit allerhand Unfug anstellt, sondern via Umsatzsteuer, Einkommenssteuer etc. der produktiven Bevölkerung zur Verfügung gestellt!

MfG

goodand

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Stäffelesrutscher 29.05.2019, 12:25
149.

»Amerika zweifelt am Kapitalismus«. Ja, schon ziemlich lange. Daher die Revolutionen in Mexiko, Cuba, Nicaragua, daher die Unidad Popular in Chile, MAS in Bolivien, die Wahlsiege von Correa in Ecuador und Chávez in Venezuela, Lula in Brasilien und Mujica in Uruguay, daher die Verstaatlichungen zu Zeiten von Arbenz in Guatemala ... - und wann lernt der typische deutsche Journalist, dass Amerika ein Kontinent ist und kein Land?

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