Forum: Wirtschaft
Zinspolitik der EZB: Wenn die Party zu Ende geht
DPA

Nervosität macht sich breit: Die Notenbanken beginnen mit dem Ausstieg aus dem Krisenmodus. Wann wird die Ära ultraniedriger Zinsen vorbei sein? Endet ein langer Boom letztlich mit einem spektakulären Crash?

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StefanXX 22.01.2018, 08:59
30. Es wird keine wirklich hohen Zinsen geben

Es wird keinen Ausstieg aus dem Krisenmodus geben. Womöglich wird der Zinssatz mal um 0,25 oder 0,5% angehoben, aber das wars dann auch schon. Zu alten Zeiten zurückzukehren kann man sich ganz einfach nicht leisten, weil dann angesichts des gigantischen Schuldenbergs viele Eurostaaten Probleme hätten um die Zinsen für Ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Es wird bei Niedrigzinsen bleiben und zugleich wird man versuchen die Inflation anzutreiben, auf diese Weise können die Staaten noch ein zwei Jahrzehnte länger weiterwurschteln bis es endgültig kracht.

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jamguy 22.01.2018, 09:45
31.

Zitat von peter.di
Ja, denn kein Problem wurde gelöst. Nur die Symptome überdeckt mit einem Mittel, dessen Wirkung irgendwann zu Ende gehen muss. Dann ist die Eurokrise wieder voll da, aber selbst Mit Nebenwirkungen wie ruinierten Altersversorgungssystemen, explodierten Immobilienpreisen und in Folge Mieten in Deutschland.
die EZB hat ihr Pulver dann verschossen.

Ach ich mach mir da keinen Schädel 018 heist 028 da hab ich kaum Zweifel im Hinblick auf Italien und dem Brexit usw.

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Educa15 22.01.2018, 10:15
32. Der Weg in die Hyperinflation !

Und vielleicht steht am Ende eine Währungsreform ins Haus!
Denn ich betrachte es als Irrglauben, dass niedrige Zinsen eine Preissteigerung begünstigen. Dies ist zumindest dann nicht der Fall, wenn nur die Produzenten aber nicht die Verbraucher davon profitieren. Und genau das ist heute der Fall. Die Unternehmen können sich günstig Geld beschaffen, so dass sie in der Lage sind bilanztechnisch immer günstiger zu produzieren. Aufgrund des globalen Preiskampfes und der Überproduktion kommt es dann eher zu Preissenkungen als zu Steigerungen.
Was aber, wenn - wie bereits in den USA - die Zinsen steigen. Dann steigen früher oder später die Preise, und wenn dann die Zinsen angehoben warden, geht es ab in die Spirale.

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spaceagency 22.01.2018, 10:25
33. Italiengespenst

Zu Italien gibt es in Deutschland eine lausige Berichterstattung und das Bild ist reiner Stammtisch. Das zum Informationsstand der Deutschen. Warum soll Italien in einem Jahr pleite sein? Es gibt nicht einen Grund dafür. Italien hat seine Schulden immer bedient. Man geht von 7% als kritische Grenze aus die ausserordentliche Massnahmen erfordert. Die 8. grösste Volkswirtschaft der Welt hat eine Leistungsbilanz von plus 2.8% , wächst und exportiert. Die beiden italienischen Weltbanken sind übrigens wesentlich besser aufgestellt als die beiden deutschen Grossbanken. Italien hat die faulen Kredite halbiert !!! Dieses unwissende Stammtischgeschrei ist echt nicht zu überbieten

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Aberlour A ' Bunadh 22.01.2018, 10:31
34. Nochmal ein bisschen Theorie für Einsteiger

weil der Kolumnenschreiber dazu nicht in der Lage zu sein scheint. Ein Zins bedeutet, dass Geld "aus dem Nichts entsteht" oder besser "Geld aus Geld" ensteht. Aristoteles beispielsweise lehnte den Zins aus diesem Grund ab, weil er "widernatürlich" sei. Für Aristoteles wäre eine "Nullzinswelt" also eine gute Welt. Böhm-Bawerk verteidigte den Zins gegen seine Kritiker als Zeitpräferenz mit der Höherschätzung gegenwärtiger gegenüber zukünftigen Bedürfnissen. Der Zins ist also ein Agio, das die gegenwärtige Mindersschätzung zukünftiger Bedürfnisse impliziert. Daher ist der Diskontsatz als Abzinsungsfaktor beispielsweise in Kosten-Nutzenanalysen bezüglich der Nutzung natürlicher Ressourcen eine entscheidende Größe. Je höher diese Diskontrate, desto größer der Anreiz, die natürlichen Ressourcen stante pede zu liquidieren. Kapitaltheoretisch kann sich auch ein realer Nullzins gleichsam von selbst einstellen, wenn es beispielsweise viel Kapital gibt, aber kaum noch lohnende Investitionsmöglichkeiten. Wenn also z.B. durch einen demographischen Wandel, zu viele junge Menschen - in "der Blüte ihres Lebens" - das überschüssige Kapital nicht nachfragen (können), weil sie sie unsicher sind, in was sie investieren sollen. Gleichzeitig die Dienstleistungsgesellschaft ihren Tribut fordert, weil sie einfach einen geringeren Kapitalbedarf hat. In diesem Sinne wird die "digitalisierte Gesellschaft", die eine Dienstleistungsgesellschaft ist, der Natur der Sache nach eine "Niedrigzinsgesellschaft" sein.

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schwäbischalemannisch 22.01.2018, 10:40
35. Kein Finanzexperte - aber gute Analyse

Man merkt, dass der Professor kein Finanzexperte aus der Praxis ist. Aber das ist von den Journalisten, die ansonsten darüber schreiben, auch keiner. Ansonsten eine politisch gute Analyse. Mehr aber auch nicht.

Zudem gibt es kein Naturgesetz, dass Aktienmärkte und Anleihenmärkte alle gleichzeitig crashes müssen. Zudem sind die Zusammenhänge weit komplexer, als in dem Artikel beschrieben.

Für SPON Leser aber vermutlich genau richtig dosiert. Und vor allem sachlich und ohne ideologische Brille.

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Educa15 22.01.2018, 10:50
36. Wozu Zinsen ?

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
weil der Kolumnenschreiber dazu nicht in der Lage zu sein scheint. Ein Zins bedeutet, dass Geld "aus dem Nichts entsteht" oder besser "Geld aus Geld" ensteht. Aristoteles beispielsweise lehnte den Zins aus diesem Grund ab, weil er "widernatürlich" sei. Für Aristoteles wäre eine "Nullzinswelt" also eine gute Welt. Böhm-Bawerk verteidigte den Zins gegen seine Kritiker als Zeitpräferenz mit der Höherschätzung gegenwärtiger gegenüber zukünftigen Bedürfnissen. Der Zins ist also ein Agio, das die gegenwärtige Mindersschätzung zukünftiger Bedürfnisse impliziert. Daher ist der Diskontsatz als Abzinsungsfaktor beispielsweise in Kosten-Nutzenanalysen bezüglich der Nutzung natürlicher Ressourcen eine entscheidende Größe. Je höher diese Diskontrate, desto größer der Anreiz, die natürlichen Ressourcen stante pede zu liquidieren. Kapitaltheoretisch kann sich auch ein realer Nullzins gleichsam von selbst einstellen, wenn es beispielsweise viel Kapital gibt, aber kaum noch lohnende Investitionsmöglichkeiten. Wenn also z.B. durch einen demographischen Wandel, zu viele junge Menschen - in "der Blüte ihres Lebens" - das überschüssige Kapital nicht nachfragen (können), weil sie sie unsicher sind, in was sie investieren sollen. Gleichzeitig die Dienstleistungsgesellschaft ihren Tribut fordert, weil sie einfach einen geringeren Kapitalbedarf hat. In diesem Sinne wird die "digitalisierte Gesellschaft", die eine Dienstleistungsgesellschaft ist, der Natur der Sache nach eine "Niedrigzinsgesellschaft" sein.
Der Zweck von Zinsen ist zum Teil der Ausgleich von Inflation und darüberhinaus eine - statistisch geprägte - Risikoprämie, die als Ausgleich dafür gezahlt wird, dass man von Fall zu Fall am Ende der Laufzeit nicht das gesamte Darlehen zurück bezahlt bekommt.
Vor diesem Hintergrund wäre es im Rahmen der Finanzkrise durchaus gerechtfertigt gewesen, die Schuldenlast vieler Schuldner durch einen Schuldenschnitt zu reduzieren. Denn wenn ein Schuldner - wie z.B. im Falle Griechenlands - 10 Jahre 4% plus Inflationsausgleich erhalten hat, wurde quasi das Risiko eines 40%igen-Tilgunsgausfalls bereits kompensiert.
Stattdessen werden in vielen Fällen (Italien, Spanien, Portugal,...) die Gewinne der Gläubiger gesichert statt kompensiert, sei es durch gedrucktes Zentralbankgeld oder Steuermittel.

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schwäbischalemannisch 22.01.2018, 10:52
37. @ Nr. 30- weiter bis es endgültig kracht?

Ich stimme Ihrer Analyse zu. Aber die Rückschlüsse sind falls. Denn genau weil es so sein wird wie Sie es beschreiben, werden die Staaten am "Ende" gut da stehen. Die Staatsverschuldung wird immer in Relation zum BIP gemessen. Die Schulden werden also viel höher sein als heute, aber in Relation zum BIP deutlich niedriger.

Das ist der eigentliche "Trick" an der Sache. Dieses Spiel ist eigentlich relativ gefahrlos, solange man ein wichtiger Player auf dem globalen Markt ist. Was für die ganz großen Banken gilt, gilt noch mehr für Staaten.

Nur wer entweder zu klein ist, oder es aber gnadenlos übertreibt oder einfach unfähig ist, der geht schon mal pleite. Siehe Argentinien oder Griechenland etc.

Und selbst diese Länder existieren ja noch, es geht nur vielen Menschen dort schlechter.

Und bevor jetzt wieder viele Angst vor Börsen und Märkten bekommen - auf Dauer sind Investitionen in das Produktivkapital einer Gesellschaft (Aktien und andere Unternehmensbeteiligungen) quasi Alternativlos. Die richtige Mischung gibt die nötige Sicherheit.

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schwäbischalemannisch 22.01.2018, 11:24
38. Wenn die Party zu Ende geht,...

... dann fängt die nächste Party ganz bestimmt wieder an. Alle warten doch darauf, dass die Kurse endlich mal wieder substanziell fallen um dann auf niedrigerem Niveau nachkaufen zu können.

Einen Crash gibt es dann, wenn unvorhersehbare Ereignisse passieren. Dass die Zinsen über kurz oder lang steigen werden, wenn auch nicht auf ein Vor-Finanzkrisen-Niveau, das ist kein unvorhersehbares Ereignis.

Ergo wird es auch keinen Crash geben. Jedenfalls keinen substanziellen. Leider.

Was passiert wenn die Zinsen steigen, das ist jedem Akteur am Finanzmarkt klar. Zudem gibt es keinen einzigen Grund um die Zinsen schnell um mehrere Prozent an zu geben.

Kursschwankungen und auch längerfristige Korrekturen, die man gelegentlich auch als Crash bezeichnen kann, wird es immer geben. Damit richtig um zu gehen muss gelernt sein. Weil die meisten Privatanleger das nicht können, finden solche Überschriften überhaupt Beachtung.

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Patrik74 24.01.2018, 11:10
39. Der Zins ist Selbstbereicherung der Banken

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
weil der Kolumnenschreiber dazu nicht in der Lage zu sein scheint. Ein Zins bedeutet, dass Geld "aus dem Nichts entsteht" oder besser "Geld aus Geld" ensteht. Aristoteles beispielsweise lehnte den Zins aus diesem Grund ab, weil er "widernatürlich" sei. Für Aristoteles wäre eine "Nullzinswelt" also eine gute Welt.
Der Zins ist nichts weiter als Geld, dass sich die Banken selber drucken. Es würde deutlicher werden, wenn es üblicher wäre ein Disagio zu verlangen.

Was passiert? Wer sich mit unserem Schuldgeldsystem befasst hat, weiß, dass es bei der Kreditvergabe einfach zu einer Bilanzverlängerung kommt. Der Kreditnehmer hat nun einen Betrag auf dem Konto (was für die Bank eine Verbindlichkeit ist, Passivseite), und die Bank einen Kreditvertrag (was für die Bank eine Forderung ist, Aktivseite).

Wenn also die Bank einem Kreditnehmer bspw. 105 leiht, verlängert sich die Bilanz um 105. Wird aber ein Disagio (Zins vorab) vereinbart, dann landen von den 105 nur 100 auf dem Konto des Kreditnehmers, die anderen 5 gehen direkt ans Eigenkapital (=Gewinn). Hiervon zahlen sich die feinen Herren dann Boni und Dividenden aus.

Da dieses Vorgehen aber zu offensichtlich wäre, streckt man den Zins über die Laufzeit des Kredites und fabriziert theoretischen Hokuspokus, um ihn zu rechtfertigen.

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