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Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland: Krankes System
DPA

Die SPD kämpft für ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin, aus gutem Grund. Denn das bisherige System ist weder für Kassen- noch Privatpatienten ideal. Wo es ungerecht zugeht - und was man dagegen tun kann.

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wkguenther 27.01.2018, 15:40
60. Gute Darstellung

Eben haben wir, anästhesiologische, überörtliche Gemeinschaftspraxis die Endabrechnung zum 3. Quartal 2017 erhalten. Uns sind 8500 € für sogenannte „budgetiere Leistungen“, dies sind normale ärztliche und fachärztliche Leistungen, auch eigentliche Narkoseleistungen, nicht bezahlt worden, obwohl wir sie erbracht haben. Warum Leistungen budgetiert sind erschließt sich wirklich niemandem. Je mehr das „Budget“ überschritten wird, desto höher ist die Entgeltkürzung, das heißt, sie bekommen für die Leistung statt 100 Prozent nur 20 Prozent des im EBM beschriebenen Entgeltes. Wohl gemerkt, keine IGeL Leistungen fragwürdigen Leistungsinhaltes. Wo liegt der kaufmännische Sinn, dann, wenn man sein Budget verbraucht hat, das Praxisprogramm weist mich darauf hin, weiter diese Leistung zu erbringen? Wie im Artikel beschrieben, gehört diese unsinnige und nicht transparente Kürzung abgeschafft. Zum Schluss möchte ich noch erklärt bekommen, warum für Medikamente, im Regelfall sollten sie schon überlebenswichtig sei, 19 und für Schnittblumen 7 Prozent Umsatzsteuer zu zahlen sind.

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magic88wand 27.01.2018, 15:45
61. Wenig hilfreiche Vorschläge

Privatpatienten bringen mehr Geld ins Gesundheitswesen ein als Kassenpatienten. Daher subventionieren sie diese letztlich. Gäbe es sie nicht, müssten die Beiträge der Gesetzlichen deutlich steigen - oder die Ärzte und Krankenhäuser auf Geld verzichten. Was Herr Tenhagen als ungerecht empfindet - die längeren Wartezeiten- sind nicht gesundheitsrelevant sondern ein Service, ein Luxus, für die Pflichtversicherte bereit sind mehr zu zahlen. Vergleichbar ist das mit Fluglinien. Hier meckert auch niemand, dass das Essen in der First Class besser ist.

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Pensionskassen 27.01.2018, 15:47
62. Das deutsche Krankenversicherungssystem ist krank.

Die Verteilung zwischen den gesetzlichen Krankenkassen (GVK) und den Ärzten über die kassenärztliche Vereinigung (KBV – Vertreterorganisation der Ärzte die das Geld an die Ärzte verteilt) hätte sozialistischen Staaten im Rahmen der „Planwirtschaft“ nicht besser einfallen könne. Um das Verwirrspiel zu vervollkommne ist der Politik noch der Konkurrenzkampf für gesetzliche Krankenkassen (statt einer Einheitskasse) und die Beitragsfestschreibung für den Arbeitgeber zur Lasten der Versicherten (Bürger) eingefallen.
Diese Verteilung trifft allerdings kaum einen Politiker, denn dieser Personenkreis ist meist Privatpatienten und erhält eine günstige private Krankgenversicherung aufgrund des Anspruchs auf Beihilfe (Zuschuss auf die Leistungen ca. 70 % gezahlt aus staatlichen Mitteln).
Die Geschädigten dieses Systems sind überwiegend gering verdienende Bürger in der gesetzlichen Krankenkasse (Zweiklassen Medizin) oder in der privaten Krankenversicherung aufgrund hoher Beiträge oder Zuzahlungen, da kein Beihilfeanspruch besteht.

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spmc-1204123311 27.01.2018, 15:49
63. Und wieder falsch

Schon wieder ein Artikel selbsterklärter Gesundheitssystemexperten der voller Fehler steckt. Kein Arzt in diesem Land schickt Patienten weg weil sein "Budget erschöpft" ist. Korrekt ist, daß nur ein Teil der ärztlichen Leistung voll vergütet wird. Bei uns im Bundesland sind das zB 65% der abgerechneten Leistungen. Die übrigen 35 % werden je nach Facharztgruppe praktisch nicht bezahlt. Behandel ich aber dieses Quartal 100 Patienten, bekomme davon 65 bezahlt und behandel als Folge im nächsten Quartal nur noch 65 Patienten, so wird von dieser geringeren Anzahl gleich wieder nur 65% gezahlt. In anderen Worten: jeder Kassenarzt muss eine große Anzahl (jeden dritten Patienten!) bereitwillig umsonst behandeln, damit er wenigstens sein Vergütungsniveau aufrecht erhalten kann. Dagegen stehen die Privatpatienten: egal wieviele ich behandel, egal wie oft sie kommen: ich bekomme jede Leistung voll bezahlt. Das es meistens pro Leistung auch noch mehr als bei GKV Versicherten ist, ist dabei schon fast wieder ein anderes Thema!

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ruzoe 27.01.2018, 15:50
64. Bei allem,

was auf den Erzkonflikt Solidar- versus Konkurrenzgesellschaft hinausläuft, sollten die Sozialdemokraten genau wissen, wie ihre Rolle dabei aussieht. Ihre gegenwärtigen Probleme wären danach um einiges leichter zu lösen...

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gedankensucher 27.01.2018, 15:50
65. Einheitliches System

Wie wäre es damit:
Weg vom Quartalssystem der Gesetzlichen.
Jeder Patient bekommt eine Rechnung für die geleisteten Dienste und reicht sie - gegen gezeichnet - an seine Versicherung weiter. Die das dann bezahlt. Die jeweiligen Preise wie im Artikel geschrieben so, dass es ungefähr beim derzeitigen Gesamtumfang bleibt, also vermutlich etwa 1,5 Satz der Gesetzlichen. Das würde Bankkosten sparen, da die Privaten nicht mehr den Patienten überweisen, die dann wieder an den Arzt. Die gesetzlich Versicherten würden endlich genau wissen, was gemacht wurde und was das kostet, ohne dass sie durch mehr als eine Unterschrift und eine Briefmarke belastet würden. Ärzte würden Geld genau für das bekommen, was sie geleistet haben und nicht mehr Quartalskontingente abarbeiten.
Einzahlung jeweils den Einkommenssatz, die Beihilfe zahlt auch die Hälfte wie die Arbeitgeber, wer viel Geld hat einen vollen Satz. (Man kanns ja für CDU/FDP noch abriegeln). Gut, damit gäbe es dann nur noch "Gesetzliche". Aber wenn verschiedene gesetzliche Versicherungen jetzt - über Service konkurrierend - überleben, dann würden das wohl auch die Privaten können. Und dann bitte nicht mehr beim Arzt die Frage: gesetzlich/privat (bin selbst privat versichert, finde die Frage immer peinlich, weil es nach Bevorzugung riecht und auch oft Bevorzugung bewirkt.

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Andreas J. 27.01.2018, 15:51
66. Alte Weisheiten

Es gibt dazu noch mehr Punkte, die zu beachten sind. Die meisten Privatpatienten können es sich nicht leisten, stundenlang die Zeit im Wartezimmer zu verbringen, wie es bei einigen Ärtzen immer noch vorkommt. Denn viele der Privatpatienten sind Handwerker o. ä. und da warten die eigenen Kunden. Und bei vielen Ärzten gibt es Abendsprechstunden für Privatpatienten und Selbstzahler.
Es ist aber hauptsächlich die Bezahlung bei Kassenpatienten, die die Ungleichheit tatsächlich befördert. Würde der Arzt für alle Patienten im Normalfall mit dem 1,3-fachen Satz ohne Deckelung entlohnt, könnte man das System umstellen. Aber was wird aus dem KV-Beitragssatz?

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rgryf 27.01.2018, 15:53
67. Viel wirksamer ist das Versicherungssystem mit

mehr Transparenz! Es ist doch gar nicht mehr zu vermitteln, dasstig wir nicht über die Kosten unserer eigenen Behandlungen informiert sind. Und damit selbst kein Bewußtsein mehr für dieses System haben, von dem einige wenige sehr stark profitieren (Arzneifirmen, Medizintechniker etc.)
Auch die Kosten der Volkskrankheiten als Begleiterscheinung von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, von denen wiederum wenige profitieren, ist ein Ansatzpunkt.
Zudem sind andere Heilmethoden Stichwort chinesische Medizin verstärkt zu betrachten. Das ist Personalintensiv, schafft aber Arbeitsplätze.
Ob nun Zweiklassenmedizin oder Bürgerversicherung, am Ende bleibt es immer industriell und ineffektiv!
Ich halte mich lieber gesund, achte auf das Essen. Dumm nur das ich weit über 500 EUR monatlich in dieses System zahlen muss!

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kritischerdenker2 27.01.2018, 15:55
68.

Wenn ich die Zahlen des statistischen Bundesamts zum Thema Gesundheitskosten anschaue, dann passen diese für mich nicht zu der Behauptung das die privaten Krankenversicherungen das Überleben der Ärzte und Kliniken sichern sollten. Nach der Statistik beträgt die Summer der von den privaten Versicherungen bezahlen Leistungen ca. 10 % der Summe der gesetzlichen Versicherungen. Und angeblich haben die privaten Versicherungen doch auch ca. 8 Mio. Mitglieder, also auch ca. 10 % der Bevölkerung. Ja, ich weiss das Ärzte ein höheres Honorar von privaten Patienten bekommen, aber nach den Zahlen kann das nur ca. 10 % des Einkommens betragen.
Vielleicht kann mir ja mal jemand belastbare Zahlenquellen nennen die aufzeigen wo mein Denkfehler ist.

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2008Data 27.01.2018, 16:01
69. Neiddebatte

Meinen die Neiddebattisten etwa, eine Statusenteignung schaft Behandlungskapazitäten?

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