Forum: Wirtschaft
Zu wenig Bewerber: Beamtenbund warnt vor Ausbluten von Polizei und Behörden
Noah Wedel / imago images

Der Staat als Arbeitgeber wird immer unattraktiver - mit dramatischen Folgen: Personal fehlt vor allem bei Verwaltungen in Ostdeutschland, bei der Polizei und den Steuerbehörden.

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isar56 22.10.2019, 13:23
10.

Zitat von mol1969
Hier werden Beamte und Angestellte des öD in einen Topf geworfen. Erstere haben, wenn sie die Voraussetzungen für die Verbeamtung erst einmal geschafft haben, ein sorgenfreies Leben mit einem guten Netto-Auskommen (auch im Osten) und einer fürstlichen Altersversorgung. Wäre ich Schulabgänger, würde ich genau diese Richtung einschlagen. Angestellte im öffentlichen Dienst haben aufgrund der regulären Abzüge für die Rentenversicherung (wie jeder andere Arbeitnehmer auch) dagegen ein vergleichsweise niedriges Gehalt und bei der Altersversorgung stehen sie nicht besser dar als jeder andere Angestellte mit Betriebsrente. Das früher geltende Argument der deutlich niedrigeren Arbeitsbelastung zieht schon lange nicht mehr. Die "überflüssigen" Stellen wurden in den letzten Jahren allesamt aufgrund Sparmaßnahmen abgebaut, so daß der Streß eines Mitarbeiters im öffentlichen Dienst nicht anders aussieht als in der freien Wirtschaft, nur das dort besser verdient wird.
Einen Kommentar ähnlichen Inhalts schrieb ich eben. Ich komme mit meinem Gehalt klar (Bestandsschutz und Stufe 6). Dennoch steht mein Einkommen in keinem Verhältnis zu Verantwortung und Arbeitsfeld mit psychisch Kranken, Behinderten, Kindeswohlgefährdungen, Trennungsstreitereien, Suchtkranken etc. Meine Kollegen und ich kooperieren mit dem Familiengericht, Psychiatern,Polizei, Schulen, Kitas, Kinderärzten, Integrationshelfern.... Die jüngeren Kollegen gehen und wenn keine Bewerber zu finden sind bleiben die Stellen eben unbesetzt. Das spart auch noch Personalkosten. Freisprechen können sich die oberen Etagen, indem sie Kataloge von Dienstanweisungen herausgeben und Vorgaben vom Familienministerium, das den Städten und Kommunen weitere Aufgaben zuordnet. Der Überlastungsanzeige einer Kollegin folgte übelstes mobbing. Und nun, nach zwei Jahren Prüfung durch einen Gutachter und einen Vertreter des bayerischen Prüfungsverbandes stellt sich heraus, dass meine Abteilung zu 25% unterbesetzt ist. Ganz üble Machenschaften. Die Wohltäter in Berlin stopfen die Löcher auf Kosten der Kommunen und letztendlich der Mitarbeiter.

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schocolongne 22.10.2019, 13:24
11. Ob die USA wirklich als Vorbild taugen?

Zitat von subjectdown
Wer wird in Berlin wohl Polizist, z.B. als Beamter im - vergleichbaren - mittleren Dienst? Prügelknabe ohne das der Dienstherr hinter einem steht. USA mögen übertrieben haben, mit ihrem System. Es gefällt mir aber besser, als in Deutschland. Hier haben bestimmte Bevölkerungsschichten überhaupt keinen Respekt vor der Polizei und diese können, im Gegensatz zu USA, nichts machen, um sich Respekt zu verschaffen.
Angesichts von rund 1000 Toten jährlich, durch Polizeigewalt in den USA bin ich froh, das unsere Polizeibeamten offenbar eher auf Deeskalation trainiert werden, anstatt "erst zu schießen um dann zu fragen"-Ironie aus. USA-Deutschland-Vergleiche sind in dem Bereich kritisch zu sehen.

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quark2@mailinator.com 22.10.2019, 13:28
12.

Seit der Wiedervereinigung erhebt der Staat zu wenig Steuern, um seinen Aufgaben nachzukommen. Die Folgen zeigen sich überall - geschlossene Schwimmbäder, Bibliotheken, Theater, zu wenig Nahverkehr, doppelte Zugpreise und eben auch zu wenig Polizei, obwohl wir uns den Grenzschutz und hunderttausende Soldaten gespart haben. Parallel fallen früher freiwillig erbrachte Leistungen weg, wie etwa bei den Rettungsschwimmern und dafür müssen Ruhezeiten von Feuerwehrleuten und Ärzten bezahlt werden. Es fehlt an Pflegekräften, Lehrern etc. Ich denke, wir sollten zwei Dinge tun: Erstens, soviel Steuern erheben, daß der Staat gute Leute bezahlen kann und zweitens, das Steuergeld nicht ins Militär stecken.

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FerrisBueller 22.10.2019, 13:47
13. Die Scheingläubigkeit ist ein grosses Problem.

Das Geld ist egal? Weit gefehlt.

Bei meinem letzten Jobwechsel vor ein paar Jahren hatte ich mich auch mal bei Polizei und Co umgesehen. Aufgrund meiner persönlichen und beruflichen Vergangenheit in der IT (auch auf der dunklen Seite) hätte ich ziemlich gut auf die Stellenbeschreibungen gepasst und das hatte mir auch Spaß gemacht. Dazu war die wahrscheinliche Dienststelle nur ein paar Straßen von meiner Wohnung entfernt und die körperlichen Anforderungen waren bei diesen Jobs auch nicht mehr so extrem wie früher. Eigentlich wunderbar.

Das Problem ist, dass ich nicht genug staatlich anerkannten Scheine habe, die kompatibel zu den Gehalts-Tabellen des deutschen Staates wären. Daher wäre ich trotz meiner langjährigen Berufs- und Milieu-Erfahrung nur als ungelernte Hilfskraft bezahlt worden und das ganze wahrscheinlich auch nur befristet.

So gerne ich die Welt zu einem besseren Ort gemacht hätte aber bei solchen Aussichten arbeite ich dann doch lieber in der freien Wirtschaft und verdiene locker das doppelte.

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Opa_Hoppenstädt 22.10.2019, 13:53
14. jeder bekommt was er verdient

als 2006 die Föderalismusreform gefeiert wurde... Haben die Gewerkschaften gerade im Osten schon angekündigt.... das die gleiche Situation die einst zu einer bundeseinheitlichen Besoldung geführt hat wieder eintreten wird. Das sich Bund und Länder um die Köpfe werden bemühen müssen und das die armen an die reichen Länder abgeben werden. Nun rächt sich der Sparwahn und nun kostet es am Ende mehr Geld.... als je gespart wurde. Typisch für die Politclowns dieser Republik..

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Hans58 22.10.2019, 13:55
15.

Zitat von marthaimschnee
…. Und das bei 3 Jahren "Probezeit", bevor man verbeamtet wird, bei leicht über 3000 Euro brutto (noch nicht als Beamter, also volle Steuer und SvP). Ein Einsatzort wird selbstverständlich auch nicht genannt.
Ich entnehme Ihrem Beitrag, dass Sie der Auffassung sind, Beamte zahlen weniger Steuern für ihre Besoldung. Schön wär's.

Ein Beamter des Bundes kann überall in Deutschland verwendet werden, ein Landesbeamte nur in seinem Bundesland.

KEIN Beamter hat Anspruch auf einen bestimmten Einsatzort.

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ksail 22.10.2019, 13:56
16. ÖD unattraktiv?

So ganz kann ich das Jammern nicht verstehen. Seit Jahren wächst die Beschäftigtenzahl im Öffentlichen Dienst, und das trotz demografischem Wandel. Wir geben immer mehr Geld für diesen Bereich aus, stellen mehr Polizisten ein, etc. Für mich ist das Jammern auf hohem Niveau - ich habe beruflich sehr viel mit Beamten zu tun, da würde niemand freiwillig in die Wirtschaft wechseln

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Enes Scholkaldetten 22.10.2019, 14:09
17. Mehrwert ?

Warum sollte man denn bei der Polizei/Verfassungsschutz arbeiten wollen. Zwar kann man da ungestraft Straftaten begehen und kriminell sein , aber darauf haben nicht einmal mehr die Millenials Bock. Wenn diese Jobs keinen Mehrwert haben, findet sich weder qualifiziertes noch unqualifiziertes Personal.

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dlh255 22.10.2019, 14:10
18. Abschluss = Fähigkeiten

Wie Nr. 13 schon sagt, dem ÖD ist der Abschluss bei der Bezahlung wichtiger als das Können. Schaut man z.B. auf die BSI-Seite sind die Stellen nicht etwa nach Abteilung/Fachgebiet sondern nach Abschluss (Uni/FH, Bachelor, anderes) gruppiert. Ein Freund ist jetzt beim Land angestellt. Wenn er keinen FH- sondern Uni-Abschluss hätte, würde er generell 1-2 Tarifgruppen höher bezahlt werden. Ob er was kann oder nicht spielt dabei keine Rolle. Gerade in der IT finde ich sowas tödlich.

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xprt007 22.10.2019, 14:13
19. Das wollte ich auch fragen.

Zitat von schocolongne
Angesichts von rund 1000 Toten jährlich, durch Polizeigewalt in den USA bin ich froh, das unsere Polizeibeamten offenbar eher auf Deeskalation trainiert werden, anstatt "erst zu schießen um dann zu fragen"-Ironie aus. USA-Deutschland-Vergleiche sind in dem Bereich kritisch zu sehen.
Wenn man regelmäßig US-Zeitungen wie huffpost.com oder Washingtonpost.com liest oder CNN USA (nicht International), bzw. MSNBC Livestream (livenewsnow.com), gibt's immer wieder Gewalt von Polizisten, die meistens Schwarze auch ohne etwas getan zu haben erschießen. Vor Kurzem wurde eine Polizisten in Texas verurteilt. Warum? Weil sie vielleicht auch aus persönlichen Problemen überfordert war, geht in die falsche Wohnung ein, statt ihre und weil sie einen vermeintlichen Einbrecher dort findet, öffnet sie Feuer auf der Stelle. Das Problem: der "Einbrecher" war in seiner eigenen Wohnung und die Polizei nicht in ihre.

Nur ein paar Tage danach, ich denke in Fort Worth oder Dallas Texas, sie ein alter Herr wie die Wohnung der kranke Nachbarin um 1:30 oder 2:30 Uhr lange offen war. Sie ruft die Polizei an und nicht die Stelle für Notfälle an und bittet sie nachzuschauen, ob alles OK ist.

Es kommt ein Polizist kurz danach und statt sich zu identifizieren und durch die Tür zu gehen, macht er das durch den Garten und denk' ich irgendwie auf den Balkon oder so klettert. Als die 28 jährige Wohnungsinhaberin, die mit ihrem kleinen Verwandten auf XBox gespielt haben merkwürdige Geräusche hören, steht sie auf und versucht nachzuschauen. Vor ihr, hinter Gardinen sieht sie ein Mann, der sie auffordert "Put your hands up, ... I want to see your hands". Fast gleichzeitig feuert er auf sie. Sie stirbt auf der Stelle.

Warum? Er hat sich nicht einmal identifiziert und sollte nur nachschauen, ob alles OK war.

Er wurde nach massiven Protesten wegen Mord angeklagt.

Das sind nur 2 paar Beispiele ... Kein Land braucht so was.

Hier ist ein Link zum letzten Beispiel => "Black Woman, 28, Shot and Killed by Police Officer in Her Texas Home While Watching Her 8-Year-Old Nephew": https://time.com/5699327/atatiana-jefferson-killed-police-officer/

In viele ähnliche Fälle, bei Schwarzen werden die noch aus Grund A, B oder c freigesprochen.

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