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Zu wenig Fachkräfte: Bauherren müssen mehr als drei Monate auf Handwerker warten
Boris Roessler/ / DPA

Die Baubranche boomt, zugleich fehlen Fachkräfte. Das bekommen Kunden bei den Wartezeiten auf Handwerker zu spüren. Rund 100 Tage vergehen zwischen Auftrag und Ausführung - und auch die Preise steigen.

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MisterD 15.05.2019, 11:10
1. Ich hoffe die Baubranche...

sorgt heute schon für schlechte Zeiten vor, denn diese Zeiten werden kommen. Der Boom kann nicht mehr so weitergehen. Ich und meine Frau liegen vom Verdienst her knapp über der Grenze fürs Baukindergeld und wir könnten uns selbst im Speckgürtel vieler Großstädte kein Grundstück mit Eigenheim mehr leisten, ohne uns bis über beide Ohren auf mindestens 35 Jahre zu verschulden. Über 80% der Bauherren, die vor 10 Jahren gebaut haben (oft komplett ohne Eigenkapital), würden heute von der Bank nach den ersten 3 Minuten wieder freundlich aus dem Gebäude verwiesen. Kann so nicht weitergehen, egal was die Experten sagen. Wieviel soll man verdienen, um einen Kredit von 400.000 EUR in 30 Jahren abzuzahlen?

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SusiWombat 15.05.2019, 11:12
2.

So ist das, wenn das Finanzergebnis wichtiger ist als die Wertschöpfung. Wer möchte heute noch einen wertschöpfenden Beruf ergreifen, wenn der Controller doch so viel besser bezahlt wird? Schon seit Jahrzehnten wird der Handwerksberuf mit "sich die Finger schmutzig machen" assoziiert, das will halt keiner.

Die andere Frage, die sich mir aufdrängt: Wie groß ist die Verzögerung wirklich? Ich beauftrage ja nicht erst am Tag des Baubeginns, ich habe ja Planungsfristen zu beachten.

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der_rookie 15.05.2019, 11:32
3. Hm

Eigentlich schade, dass im Handwerk Lehrlinge fehlen: Es ist doch etwas befriedigendes mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. Und die Qualifizierungsanforderungen an einen Lehrling sind meist auch nicht allzu hoch. Und dann stand vor einem Jahr im Spiegel, dass fast 24.000 Jugendliche keine Ausbildungsplätze gefunden hatten. Ich wünsche mehr Jugendlichen den Pragmatismus Chancen zu erkennen und zu ergreifen als irgendwelchen Träumen hinterherzurennen. Und ich wünsche den Jugendlichen die Erkenntnis, dass man sich im Leben gegebenenfalls auch in ein bisher unbekanntes soziales Umfeld einfügen können muss. Und den Betrieben wünsche ich den Mut auch einmal einen etwas schrägen Lehrling einzustellen: Besser es mit einem Querdenker zu versuchen als niemanden zu haben.
https://www.spiegel.de/karriere/ausbildung-fast-24-000-jugendliche-haben-keine-lehrstelle-gefunden-a-1220084.html

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NikoG 15.05.2019, 11:53
4. schlimm

Meine Fa. musste auch schon mehrfach durch die Hölle: Geignete Gastro-Fläche endlich gefunden, Mietvertrag unterzeichnet doch statt schnell zu eröffnen, muss man alle Handwerksbetriebe im Umkreis von 100km anflehen, einen Angebot erstellen zu lassen. Nu 30% sagt dazu JA, davon 50% schreiben tatsächlich ein Angebot. Ein Teil davon sind "Abschreck-Angebote". D.h. die Firmen wollen eigentlich gar nicht und bieten sehr unattraktive Leistungen. Im Endeffekt nimmt man den, wer am schnellsten beginnen kann - unter 4 Wochen geht da nix

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Chris CNX 15.05.2019, 12:01
5. @der_rookie

Bei den 24.000 liegt es sicher auch daran, dass sie einen Beruf suchen, der am Wohnort nicht angeboten wird bzw. dort die Bewerberzahl hoch ist, an einem anderen Ort aber keine Bewerber zu finden sind. Oder dass sie einfach für den Beruf nicht geeignet sind, weil sie z.B. sehr schlecht in Mathe sind was in vielen Handwerksbetrieben aber dringend benötigt wird. Dann sagt der Betrieb "lieber keinen Auszubildenden als einen mit dem ich nichts anfangen kann".

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kayakclc 15.05.2019, 12:04
6. Nachvollziehbare Entwicklung

Politik und Gesellschaft haben eine Botschaft für junge Leute: Abitur machen und möglichst alle studieren. Bei eine Abiturientenquote von über 50% nehmen die Leute rapide ab, die Handwerksberufe erlernen wollen, und dann noch auf dem Bau arbeiten. Am Ende hat man die Mangelwirtschaft, Firmen, die sich eine goldene Nase verdienen, und Bauherrn, die teuer Preise für Neubauten und Renovierungen bezahlen. Der Rest der Bevölkerung, der nicht sehen will, das jede Entscheidung immer mit Nebenwirkungen verbunden ist, es also nicht Schwarz und Weis gibt, wird lernen müssen, das Universittätsbildung für alle und hohe Löhne für alle eben auch gleich hohe Kosten für alle bedeutet. Als Kunde muss ich für die Dienstleistung eben die Preise bezahlen!

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krautrockfreak 15.05.2019, 12:15
7. Nicht nur Wartezeit, auch die Qualität wird immer schlechter!

Kaum noch echte Fachkräfte, immer mehr angelernte Arbeiter aus dem Osten, mit entsprechendem Arbeitsergebnis ist die Folge, teilweise mit katastrophalen Folgen für die Bauherren. Selbst erlebt, zur Zeit bei Nachbarn ein Thema, bei Kollegen usw.

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Bahnix 15.05.2019, 12:18
8.

Zitat von der_rookie
Eigentlich schade, dass im Handwerk Lehrlinge fehlen: Es ist doch etwas befriedigendes mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. Und die Qualifizierungsanforderungen an einen Lehrling sind meist auch nicht allzu hoch.
Super Beweisführung: Zuerst, dass es befriedigend zu sein scheint, etwas zu machen, und dann, dass man jeden Dodel dazu nehmen kann.
Genau an dem krankt es in Deutschland: Nur der Abiturient gilt was. Der Handwerker mit seinen Fähigkeiten, der jst ja durch jeden zu ersetzen.
Dass der Handwerker als Könner gilt, der für seinen Beruf einiges tun muss, und auch für Fehler wesentlich mehr haftet, als ein Bildschirmtippexler, kommt wohl niemandem in den Sinn. Daher sind die Löhne auch unter allem Hund. Kein Wunder rauschen alle ab!
Der Beruf befriedigt einem schon, aber wenn man nicht davon Leben kann, dann nützt das nichts!
Vom volkswirtschaftlichen Unsinn, von Abis, die nicht genutzt werden, wollen wir gar nicht sprechen!

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reflashed 15.05.2019, 12:19
9. Welcher Punkt noch fehlt

ist der, dass auch die Qualität gesunken ist und weiter sinkt. Als ehemaliger Bau-Handwerker war ich regelrecht erschrocken was bei meiner Sanierung für teures Geld gepfuscht wurde, quer durch alle Gewerke.
Gründe dafür sind gesellschaftlich begründet denke ich. Schon vor 30 Jahren, als ich mit der Lehre begonnen habe, wurde der Handwerker von den „Studierten“ nur belächelt.

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