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Abstürze der Boeing 737 Max: Welche Rolle spielten die Piloten?
REUTERS

Bei der Untersuchung der beiden Abstürze der Boeing 737 Max wird es auch um die Verantwortung der Piloten gehen. Das problematische Assistenzsystem MCAS wäre per Hand auszuschalten gewesen - hätten die Crews das wissen müssen?

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die-metapha 21.03.2019, 12:11
140.

Zitat von Fuscipes
Der Winkel zum Boden hin ist hier gar nicht das Maß! Da irren Sie Sich aber, der Winkel zum Boden und die Geschwindigkeit haben die Maschine in kleinste Teile zerlegt.
Das bezog sich auf den AoA Sensor - denn darum ging es und letztlich darum das das MCAS aufgrund dieser falschen Inputs einen drohenden Stall durch massives Trimmen der Höhenruder (Heck) entgegengewirkt hat.

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thomas_linz 21.03.2019, 12:36
141. Danke Spon!

Endlich mal ein sachlicher Artikel zum Thema, dem man so auch zustimmen kann. Well done!

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thomas_linz 21.03.2019, 12:44
142. Diese Frage ist sehr berechtigt

Zitat von Bananenschale
Wie lange hat der Pilot Zeit zum Kurbeln, wenn in geringer Höhe die Maschine einen nahezu senkrechten Sturzflug ausführt? Und: Wenn MCAS notwendig ist, kann dann wirklich die Trimmung auf vollständigen Handbetrieb umgestellt werden? Das ergibt nicht wirklich Sinn.
und ich vermute, sie spielte beim Ethiopian Crash eine Rolle. Auch ich gerate bei der Frage ins schwimmen, weil man jetzt instinktiv die Trimmung abschalten wuerde. Hat man das Problem aber zu spät erkannt und das Flugzeug ist schon zu kopflastig getrimmt und schaltet in dem Moment die Trimmung aus, ist es fuer eine manuelle Trimmung moeglicherweise zu spaet. Mit anderen Worten, jeder Pilot kann trotz Kenntnis der Problematik die MAX unfreiwillig versenken. Der Untersuchungsbericht wird spannend und fuer Boeing moeglicherweise teuer.

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MisterD 21.03.2019, 13:20
143. Nö, Sie übertreiben leider maßlos...

Zitat von irgendwas
In einem deutschen Forum darf natürlich der Autovergleich nicht fehlen. Aber ein MCAS ist kein dummer Tempomat! Die Situation ist eher vergleichbar mit: Die Servolenkung im Auto zieht bei Tempo 250 immer wieder nach links und sie müssten mit immer höheren Kraftaufwand gegendrücken. Es tönen und Blinken mehrere Dutzend Warnmeldungen, wobei keine davon das Problem eindeutig identifizierbar macht! Gleichzeitig rüttelt der Spurwechselwarner wie wild am Lenkrad (obwohl sie noch auf Spur sind). Noch dazu hat man Ihnen in der Fahrschule eintrainiert, bei "nach links ziehendem Auto" möglichst stark zu bremsen. Dummerweise führt das starke Bremsen mit diesem Lenksystem dazu, dass Sie sich bei 250 in die Leitplanke verabschieden. So in etwa müsste man die Situation in der B737 Max vergleichen, um Ihnen als Autofahrer klar zu machen, vor was für einer Herausforderung die Piloten standen.
der Vergleich mit dem Tempomat ist durchaus richtig, denn ich habe in meiner Fahrschulzeit 20 Stunden gehabt, um das Autofahren zu erlernen. Ein Pilot hat, wenn er ein Flugzeug alleine steuern darf, mehrere hundert Stunden absolviert, dazu intensive Lehrgänge und vor allem viele Stunden Theorie. Das heißt ein Pilot weiß warum ein Flugzeug fliegt, ich hingegen habe eigentlich gar keine Ahnung, warum mein Auto nach vorne fährt, wenn ich aufs Gas trete...

Abgesehen davon ist mir durchaus bewusst, dass die Piloten den Vogel nicht aus Spaß und Langeweile in den Boden gerammt haben...

Ich würde in Ihrem Beispiel übrigens die Zündung ausmachen, dann ist die elektrische Servo tot... darauf würde ich vermutlich sogar kommen, wenn ich mit 250 über die Autobahn bürste und das Lenkrad mit aller Kraft in der Mitte halten muss...

Erzählen Sie mir bitte nicht, die Piloten hätten nicht wissen können, was man hätte tun können. Dass sie es nicht wussten, ist eine andere Frage...

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Fuscipes 21.03.2019, 13:23
144.

Kein Streit, habe Ihnen explizit Recht gegeben und bin wie Sie der Meinung, dass die Piloten die geringste Schuld trifft.
Die Frage, was kann man besser machen steht für mich im Vordergrund, aber wenn Fehler passieren darf man das ausdiskutieren.

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die-metapha 21.03.2019, 13:36
145.

Zitat von Fuscipes
Kein Streit, habe Ihnen explizit Recht gegeben und bin wie Sie der Meinung, dass die Piloten die geringste Schuld trifft. Die Frage, was kann man besser machen steht für mich im Vordergrund, aber wenn Fehler passieren darf man das ausdiskutieren.
Das wollte ich auch nicht als Streit verstanden wissen - nur als Erklärung meiner Argumentation.

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Fuscipes 21.03.2019, 13:44
146.

Zitat von die-metapha
Das wollte ich auch nicht als Streit verstanden wissen - nur als Erklärung meiner Argumentation.
und die finde ich ziemlich gut.

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kindchen 21.03.2019, 14:57
147. Die Trimmung kann ...

... in jedem Augenblick des Fluges durchgehen, aus unterschiedlichsten Gründen, auch in älteren Versionen der Boeing 737 ohne MCAS. Das kann auch schon unmittelbar nach dem Start passieren und nicht erst in 300 m Höhe. Wichtig ist, daß die Piloten gar nicht erst zulassen, daß das Flugzeug so weit vertrimmt wird, daß es nicht mehr unter Kontrolle zu halten ist. Eine leichte Fehltrimmung kann man ja noch mit dem Höhenruder ausgleichen. Bis die Trimmung "am Anschlag" angekommen ist, wo man nicht mehr gegensteuern kann, dauert es ein paar Sekunden, und wenn die Piloten so lange zögern, ist das natürlich ein großes Problem.

Wenn der Pilot merkt, die Trimmung macht etwas, was sie nicht soll, wird er als erstes mit dem Höhenruder gegensteuern und den Knopf zum Ausschalten des Autopiloten drücken (auch wenn der Autopilot gar nicht an ist, das geschieht instinktiv, weil die häufigste Ursache dafür ein Fehler beim Autopiloten ist und man als mögliche Ursache ja auch in Betracht ziehen muß, daß der Autopilot unbemerkt versehentlich eingeschaltet wurde) und dann selbst die Trimmung betätigen, um gegenzutrimmen. Das ganze dauert weniger als 1 Sekunde. Wenn der Pilot nun merkt, daß die Trimmung nicht auf seine Eingaben reagiert, wird er die Trimmung komplett abschalten. Das dauert maximal eine weitere Sekunde.

Ein Problem bei dem durch MCAS ausgelösten Fehlverhalten der Trimmung ist, daß das MCAS das Trimmen unterbricht, wenn der Pilot den Trimmschalter betätigt. Wenn der Pilot also wie oben beschrieben vorgeht und versucht, selbst zu trimmen, hört das MCAS auf zu trimmen, wartet, bis der Pilot fertig ist und fängt einige Sekunden später wieder an zu trimmen. Der Pilot bekommt also bei jedem Eingriff den Eindruck, er hätte die Trimmung wieder unter Kontrolle. Wenn sich dieses Spielchen allerdings mehrfach wiederholt, sollte ein kompetenter Pilot doch irgendwann auf die Idee kommen, die Trimmung besser abzuschalten.

Erschwerend kommt hier dazu, daß ein Eingriff des MCAS zwangsläufig mit einem losgehen des "Stick Shaker", der Warnung vor dem Strömungsabriß verbunden ist, und zwar im Falle eines fehlerhaften Sensors nur auf der Seite des Kapitäns, nicht jedoch der des Copiloten. Ein solches einseitiges Losgehen des Stick Shakers ist für die Piloten natürlich sehr verwirrend, was ein richtiges Reagieren weiter erschwert. Die Piloten könnten z.B. durch den Stick Shaker so verwirrt worden sein, daß sie das Durchgehen der Trimmung nicht schnell genug bemerkt haben.

Ich will hier weder Boeing in Schutz nehmen, noch den Piloten die Schuld zuschieben. Ich versuche nur, zu erklären, was genau passiert ist.

Fakt ist, Boeing hat einen großen Fehler gemacht, die Piloten nicht ausführlich über das MCAS und den damit verbundenen neuen Fehlermodus der Höhenrudertrimmung zu informieren.

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thomas_linz 21.03.2019, 15:07
148. Wir haben mal ausgerechnet

Zitat von MisterD
der Vergleich mit dem Tempomat ist durchaus richtig, denn ich habe in meiner Fahrschulzeit 20 Stunden gehabt, um das Autofahren zu erlernen. Ein Pilot hat, wenn er ein Flugzeug alleine steuern darf, mehrere hundert Stunden absolviert, dazu intensive Lehrgänge und vor allem viele Stunden Theorie. Das heißt ein Pilot weiß warum ein Flugzeug fliegt, ich hingegen habe eigentlich gar keine Ahnung, warum mein Auto nach vorne fährt, wenn ich aufs Gas trete... Abgesehen davon ist mir durchaus bewusst, dass die Piloten den Vogel nicht aus Spaß und Langeweile in den Boden gerammt haben... Ich würde in Ihrem Beispiel übrigens die Zündung ausmachen, dann ist die elektrische Servo tot... darauf würde ich vermutlich sogar kommen, wenn ich mit 250 über die Autobahn bürste und das Lenkrad mit aller Kraft in der Mitte halten muss... Erzählen Sie mir bitte nicht, die Piloten hätten nicht wissen können, was man hätte tun können. Dass sie es nicht wussten, ist eine andere Frage...
dass, wenn man alle Technik eines Airliners in einem Aktenordner zusammenfasst, dann ist der Ordner etwa 20m dick. Es hat ein Grund, warum es so viele Notfallchecklisten gibt. Es gibt Aktionen im Flieger, die sind irreversibel. Es gab mal einen Fall, wo die Piloten das gesunde Triebwerk irreversibel abschalteten und dann das angeschlagene seinen Geist aufgab. Sicherlich bedarf es guter Systemkenntnisse, aber bis auf wenige Ausnahmen sind die Checklisten Read and Do. Wichtig ist außerdem, wenn es mal richtig brenzlig wird, dass man die Nerven behaelt und seinen Job erledigt. Dumm nur, dass wir immer erst hinterher wissen, wie gut oder schlecht wir in extremer Stresssituation reagieren. Die teils wirklich anspruchsvollen Assessments und psychometrischen Tests koennen auch nicht garantieren, dass jeder der im Cockpit sitzt auch da hingehört. Aber auch da gilt wieder. Gute Systemkenntnisse sind immer von Vorteil. So wuerde ich das mal umschreiben wollen.

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momentmal-nur-mal-so 21.03.2019, 15:24
149.

Zu Ausbildung der Ethiopian Airline Piloten, wäre auch interessant
der Ausserungen der Fluggeselschaft zu hören.
Vielleicht Berichtet auch mal der Spiegel dieser Seite der Geschichte.

http://time.com/5555846/ethiopian-airlines-pilot-training/

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