Forum: Wirtschaft
Zoff mit Kassen: Ärzte klagen gegen Honorarbeschluss
dapd

Die Kassenärzte machen Druck im Honorarstreit. Sie wollen sich mit einem Plus von 270 Millionen Euro nicht zufriedengeben - und drohen den Kassen nun mit einer Klage. Verbandschef Köhler beklagt einen "Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands".

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laubfrosch69 01.09.2012, 19:54
80. @ curiosus_ - hier ist die Butter!

http://www.aerzteblatt.de/archiv/77041/Finnisches-Gesundheitssystem-Durchorganisiert-effizient-gut

"...Anders als die Krankenschwestern zieht es finnische Ärzte nicht ins Ausland. Ihnen bietet das eigene System genügend Anreize. Fast alle Mediziner arbeiten parallel zum staatlichen im privaten Sektor. Dieser hat sich seit etwa zehn Jahren aufgetan. Im öffentlichen System verdient ein Arzt etwa 4 000 Euro – je nach Ausbildung und Anzahl seiner Patienten. Ist er zusätzlich privatärztlich tätig, steigt das Einkommen auf bis zu 10 000 Euro monatlich. Dass die Ärzte eine solch „delikate Doppelrolle“ einnehmen, ist in Finnland weit verbreitet – und wird akzeptiert. "
4000 € im Monat verdient in DL kein normaler Krankenhausarzt. Niedergelassene haben lt. statistischem Jahrbuch in DL ein monatliches Durchschnittseinkommen von 5400 € - allerdings nicht bei einer 40-Stunden-Woche (55-65 H ist die Normalität). - Da schauen durchschnittlich 10.000 € pro Monat bei geregelten Arbeitszeiten schon ganz ordentlich aus, weshalb die Finnen-Ärzte ja auch nicht nach DL kommen :)

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zahlenmeister 01.09.2012, 20:38
81.

Zitat von laubfrosch69
[...]4000 € im Monat verdient in DL kein normaler Krankenhausarzt. [---]
Da haben Sie völlig Recht. Der „normale“, das heißt der durchschnittliche Krankenhausarzt vedient nicht 4000 Euro/Monat, sondern deutlich mehr.
Auf 4000 Euro/Monat (3844 Euro Grundgehalt plus Zulagen für Bereitschaftsdienste etc.) kommt man als Krankenhausarzt in DL nur im ersten Berufsjahr. Im zweiten Berufsjahr liegt das Grundgehalt bereits etwas über 4000 Euro/Monat und steigt dann bei Asssistenzärzten auf knapp 5000 Euro/Monat, bei Fachärzten auf ca. 6500 Euro/Monat und bei Oberärzten auf ca. 7300 Euro/Monat. Genannt sind exemplarisch jeweils die Grundgehälter des Tarifvertrags für kommunale Krankenhäuser. (Hinzu kommen gegegbenenfalls erhebliche Zuschläge für Bereitschaftsdienste, etc.) Die Tarifverträge mit anderen Arbeitgebergruppen sehen ähnlich aus.
http://www.marburger-bund.de/tarifpo...anuar-2012.pdf

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laubfrosch69 01.09.2012, 21:03
82. @ zahlenmeister - na, mit Brutto und Netto hatten ja schon ganz andere Probleme

Ihre Angaben sind das sozialversicherungspflichtige Brutto - d.h. davon gehen nochmal Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und - last but not least - die Einkommenssteuer ab. - wissen Sie, ich war jahrelang Arzt im Krankenhaus - zuletzt betrug mein Jahres-Brutto in der Stufe BAT 2 A ca. 60.000 € - mein tatsächliches Netto-Gehalt lag dann aber tatsächlich bei ca. 2200€ im Monat - der Rest waren Abgaben (Steuerklasse 1). Ich muß natürlich sagen, daß in meinen 3 letzten Jahren im Krankenhaus ich keine Bereitschaftsdienste mehr gemacht habe - so als norddeutscher Protestant hab ich mal nachgerechnet und festgestellt, daß bei einem 24-h-Dienst am Sonntag nach Abzug aller Abgaben letztlich 121 € Netto geblieben sind. Da hat dann mein "Helfersyndrom" von meinem gesunden Ego eins auf die Rübe gekriegt und ich muß sagen, daß mir dann meine Freizeit zur Regeneration wichtiger war. - ausserdem habe ich mich vom preußischen "Ich lebe, um zu arbeiten." abgewandt und eher die französische Maxime "Ich arbeite, um zu leben." bevorzugt. - by the way - ich hab meine Krankenhaustätigkeit zum 31.12.2006 eingestellt. Ist also noch gar nicht so lange her. Und die paar mickrigen Gehaltserhöhungen im Klinikbereich seither machen den Kohl nicht wirklich fett.

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CancunMM 01.09.2012, 21:07
83.

Zitat von bernhard-d
1. zu den Annehmlichkeiten: Abgesehen, von der unkontrollierten Erfassung und dem in Rechnung stellen von Leistungen die in Bezug auf das tatsächlich erbrachte von niemandem kontrolliert werden, sind sie völlig frei in ihrer Arbeitszeitwahl des Praxisbetriebs. (nur 2 Beispiele) 2. habe ich noch keinen Arzt getroffen, der kein Schränkchen mit Medikamenten in seiner Praxis stehen hat. Überall steht zur Probe drauf und die haben sie dann trotzdem bezahlt? Und die rechnen sie nicht mit der KK ab? 3. *lol* okay, sie werden nicht bestochen, sie werden beschenkt. Blöde Rhetorik! 4. ich habe ihren hippokratischen Eid (Entschuldigung für den Rechtschreibfehler) nicht gelesen, aber ihre Spezies zitiert ihn ja permanent auszugsweise. Ein Auszug, den ich kenne: "Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden." Das schließt jawohl auch überflüssige Verordnungen und damit in die heutige Zeit übersetzt, auch nicht erbrachte Leistungen abzurechnen, ein. Ich denke, damit ist ihr Vortrag hinreichen widerlegt.
1. Erfasse ich keine Leistungen, die ich nicht erbracht habe. Das wäre Betrug. Es stimmt auch nicht, dass die Leistungen nicht kontrolliert werden. Im Gegenteil werden viele Leistungen umsonst erbracht, weil das Budget bereits erschöpft ist oder man muss sogar im Regress Geld zahlen. Zur Arbeitszeitwahl: Auch ein anderer Freiberufler kann seine Arbeitszeit frei wählen. Übrigens stimmt es bei Ärzten nicht. Wenn man eine Kassenzulassung hat, muss man eine bestimmte Wochen-stundenzahl die Praxis offen haben. Übrigens sollten Sie die Arbeitszeit nicht mit den Praxis-öffnungszeiten verwechseln.
2. Die Proben, die sie meinen sind Muster und dafür kassiere ich kein Geld. Und da der Pat. die nicht bezahlt, bezahlt auch die Kasse dafür nicht. Muster sind zum manchmal sinnvoll: Beispiel: Sodbrennen, Omeprazol darf man dann nicht mehr zu Lasten der GKV aufschreiben. Der Pat. müßte es selbst kaufen. Also bekommt er das Muster mit 7 Tab. und seine Beschwerden sind weg. Was dagegen ? Wie soll man die Muster denn mit der KK abrechnen ? Das Rezept wird ja erst abgerechnet wenn es in der Apotheke eingereicht wurde.
3. Ich werde weder bestochen noch beschenkt. Es sei denn sie meinen die paar Kugelschreiber, die meine Angestellten bekommen.
4. Der hippokratische Eid wird vorzugsweise von Typen wie Ihnen und Nicht-Ärzten zitiert, die Ärzten irgendein Fehlverhalten nachweisen wollen. Sie haben ein gutes Zitat herausgegriffen : zum Nutzen der Kranken...nach meinen Fähigkeiten und Wissen... Also nach bestem Wissen und Gewissen, und ? Glaube Sie die Mehrheit der Ärzte macht das nicht ? Schreibt absichtlich Medikamente auf um Pat. zu schädigen ? Was glauben Sie wie oft ich im Quartal mich mit Pat. herumstreiten muss, da ich mich weigere bestimmte Medikamente auf rosa Rezept aufzuschreiben, da sie medizinisch nicht indiziert sind. Zum Beispiel Aciclovirtabletten gegen Lippenherpes, weil der Pat. nicht die Lippenherpescreme selbst bezahlen will.
Übrigens wenn sie den hippokratischen Eid, den übrigens kein Arzt seit vielen Jahren mehr ablegt so eingehalten wissen wollen... Von wem lassen sie sich dann den Appendix oder die Gallensteine entfernen ? Von Ihrem Bader, oh Pardon Friseur ? Denn das darf ich dann lt. Eid auch nicht. Weiß nicht was sie mir widerlegt haben ?

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CancunMM 01.09.2012, 21:11
84.

Zitat von AusVersehen
Und möchte das Recht haben, dass ein Arzt nur dann sein Honorar bekommt, wenn er auch einen guten Job gemacht hat! Ich bekomme jedesmal Wutpickel, wenn ein Arzt mich in 180 Sekunden abfertigt, mir nicht zuhört und ich letztendlich mit meiner Krankheit alleine zurecht kommen muß, aber weiß, dass der Arzt für diese abgrundtief miese Leistung ein Horrendes Geld verdient. Denn von einigen wenigen Ausnahmen nmal abgesehen, geschieht in deutschen Arztpraxen meistens nur noch die reihenweise Fließbandabfertigung von Patientenvieh. Ich würde niemals die Rechnung eines Handwerkers bezahlen, wenn wenn man einen derart miesen Job leistet, wie sich das viele Ärzte trauen abzuliefern! Daß so viele Ärzte sich überhaupt trauen die Patienten derart abzuzocken ist ein Skandal! Ich betone, es gibt einige rühmliche Ausnahmen, aber die werden immer weniger. LEIDER!
Sie sind doch der erste, der sich aufregt, wenn er 10 Minuten warten muss, weil der Arzt sich Zeit für den anderen Pat. nimmt. Fragen sie sich doch lieber, warum er so wenig Zeit hat mit Ihnen zu sprechen. Und horrenden Geld ? Wovon reden Sie ? Für das Geld würde Ihr Handwerker noch nicht mal den Zündschlüssel umdrehen.

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GoBenn 01.09.2012, 21:22
85.

Zitat von joijoi
Dieser Berufststand befindet sich, wie alle, im Umbruch, und die Menschen sind zunehmend weniger bereit, ihnen weder mit vorauseilender Ehrfurcht zu begegnen noch ihre tradierten Previlegien unbezweifelt fortgelten zu lassen. Das empfinde ich als einen guten und überfälligen Prozess des Mündigwerdens.
So ist es. Interessant auch die Aussage von "Ärzte-Chef" Frank Montgomery heute im DLF, dass die 8.500 Euro brutto, die lt. Statistischem Bundesamt ein Arzt im Durchschnitt im Monat verdient, "nicht wenig" seien. Aber man müsse "an die Infrastruktur" für die Patienten denken, die Praxis, die Angestellten... Das habe ich natürlich nicht gewusst, dass die Ärzte nur für ihre Mitarbeiterinnen auf die Straße gehen.

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spon-facebook-10000215408 01.09.2012, 21:25
86.

Zitat von bernhard-d
Die Damen und Herren Mediziner sollten einmal darüber nachdenken, was der Durchschnittsbürger so an Lohnerhöhungen bekommt. Mit viel Glück kommen da im Jahr vielleicht 300 € bei raus. Nicht nur dass unsere Mediziner diverse Annehmlichkeiten geniessen können, sie dürfen sich ja nach neuester Rechtsprechung sogar von pharmazeutischen Betrieben bestechen lassen, reicht ihnen offensichtlich nicht. Da ist die 6fache Lohnerhöhung gegenüber einem durchschnittlichen Bürger natürlich ein Almosen von dem man erlöst werden muss. Kein Ding, wechseln sie doch zur Müllabfuhr. Sinn und Zweck des hypokratischen Eides wird diesen Herrschaften wohl nicht mehr gelehrt oder es wird kollektiv, zum eigenen Wohl, schnell vergessen.
Man nennt uns Müllwerker, es handelt sich nicht um die Müllabfuhr. Das Beispiel soll in Ihren Augen wohl einen Berufsstand zeigen der besonders wenig erstrebenswert ist.Mein Job ist abwechslungsreich und interresant und ich befinde mich nicht am unteren Ende der Gehälter.

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CancunMM 01.09.2012, 21:25
87.

Zitat von Spiegelleserin57
welcher Arzt gibt denn seinen Helferinnen Gehaltserhöhungen weiter? Man denke mal an all die anderen Berufe im Gesundheitswesen. Ich kenne nur Golf spielende Ärzte und der BMW bzw. Porsche vor der Tür ( Niedergelassene) dafür aber Wartezeiten für Kassenpatienten für eine Magenspiegelung von über 8 Wochen, bei Privaten geht das natürlich scneller... In welchem Verhältnis steht da das einkommen zur Leistung... Die Patienten werden im 10 Minuten-Takt abgefertigt...das ist die Realität....die Behandlungszeit müssen auch mal von der KV vorgegeben werden...Preis-Lesitungs-Verhältnis überprüfen...
Erst informieren, dann schreiben ! Die Behandlungszeiten werden vorgegeben. Sie würden sich wundern wieviel Zeit man für eine Ultraschalluntersuchung aufwenden darf.
Wenn sie zu schnell arbeiten, dann streichen ihnen die KK Leistungen, weil es nicht plausibel ist.
Dass sie als Kassenpat. solange auf einen Termin für die Magenspiegelung warten müssen, liegt daran, dass der Arzt dafür so wenig bekommt, dass er diese Untersuchung ohne Privatpat. gar nicht kostendeckend durchführen könnte.
Ein Gastroskopie kostet ungefähr 150 Euro. Man bekommt aber glaube ich 540 Punkte. 1 Punkt gleich 5,11 Cent. Stand 2009. Können Sie rechnen ? Ja da frage ich mich auch in welchem Verhältnis das Einkommen zur Leistung steht.

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GoBenn 01.09.2012, 21:25
88.

Zitat von leser47
12 Jahre habe ich in Skandinavien gearbeitet und bei geregelter Arbeitszeit gutes Geld verdient. Letzte Jahr dann aber 140000 Euro Kredit aufgenommen und eine Landarztpraxis in Norddeutschland eröffnet. Käme ich aus dem Kredit wieder heraus, wäre ich nächsten Monat wieder weg. .
ich denke, Landärzte sollten tatsächlich besser gestellt werden. Davon hört man seitens der Verbände aber (öffentlich) wenig.

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tzahal 01.09.2012, 21:29
89. Nur die Ruhe...

Die Leistung von Ärzten ist unermesslich, es geht um Leben und auch Tod.

Eine angemessene Honorierung kann deshalb nur erfolgen, wenn Ihnen eine Alimenation zugestanden wird, die Ihnen (nach Betriebskosten) eine dem angemessene Lebensführung gestattet wird.

Die wird von den Ärztevertretern mit den Krankenkassen ausgehandelt.

Alles bleibt in Ordnung.

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