Forum: Wirtschaft
Zukunftsmarkt: Was hinter Chinas Milliardeninvestitionen in Afrika steckt
REUTERS

China feiert Afrika und umgekehrt: Peking krönt dies mit Milliardeninvestitionen. Dahinter verbirgt sich kein chinesischer Kolonialismus, sondern ein gemeinsames Wachstumsinteresse. Eine Gefahr für den Westen.

Seite 11 von 12
Patrik74 10.09.2018, 13:01
100. Brav ankonditioniert

Zitat von F.X.Fischer
Afrika bekommt genauso wie der Rest der Welt für seine Rohstoffe "Weltmarktpreise"! Wir können uns die Erdölpreise ja auch nicht aussuchen und klagen dass wir hier ausgebeutet werden! Afrika ist für seine Anführer immer noch selber verantwortlich, - wie es geht zeigt Südostasien! Diese konfuzianisch geprägten Länder (China, Taiwan, Singapur, Vietnam, S-Korea, Japan, Malaysia) haben trozt teilweise längerer Kolonisation, - trotz verheerender (Bürger-)Kriege (Zweiter WK, Koreakrieg, Vienamkrieg, Chinesischer Bürgerkrieg) es geschafft, den tatkräftigen, fleissigen und schlauen Bürgern durch Rechtssicherheit einen Entfahltungsrahmen zu geben in dem sie ihre ökonomischen Aktivitäten entfahlten können, - zum Vorteil des ganzen Staates! Daran sollte sich Afrika ein Beispiel nehmen!
..ihre Argumentationslinie. Nur war der Kolonialismus in Asien nicht so "wirkungsvoll" wie in Afrika. Das lag zuvorderst daran, dass

a) er nicht so lange ging
b) die räumliche Distanz größer war
c) der Organisationsgrad der asiatischen Kulturen höher war

Während es sich in Aisen vorwiegend um einen Handelskolonialismus handelte, war es Afrika eher ein Ausbeutungskolonialismus bis dahin, dass Menschen selbst zur Ware und millionenfach verschleppt wurden.

Als man die Kolonien dann in die Freiheit entließ, unterstütze man jeden Verbrecher - solange er kein Sozialist war - sehr gerne auch mit Waffen auf Pump, um unsere kostengünstige Nachschublinien zu sichern.

Es ist etwas wohlfeil, auf der einen Seite der herrschenden Klasse Geld und Waffen zu liefern und für sog. "Finanzkanäle" zu sorgen, damit sie ihr Geld bei uns sicher bunkern und ausgeben können, und andererseits zu verlangen, dass das Volk dort bitte sich selbst um die Verhältnisse kümmern mögen, während wir obendrein jeglichen lokalen Markt mit unseren Überschussprodukten zukleistern - ironischerweise sind unsere Waren u.a. deshalb so "wettbewerbsfähig", weil wir die Rohstoffe so günstig kriegen...

Wir haben mit den Verhältnissen in Afrika weit mehr zu tun als es viele gerne wahrhaben wollen - am Ende sind wir noch die größte Fluchtursache, und müssten etwas an unserem Verhalten ändern, Gott bewahre!

Und die sog. "Weltmarktpreise" werden auch nicht frei ausgehandelt - zumindest nicht auf einem freien Markt - sondern eben mit besagten Eliten, die man mit "Entwicklungshilfe" gefügig macht.

Sicher könnten die Afrikaner an den Verhältnissen etwas ändern, vielleicht wäre es dafür nur hilfreich, wenn wir uns nicht aus Profitgier auf die "dunkle Seite der Macht" stellen würden, und beispielsweise bei Gelegenheiten wie dem Arabischen Frühling interessiert und distanziert zuschauen und diskret Beifall klatschen, während wir andererseits - wenn es ums Öl geht - "Freiheit und Demokratie" ins Land bomben.

Ich denke, sie machen es sich intellektuell ganz schön bequem...

Beitrag melden
K:F 10.09.2018, 13:45
101. EU setzt auf Abschottung

China auf Zukunft. Deutsche Entwicklungspolitik war Stückwerk und Waffenverkauf mit Alimentierung der Eliten. Bei der Bevölkerung jedenfalls kam nie ein ct. an. Jetzt reiste Merkel erneut durch Afrika. Im Schlepptau einige Industriebosse. Was fällt denen dazu ein? Es fehle wohl doch an Infrastruktur. Genau daran hapert es in den Köpfen deutscher Politiker. Langfristige Planung.

Beitrag melden
F.X.Fischer 10.09.2018, 14:05
102. Naturvölker und Hochkulturen

Zitat von Patrik74
..ihre Argumentationslinie. Nur war der Kolonialismus in Asien nicht so "wirkungsvoll" wie in Afrika. Das lag zuvorderst daran, dass a) er nicht so lange ging b) die räumliche Distanz größer war c) der Organisationsgrad der asiatischen Kulturen höher war Während es sich in Aisen vorwiegend um einen Handelskolonialismus handelte, war es Afrika eher ein Ausbeutungskolonialismus bis dahin, dass Menschen selbst zur Ware und millionenfach verschleppt wurden. ...
Zu Ihren Argumenten: die inneren afrikanischen Staaten standen von circa 1900 bis 1960 unter europäischer Herrschaft, - Liberia und Äthiopien nie! In Indien, Indonesien, Malaysia, Timor bestand der europäische Einfluß Jahrhunderte und was die Distanz damit zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht!
Für Armut, Mangel, Not und Hunger braucht es weder Ausbeutung, Unterdrückung noch irgendjemand der davon profitiert! Der Kampf ums Überleben ist seit Anbeginn der Zeiten der Normalzustand und es braucht einiges an staatlicher Organisation um anonyme Massen in einem Gemeinwesen erfolgreich in ihrem alltäglichen Handeln aufeinander abzustimmen und nur weniges an Mißwirtschaft um ein solches in Chaos zu stürzen! Die Entwicklung von überregionalen Staaten mit effizienter Verwaltung, belastbaren staatlichen Institutionen und Rechtssicherheit geschah in jenem klimatisch benachteiligten Gürtel von Portugal über den Nahen Osten über Indien bis China und Japan, - im tropischen Süden unterblieb dies! Und jene Staaten erholten sich auch schnell von kriegerischen Verheerungen und Fremdherrschaft, - ihre Einwanderer sind auch ohne Quoten und Förderung in Nordamerika und Europa erfolgreich!
Nein, - Afrika war schon vor den Europäern nach unseren Maßstäben rückständig und die wenigsten Menschen haben eine Ahnung, was es für Völker bedeutet, sich fremde Kulturen anzueignen!

Beitrag melden
freddygrant 10.09.2018, 14:16
103. Könnte man auch ...

... sagen, die Chinesen fördern in Afrika die Infrastruktur und
Wirtschaft der Staaten, während der Westen eher die Lieferung
von Waffen und Konflikten bevorzugt? In der Vergangenheit mag
das - wenn auch gefährlich - ganz gut funktioniert zu haben.
In der Zukunft ist dies aber "out of nations building and peace
keeping". Auch die Deutschen und Frau Merkel etc. hätten das
längst realisieren können/müssen!

Beitrag melden
adal_ 10.09.2018, 15:31
104. Scheinbares Paradox

Zitat von aggro_aggro
Ein erfolgreiches Afrika ist doch nicht gleichbedeutend mit wachsendem Migrationsdruck.
Doch. Das Geheimnis hinter dem vermeintlichen Paradox: Es sind nicht die Ärmsten, die sich nach Europa aufmachen. Denn Migration ohne Einreisepapiere kostet Geld und zwar nicht zu knapp. Schlepper sind nun mal teuer. Steigt der Wohlstand, nimmt auch die Migration nach Europa erst mal zu.

Der Migrationsdruck wird erst dann nachlassen, wenn jenes Wohlstandsniveau erreicht ist, das mit niedrigen Geburtenraten korreliert.

Beitrag melden
hohnstein2016 10.09.2018, 15:37
105. China - Europa

Mit nur endlos Diskutieren wie z.Z. in Europa, und auch meist ohne Ergebnisse, kommt man in der Zukunft nicht mehr voran. Diskutieren ja, aber nicht endlos. Denn wer zu Spät kommt den bestraft das Leben... Übertrieben gesagt läuft es so... während in Europa für ein Großbauprojekt noch das Planfestellungsverfahren bearbeitet wird....in der selben Zeit sind in China, mehrere Wolkenkratzer oder Flughäfen fertig.... das ist meine Erfahrung nach Jahrelanger Arbeit in China... ...

Beitrag melden
Patrik74 10.09.2018, 16:07
106. Geschichtsvergessen

Zitat von F.X.Fischer
Zu Ihren Argumenten: die inneren afrikanischen Staaten standen von circa 1900 bis 1960 unter europäischer Herrschaft, - Liberia und Äthiopien nie! In Indien, Indonesien, Malaysia, Timor bestand der europäische Einfluß Jahrhunderte und was die Distanz damit zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht! ... Die Entwicklung von überregionalen Staaten mit effizienter Verwaltung, belastbaren staatlichen Institutionen und Rechtssicherheit geschah in jenem klimatisch benachteiligten Gürtel von Portugal über den Nahen Osten über Indien bis China und Japan, - im tropischen Süden unterblieb dies! ... Nein, - Afrika war schon vor den Europäern nach unseren Maßstäben rückständig und die wenigsten Menschen haben eine Ahnung, was es für Völker bedeutet, sich fremde Kulturen anzueignen!
Nun, mir deucht, dass die Europäer schon recht erfolgreich seit dem 16. Jahrhundert Sklavenhandel in Afrika betrieben und "Handels"-Kolonien errichtet haben. Natürlich haben Handelskolonien einen etwas anderen Charakter, wenn der Exportschlager nicht Gewürze sondern Menschen sind.

Die Distanz spielt deshalb ein Rolle, weil es rein logistisch sehr viel schwerer ist, ein Land zu erobern und zu kontrollieren, das am anderen Ende der Welt liegt als direkt vor der Haustür; dieses umso mehr, wenn sich die Transportmöglichkeiten von Truppen und Material im Wesentlichen auf Segelschiffe und Maultiere beschränkt.

Was sie als "klimatisch benachteiligten Gürtel" bezeichnet, firmiert im Allgemeinen positiver unter "gemäßigter Zone" und zeichnet sich zuvorderst dadurch aus, dass es für die Landwirtschaft die besten Voraussetzungen bietet; u.a. dieser Umstand und der geographische Zufall, dass man innerhalb dieser gemäßigten Zone trockenen Fusses von Portugal bis China reisen konnte, haben einen hohen kulturellen Austausch befördert, und maßgeblich zur Entwicklung von Zivilisationen mit hohem Organisationsgrad beigetragen. In Afrika liegen andere ungünstigere geografischen und klimatischen Voraussetzungen vor.

Einerlei, es geht darum, ob es HEUTE für Europa intelligenter ist, den Ausbeutungskolonialismus mit anderen Mittel aufrechtzuerhalten - denn offensichtlich haben (auch) das die Chinesen mittlerweile besser drauf - oder vielleicht ein attraktiveres Gegenmodell anzubieten. Um dieses rational zu entscheiden, müssten wir aber langfristig und strategisch denken, und das können wir eben nicht mehr, weil es und der neoliberale Zeitgeist ausgetrieben hat.

Wir verteidigen also den Status Quo und denken damit den Lauf der Welt aufzuhalten - dummerweise fragt sie aber nicht, sondern überschwemmt einfach die, die nicht auf der Welle reiten können; und die Welle kommt heute aus (Fern-)Ost.

Beitrag melden
der_rookie 10.09.2018, 17:19
107. Hm

Die Chineschen Interessen in Afrika in einen kurzen Artikel zu pressen ist vermessen. Mir fehlt zum Beispiel die Information auf welchen der neu gebauten Flughaefen und Haefen Chinas Militaer Nutzungsrechte hat, bzw. wo alles Chinesische Miltaerbasen entstehen.

Beitrag melden
jasuly 10.09.2018, 17:59
108.

F.X. Fischer: "Stellt sich also die Frage: wie kann die Armut von Staaten durch die "Ausbeutung im ungerechten Welthandel" verursacht sein, wenn diese Staaten so gut wie nicht am Welthandel beteiligt sind!" *** Dass afrikanische Länder für einen kleinen Anteil am Welthandel verantwortlich sind, erlaubt nicht automatisch den Umkehrschluss, der Weltmarkt habe keinen großen Einfluss auf die vergleichsweise viel kleineren afrikanischen Märkte. Ein Geschäft zwischen mir und einer Bank kann ja auch auf die finanzielle Situation der Bank fast keine, auf meine finanzielle Situation aber sehr große Auswirkungen haben.

Beitrag melden
neanderspezi 10.09.2018, 20:37
109. Europa wird es sehr bedauern, wenn Afrika und China zusammenwachsen

Wenn sich viele afrikanische Staaten an China wirtschaftlich eng anbinden lassen, so dürfte es in der Zeit beidseitigen Wohlseins das Nächstliegende sein, dass sich viele Afrikaner nicht mehr gen Norden wenden, um dort auf dem sogenannten Alten Kontinent mit seiner alt gewordenen Bevölkerung ein mühselig zu erwerbendes und häufig versagtes Glück zu suchen wie in gegenwärtigen Zeiten, sondern sich vorwiegend Richtung Fernen Osten auf den Weg machen, um damit sich bei den Chinesen als überaus nützliche Lehrlinge zu verdingen und ihnen durch ihr massenhaftes Erscheinen ihren Dank und ihre persönliche Zuneigung entgegen zu bringen. Die Chinesen werden diese aus Afrika hereinströmende Völkerwanderung gewiss als eine besonders glückliche Kombination chinesischer und afrikanischer Kultur in ihr Gesellschaftsprogramm einzubinden und zu schätzen wissen.

Beitrag melden
Seite 11 von 12
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!