Forum: Wirtschaft
"Working Poor" in Griechenland: "Mein Lohn reicht gerade, um Essen zu kaufen"
Alexandros Avramidis

Reformen mit schweren Nebenwirkungen: In Griechenland ist eine Klasse der "Working Poor" entstanden - qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen. Das sind ihre Geschichten.

Seite 6 von 10
kurosawa 03.11.2017, 11:59
50. zeit für die nächste runde

Zitat von Franke aus Hamburg
... nach Griechenland guckt, ist deutsches Hartz 4 das reinste Paradies!
... nicht das der fleisige grieche uns wieder zum kranken mann europas macht.
also, auf gehts. die nächste agenda ist angesagt. abschaffung des sozial staates, einführung der leibherrschaft. nur so können wir wettbewerbsfähig bleiben.


mich würde interessieren was der nichtstudierte grieche machen muss um sich durchzuschlagen.

Beitrag melden
rm9 03.11.2017, 12:01
51.

Die Frage ist doch die, ist es gerecht, dass jemand in einem anderen europäischen Land für die gleiche Arbeit einen vielfach schlechteren Lohn bekommt. Meiner Meinung nach ganz sicher nicht und die EU hat sich die Kohäsion der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auf die Fahnen geschrieben. So weit so richtig. Aber dieser Artikel suggeriert meiner Meinung nach ein völlig falsches Bild. Der griechische Staat hat seine eigene Bevölkerung in diese Lage gebracht. Das Leben auf Pump mag schön gewesen sein, ist jetzt aber leider zu Ende. Ich bin empathisch genug mitleid zu empfinden, für die jungen Griechen, die sich ihr Leben vor ein paar Jahren noch ganz anders vorgestellt haben. Damit die Zukunft überhaupt erst wieder auf einem soliden Fundament steht, sind Reformen und die damit verbundenen Verwerfungen unumgänglich. Daher finde ich es richtig, dass die Griechen gezwungen werden diese durchzusetzen. Der Tenor des Artikels ist nicht explizit, aber meiner Meinung nach tendenziös, denn wer sonst soll schuld sein an diesem Elend, wenn nicht die deutsche Regierung.

Beitrag melden
bluebill 03.11.2017, 12:04
52. Ziemlich bigotte Haltung

Vor wenigen Jahren wurde überall, auch hier, die Privatisierung geradezu geheiligt. Sie wurde neben massiven "Einsparungen" als gerechte Forderung der Geldgeber betrachtet, damit Griechenland sich endlich den Normen der EU anpassen könne ("wettbewerbsfähig" würde). Schon damals war völlig absehbar, dass es zu dem kommt, was hier berichtet wird. Und jetzt tun uns plötzlich die armen Menschen sooo leid. - Das sehe ich als selbstgerecht und bigott an. Wer dem Turbokapitalismus blindlings huldigt, nimmt damit wissentlich solche Dinge in Kauf wie massenhafte Verarmung. Denn der Kapitalismus hat keine sozialen Komponenten, da geht es nur um Profite, Zinsen, Vermarktung. Gewinner gibt es wenige, Verlierer viele. Nur werden die meist nicht betrachtet. So mancher äußert gar, dass die alle selber schuld sind, weil sie "über ihre Verhältnisse gelebt haben", oder weil sie "zu wenig leisten", und suhlt sich in der eigenen Rechtschaffenheit. Zumindest solange, bis ihn in der eigenen Firma die nächste Umstrukturierung auf die Straße spült und er selbst zu den Verlierern gehört. -- Man sollte immer erst den Denkapparat einschalten, bevor man die neuesten Hymnen mitsingt. Sofern man einen hat.

Beitrag melden
mostly_harmless 03.11.2017, 12:04
53.

Zitat von rugall70
Die heutige Jugend Griechenlands zahlt dafür, dass ihre Elterngeneration seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt hat. Die haben seit Jahrzehnten mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Das kann nicht auf Dauer gutgehen. Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo das so nicht weitergeht, weil den Griechen keiner mehr Geld leihen will. Und das heißt: Zahltag. Jetzt büßt man für die Sünden der Alten.
Tschuldigung, aber: Blödsinn. In Griechenland wird ein neoliberales Experiment ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen. Es geht darum, ein Land zu schaffen, in dem es für Arbeitgeber keine Regeln gibt, in dem es keinen Sozialstaat gibt, in dem Arbeitnehmer unter jeder Bedingung und zu jedem Kurs arbeiten müssen, und in dem Streikrecht und andere Arbeitnehmerrechte nicht existieren. Kurz gesagt: Das Ziel ist eine Situation wie in Chile unter Pinochet, nur ein wenig "aufgehübscht".

Beitrag melden
frankfurtbeat 03.11.2017, 12:05
54. das ...

das ist das Ergebnis von jahrelangen überbezahlten jobs, hohen Renten und Pensionen ohne Deckelung, steurliche Begünstigung von Unternehmen zu Lasten der Arbeitnehmer, fehlender Wirtschaftsleistung, fehlender Industrie. Gleichzeitig blüht das Land in Sachen Korruption und Steuerhinterziehung. Griechenland hat von Anfang an betrogen, wurde dann von den Finanzakrobaten regelrecht ausgesaugt und fristet jetzt ein Dasein auf Niveau eines Entwicklungslandes. Wäre ich gut ausgebildeter Grieche würde ich die Freizügigkeit Europas nutzen um damit eventuell ein einigermaßen faires Einkommen zu erhalten.
Letztendlich gibt es in Deutschland auch zahlreiche Beschäftigungsverhältnisse welche nicht zum Überleben reichen und der Staat den Arbeitnehmer letztendlich unterstützen muss damit Miete, Versorgung gedekcelt werden können.

Beitrag melden
Referendumm 03.11.2017, 12:06
55.

Zitat von pataschwili
Ja, ja, der Kapitalismus ist schuld. Warum?
Deshalb

Beitrag melden
exil-berliner 03.11.2017, 12:07
56. Mein Lohn reicht auch nur für Essen und Miete

Mein Lohn reicht auch nur für Essen und Miete, Leute gewöhnt euch daran: früher arbeitete man um im besten Fall aufzusteigen monitär, heute geht ihr nur noch arbeiten um eure Kosten zu decken. Nix mit sparen, sowieso seitdem die Immopreise dank dem EZB Negativzins massiv gestiegen sind.

Beitrag melden
mkaemmer 03.11.2017, 12:12
57. Da kommt doch bestimmt Freude auf....

...bei dem deutschen Zeitarbeiter, der jede Woche für EUR 8,50/h woanders schuftet und dafür bis zu 150 Km mit dem eigen Auto fahren muss. Da gehts ihm, seiner Frau und den beiden Kleinkindern ja richtig gut. Immerhin bleiben ihm 10 EUR mehr fürs Esen als dem Griechen. Und wenn er dem Tipp von Merkel folgt, dann legt er noch was fürs riestern beiseite. Dann kann er als Rentner auch mal in Griechenland Urlaub machen.

Beitrag melden
schreckgespenst 03.11.2017, 12:13
58.

Zitat von mostly_harmless
Das die Ziele völlig andere waren als die, die man der Öffentlichkeit kommuniziert hat, wurde schon dadurch bewiesen, dass man fast 4 Jahre wartete, bis man anfing darüber zu diskutieren, das GR die Steuerschulden der Milliardäre eintreiben müsse. Und 7 Jahre nach dem Beginn der "Hilfen" hat man zwar mehr als ein dutzend Mal Renten und Löhne gekürzt, aber eine funktionierende Finanzverwaltung gibt es immer noch nicht.
Griechenland ist weder eine Kolonie der EU noch ein Generalgouvernement von Deutschland. Der griechische Staat musste nicht abwarten, bis die Gläubiger verlangen, endlich auch bei Milliardären Steuern und Steuerschulden einzutreiben.
Die griechische Miesere besteht gerade darin, dass die Bevölkerung mehrheitlich (!) in der Vergangenheit Steuerzahlungen als mehr oder weniger freiwillige Sache betrachtet hat.
Und obwohl die nominalen Steuersätze erhöht wurden, werden real immer noch vergleichsweise geringe Steuerzahlungen geleistet. Weil Steuerhinterziehung weiterhin weit verbreitet ist und eine effiziente Steuerverwaltung noch nicht existiert.
Und ja, auch die griechische Bevölkerung trägt eine große Mitschuld an der aktuellen Situation. Die Wahl der Chaotentruppe von Syriza inkl. dem Blender Varoufakis hat es nicht besser gemacht.
Während andere Krisenstaaten (Irland, Spanien und Portugal) sich aufgrund eigener Anstrengungen positiv entwickelt haben, ist die griechische Situation unverändert.

Beitrag melden
Referendumm 03.11.2017, 12:14
59.

Zitat von pitti49
im Urlaub in Griechenland. Ganz Glückliche haben drei kleine Jobs, um sich durchzuschlagen. Schlimm. Und hier in Dt. beklagt man Fachkräftemangel. Beinahe möchte man wie in den 60er/ 70er Jahren den jungen gut Ausgebildeten raten, hierher zu kommen.
Sorry, aber in D ist es doch genauso! Der angebliche Fachkräftemangel in D wird doch nur instrumentalisiert, um Politik zu machen; hat mit der Realität ansonsten wenig zu tun.

Wie hier schon geschrieben: Auch in D gibt es zigtausende Menschen, die als "Working Poor" tätig sind und drei oder vier Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Man muss und sollte auch mal die Augen hier in D etwas öffnen.
Alles gestern im TV zu sehen.

Anderes aktuelles Beispiel: Air Berlin-Mitarbeiter werden ob der Pleite rausgeschmissen und dürfen dann zu extrem schlechten Konditionen - sprich: sehr viel weniger Lohn - erneut die selbe Tätigkeit bei der / den Lufthansa-Töchtern wieder anfangen. Und für die älteren AB-Mitarbeiter/-innen heißt es lapidar: Und tschüss.
Auch gestern im TV zu sehen.

Beitrag melden
Seite 6 von 10
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!