Forum: Wirtschaft
Wohlstand: Amerika zweifelt am Kapitalismus
AFP

Junge Wähler in den USA sehen den Turbokapitalismus ihres Landes zunehmend kritisch, linke Politiker wie Alexandria Ocasio-Cortez gelten als cool - und ausgerechnet ein Hedgefonds-Manager befeuert die Debatte.

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Gebr.Engels 04.06.2019, 18:18
280. Haben oder Sein

Als "junger Wähler in den USA" würde ich die Lage auch als zunehmend kritisch erachten, diese befürchten wohl (nicht ganz unbegründet) die exorbitant hohen Schulden der USA am Ende des Tages bezahlen zu müssen.
https://www.focus.de/finanzen/boerse/der-sichere-weg-in-den-abgrund-usa-sind-das-land-der-unbegrenzten-schulden_id_10079180.html
-Etwa 22 Billionen USD, Zinsen ca. 530 MRD USD/Jahr, etwa 105% vom BIP (Firmen in USA etwa 10 Billionen).
"Diese Zahlen zeigen die wirkliche "Stärke" der US-Wirtschaft, ausser beim Schulden machen ist da überhaupt nichts stark".
Aber keine Angst, liebe Junge Leute, was kann man sich denn für z.B. 50 tsd USD heute noch kaufen? Einen veralteten spritsaufenden US-Pickup -nagelneu aus US-Produktion- (und wir hier in Europa schwitzen uns klimamäßig schon zu tode deshalb), und ein im grunde doch wertloses "Schmartpfone" vielleicht.
Etwas mehr drauflegen, und man bekommt eine Pappbude in Oklahoma oder so, die beim ersten lauen Lüftchen sowieso auseinanderfliegt. Merkt ihr was? -die Hyperinflation wird die US-Schulden (und die EU-Schulden gleich mit) Pulverisieren, eher heute als Morgen, und niemand muss überhaupt noch irgendwas bezahlen, wie schon 1930. Und Endlich-Endlich werden die einmal Bluten, die die ganze Misere -wie schon 2008 deutlich angekündigt- durch ihre Gier auf dem Gewissen haben, -paradiesisch oder?

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RealDiogenes 05.06.2019, 08:37
281.

Sehr schade, dass der Artikel noch an den Kapitalismus glaubt trotz zahlreicher empirischer Belege für seinen ausbeuterischen und machtkonzetrierenden Charakters. Zudem werden Falschinformationen, die ewig in Leitmedien breitgetreten werden nochmals ganz nebenbei aufgergiffen, wie z.B. die extrem einseitige und unzutreffende Beschreibung Venezuelas: "[...]die Republikaner hören Venezuela. Also Chaos, Hunger, Diktatur."
Verwendet man solche Beispiele wäre ein Hinweis auf die Schwachsinnigkeit solcher Ansichten angebracht und vor Allem guter Journalismus. Soziale Marktwirtschaft verzögert z.T solche Effekte, hat man Parteien wie die CDU, dann beschleunigen sich Geld- und Machtkonzetration sogar noch. Und darüber diskutieren die in den USA noch? Das beantwortet die Frage warum die USA schenabr immun gegen linke Bewegungen sind: die Kultur stagniert seit ihrer Unabhängigkeit und entwickelt sich nciht weiter. Flächendeckende Bildung auf ein anständiges Niveau wird erfolgreich verhindert und so konzetriert sich auch das Wissen über die Unsinnigkeit des Kapitalismus als Gesellschaftsmodell in den Reihen, die von diesem profitieren. Sehr schön ist natürlich, dass große Unternehmen tatsächlich langsam Angst bekommen, aber wenn es nur um einige soziale Reformeen geht, wird es nciht zum Klassenkampf kommen, dafür muss das Proletariat seine Rolle als Knecht auch verstanden haben. Noch immer tun die Menschen so, als produziere der Kapitalismus nur inige negative Symptome, die man einzeln bekäpfen könne, de facto ist Konzentration von Macht systembedingt und verhindert auch anständiges Staatspolitik. Geniale Knechtsschaftinstrumente bleiben natürlich die Zinseszins-Effekte. Die USA sollten aufhören sich in die Politik anderer Länder einzumischen und erstmal selbst begreifen, was Politik eigentlich bedeutet. Dieses Diffarmieren anderer Staaten zu unterstüptzen nur damit die USA ihr Öl bekommt ist jedenfalls sehr schwach für angeblich unabhängige Redaktionen

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PeterMüller 05.06.2019, 16:51
282. @259 nobody incognito

Zitat von nobody_incognito
Also ich würd behaupten, dass der große Unterschied zwischen kapitalistischer Theorie (kT) und sozialistischer Theorie (sT) der ist, dass die sT von einem irrational optimistischen Menschenbild ausgeht, während die kT ein realistisch pessimistisches Menschenbild als Grundlage hat. Die "Unsicherheit" bzw. "Hoffnung" resultiert eigentlich nur aus der "Evolution", bzw. "seien wir realistisch, das Unmögliche/Unvorstellbare wird *passieren* (müssen)", d.h. all jene die "naiv" benevolent waren, sind in ihrem Scheitern letztlich nur Märtyrer des wahren Erkenntnisprozesses geworden.
Nein, in der Tat hat die sT nicht einfach ein irrational optimistisches Menschenbild, sondern ging davon aus, dass die Menschen sich zum sozialistischen Menschen entwickeln (lassen/müssen) und dann die sT funktioniert. Die Konzepte basieren einfach darauf, dass die Menschen sich wie sozialistische Menschen verhalten. Deswegen ist es eben eine normative, d.h. vorgebende, Wirtschaftstheorie nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die kT dagegen ist rein deskriptiv, also beschreibend: Wenn an Stellschraube A sich etwas verändert, dann drehen sich die von den Auswirkungen betroffenen anderen Stellschrauben wie folgt und die von deren Drehen betroffenen Stellschrauben nochmals wie folgt... Mit jeder Stufe wird die Auswirkung theoretisch immer kleiner, bis hin zu asymptotisch gegen Null. Daraus abgeleitet gibt es dann Handlungsempfehlungen. Das macht die kT auch so hochkomplex und anfällig für falsche Erwartungen. Nicht umsonst liegen die Wirtschaftsweisen mit ihren Einschätzungen daneben und passen die alle paar Monate mehr oder weniger deutlich an: Die Auswirkungen sind dann z.B. stärker/schwächer als erwartet und weder das menschliche Hirn noch die heutige IT ist in der Lage die Systemauswirkung der Stellschraubendrehung vollends nachzuvollziehen bzw. auszurechnen. Kommen dann noch nicht vorhersehbare Störfaktoren hinzu (siehe Trumpismus), dann rattert das alles nochmals durcheinander. Aber eins bleibt unverändert: In der systemischen Betrachtung wird bei der kT anders als bei der sT kein Soll-Mensch vorgegeben, sondern versucht, dessen Verhalten anhand echter Reaktionen vorherzusagen.

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PeterMüller 05.06.2019, 17:08
283. @281 Real Diogenes

Zitat von RealDiogenes
Sehr schade, dass der Artikel noch an den Kapitalismus glaubt trotz zahlreicher empirischer Belege für seinen ausbeuterischen und machtkonzetrierenden Charakters.
Es geht überhaupt nicht darum, an den Kapitalismus zu glauben. Kapitalismus in reiner Form ist die Natur. Deswegen wurde auch der Manchester-Kapitalismus als Raubtierkapitalismus bezeichnet. Man muss ihn nicht mögen, man muss ihn nicht hassen, aber seine Existenz als natürliche Form des Wirtschaftes akzeptieren, das muss man. Dann, und nur dann, ist man in der Lage, System zu entwickeln, die weder den natürlichen Drang zu unterdrücken versuchen (Sozialismus/Kommunismus) und daran scheitern, noch sich dem Recht des Wirtschaftsstärkeren fatalistisch auszuliefern.

Mit dem ordoliberalen Ansatz des Walter Eucken et al, der dann im Grundsatz der bundesdeutschen Wirtschaftsverfassung seinen Ausdruck findet (So viel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig!) , haben wir schon ein wirklich gutes Grundsystem dazu. Wir als Gesellschaft müssten uns nur mehr mal darauf konzentrieren, festzulegen, wo der Staat mehr nötig ist als heute und wo er auch weniger nötig ist als heute. Wenn wir dabei dann nicht immer gleich das Kind mit dem Bade ausschütten, könnte es uns auf längere Sicht weiterhin gut gehen. Zu diesem ordoliberalen System würde es z.B. passen, die Umweltschadenskosten über Steuern, Abgaben oder Vorschriften und Gesetze dort zu allokieren, wo sie entstehen. Flüge würden dann richtig teuer werden, Benzin durchaus auch. Das würde Marktveränderungen mit ggf. sogar zunächst Verwerfungen mit sich bringen. Aber es würde dazu führen, dass Verhalten und Produkte, die viel Umwelt ge- oder verbrauchen bzw. belasten oder zerstören, auch sehr teuer würden und somit die Alternativen attraktiv werden. Heute werden diese gleichen Kosten einfach über das Steuersystem allen bei der Einkommensteuer etc. auferlegt. Echter Umweltschutz aufgrund realistischer Preise ohne letztlich steuerliche Subvention wie heute, wäre doch ein Knaller, was?

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