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Zinsen, Schulden, Klima: Deutschlands fatale Schönwetter-Haltung
DPA

Bloß keine Schulden, mehr Zinsen für Sparer und bitte nur leicht höhere Preise fürs Klima: Deutschland hat eine Menge Schönwetterideen - und keine davon passt zu den Krisen, mit denen wir es zu tun bekommen.

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brasshead 22.09.2019, 23:53
70.

Zitat von curiosus_
Und weil man nicht weiß was nicht stimmt ist das Hochfahren der Staatsverschuldung die (vom Autor gebetsmühlenhaft jede Woche von Neuem unters Volk gebrachte) Lösung. "Ich weiß zwar nicht woran es liegt, aber mehr Schulden hilft immer" - das ist Alchemisten-Niveau.
Na sowas. Und Sie so?

Und während man die methodische Stringenz seines Staatsschulden-Beurteilungsrahmens nicht mal annähernd plausibel zu begründen in der Lage ist, ist das Runterfahren der Staatsverschuldung die (von Ihnen gebetsmühlenartig jede Woche unters Volk gebrachte) Lösung.

"Ich kanns zwar nicht erklären, aber weniger Schulden hilft immer" - das ist Alchemisten-Niveau.

Wer im Glashaus sitzt...

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camilli79 22.09.2019, 10:05
71.

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Japan hat mit Draghis Politik nichts zu tun. Wenn Sie allerdings glauben, dass durch eine Politik des knappen Geldes in Japan irgendeine Verbesserung gegeben hätte, sind Sie absolut auf dem Holzweg. Es wäre umgekehrt das Schlimmste, was man hätte machen können. Im Grunde ist Japan nur der Vorreiter der realwirtschaftlichen Entwicklung, die ich hier in zwei Beiträgen als entscheidend für die nur kapitaltheoretisch zu begründete Niedrigzinswelt vorgestellt habe: eine alternde Gesellschaft mit sehr hoher Lebenserwartung und gleichzeitig eine digitale Revolutionierung. Mr. Roboto lässt grüßen. Die alten ökonomischen Weisheiten bringen in einem solchen Szenario gar nichts. Im Gegenteil. Sie würden katastrophal wirken. Mit der orthodoxen Ökonomie jedenfalls ist das Phänomen Japan geld- und zinstheoretisch nicht zu begreifen. Einen interessanten und diskussionswürdigen Ansatz, mit dem man das vermutlich eher könnte, ist die ziemlich unorthodoxe Eigentumstheorie des Geldes von Heinsohn/Steiger. In diesem Sinne wäre dann Japan ein Paradebeispiel ein Landes, das aufgrund seiner Geographie und Bevölkerungsstruktur nicht mehr in der Lage ist, über genuin neu zu schaffendes Eigentum verschuldungsfähige Subjekte zu erzeugen. Dann gibt es nur einen realistischen Ausweg: der Staat muss die Lücke geldpolitisch schließen. Genau das geschieht seit mehr als zwei Jahrzehnten mehr oder weniger alternativlos in Japan.
Merkwürdig warum Japan ein Indikator für die EU sein soll. Japan hat keine und will keine Immigranten die die Sozialsysteme belasten und Verständigungsschwierigkeiten oder Kriminalität generieren, Japan hat einen Produktionsstandard, der dem europäischen überlegen ist, Japan hat kaum Streiks, weil Firmen sich um die Familien der Angestellten kümmern und die Angestellten ihre Firma als Teil ihrer Familie sehen, Japan verfiel bisher nicht dem westlichen Fast food trend und hat damit eine gesunde Bevölkerung ohne Fehlzeiten in der Produktion. Die Familie ist in Japan im Zentrium der Gesellschaftspolitik. Die Minus Zins Politik wird also mit anderen Voraussetzungen als in der EU betrieben.

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Supersozi 22.09.2019, 13:32
72.

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Das Wort "pathologisch" hätte ich hier auch nicht verwendet, sondern wir haben es hier beim weltweit niedrigen Zinsniveau mit Gleichgewichtsphänomenen zu tun, die man ganz old school kapitaltheoretisch mit dem Wirken von Angebot und Nachfrage auf realwirtschaftlicher Grundlage herleiten kann. Man muss nur den Geldschleier beiseite schieben. Entscheidend: die digitale Revolution und der dadurch bedingte volkswirtschaftliche Strukturwandel. Stichwort: Business Transformation. Und gleichzeitig der Altersaufbau der Bevölkerung in modernen, westlich orientierten Volkswirtschaften. Im Ergebnis wird das "pathologisch niedrige Zinsniveau" zum Normalfall (für die nächsten Jahrzehnte). Mit Alchemismus hat das nichts zu tun. Jedenfalls solange nicht, wie Sie die Kräfte von Angebot und Nachfrage (die "unsichtbare Hand") nicht mit Alchemismus gleichsetzten. In diesem Szenario hilft Hochfahren der Staatsverschuldung unbedingt. Und kommt den Sparwilligen sogar entgegen.
Doch das Wort ist hier völlig angebracht. Der Autor bringt ständig die gleichen schon in den 70er Jahren gescheiterten Verschuldungsrezepte, die so oder so nur verpuffen können und nur kurzfristig wirken. Eine Höhere Verschuldung führt nur ist ganz wenigen Fällen zu einer Verbesserung, insbesondere dann nicht, wenn die Wirtschaft sich nicht in einer Rezession - wie jetzt - befindet.
Strukturwandel gab es immer schon. Das ist nichts Neues - auch in Deutschland. Von der brauchen wir keine Anglizismen, das alleine zeigt nicht gerade von von ökonommischer Sachkompetenz!
Ich schätze auch, dass wir noch ziemlich lange ein niedriges Zinsniveau haben werden, jedenfalls solange bis die Inflation aus irgendeinem Grund nicht merklich anzieht. Ein Ölpreisschock aufgrund eines Krieges könnte z.B. diesen Schockm auslösen.
Es ist aber immer verführerisch durch niedrige Zinsen Politik machen zu wollen. Nur eins sollte man bedenken: Die Wirksamkeit niedriger Zinsen ist nahezu erschöpft. Die Geldanleger flüchten doch schon in andere Formen der Geldanlage: Gold, Immobilien etc mit all den negativen Auswirkungen.

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exilator_ 23.09.2019, 10:49
73.

Zitat von Supersozi
Doch das Wort ist hier völlig angebracht. Der Autor bringt ständig die gleichen schon in den 70er Jahren gescheiterten Verschuldungsrezepte, die so oder so nur verpuffen können und nur kurzfristig wirken. Eine Höhere Verschuldung führt nur ist ganz wenigen Fällen zu einer Verbesserung, insbesondere dann nicht, wenn die Wirtschaft sich nicht in einer Rezession - wie jetzt - befindet. Strukturwandel gab es immer schon. Das ist nichts Neues - auch in Deutschland. Von der brauchen wir keine Anglizismen, das alleine zeigt nicht gerade von von ökonommischer Sachkompetenz! Ich schätze auch, dass wir noch ziemlich lange ein niedriges Zinsniveau haben werden, jedenfalls solange bis die Inflation aus irgendeinem Grund nicht merklich anzieht. Ein Ölpreisschock aufgrund eines Krieges könnte z.B. diesen Schockm auslösen. Es ist aber immer verführerisch durch niedrige Zinsen Politik machen zu wollen. Nur eins sollte man bedenken: Die Wirksamkeit niedriger Zinsen ist nahezu erschöpft. Die Geldanleger flüchten doch schon in andere Formen der Geldanlage: Gold, Immobilien etc mit all den negativen Auswirkungen.
Was Sie nicht verstehen ist dass es verschiedene Arten von Verschuldung gibt.Solche, wo Schulden einfach verkonsumiert werden und solche, denen ein Wert gegenübersteht.
Wenn für die Subventionen an die Unternehmen oder die Kohleindustrie Schulden gemacht werden, dann ist das Geld hinterher weg und der Nutzen ist gleich null. Wenn aber eine Universität oder eine Strasse gebaut werden oder erhalten werden, dann steht den Schulden dafür ein Wert gegenüber. Das Volksvermögen hat sich vermehrt.
Die Niedrigzinsen werden erst dann beendet sein, wenn 2 Dinge sich ändern und zwar möglichst schnell.
1. die Finanzierung der Einheit aus den Sozialsystemen und die Finanzierung von Reformen durch die Bürger
2. Die Zusage der Kanzlerin, dass keine Bank in Europa pleite gehen dürfe. Das hat die Staaten gezwungen die Bankschulden in Staatsschulden zu überführen und sich dementsprechend zu verschulden.
Die Inflation kann erst anziehen, wenn die EZB dieses Pampern der Wirtschaft einstellt. Sie fördert damit ja gerade die Deflation, denn wenn - gottseidank sind es wenige - Firmen das EZB Geld in Produktion umwandeln würden, bei Rückgang der Käufer ( ein Effekt des Neoliberalismus ) dann müssten diese Firmen ihre Produkte zu jedem Preis verkaufen, um die ¨Überproduktion abzubauen.
Ich möchte zu Bedenken geben, dass eine Digitalisierung und der Neoliberalismus nicht zusammen gehen, denn dadurch würde die Zahl der Käufer im Faktor 1000 reduziert.


exilator

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Flugor 30.09.2019, 14:35
74. Keine staatliche Neuverschuldung für Verlustgeschäfte!

Keine staatliche Neuverschuldung für Verlustgeschäfte!

Nein, Herr Fricke!

Denken Sie doch einmal nach:
Damit staatlich finanzierte Infrastruktur funktioniert, muss es diese auch dort geben, wo es sich für "die Privaten" nicht lohnt, also beispielsweise dort wo die privaten Mobilfunkanbieter "Funklochdeutschland" hinterlassen haben, oder wo der ÖPNV eher nicht existent ist und somit jeder ein Auto braucht.

Eine funktionierende Infrastruktur wird dadurch fast zwangsläufig zu einem Zuschussgeschäft, denn diese muss für deren Nutzer ja auch bezahlbar sein.

Selbst wenn jene Investitionen in Infrastruktur zu erhöhten Steuereinnahmen führen würden, kämen dann gleich wieder jene aus ihren Löchern gekrochen, welche Steuersenkungen fordern, "um dem Bürger etwas zurück zu geben", oder wie auch immer es formuliert wird, wenn man zwar gegen hohe Staatsschulden ist, zugleich aber hohe Steuereinnahmen lieber in der eigenen Tasche sähe, statt die Staatsschulden damit abzubauen.

Folglich muss ein Staatshaushalt ausgeglichen sein.

Wenn nun also ein Investitionsstau diagnostiziert wird, muss ermittelt werden, woher die zu dessen Behebung nötigen Steuereinnahmen kommen sollen.

"Die Rechnung, bitte!" ist Ihre Kolumne tituliert.
Wem also möchten Sie Ihre Infrastrukturrechnung schicken?

Wäre dies nicht ein geeignetes Thema für eine weitere Kolumne Ihrerseits?

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Flugor 30.09.2019, 14:47
75.

Zitat von zzzzxy
wir könnten die die welt im alleingang retten, wenn wir ab jetzt alle nur noch fahrrad fahren und auf balkonien urlauben? cool.
Umgekehrt könnte ich fragen:

Nur weil Ihr Nachbar Autoreifen verbrennt, möchten Sie das jetzt genauso machen?

Die Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus und Paul Romer haben ein Konzept ausgearbeitet, nach welchem man den Preis für CO2 ermitteln kann und wie man die dadurch resultierende CO2-Abgabe über ein Mittel des Marktes so einsetzen kann, dass sich umweltbewusstes handeln lohnt.

Und zwar speziell für Bezieher kleiner Einkommen.

Würde Deutschland ein solches Modell einsetzen, dürfte dies schnell Nachahmer finden

Ja, viele nicht nachhaltig produzierte Produkte würden dann sehr viel teurer. Aber als Ausgleich bekämen Sie auch eine hohe "Klimaprämie", welche komplett aus jener CO2-Abgabe finanziert werden würde.

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Flugor 30.09.2019, 15:11
76. Ich erkläre es Ihnen...

Zitat von hannesmann
Immer wieder der gleiche Unsinn das die Zinsen so niedrig sind weil zuviel gespart wird. Herr Fricke soll doch mal erläutern weshalb dann die EZB 2.6 Billionen in die Kapitalmärkte gepumpt hat und jetzt weiter aufstockt. Was soll denn das dann noch für einen Sinn machen?
Ich erkläre Ihnen einmal den Zusammenhang zwischen niedrigen Zinsen und hoher Sparneigung.

Zugegeben, jene Erklärung eignet sich nicht für die Münder der Populisten, dafür handelt es sich dabei aber auch nicht um Lügen.

Geld und Kredit sind bekanntlich zwei Seiten der gleichen Medaille.
Steigen die Guthaben, muss auch die Gegenposition in Form von Krediten steigen.

Die Kreditvergabe ist wiederum abhängig von der Bonität:
Steigen beispielsweise die eigenen Kredite schneller als das eigene Einkommen, ist man irgendwann Pleite.

Nehmen wir jetzt einmal an, in Deutschland gäbe es Guthaben in Höhe von 5000 Mrd. Euro und das BIP (genauer: das Volkseinkommen) beliefe sich auf 3000 Mrd. Euro

Würde man jetzt jenes Guthaben "anständig" (d.h. zu beispielsweise 2,5%) verzinsen, fielen dazu 2,5*5000/100=125 Mrd. € an, welche durch Neuverschuldung (weil: Geld=Kredit) gedeckt werden müssten. Das BIP müsste dazu um 125/3000*100=4,17% steigen (wegen der nötigen Bonität) und jener Anstieg des BIPs müsste komplett für Zinsen drauf gehen, d.h. die Preise müssten entsprechend steigen, um die durch die Zinsen bedingten Kosten wieder reinzubringen.

Die Mehrheit der Bürger hätte dann zwar mehr Einkommen, aber dieses würde durch höhere Zinsen gleich wieder gefressen.

Folglich müsste das BIP noch stärker steigen.
Beispielsweise um 6%

Sie sehen, derartige Rechnungen zeigen schnell, warum die Zinsen auf Guthaben so niedrig sind: Damit Geld des niedrigeren BIP-Wachstums für höhere Löhne übrig bleibt.

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Flugor 30.09.2019, 16:00
77. Und wieder ein AfD'ler, der...

Zitat von jan07
In welcher Welt lebt der Autor? Deutschland ist als Staat mit gut 2 Billionen Euro verschuldet. Das ist heute schon ein gigantischer Schuldenberg. Es geht nur darum, diesen Berg zum Nachteil unserer Kinder und Enkel nicht noch weiter anwachsen zu lassen - und das sollte auch weiterhin unser Bestreben sein. Natürlich ist unser Infrastruktur marode. Deutschland ist ein Sanierungsfall. Aber DSS liegt daran, dass wir das verfügbare Geld eben anders ausgeben. Wie wäre es zum Beispiel, die Alimentierung ausreisepflichtiger 'Flüchtlinge' einzustellen. Da reden wir wahrscheinlich über zweistellige Milliardenbeträge, die uns eine völlig verfehlte Migrationspolitik kostet. Dieses Geld wäre zur Sanierung von Strassen und Schulen definitiv besser angelegt.
Und wieder ein AfD'ler, der irgendwie Flüchtlinge für alles verantwortlich machen möchte...

Nein, überlegen Sie erst einmal, warum die Menschen von dort flüchten und wer dafür verantwortlich ist.

Dann schauen Sie sich einmal die deutschen Exportüberschüsse an und was diese eventuell damit zu tun haben könnten, dass Menschen anderswo flüchten.

Und jetzt denken Sie auch noch daran, dass Exportüberschüsse Kapitalexporte sind, d.h. Geld, welches ins Ausland fließt und dort beispielsweise fette Rendite für Fonds, Wallstreet&Co bringt und überlegen, warum das Geld nicht im Inland bleibt.

Beispielsweise in Form höherer Löhne und damit auch höheren Steuereinnahmen und Leistungen des Staates.

Ihre monierten Ausgaben für -z.B. durch Waffenexporte- selbst verursachten Flüchtlinge sind Peanuts gegenüber jene Beträge der Kapitalexporte/Exportüberschüsse.

Betrachten Sie jene Kosten einfach als kleine Buße für unsere nicht nachhaltig arbeitende Wirtschaft.

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Flugor 30.09.2019, 16:42
78. Umlaufgeschwindigkeit des Geldes

Zitat von curiosus_
Und weil man nicht weiß was nicht stimmt ist das Hochfahren der Staatsverschuldung die (vom Autor gebetsmühlenhaft jede Woche von Neuem unters Volk gebrachte) Lösung. "Ich weiß zwar nicht woran es liegt, aber mehr Schulden hilft immer" - das ist Alchemisten-Niveau.
Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist zu niedrig. U.A. weil zu viel Geld "fürs Alter" gespart wird.

Abhilfe böte eine Altersvorsorge auf Basis eines Umlageverfahrens, denn dadurch steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes an.

Ups, das haben wir ja, wurde nur unter Schröder kastriert zugunsten von Banken/Versicherungen.

Vielleicht sollte ja man *dies* wieder zurückdrehen und die Gesetzliche Rente wieder zu dem machen, was sie einmal war:

Etwas wovon man im Alter auch leben kann.

Denn: Die Rentner geben ihre Rente ja idR. wieder komplett aus und da die Ausgaben der Einen die Einnahmen der Anderen sind, landet das Geld der Rentner wieder wo?

Genau: Bei den jüngeren Menschen.
Jenen, welche einen Job haben oder ihn suchen.

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