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Abstürze der Boeing 737 Max: Welche Rolle spielten die Piloten?
REUTERS

Bei der Untersuchung der beiden Abstürze der Boeing 737 Max wird es auch um die Verantwortung der Piloten gehen. Das problematische Assistenzsystem MCAS wäre per Hand auszuschalten gewesen - hätten die Crews das wissen müssen?

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victor_lazlo 20.03.2019, 18:09
30. TRaining Standards

Genaus so ist es. Zumindest nach dem Lion Air Absturz hätten die Piloten wissen müssen wie sie das System ausschalten. Und genau aus diesem Grund sind auf der B737 noch die beiden Trimmräder im Cockpit. Jedes Verkehrsflugzeug lässt sich in einen rudimentären Flugzustand versetzten, bei dem alle Automatik ausgeschaltet ist und nur über Anstellwinkel und Schub geflogen wird. Diese Werte weiß man grob und wenn man sie nicht weiss kann man sie in den Checklisten finden. Oder aber ein Backup System hilft.

Die Frage, die sich eigentlich stellt ist, warum wenn diese Fehler die bei korrekter Procedure eigentlich nicht anspruchsvoll sind, doch immer wieder zu Abstürzen geführt haben. Das gilt auch für die AF A330 über dem Südatlantik. Es handelt sich hier letztlich nicht um ein flugzeugspezifischen Problem, auch wenn die B737 hier offensichtlich anfällig ist, sondern um ein Problem der Training Standards.

Warum Ethiopian Airlines auf einmal als Top Airline gehypt wird ist mir unklar. Auf Wikipedia stehen doch etwas mehr. Seit 2010 jetzt der dritte Totalverlust. Das gleiche gilt für Lion Air. Seit 2002 acht(!!!) Accidents. Fast alles Totalverluste.

Ich denke die Frage nach den Standards ist berechtigt. Gerade weil nach dem AF A330 Absturz, gerade dieser Themenbereich, unreliable Airspeed, unusual Attitudes etc. im Focus steht.

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giovanniconte4711 20.03.2019, 18:10
31. Der Abschaltknopf ...

Zitat von oldman2016
Würde Spiegel-Online mit bitte auch als Passagier mitteilen, wo denn der Ausschaltknopf für das MCAS ist. Dann kann ich ja im Falle eines Falles den Piloten den lebensrettenden Tipp geben. Denn wie heißt es so schön im Artikel: Im "Aviation Safety Reporting System", einer US-Behördendatenbank zur Flugsicherheit, haben mehrere Piloten von American und Southwest Beschwerden über den Jet hinterlegt. In einem Eintrag heißt es demnach, das Flughandbuch sei "inadäquat und beinahe kriminell unzureichend". Also wenn das Handbuch das nicht hergibt, müssen die Flugticketinhaber das wohl selber organisieren. Ich hoffe ja sehr, dass Boeing viele Milliarden zahlen muss.
...ist anscheinend das Trimmruder, welche MCAS immer wieder verstellt...,, so habe ich es verstanden.

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leftwing 20.03.2019, 18:10
32. oh dieses halbwissen!

ja, die piloten hätten es wissen müssen!
es gibt ein " flight crew operations manual bulletin" der firma boeing vom 06.November 2018 worin genau die vorgehensweise beschrieben ist, wenn ein "runaway stabilzer" problem auftritt.
diese anweisung ist für alle, die es genauer wissen möchten z.b. im unfall report des lion fluges auf seite 51 zu finden. link hier: https://reports.aviation-safety.net/2018/20181029-0_B38M_PK-LQP_PRELIMINARY.pdf
hier ist die vorgehensweise mehrfach beschrieben, auch von der faa.
diese anweisung wurde an alle airlines etc. versendet, welche die boeing 737 max im einsatz haben.
so leid es mir auch für die opfer und hinterbliebenen tut, ich denke die airline oder die piloten der ethiopan airline wird wohl hier eine mitschuld treffen. diese anweisungen sollten sofort bei erscheinen an alle betroffenen kommuniziert werden, schon alleine aus dem grund, das diese im direkten zusammenhang mit dem absturz der lion air maschine steht und wohl jeder pilot ein interesse daran hat, zu wissen, was evtl. der fehler gewesen sein kann. also unbekannt ist daher das problem des mcas, ab diesem zeitpunkt, überhaupt nicht mehr. jeder pilot einer 737 max hätte es wissen können und müssen.
damit spreche ich natürlich boeing nicht frei davon, die ursache des problems zu sein.

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calango 20.03.2019, 18:13
33. ... Problem gab es schon vor dem Computerzeitalter

Schon der unglückselige Starfighter hatte vor über 50 Jahren ein - damals noch rein mechanisches - System, den sog. 'Kicker', der bei zu steilem Anstellwinkel einen Strömungsabriss verhindern sollte, indem er ruckartig die Nase nach unten drückte. Das hat in den Anfangsjahren nach der Indienststellung der F-104 einigen Piloten das Leben gekostet, weil der Kicker oft genug unvermittelt direkt nach dem Abheben auslöste und die Maschine in den Boden rammte. Heute gibt es leistungsfähige Computer, doch das Grundproblem, dass a) die Maschine falsche Messwerte empfangen kann und b) die Interaktion zwischen automatischer Steuerung und Pilot pft nicht klappt, bleibt mit noch soviel Rechenpower und KI bestehen. Die Fluglagesensoren müssen vermutlich noch zuverlässiger werden und mehrfach redundant ausgelegt sein, auch muss der Autopilot wahrscheinlich den Piloten noch aktiver signalisieren, dass irgendetwas nicht stimmt und letzterer vielleicht besser mal selbst das Ruder übernimmt. Jedenfalls ist für diese heikle Mensch-Maschine-Schnittstelle wohl noch viel Gehirnschmalz der Ingenieure vonnöten...

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glissando 20.03.2019, 18:13
34. Bloß jetzt nicht ablenken lassen

Ja, korrekt, zu so einem Absturz führen ja immer mehrere Faktoren. Auch die Wartung und der Zustand der Sensoren gehört zu einer umfassenden Betrachtung. Zum jetzigen Zeitpunkt sollten aber nicht die Piloten im Rampenlicht stehen, sondern Boeing und die FAA, die beide zuließen, dass das MCAS ohne Redundanz zum Einsatz kam. Und das auch noch, obwohl zwei Sensoren für den Anstellwinkel vorhanden sind. Man wollte sich schlicht die aufwendigere Programmierung für den Abgleich der Werte sparen und nun sucht man schon die Schuld bei den Piloten? So leicht sollten wir uns jetzt nicht ablenken lassen, von denen, die - noch muss man sagen vermutlich oder wahrscheinlich - die Hauptschuld an dem Unglück tragen.

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claus7447 20.03.2019, 18:14
35.

Zitat von Schartin Mulz
warten wir die Ergebnisse der Untersuchung nicht einfach ab? Da dringen jetzt immer so ein paar Details an die Öffentlichkeit, aber genau wissen wir es doch frühestens, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.
Sollte man in Anbetracht der Tragödie.

Allerdings ein Hinweis oder Frage: es wurde geschrieben, dass die Typerating zur Max Version auch durch ein Training am Tablet erfolgen könnte. Ist dies ausreichend, bzw. Ist das bei den A320er Typen analog, respektive sind dort die Differenzen kleiner?

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Flari 20.03.2019, 18:16
36.

"Dazu konnte die Technik selbstständig das Höhenruder befehligen."

Nein, hier sollte man explizit zwischen Stabilisator (Trimmung) und Höhenruder unterscheiden.

In der neuen und sehr (schwachen!) Anweisung zum MCAS nach dem Absturz der Lion Air JT610 standen ein paar nette Infos, WANN es überhaupt aktiv ist.
Angeblich NICHT bei Flug mit Klappen UND/ODER Autopilot.
Man mag mich berichtigen??

Aus den Aufzeichnungen zu Lion Air JT610 ist aber zu entnehmen, dass der Automatic Trim auch in diesen Fällen eingegriffen hat, egal ob man es da noch MCAS nennt oder nicht.
Als erstes schaut man dann also unter den Rules für Klappen/AP nach, WENN es da passiert, aber natürlich erfolglos.
MCAS-Deaktivierung sollte ja beim manuellen Flug eingeheftet werden.

Eine ganz andere Sache kenne ich aus meiner Firma seit Jahrzehnten zu genüge:
WENN sich durch eine "kleine" Änderung an einer bekannten Technik eine stark erhöhte Gefahrenlage ergibt, muss man diese den MA mit der absoluten Holzhammermethode einbleuen!
Ganz bestimmt nicht mit einer einmaligen einstündigen Daddelei auf einem Smartphone oder Tablet.

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cherokee59 20.03.2019, 18:16
37. Im Landeanflug ...

.... kann nichts passieren. Das MCAS ist nur aktiv
- bei eingefahrenen Landeklappen
- bei ausgeschaltetem Autopiloten

Am einfachsten wäre es gewesen, den Autopiloten einzuschalten oder die beiden Schalter „Stab Trimm“ auf OFF zu stellen.

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gantenbein3 20.03.2019, 18:24
38. Die Weichen sollen wohl auf menschliches Versagen gestellt werden

Aber warum soll ein MCAS die Piloten durch automatische Eingriffe davor bewahren, die Nase des Fliegers unabsichtlich so hochzuziehen, dass es zu einem Strömungsabriss kommt? Warum macht das nicht eine einfache Warnlampe und/oder ein Warnton, die dem Piloten signalisieren, dass er die Nase selbst absenken muss?

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zadar 20.03.2019, 18:24
39. Übung ist wichtig

Durch das Service Bulletin sollten die Piloten gewusst haben was zu tun wäre.
Die Frage ist ob ein solches Verfahren auch im Simulator geübt wurde.
Nr. 27 schreibt über einen Mangel an tauglichen Simulatoren also vermutlich nicht.

Meines Wissens nach verfügen die Maschienen von Lion Air und Ethopian nicht über einen Alarm der auf fehlerhafte Daten der Anstellwinkel Sensoren hinweist. Southwest hat diesen.
Der Ratschlag einfach den Computer auszuschalten hört sich gut und einfach an aber zuvor muss das Problem identifiziert werden, um korrekte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Ein manuelles bedienen des Trimmrades wie im Artikel beschrieben ist keine Lösung, weil MCAS nach 5 Sekunden erneut mit Trimmversuchen beginnt. Gerade in einer niedrigen Flughöhe wie bei ET302 bleibt sehr wenig Zeit um das Problem zu identifizieren, die korrekten Gegenmaßnahmen zu ergreifen und anschließend die Maschiene zu stabilisieren.

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