Forum: Wirtschaft
"Working Poor" in Griechenland: "Mein Lohn reicht gerade, um Essen zu kaufen"
Alexandros Avramidis

Reformen mit schweren Nebenwirkungen: In Griechenland ist eine Klasse der "Working Poor" entstanden - qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen. Das sind ihre Geschichten.

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zweiter 03.11.2017, 11:33
30. Wenn Staaten Jahrzehnte über

ihre Verhältnisse leben lässt sich das irgendwann nicht mehr kaschieren. Die Wirtschaftsleistung von Griechenland ist nun mal miserabel, der Staat zwar aufgebläht, aber hoffnungslos ineffizient und die Bevölkerung begreift sich durch die lange osmanische Unterdrückung weder als Teil des Staates, noch der Wirtschaft und schädigt daher beide durch Korruption, Schwarzarbeit und massenhafte Steuerhinterziehung. Dazu wurde Jahrzehnte mit viel zu vielen Beamten, geringer Arbeitszeit und früher Verrentung mit Relativ viel zu hohen Pensionen weit über die Verhältnisse gelebt. Sozialismus funktioniert eben nur solange, solange ein anderer zahlt und wenn es wie heute in Griechenland die jetzige Generation ist, die dafür büßt, dass die Generationen vor ihnen zwar wenig geleistet, aber viel zu viel kassiert und konsumiert haben. Mit noch mehr Sozialismus lässt sich das Problem höchstens etwas weiter in die Zukunft verschieben, dafür fällt es dann noch größer auf die Füße zurück. Zur verantwortungsvoller Politik gehört eben auch die Einsicht aller Bauern: Nur wer sät und pflegt hat die Chance zu ernten. Mir tun die heutigen jungen Griechen leid, aber Schuld sind nicht die EU, nicht Deutschland oder sonst wer, sondern ausschließlich ihre eignen Vorfahren.

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neurobi 03.11.2017, 11:36
31.

Zitat von jetbundle
Na Klar sind jetzt "die Reformen" schuld. "Reform" ist ja ganz böse. Schuld ist doch wohl eher ein Jahrzehnte alter Selbstbedienungsstaat mit einer ineffizienten Wirtschaft.
Der Unterschied zwischen dem klassischen griechischen Selbstbedinungsladen und dem deutschen ist, dass die reichen Griechen auch dem Volk etwas zukommen ließen, auch wenn man es gar nicht hatte. Dafür gab es ja Kredite, die einem bis 2007 quasi aufgedrängt wurden.
In Deutschland hat die "Elite" schon früher angefangen dem normalen Bürger die Selbstbedienung zu erschweren. Das dürfen sie hier inzwischen nur noch selbst.
Die ganzen Reformen und Privatisierungen in Griechenland waren und sind kontraproduktiv. So bleibt Griechenland auf ewig ein Armenhaus.

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hefe21 03.11.2017, 11:38
32. Die Tragik der Hybris

Die griechische Jugend ist zu 100% das Opfer ihrer Altvorderen, genauer der hybriszynischen Staats- u. Oberschicht des Landes. Sie hat das Land schon lange vor dem EUR-Beitritt in Grund und Boden korrumpiert.
Im durchaus großartigen SPIEGEL-Archiv findet man immer wieder Sachen, die man nicht glaubt.
In Nr. 31/1990 gibt es einen Einblick in die schon damals unhaltbaren Zustände im griechischen "Staatswesen". Dem hat man dann im EUR die absolute Krönung aufgesetzt, indem die neuen "Partner" ein paar Jahre gnadenlos bestohlen wurden, um die nebenher ohnehin reichlich laufenden EU-Fördermittel nochmal "aufzustocken".
Dem Land hilft nur eine gründliche Katharsis und die Loslösung von den Wehklagensmustern der griechischen Tragödien.

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christian-h 03.11.2017, 11:39
33. Angabe

Zitat von pitti49
im Urlaub in Griechenland. Ganz Glückliche haben drei kleine Jobs, um sich durchzuschlagen. Schlimm. Und hier in Dt. beklagt man Fachkräftemangel. Beinahe möchte man wie in den 60er/ 70er Jahren den jungen gut Ausgebildeten raten, hierher zu kommen.
Das wird nur nicht viel bringen denn auch hier sieht es nicht wesentlich besser aus.

Laut den Daten für 2014 sollen schon 4,1mio Beschäftigten (oder 9,6% der Beschäftigten) in diese Kategorie "working poor" fallen.
Damit hat sich die Zahl seit 2004 verdoppelt.
https://www.wsws.org/de/articles/2017/07/11/armu-j11.html

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OhMyGosh 03.11.2017, 11:39
34.

"Die Möglichkeiten der Arbeitgeber haben dagegen zugenommen. Sie können die Vergütung von Überstunden ebenso verweigern wie das Urlaubsgeld. Sie müssen keine Konsequenzen fürchten, wenn sie Vollzeitmitarbeiter offiziell als Teilzeitkräfte deklarieren, um so die Beiträge für die Sozialversicherung zu sparen, um nur einige Beispiele zu nennen."
Wun-der-bar! Da hat Wolle Schäuble ja ganze Arbeit geleistet! Und d a s Ergebnis wollte er wahrscheinlich gar nicht. Gib dem Kapital eine Chance - es wird sie übelst missbrauchen.
Am Beispiel Griechenlands ist unschwer zu erkennen, wozu es führt, wenn man den Arbeitsmarkt liberalisiert: zu Verhältnissen wie im 19. Jahrhundert. Und derartige LiberalisierungsSauereien hat ja auch die Dreipünktchen-Partei im Gepäck. Diesen miesen Kräften in Europa und anderswo müsste endlich energischer entgegen getreten werden. Aber wer aus der politischen Kaste hat daran schon ein Interesse?

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Phildemos 03.11.2017, 11:42
35. Das sind die Folgen der inneren Abwertung

Ich möchte nur daran erinnern, dass Hans-Werner Sinn immer vor einer solchen ungerechten und schmerzhaften inneren Abwertung gewarnt hat. Sinn, Varoufakis und wohl im innersten seines Herzens auch Schäuble hätten eine äußere Abwertung empfohlen (sprich Austritt aus dem Euro). Damit wären alle Preise und Gehälter gleichmäßig gesenkt worden, und lokal produzierte Güter wären wieder wettbewerbsfähiger geworden. Natürlich wären Importgüter in NeoDrachmen gerechnet wesentlich teurer geworden.

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mostly_harmless 03.11.2017, 11:45
36.

Zitat von Max Super-Powers
Ja, diese Menschen tun mir fraglos leid. Was ihnen widerfahren ist, ist eine der Schattenseiten des Kapitalismus. Aber: Die Reformen sind nicht schuld daran. Die wahren Schuldigen sind die griechischen Politiker, die jahrzehntelang Misswirtschaft betrieben. Die Schuldigen sind ferner diejenigen Griechen, die sich darin ergingen, Steuern zu vermeiden, wo sie es nur konnten. [....]
Zunächst mal sind die Ursachen des Elends in Griechenland nicht die "Schattenseiten des Kapitalismus", sondern die auf der irren neoliberalen Ideologie basierenden "Reformen". Und die Misswirtschaft in Griechenland hat auch keineswegs DIESE "Reformen" notwendig gemacht. Man hätte dem Land auch einfach helfen können, statt das von Naomi Klein so treffend beschriebene neoliberale "Shock-and-awe" durchzuziehen.
Das die Ziele völlig andere waren als die, die man der Öffentlichkeit kommuniziert hat, wurde schon dadurch bewiesen, dass man fast 4 Jahre wartete, bis man anfing darüber zu diskutieren, das GR die Steuerschulden der Milliardäre eintreiben müsse. Und 7 Jahre nach dem Beginn der "Hilfen" hat man zwar mehr als ein dutzend Mal Renten und Löhne gekürzt, aber eine funktionierende Finanzverwaltung gibt es immer noch nicht.

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Skepsi 03.11.2017, 11:47
37. Es ist nicht das erste mal,

dass man beobachtet, wie ein Land ausgeplündert wird. Durch Täuschung mit Unterstützung von Goldmann Sachs kam Griechenland in die Währungsunion. Der IWF ist bei solchen Raubzügen auch immer dabei.
Zurückbleiben wird ein Land, das vollständig verarmt ist und irgenwann wieder eine eigene Währung einführt.
Es wird nicht bei Griechenland bleiben.
Wie man weiß, kommt Draghi von Goldmann Sachs.

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Sonnestrandundmeer 03.11.2017, 11:48
38. Wohlstand entsteht nur durch harte Arbeit

Mitleiderregende Geschichten. Die bittere Wahrheit ist jedoch, dass Wohlstand nur durch harte Arbeit erarbeitet werden kann. In Deutschland geht es uns heute gut, aber auch wir arbeiten viel dafür und insbesondere die Generationen vor der heutigen Arbeitsbevölkerung haben durch viel harte und schlecht bezahlte Arbeit den Wohlstand erwirtschaftet.
Durch reine Umverteilung entsteht leider kein Wohlstand.
Zudem ist den Griechen zu empfehlen, ein anderes Verständnis von Ihren Staat zu entwickeln und ein funktionierendes Staatswesen aufzubauen. Im Moment ist der Eindruck, dass alle Bürger den Staat plündern wollen (sei es über Jobs im öffentlichen Dienst, frühe Renten, kostenlose Bildung etc.), aber niemand dem Staat etwas geben will (möglichst keine Steuern zahlen, sich vor dem Wehrdienst drücken). Was passiert denn mit einer Kuh, die alle melken, aber keiner füttert?
Zudem ist zu empfehlen, Verantwortung für eingegangene Verpflichtungen, sprich Schulden, zu übernehmen. Wer seinen Staat nicht ernst nimmt, hat sich wohl immer schon darüber gewundert, dass andere seinem Staat Geld leihen, sprich griechische Staatsanleihen kaufen. Der Weg aus der Krise geht leider nur durch Übernahme von Verantwortung. Dazu gehört auch, dass die solche wohlhabenden Bürger, die ihr Geld vor der Krise außer Landes gebracht und zum Beispiel teure Immobilien in London gekauft haben, Steuern zahlen - ich sage nicht, dass sie enteignet werden sollten, aber die Griechen sollten ein funktionierendes Steuerwesen aufbauen.

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Kanalysiert 03.11.2017, 11:49
39.

Zitat von dirk.resuehr
Mal im Ernst, ....................Ganz ehrlich, ................ Dieses links-grüne Erbarmen nervt!
Ja, nervt genauso, wie ihre nichtssagenden Phrasen der Herzlosigkeit anderen gegenüber, die unter einer Mißwirtschaft leiden, die sie selber nicht verbrochen haben.
"Ganz ehrlich" - klasse Phrase, lassen sie mal gut sein, oder lügen sie sonst nur? Sie tun so erhaben, leider liest sich ihr Text wie Ghetto-Hansis letzte Worte. Weshalb ist es für Menschen wie sie so schwer, anderen auch etwas im Leben zu gönnen? Dieses empathiebefreite "selbst-schuld" Getexte ist einfach nur widerlich.

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