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Young-Money-Blog: Ewig mieten oder kaufen?
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muunoy 02.04.2019, 15:31
100. Guter Artikel

Ich fand diesen Artikel richtig gut. Die Instandhaltungsrücklage wurde in der Berechnung mit berücksichtigt (bitte noch mal lesen). 1,5% sind da üblich. Gut fand ich den Artikel aus einem ganz anderen Grund. Anders als sonst hier auf SPON, wo es immer darum geht, dass alle bis auf die pösen Reichen arm sind und daran nichts ändern können, wird im Artikel darauf hingewiesen, dass Vermögensaufbau wichtig ist. Und damit sollte man möglichst früh anfangen. Mich ärgert es, dass ich erst mit 30 damit anfing, da auch mir als jungen Menschen eingebläut wurde, dass Wirtschaft bäh ist (pöse Kapitalisten u. ä. Blödsinn).
Der Artikel macht auch klar, dass Vermieter nicht generell Monster sind. Weiterhin wird den jungen Leuten, die hier wohl angesprochen werden sollen, klar gemacht, dass beim Vermögensaufbau sehr viele Parameter zu berücksichtigen sind. Ich persönlich halte z. B. die selbstgenutzte Immobilie für den Vermögensaufbau für suboptimal und habe daher selbst die meiste Zeit zur Miete gewohnt und gleichzeitig zwei Mietwohnungen finanziert. Erst mit 50 habe ich ein Haus gekauft. Dies aber wegen des Euros und mit 50% Eigenkapital. Das Haus ist nach 10 Jahren abgezahlt. Warum wegen des Euros? Nun, bleibt er bestehen, könnte auch ich trotz sehr gutem Einkommens bald Probleme mit meinen Wohnkosten bekommen. Aufgrund der fortschreitenden Geldentwertung durch die EU wird das Wohnen sich dann nämlich weiter verteuern. Wird das fehlgeschlagene Euro-Experiment beendet, könnten Schulden drastisch entwertet werden. Im Prinzip ist der Kauf meines Eigenheims also ein Spekulationsgeschäft.
Warum ich das Eigenheim als Investitionsobjekt für den Vermögensaufbau nicht so optimal finde, ist die Tatsache, dass man sehr viel Kapital für lange Zeit bindet und nicht flexibel in Liquidität umwandeln kann. Man schränkt also seine Freiheiten ein, obwohl man Vermögensaufbau ja in erster Linie betreibt, um Freiheit zu erlangen. Außerdem lässt sich an den Kapitalmärkten trotz Besteuerung (im Artikel wurde leider der Soli vergessen!) in der Tat eine höhere Rendite erwirtschaften. Deswegen konnte ich beim Kauf meines Hauses ja auch 50% Eigenkapital beisteuern (komme aus prekären Verhältnissen, wo nichts zu erben ist). Und weil ich das Haus auch komplett hätte zahlen können, hätte ich alle meine Sicherheiten aufgelöst, gab mir die Bank trotz Selbständigkeit den Kredit zu 1,2% (mit Sondertilgungsrecht von 5% p. a.). Neue Mietwohnungen lohnen sich dagegen auch in erster Linie wegen der Möglichkeit, in der Finanzierungsphase den Verlust aus V+V gegen sein übriges Einkommen zu rechnen, also aufgrund der Steuerersparnis. Bei einem jungen Menschen ist aber u. U. die EK-Steuerbelastung noch nicht so hoch, dass sich das lohnt. Junge Menschen wählen häufig ja auch links, weil sie noch keine Bekanntschaft mit der Gier des Staates gemacht haben. Apropos, die Kaufnebenkosten sind im Artikel außerordentlich niedrig. In NRW sollte man mit 12 bis 15% rechnen. Alleine die Grunderwerbssteuer wurde von Rot-Grün auf 6,5% fast verdoppelt. Und das Geld ist zunächst einmal weg. Selbst unseriöse Banken verlangen keinen so hohen Ausgabeaufschlag auf Wertpapierfonds.

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ChristophMäder 02.04.2019, 15:31
101. Handeln Vermieter aus Nächstenliebe?

Welcher Vermieter vermietet eine Immobilie ohne einen Gewinn daraus zu erzielen? Und wer zahlt ihm den Gewinn? Der Mieter. Der Käufer zahlt aber nicht für den Vermögensaufbau von jemand anderem. Bevor jemand mit den Renovierungskosten nach 30 Jahren kommt: verwittern/altern Mietwohnungen im selben Zeitraum nicht? Die Modernisierung wird der Vermieter sicher nicht dem Mieter schenken. Grundsätzlich gilt: der Mieter zahlt den Vermögensaufbau des Immobilienbesitzers.

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postmaterialist2011 02.04.2019, 15:36
102. Kauf macht keinen Sinn !

Ich habe mich vor 20 Jahren entschieden keine Wohnung zu kaufen, da ich im Verwandtenkreis oft genug gesehen habe, dass eine Immobilie nach 25 bis 30 Jahren extrem reparaturanfällig wird. Neue Heizung, neue Balkone, neuer Aufzug, zudem ist eine Immobilie nach dieser Zeit abgewohnt und muss von Grund auf renoviert werden. Ich zahle derzeit in Berlin-Mite für eine vor 15 Jahren renovierte Altbauwohnung noch eine relativ moderate Miete. Wenn ich in 20 Jahren in Rente gehe, wird diese Wohnung entweder weiter behalten, oder wir suchen uns was Neueres mit weniger Quadratmetern. Im Gegensatz zu vielen Freunden und Bekannten habe ich allerdings in den letzten 30 Jahren die ganze Welt gesehen, global Freundschaften geschlossen und bin ein durch und durch zufriedener Mensch, der niemanden etwas neidet. Ich werde mal mit einer halben Million € Erspartem in die Rente gehen und die höchstmögliche Rente erhalten und mich dann garantiert nicht mit nervigen Nachbarn in der Eigentumswohnung rumschlagen oder mich darüber beschweren, dass meine ursprüngliche Toplage langsam verwittert. Eigentum ist etwas für Angsthasen, alle anderen mieten.

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Sinderion 02.04.2019, 15:36
103.

Zitat von Bubi111
Was nützt eine eigene Wohnung? Wie stehts mit den Nebenkosten? Hat die Ehe gehalten? Muss man nicht umziehen wegen des Arbeitsplatzes? Bringt der Verkauf wirklich den errechneten Preis? Am Ende des Lebens kann man dann eine Sause machen, fall man noch gesund ist, eine kleinere Wohnung gefunden hat. Oder man beglückt seine Kinder...falls man welche hat. Der Mieter spart nicht, kann Urlaube machen und eventuell besser leben.
Das klingt nach genau dem Gegenteil von besser leben, der Mieter in Ihrem Beispiel hat Angst vor allem und vergißt, zu leben.
Die eigene Wohnung ist unschlagbar, wenn man eben nicht verkauft und diese nicht als Renditeobjekt rechnet. Was nicht heissen soll, dass eine ETW unrentabel ist. In meiner Stadt ist es so, dass die Mieten meine Abtragung und Nebenkosten + Rücklagenbildung lange eingeholt haben. Über Leute, die das Geld zum Kauf hätten und es nicht tun, kann ich heute schon nur lachen - in ein paar Jahren folgt dann wahrscheinlich Mitleid.
Und mit allen, die zur Miete wohnen aber eigentlich nicht wollen, ärgere ich mich mit bzw. gehe auch demonstrieren.

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IngoLars 02.04.2019, 15:36
104. Das Problem liegt an ganz anderer Stelle

Als Single habe ich nichts davon wenn ich am Ende meines Lebens eine Immobilie besitze die einige 100tsd-Euro wert ist. Die Kapitalbindung um mietfrei zu wohnen ist also das eigentlich Problem. Und das lässt sich auch nicht lösen, da man im Falle eines Verkaufs zu Lebzeiten ja auch wieder Miete zahlen muss um wohnen zu können. Daher muss man das ganze auf Basis eines Zahlungsstroms für die Totalperiode rechnen an deren Ende eine wegen mir auch schwarz Null auf dem Konto steht. Derjenige der für eine adäquate Wohnung in diesem Zeitraum am wenigsten zahlt (und das überschüssige Geld in Lebensfreude investiert) ist der klare Gewinner!...jedenfalls aus Sicht eines Singles der nichts vererben will und muss.

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nosports28 02.04.2019, 15:44
105. Wetten für Optimisten

Das Käuferpaar wettet auf eine Stabilität und Planbarkeit, die sowohl bei persönlichen Lebensverhältnissen als auch bei den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eher die Ausnahme sind, als die Regel. Mal angenommen, das Paar bleibt sich tatsächlich 30 Jahre lang in Liebe zugetan, wird von Krankheit und Unfällen verschont und erfreut sich einer Erwerbsbiographie ohne Einschnitte, dann verändert sich dennoch die Welt um sie herum. Wer sich vor Augen führen will, wie ungewöhnlich und langfristig unweigerlich unbeständig die gegenwärtige, relative Stabilität ist, der suche seinen Stammbaum mal spaßeshalber nach zwei Generationen hintereinander ab, die (ohne Ortswechsel) in einem Staat mit dem gleichen Namen geboren wurden und starben. Und dramatische Entwicklungen wie Klimawandel, wachsende soziale Spaltung und Automatisierung (um nur 3 zu nennen) sollen weitgehend folgenlos bleiben? Sorry, aber wer langfristige Planungen auf der Basis des gegenwärtigen Status quo oder gegenwärtiger Prognosen macht, ist ein Träumer.

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ajf00 02.04.2019, 15:46
106.

Zitat von axel_5
Der Käufer hat also nicht nur die Wohnung, der kann auch noch 500€/Monat anlegen, der Mieter nichts. Wie kommt man darauf, dass der Mieter jemals mehr hat ?
Weil der Mieter ein Aktienpaket von 100.000 hat, und die Rechnung davon ausgeht, das die Rendite der Aktien deutlich hoeher ist als die Wertsteigerung der Immobilie.

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crazy_swayze 02.04.2019, 15:48
107.

Das sind natürlich sehr theoretische Ausführungen.
Natürlich kann ich als Rentner all mein Kapital zusammennehmen und im günstigen Jena eine Wohnung mieten und das restliche Geld verprassen.
Aber die Realität sieht so aus, dass man dort wohnt, wo die sozialen Bindungen sind. Z.B. bei den Enkeln im Stuttgarter Raum.
Eine ETW hat jetzt den Charme dass man im Alter selbst in Bestlage nun kostengünstig, fast zum Nulltarif wohnt, während der Mieter den Kostenblock noch hat.
In den letzten 15 Jahren haben sich Immobilien- und Mietpreise in Stuttgart verdoppelt, das sind ca. 6,5% Mieterhöhung p.a.
Von solchen Entwicklungen macht man sich in guter Lage nun frei und kann dennoch am gesellschaftlichen Leben mit seinen Liebsten teilnehmen.

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yogi65 02.04.2019, 15:48
108. Völlig OK

Zitat von yabba-dabba-doo
@84. yogi65. Verstehe ihren ersten Satz nicht. Natürlich ist die Rente unabhängig davon ob man Mieter oder Vermieter ist. Wer mit Beginn des Rentenalters vermögender da steht werden wir nicht ermitteln können, dazu gibt es zu viele Variablen. Fest steht aber, der Vermieter wird mietfrei leben. Und der Mieter weiterhin fleißig Miete zahlen. Es steht auch fest, für jeden von uns wird die Differenz aktuelles Gehalt zur bevorstehenden Rente eklatant sein. Und dann bezahlen sie mal die teure Miete. Oder gibt es in Deutschland etwa nicht das Problem von hohen Mieten ? Übrigens die Chance ist groß, sollte es in den kommenden Jahren doch mal zur Zinswende kommen, die Aktienmärkte crashen werden. Dann ist das Geld /Aktienwert weg, zumindest stark verringert. Ok meine Immobilien sind vermutlich auch weniger wert. Was soll’s , solange ich vorhabe selber darin wohnen zu wollen. Denkt an die Rente, an die Rentenlücke. Und von Zinssteigerungen werden wir alle betroffen sein. Was sagen die Finanzexperten dazu ?
Mein Versuch herauszuarbeiten dass Ihre Rentenlücke eigentlich unabhängig davon ist ob Sie in Ihrerer aktiven Zeit in eine Immobilie oder in eine alternative Anlage wie in dem Artikel beschrieben investieren ist wohl gescheitert. Wenn Sie jetzt bei Renteneintritt sagen wir mal statt der Immobilie ein Vermögen von 300k haben und daraus ca. 800-900 EUR Erträge pro Monat erzielen sollte das die Mietzahlungen deutlich unterstützen. Natürlich haben Sie immer das Risiko das Ihre Anlagen an Wert verlieren oder die Erträge mal geringer ausfallen, aber ein Totalausfall ist bei breiter Streuung eher unwahrscheinlich wenn auch nicht unmöglich. Aber natürlich trägt Ihre Immobilie auch ein Vermögensrisiko. Größere Reparaturen oder Instandhaltungen müssen Sie auch als Rentner noch stemmen können. Mal abgesehen von dem Marktpreisrisiko, dass Ihnen aber eigentlich egal sein kann wenn Sie die Immobilie selbst bewohnen. Gilt aber auch für Aktien wenn Sie nicht verkaufen müssen. Nicht falsch verstehen, eine Immobilie ist völlig OK, aber ein Wertpapierdepot auch. Ist wirklich ein bischen Geschmacksache und die Endabrechnung könnte man erst am Schluß machen, aber dann interessiert es nur noch die Erben...

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harald441 02.04.2019, 15:48
109. Ein grundlegendes Bauprinzip

wird immer wieder vergessen. Wenn z. B. zehn Familien in einem Wohnblock wohnen, dann benötigen diese in der Summe weniger zu bauende und zu beheizende Wandflächen als wenn diese zehn Familien sich jeweils ein eigenes Haus bauen würden. Im Wohnblock heizt sozusagen der Nachbar meine Zimmerwand von der anderen Seite mit und ich wieder diejenige meines anderen Nachbarn. Wohne ich in der Mitte zwischen zwei Wohnetagen, dann habe ich es besonders gut.
Kurz, dieser Bienenwabeneffekt sorgt dafür, daß zehn Familien in zehn eigenen Wohnhäusern NIEMALS billiger wohnen können als dieselben zehn Familien in einem Wohnblock.

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