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Zwangswechsel bei Lebensversicherungen: Der Fluch der langen Laufzeiten
DPA

Zwei große deutsche Lebensversicherer wollen ihre Policen verkaufen - den Kunden droht ein Zwangswechsel. Was müssen Betroffene tun? Drei Tipps.

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spon-facebook-1500425435 14.10.2017, 07:59
1.

Ich verstehe das Problem nicht. Besitzer alter Policen mit Garantiezins mit bis zu 4% sollen die Korken knallen lassen und sich darüber freuen, dass sie die Branche und jüngere Vertragsinhabern jedes Jahr gewaltig Geld kosten. Policen mit geringen Garantiezinsen wurden kaum noch verkauft, das betrifft also höchstens eine Handvoll Kunden. Das die Versicherungsunternehmen nach Lösungen suchen ist verständlich, denn wenn sie pleite gehen ist niemandem geholfen. Sie können die Rendite schließlich auch nicht herzaubern.

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k.k.laake 14.10.2017, 08:09
2. Volksfürsorge/Generali

Ich bin auch einer der betroffenen Kunden, seit 1980 habe ich eine KapitalLV, damals noch bei der Volksfürsorge abgeschlossen, mittlerweile bei der Generali gelandet. Noch 8 Jahre bis zur Auszahlung.
Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, aber wenn das alles so reguliert ist und die Verträge nicht bei irgendeinem ausländischen Hedgefond landen können, dann bin ich einigermaßen beruhigt mein Geld noch zu sehen.

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susuki 14.10.2017, 08:43
3.

Wenn sich eine Versicherung zu Gunsten der Kunden entwickelt haben die Versicherungsmathematiker versagt und die Verträge mussen selbstverständlich "modifiziert" werden.

Schlimmstenfals gründet man eine juristische Geselschaft pro Versicherungspolice und vertickt diese an nichtsahnende Existenzgründer.
Auch eine Lösung analog des Vertickens der "Subprime-Hypotheken" an deutsche Rentner bietet sich an.

Idealerweise verkauft man die Policen an den Inhaber selbst...

... schlieslich wirft diese Geld ab...

... ein paar ordentliche Werbebroschüren und ein paar allglatte Verkäufer und das passt. Wer eine Police kaufte, bei welcher die Einzahlungen des ersten Jahres komplett als Provision an den Verkäufer ging fällt sicher auf so etwas rein.

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barbarine 14.10.2017, 08:44
4. kapitalbasierte Rente also als Allheilmittel - sollte zu denken geben

Diese Geschichte sollte all denjenigen zu denken geben, die ein Abkehr von der Umlagenbasierten Rente hin zu einer rein kapitalbasierten Rente wollen. Eine umlagenbasierte Rente, wie sie heute noch die wesentliche Grundlage der Altersversorgung darstellt ist insofern sicher, als es immer, auch in 50 Jahren noch, Beitragszahler für die Umlage geben wird. Ob die Höhe der Rente dann auskömmlich sein wird, sei mal dahingestellt. Kapital aber hat ein flüchtiges Wesen. Solange es vorhanden bleibt und Zinsen abwirft, kann es eine nette Rente einspielen. Was aber, wenn das nicht mehr der Fall ist? Kapital kann innerhalb von 50 Jahren leicht einmal verloren gehen und womit soll dann die Rente erwirtschaftet werden? Beispiele aus anderen Ländern zeigen doch, dass Pensionsfonds durchaus schon pleite gegangen sind und viele Menschen um ihr Erspartes gebracht worden sind, so dass sie plötzlich im Alter vor dem Nichts standen. Die Riester-Rente ist ein absoluter Fehlschuss. Auch ähnliche Produkte werden nicht vor der Alterarmut bewahren, wenn der Versicherungsanbieter ins Trudeln gerät und die zu Vertragsbeginn eingegangenen Garantieen nicht mehr halten kann. Man lagert also jetzt die ungeliebten Verträge in eigenen Gesellschaften aus, verkauft diese anschließend weiter ... und dann kann der neue Besitzer der Verträge in die Pleite rutschen, ohne dass es den eigenen Namen belastet. Nachtigall ick hör dir trapsen ...

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5Minute 14.10.2017, 08:54
5. was muss man tun

1. realisieren, dass Versicherer nahe am Betrug arbeiten.
2. realisieren, dass Experten oftmals Quatsch reden

zu 1. Es wird ein Vertrag geschlossen und der Versicherer kann sich seinen Verpflichtungen entledigen wenn er Verlust macht? spannend

zu 2. vor 15 Jahren wurden Lebensversicherungen von Experten verteufelt als unrentabel. Heute sind es "Traumrenditen" (zumindest relativ zum Leitzins) und zumindest so hoch dass die Versicherer dran pleitegehen könnten.

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rkinfo 14.10.2017, 09:07
6. Speziell deutsches Renditechaos ...

Weltweit wird zur Altersvorsorge ein Mix aus Aktien in jungen Jahren und Rentenpapiere für die Bezugszeit vorgesehen.
Dabei lassen sich die Phasen Ansparzeit, Auszahlung für Jungrentner und Rente 80+ leicht im steten Wettbewerb anbieten - was der Versicherungslobby natürlich nicht passte. So entstand der profitfreundliche deutsche Sonderweg, der nun crasht.

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oidahund 14.10.2017, 09:39
7.

Zitat von susuki
Wenn sich eine Versicherung zu Gunsten der Kunden entwickelt haben die Versicherungsmathematiker versagt und die Verträge mussen selbstverständlich "modifiziert" werden. Schlimmstenfals gründet man eine juristische Geselschaft pro Versicherungspolice und vertickt diese an nichtsahnende Existenzgründer. Auch eine Lösung analog des Vertickens der "Subprime-Hypotheken" an deutsche Rentner bietet sich an. Idealerweise verkauft man die Policen an den Inhaber selbst... ... schlieslich wirft diese Geld ab... ... ein paar ordentliche Werbebroschüren und ein paar allglatte Verkäufer und das passt. Wer eine Police kaufte, bei welcher die Einzahlungen des ersten Jahres komplett als Provision an den Verkäufer ging fällt sicher auf so etwas rein.
Eine L- Versicherungsgesellschaft kann nicht einfach einen Vertrag im nachhhinein modifizieren! Sie müssen immer zustimmen.
Zum anderen sind den Anlagemöglichkeiten des Kapitals aus LV sehr enge gesetzliche Grenzen gesetzt. Zu dem muss die Einhaltung der Grenzen von einem unabhängigen Treuhänder überwacht werden. Ebenfalls ist es gesetzlich nicht möglich jede LV in eine eigene Gesellschaft auszulagern.

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oidahund 14.10.2017, 09:41
8.

Zitat von 5Minute
1. realisieren, dass Versicherer nahe am Betrug arbeiten. 2. realisieren, dass Experten oftmals Quatsch reden zu 1. Es wird ein Vertrag geschlossen und der Versicherer kann sich seinen Verpflichtungen entledigen wenn er Verlust macht? spannend zu 2. vor 15 Jahren wurden Lebensversicherungen von Experten verteufelt als unrentabel. Heute sind es "Traumrenditen" (zumindest relativ zum Leitzins) und zumindest so hoch dass die Versicherer dran pleitegehen könnten.
zu 1) nein, der Versicherer kann sich nicht der Zahlungspflicht und der Pflicht zur Zahlung der Mindestverzinsung entledigen. Ein Versicherer bruacht ausreichend eigenes Kapital.

Es wird durch den Verkauf der LV die Verwaltung der LV ggf. durch Skaleneffekte billiger. Nur darum gehht es.

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ladida1970 14.10.2017, 09:52
9. §89 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz)

Was aus meiner Sicht noch unbedingt in den ansonsten guten Artikel gehört hätte: Die Versicherungsbranche hat vor einigen Jahren den o.g. Paragraphen durch das Parlament lobbyiert, den JEDER, der eine LV abgeschlossen hat, kennen sollte. Er erlaubt den Versicherern nämlich, dass sie bei wirtschaftlicher Schieflage ihre (an sich vertraglich definierten!) Leistungen herabsetzen- oder gar aussetzen können. Umgekehrt muss der Versicherte aber trotzdem weiterhin seine Beiträge zahlen -selbst dann, wenn der Versicherer überhaupt keine Leistung mehr erbringt!
Wer das nicht glaubt, sollte sich mit der Suchmaschine seiner Wahl den Gesetzestext suchen und selber nachlesen.
Fazit: Raus aus Kapital-Lebensversicherungen, solange es noch geht. Die Familie über eine normale Todesschutz-Lebensversicherung absichern und die Kapitalbildung selber in die Hände nehmen.

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