Forum: Wissenschaft
Ägypten: Forscher entdecken 4500 Jahre alte Grabkammer
Mohamed el-Shahed/ AFP

Sie ist mit bunten Reliefs verziert und sehr gut erhalten. Südlich von Kairo haben Forscher eine etwa 4500 Jahre alte Grabkammer gefunden. Zuvor hatten sich Räuber darin bedient.

KingTut 14.04.2019, 16:11
1. Historisch wertvoll

Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wenn solche Zeugnisse aus einer der faszinierendsten Phasen der Menschheitsgeschichte entdeckt werden. Es ist gut, dass Forscher sich dabei insbesondere auch auf die vordynastische Zeit sowie das Alte und das Mittlere Reich konzentrieren. Es ist schade, dass auch damals schon Habgier dazu geführt hat, dass die meisten Gräber ausgeraubt wurden. Was könnten wir wohl für wunderschöne Kunstschätze bestaunen, wenn das nicht geschehen wäre. Es bleibt die Hoffnung, dass wir weitere Gräber finden, die durch glückliche Fügung unangetastet geblieben sind. Dennoch sollten wir uns an dem historischen Wert dieser Entedckung erfreuen, der unser Wissen aus jener Zeit vergrößert.

Über die Entdeckung dieses wunderschönen Grabes berichtete auch die Luxor Times am 2. April:
http://luxortimes.com/2019/04/unique-4500-year-old-nobleman-tomb-discovered/

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Knossos 14.04.2019, 17:00
2.

Zitat: "Die Funde liefern Hinweise darauf, wie die Menschen vor etwa 4500 Jahren in Ägypten gelebt haben."

Vielleicht erhellend dazu (wenngleich besonders Zensurwütige Information und Fingerzeig nicht immer schätzen), daß Ruhestätten Erlauchter archäologisch am wenigsten ergiebig sind.
Für diesen wissenschaftlichen Zweig sind Gräber gewöhnlich Sterblicher bedeutsamer, da sie sehr viel mehr Aufschluß bezüglich allgemeiner Lebensweise erlauben.
Zugleich aber sind Funde niederen Volks rarer, bzw. sehr viel weniger erhalten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sissy.Voss 14.04.2019, 18:10
3. Dem darf getrost widersprochen werden

Zitat von Knossos
Zitat: "Die Funde liefern Hinweise darauf, wie die Menschen vor etwa 4500 Jahren in Ägypten gelebt haben." Vielleicht erhellend dazu (wenngleich besonders Zensurwütige Information und Fingerzeig nicht immer schätzen), daß Ruhestätten Erlauchter archäologisch am wenigsten ergiebig sind. Für diesen wissenschaftlichen Zweig sind Gräber gewöhnlich Sterblicher bedeutsamer, da sie sehr viel mehr Aufschluß bezüglich allgemeiner Lebensweise erlauben. Zugleich aber sind Funde niederen Volks rarer, bzw. sehr viel weniger erhalten.
Dem darf getrost widersprochen werden: weil in Ägypten das Begräbnis von Arbeitern idR bis auf Wegzehrung für das Jenseits beigabenlos war, ist da nicht viel an Information zu holen. Brot und Bier und vielleicht noch Lauch in weitgehend stereotypen Gefäßen geben kaum Aufschlüsse über die Lebensweise. Interessanter sind da schon die Arbeitersiedlungen, die man durchaus auch gefunden hat; am berühmtesten ist wohl Deir el-Medina. Ist wie im Christentum: die armen Teufel werden ohne Beigaben beerdigt, von den Fürsten gibt es sogar Schriftzeugnisse. Davor, also vor der Christianisierung frühestens im 7. Jh., haben auch "Normalbürger" die Chance gehabt, in ihrer Tracht und mit Beigaben bestattet zu werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Knossos 14.04.2019, 18:45
4.

Zitat von Sissy.Voss
... Interessanter sind da schon die Arbeitersiedlungen, die man durchaus auch gefunden hat; am berühmtesten ist wohl Deir el-Medina. Ist wie im Christentum: die armen Teufel werden ohne Beigaben beerdigt, von den Fürsten gibt es sogar Schriftzeugnisse. Davor, also vor der Christianisierung frühestens im 7. Jh., haben auch "Normalbürger" die Chance gehabt, in ihrer Tracht und mit Beigaben bestattet zu werden.
Deshalb hatte ich angedacht, "Hinterlassenschaften" anstelle von "Gräbern" zu schreiben. Nur klang das zu sehr nach Abort; wenngleich auch dieser als Informationsquelle dient.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 14.04.2019, 19:23
5. Die Darstellung mit dem Grabbesitzer verdient eine Interpretation

Der Tisch vor dem der Grabbesitzer Chuwi sitzend dargestellt ist, sieht auffällig leer aus. Vermutlich soll damit gezeigt werden, dass der Verstorbene von der Auswahl an Speisen, die dekorativ in einer Art von Regal dargestellt sind, sich nach eigenem Belieben selbst bedienen kann und sich dadurch keinem Speiseplan unterziehen muss, was als zusätzliche Achtung und Ehrerbietung vor dem Toten in seiner jenseitigen Welt anzusehen ist. Mit dieser Darstellung soll vermutlich auch gezeigt werden, dass die aufgeführten Speisen ihm immerwährend zur Verfügung stehen. Die Interpretation dieser Darstellung könnte ausführlicher behandelt werden, denn sie sagt viel über den Respekt und die Achtung gegenüber den Verstorbenen aus und beschreibt die religiöse Vorstellung ihres Aufenthalts im Totenreich zu jener Zeit und sie sagt auch, dass Leben und Tod als parallele Ereignisse aufgefasst wurden und bedeutsam erdgebundener betrachtet wurden als in unserer Zeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sissy.Voss 15.04.2019, 09:04
6. Seltsam...

Zitat von neanderspezi
Der Tisch vor dem der Grabbesitzer Chuwi sitzend dargestellt ist, sieht auffällig leer aus. Vermutlich soll damit gezeigt werden, dass der Verstorbene von der Auswahl an Speisen, die dekorativ in einer Art von Regal dargestellt sind, sich nach eigenem Belieben selbst bedienen kann und sich dadurch keinem Speiseplan unterziehen muss, was als zusätzliche Achtung und Ehrerbietung vor dem Toten in seiner jenseitigen Welt anzusehen ist. Mit dieser Darstellung soll vermutlich auch gezeigt werden, dass die aufgeführten Speisen ihm immerwährend zur Verfügung stehen. Die Interpretation dieser Darstellung könnte ausführlicher behandelt werden, denn sie sagt viel über den Respekt und die Achtung gegenüber den Verstorbenen aus und beschreibt die religiöse Vorstellung ihres Aufenthalts im Totenreich zu jener Zeit und sie sagt auch, dass Leben und Tod als parallele Ereignisse aufgefasst wurden und bedeutsam erdgebundener betrachtet wurden als in unserer Zeit.
Auf der Abbildung, die ich sehe, ist der Tisch vollgestellt, mit was auch immer. Dazu der kleine Hinweis: es handelt sich um eine Opfer-Szene, nicht um ein All-you-can-eat-Plakat. Die Speisen sind also nicht für den Bestatteten, sondern er bietet sie den Göttern/einer Gottheit an. Das hat mich Achtung und Respekt zu tun, aber eben gegen die höheren Wesen. Die Spekulation über einen obligatorischen Speiseplan ist wirklich nett, fällt aber völlig aus der Zeit. Wie Sie sicher wissen, wird heute noch in der arabischen Welt Wert darauf gelegt, durch vielfältige gleichzeitig angebotene Speisen bei einem Gastmahl zu beeindrucken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 15.04.2019, 19:22
7.

#6: Wie Sie sicher wissen, wird heute noch in der arabischen Welt Wert darauf gelegt, durch vielfältige gleichzeitig angebotene Speisen bei einem Gastmahl zu beeindrucken.

Die arabische Welt von heute hat mit der ägyptischen Welt zur Zeit der Pharaonen absolut keine Berührungspunkte. Die Betrachtung des Jenseits und der Umgang mit den Verstorbenen könnte nicht unterschiedlicher ausfallen. Es gibt absolut keinen Übergang oder gar Verknüpfung zwischen dem Islam und dem altägyptischen Polytheismus. Der Glaube war zu jener Zeit in stetiger Entwicklung begriffen, was jedem Monotheismus vollständig abgeht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sissy.Voss 16.04.2019, 12:37
8. Thema verfehlt.

Zitat von neanderspezi
#6: Wie Sie sicher wissen, wird heute noch in der arabischen Welt Wert darauf gelegt, durch vielfältige gleichzeitig angebotene Speisen bei einem Gastmahl zu beeindrucken. Die arabische Welt von heute hat mit der ägyptischen Welt zur Zeit der Pharaonen absolut keine Berührungspunkte. Die Betrachtung des Jenseits und der Umgang mit den Verstorbenen könnte nicht unterschiedlicher ausfallen. Es gibt absolut keinen Übergang oder gar Verknüpfung zwischen dem Islam und dem altägyptischen Polytheismus. Der Glaube war zu jener Zeit in stetiger Entwicklung begriffen, was jedem Monotheismus vollständig abgeht.
Leider noch einmal: Thema verfehlt. Es ging nicht um die Gleichsetzung von Islam und dem Götterhimmel der alten Ägypter, sondern um ESSGEWOHNHEITEN. Außerdem sind Ihre luciden Anmerkungen zur Religionsentwicklung schwer nachvollziehbar. Es gab nur eine wirklich bemerkenswerte Entwicklung in der altägyptischen Religion. Die war mehr als tausend Jahre später und wurde fast ausschließlich von Pharao Echnaton getragen: der Monotheismus des Sonnengottes Aton. Wie beliebt diese Entwicklung war, kann man daran ablesen, dass nach seiner Regierungszeit seine neue Hauptstadt Amarna geschleift wurde und sein Nachfolger Tut-anch-Aton auf dem Standesamt seinen Namen in Tut-anch-Amun ändern ließ. Damit war wieder alles beim Alten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 16.04.2019, 17:54
9.

Sowenig wie die Beigaben in den Grabkammern der Verstorbenen im Alten Ägypten als Opfergaben für irgendwelche Götter gedacht waren, sowenig haben die dargestellten Speisen auf dem gezeigten Fresko mit dem Grabeigentümer die Bedeutung als irgendwelche Opfer für Götter herzuhalten. Nebenbei, die Hochkultur der Ägypter zur Zeit der Pharaonen hat absolut nichts mit arabischen Gewohnheiten zu irgendeiner Zeit zu tun und der Politheismus jener Zeit trat in vielfältigen Ausprägungen auf und war bezüglich der Gottheiten lokal sehr verschieden, selbst die Pharaonen wurden den Göttern nahegerückt. (Hinweise finden Sie unter Liste ägyptischer Götter)

Beitrag melden Antworten / Zitieren