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Abstürze der Boeing 737 Max: Welche Rolle spielten die Piloten?
REUTERS

Bei der Untersuchung der beiden Abstürze der Boeing 737 Max wird es auch um die Verantwortung der Piloten gehen. Das problematische Assistenzsystem MCAS wäre per Hand auszuschalten gewesen - hätten die Crews das wissen müssen?

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The Independent 20.03.2019, 21:24
100.

Zitat von willibaldus
Auch dieser dritte Pilot konnte zu dem Zeitpunkt nichts von der Existenz des MCAS wissen, weil Boeing das nicht veröffentlicht hatte.
Richtig. Zudem liegt Christpoh Seidler m. M. nach falsch, denn das OMB der FAA vom November 2018 hat das MCAS nicht einmal wörtlich/explizit erwähnt, auch wenn Todd Insler das Gegenteil behauptet. Piloten von Southwest und AA haben außerdem ja auch heftig kritisiert, dass es in den Trainingsunterlagen keinen einzigen Hinweis auf das System gab.

Für die Betreiber (und Piloten) der MAX las sich das Bulletin der FAA nämlich wie ein Hinweis auf mögliche Probleme mit der Trimmung, und enthielt den dezidierten Hinweis, dass bei solchen Problemen die Handlungsanweisung für "Runaway Spoiler"-Situationen abzuarbeiten wäre, aber eben keinen expliziten Hinweis auf das MCAS selbst, geschweige denn auf die durch das MCAS möglichen drastischen Eingriffe in die Steuerung.

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MisterD 20.03.2019, 21:30
101. Da hat er leider Recht...

auch wenn Boeing wohl ziemlichen Mist gebaut hat. Aber wenn mein Tempomat im Auto nicht richtig funktioniert und mich immer wieder unkontrolliert auf Tempo 250 beschleunigen will, dann schalte ich ihn ab und trete nicht bloss stärker auf die Bremse...

Diese Frage ist nicht ganz irrelevant, denn technische Systeme können IMMER versagen.

Und, korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege... aber mit einem schwer kontrollierbaren Flugzeug ohne MCAS zu fliegen, ist immer noch besser, als mit eingeschaltetem MCAS unangespitzt in den Boden gerammt zu werden, oder?

Im ersten Fall haben die Piloten nämlich immerhin noch eine Chance, so sie denn gut ausgebildet sind und tatsächlich "fliegen" können.
Im zweiten Fall hätten die Piloten das Steuer auch loslassen können, es hätte zum selben Ergebnis geführt...

Um bei meinem Auto-Beispiel zu bleiben. Dass der Tempomat Blödsinn macht, daran hat selbstverständlich der Autohersteller Schuld. Aber ich als Fahrer trage die Verantwortung über meinen PKW und muss defekte Systeme daher abschalten. Tue ich das nicht, trage ich eine Mitschuld...

Ich weiß übrigens nicht, wie der Tempomat genau funktioniert, BMW hat mir keine Schulung dafür gegeben. Aber ich weiß, wie ich ihn abschalte und darum gehts... das hätten die Piloten leider wissen und tun müssen...

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The Independent 20.03.2019, 21:31
102.

Zitat von 53er
1) Die Boeing von Lionair, die als erste leider abstürzte, hatte bereits einen Tag vor dem Unglück ein schwerwiegendes Problem mit dem "MACS". .........2) da das komplette System, also Soft- und Hardware sich in einem Aufhängezustand befanden.
1) Das MCAS machte genau das, wozu es programmiert wurde, aber der AoA-Sensor arbeitete eben fehlerhaft.
Im vorläufigen Abschlussbericht der indon. Ermittler steht nichts von einem Absturz der MCAS-Software. Die Software versah ihren Dienst, griff aber aufgrund der zugelieferten fehlerhaften AoA-Werte in die Steuerung ein, obwohl tatsächlich keine kritische Flugsituation vorlag.

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MisterD 20.03.2019, 21:37
103. Ein Fehler des Herstellers...

Zitat von The Independent
Das MCAS hat dann nur die Daten des fehlerhaft arbeitenden Sensors als Entscheidungsgrundlage für den Eingriff genutzt. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten im Luftfahrtbereich wurden die Sensoren zwar redundant, aber die Datenbasis für das MCAS nur 1-fach angelegt. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen Sicherheitsprinzipien der zivilen Luftfahrt.
entbindet den Piloten allerdings nicht von seiner Verantwortung, die Maschine im Notfall zu übernehmen und manuell zu fliegen...

Ich meine, bei allem gebotenen Respekt, aber dafür sitzen die beiden Piloten im Cockpit. Wenn ich nur den Bordcomputer fliegen lasse und mich im Zweifelsfall nicht traue, den auszuschalten, können Sie auch mich da oben reinsetzen und mir monatlich 15.000 EUR dafür überweisen, dass ich Checklisten ausfülle, Durchsagen mache und die Instrumente beobachte...

Flugzeuge absolvieren heute 95% der Flugzeiten automatisch... Piloten sind dafür da, in den verbleibenden 5% einzugreifen, wenn die Technik versagt...

Da es ja offenbar noch mindestens 1 intakten Sensor gab, hätten beiden Flugzeuge problemlos geflogen werden können. Der "Stall" wäre ja korrekt erkannt worden, wenn ein Pilot im manuellen Flug "überzogen" hätte...

Ich muss ehrlich sagen, dass ich erschüttert bin, wie wenig sich offenbar noch zutrauen ein Flugzeug zu fliegen. Man geht lieber in den Tod, als zu riskieren die Technik abzuschalten und den Vogel manuell zu steuern...

Das ist eine traurige Erkenntnis, die wohl in der Zukunft noch zu deutlich mehr Abstürzen führen wird...

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Fuscipes 20.03.2019, 21:44
104.

"aber die Datenbasis für das MCAS nur 1-fach angelegt", ein paar Programmierzeilen mehr in Richtung Höhe und Geschwindigkeit und so ein Flugzeug hat auch noch andere Sensoren, da waren echte Sparbrötchen am Werk.

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tizian 20.03.2019, 22:03
105.

Die Piloten sollen eigentlich das MCAS nicht merken, aber sofort schalten, dass das MCAS für ein unübliches Flugverhalten verantwortlich ist? Gibt ja auch nichts anderes, was ein solches herbeiführen kann, oder? Und wieviel Zeit hat denn eine Crew das zu erkennen?

Ich finde es hahnebüchen, jetzt den Piloten die Schuld zu geben.

Ein System sollte sich bei Gegensteuern abschalten und manuell wieder aktiviert werden. Stattdessen wird Piloten abverlangt, die gerade mit einer kritischen Fluglage kämpfen, die Ursache dafür sofort zu erkennen und diese abzuschalten, weil man ja auch weiss, dass es MCAS ist und nichg vielleicht eine Turbulenz etc. wo man das System u.U. brauchen würde...

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die-metapha 20.03.2019, 22:05
106. Welcher ist denn intakt?

Zitat von MisterD
Da es ja offenbar noch mindestens 1 intakten Sensor gab, hätten beiden Flugzeuge problemlos geflogen werden können. Der "Stall" wäre ja korrekt erkannt worden, wenn ein Pilot im manuellen Flug "überzogen" hätte... Ich muss ehrlich sagen, dass ich erschüttert bin, wie wenig sich offenbar noch zutrauen ein Flugzeug zu fliegen. Man geht lieber in den Tod, als zu riskieren die Technik abzuschalten und den Vogel manuell zu steuern...
Und woran erkennen Sie, ob und welcher der beiden Sensoren richtige oder falsche Werte liefert?
Und ist Ihnen klar, dass der Backbordseitige nur dann aktiv ist, wenn der PF die Steuerung dort übernimmt - resp. der Steuerbordseitige dann, wenn PF Steuerbord aktiv ist?
Auf 2000ft "den Vogel" manuell zu steuern und in einen vom System angedrohten Stall zu kommen fänden Sie eine heroische Tat ?
Wie einfach doch das Fliegen ist....

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hansriedl 20.03.2019, 22:06
107. Welche Rolle spielten die Piloten?

Am 10. März stürzte in Äthiopien eine Boeing 737 Max 8 ab. Ein Flieger des gleichen Modells verunglückte im Oktober in Indonesien. Am Tag zuvor hatte ein als Gast mitgereister Pilot dieselbe Maschine
noch vor der Katastrophe gerettet.

Als sich die Nase der Boeing 737 Max immer wieder senkte, sei der Pilot, der zufällig als Gast in der Maschine saß, ins Cockpit des Fliegers geeilt und hatte den hilflosen Piloten bei der Behebung eines Softwareproblems geholfen. Diese konnten somit das Flugzeug wieder in eine sichere Flugposition bringen, berichtete die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ mit Berufung auf zwei mit den Untersuchungen vertrauten Personen.

"Sie schienen nicht zu wissen, dass sich die Trimmung nach unten bewegt"

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thermo_pyle 20.03.2019, 22:08
108. Ein Pilot ist kein Dussel...

...sondern ein hochqualifizierter Spezialist. Wenn ein System so dermaßen in die Flugsteuerung eingreifen kann dass die Maschine abstürzt würde ich mal sagen, das System ist unsicher. Jetzt zu unterstellen, die Piloten die das nicht erkennen und abstellen sind Blödis halte ich für wenig zielführend. Bei einer Freigabe eines Flugzeugtypus für den Passagiertransport erwarte ich narrensichere Technik, die von normal ausgebildeten Piloten beherrscht werden kann. Zwei tragische Fälle haben gezeigt, dass die B 737 MAX KEIN narrensicheres Fluggerät ist, somit gehört die Zulassung entzogen, bis nachgebessert wurde. Dass die 737 eigentlich ein robustes Flugzeug ist hat sie mehrfach unter Beweis gestellt, besonders erwähnenswert ist die sichere Landung des Cabrios (ein Großteil der oberen Flugzeugzelle riss weg) vor etlichen Jahren. Allerdings ist die 737 ein uraltes Flugzeug, dass über die Jahrzehnte modernisiert und verschlimmbessert wurde, es fehlt m.M.n. eine Neukonstruktion. Aber, klar, lasst es mal wieder an den unfähigen Piloten aus, bloß kein Konstruktionsfehler...wenn die 737 MAX so sicher ist, dass man sie ohne MCAS fliegen kann: Wozu ist es dann installiert ?! Ich möchte wetten, es ist ein echter Bug im Programm, der alle x-tausend Flugstunden wieder einen Zustand erzeugt, der auch erfahrene Piloten vor unlösbare Probleme stellt. Ich möchte dann nicht an Bord sein, wie sieht es mit all den Experten aus, die die 737 MAX als sicher ansehen...?

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estark 20.03.2019, 22:09
109. Jadec

Zitat von snoxx
Für den Lion Air Absturz gilt natürlich eine 100% Verantwortung bei Boeing - insbesondere auch weilSie das System ja wohl selbst zertifiziert haben. Aber beim zweiten Absturz muss analysiert werden wie Ethiopian die Informationen aus dem Lion Air Absturz verarbeitet hat. Ich würde erwarten das der Typverantwortliche bei Ethiopian die Informationen zum Lion Air Absturz genau analysiert hat und entsprechende Informationen an die Crews weitergegeben hat. Nur wirkt es dann sehr verstörend wenn die Crew bei ganz ähnlichem Verhalten nicht handeln kann. Das ist kein Freispruch für Boeing nur muss in Sicherheitskritischen Umfeld immer mehrgleisig gefahren werden und JEDER Mus seinen Beitrag zur Sicherheit leisten. Was das Ethiopian ist eine sichere Airline angeht. Ethiopian stand im Jahre 2018 auf Platz 97 von 100 im Jacdec Sicherheitsranking. Sprich es gab nur 3 - darunter Lion Air auf 99 - unsicherer "große" Fluggesellschaften.
bewertet auch Kriterien wie ... fliegt die Gesellschaft in einer Gegend mit unsicherem Terrain oder mit schlechten Wetterbedingungen. Gesellschaften aus tropischen Ländern haben hier schlechte Karten. Oder Zahl der Zwischenfälle, z.B. merkwürdiger Geruch im Cockpit.
Wer Platformen wie Aviation Herald liest merkt wie Zwischenfälle zustande kommen. Bei Lufthansa tritt der merkwürdige Geruch häufig auf, bei Billigfliegern nie

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