Forum: Wissenschaft
Alexander Gerst wird ISS-Kommandant: Wir sind Weltraum. Und nun?
DPA / Esa / Nasa

Am Nationalfeiertag übernimmt Alexander Gerst das Kommando auf der Internationalen Raumstation. Für den Astronauten ist das ein persönlicher Erfolg, für uns andere ein guter Moment zum Nachdenken.

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spieglein.wids 03.10.2018, 23:14
20. Vielen Dank, 0L!

Zitat von t.wede
Freue mich für Alex Gerst! @ spieglein.wids: Sie sind keine kleine Saftschubse, Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheit an Bord: Sie melden uns, was wir vom Cockpit aus nicht sehen können, und wenn es mal knallt, entscheidet Ihr professionelles Handeln darüber, ob und wieviele aus dem Bomber noch rauskommen. In diesem Sinne anerkennende, kollegiale Grüße von vorne links, und schön, dass Sie sich die Begeisterung für Ihren Beruf erhalten haben!
Freut mich!
Danke für das feedback und nochmals: beste Wünsche an Alexander Gerst!
Als UDL bringe ich Ihnen auch gerne einen Espresso, geschüttelt...

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rosengregor 04.10.2018, 07:53
21. bemannt oder unbemannt

Es ist eigentlich nicht Aufgabe von uns Foristen, den Wert der wissenschaftlichen Ergebnisse zu bewerten, dafür werden schon Wissenschaftler benötigt. Aber die extrem hohen Kosten lassen doch sehr vermuten, dass die bemannte Raumfahrt ihren Preis unter dem Gesichtspunkt des wissenschaftlichen Outputs kaum wert sein kann.

Bleiben die anderen Aspekte der ISS. Es ist ein Stück bester Kooperation der Nationen in einer Welt, in der Unilateralismus und Protektionismus um sich greifen. Es ist ein Stück Publicity für das, wohin uns die Wissenschaft schon gebracht hat und es ist eine Motivation für uns, Trägersystem vorzuhalten und weiter zu entwickeln, die wir schnall auch mal für andere Dinge brauchen könnten - Horrorszenarien im Stil von Yukatan gibt es genug.

Und bei dieser Bewertung sind wir wieder frei: Was ist uns ein kleines Stück Multilateralismus wert, was ist es uns wert, dass Wissenschaft ihren Platz im öffentlichen Raum behauptet und was ist es uns wert, dass wir uns auf sehr unwahrscheinliche Szenarien mit allerdings sehr großem Schadenspotenzial einstellen?

Bewährt hat sich die unbemannte Raumfahrt. Die bemannte Raumfahrt hingegen verschlingt Milliarden, setzt die Astronauten erheblichen Risiken aus, belastet die Umwelt ungemein und zeigt vor allem, wie lebensfeindlich der Weltall für die Menschen ist, sogar in nächster Nähe zur Erde.

Es wäre daher vernünftig, wenn wir die nächsten große Ziele im Weltall nicht in der bemannten, sondern in der unbemannten Raumfahrt sähen. Dann sind ein, zwei oder auch drei Milliarden Euro pro Jahr sicher kein zu großer Beitrag aus dem deutschen Forschungsetat. Und nicht nur Astro-Alex ist ein medienwirksamer Star im Weltall, auch das Weltraumteleskop Hubble war ein Star, der mit seinen Bildern die Menschen begeisterte. Die Entdeckung von Exoplaneten ist auch sehr werbewirksam und auch die Entdeckung, dass Neutrinos doch eine Masse haben müssen, hat die Öffentlichkeit erreicht, genauso wie der direkte Nachweis von Gravitationswellen. Alles Ergebnisse, für die es keine bemannte Raumfahrt braucht. Anstatt die Forschung zu betreiben, die vermeintlich am werbewirksamsten ist, könnte man auch die beste Forschung weiter betreiben und darauf vertrauen, dass auch aus dieser immer wieder herausragende Meldungen mit großer Breitenwirkung hervorgehen.

Wir brauchen die Raumfahrt, wir sollten uns als Spezies Mensch auch weitergehende Ziele im Weltall setzen und natürlich muss uns gute Forschung auch gutes Geld wert sein, aber für eine sinnvolle bemannte Raumfahrt ist es eindeutig zu früh - so um die zweihundert Jahre.

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spiegelzelt 04.10.2018, 08:13
22.

Zitat von rosengregor
Wir brauchen die Raumfahrt, wir sollten uns als Spezies Mensch auch weitergehende Ziele im Weltall setzen und natürlich muss uns gute Forschung auch gutes Geld wert sein, aber für eine sinnvolle bemannte Raumfahrt ist es eindeutig zu früh - so um die zweihundert Jahre.
Würde bereits heute keine Art Grundlagenforschung in der bemannten Raumfahrt betrieben würde es sogar 2000 Jahre dauern, bis „sinnvolle“ bemannte Raumfahrt möglich wäre.

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The Restless 04.10.2018, 08:34
23. Weiter schauen? Leider Fehlanzeige

Als jemand, der seine Kindheit in den optimistischen und kreativen 70er Jahren hatte, bin ich sehr enttäuscht darüber, wie langsam seitdem unsere Fortschritte in der Besiedlung des Weltalls gewesen sind. Eine Station wie die ISS gab es mit Skylab schon damals, und sie war ja nicht als Selbstzweck, sondern als Zwischenschritt zur Besiedelung des Mondes und des Mars gedacht. Passiert ist eher nichts, und das liegt daran, dass die Menschen sich wie eh und je mit selbstgemachten Problemen und Konflikten beschäftigen anstatt gemeinsam in die Zukunft zu sehen. Ja, wir hätten die Fähigkeiten, Stationen in unserem gesamten Sonnensystem zu besiedeln, aber unsere Gelder fließen weiter in lächerliche Bomben, in Banken, die nach Zockereien zu kollabieren drohen, in Uralt-Technologien, mit denen Brennstoffe aus der Erdkruste gekratzt und dann verfeuert werden. Der Mensch scheint nicht in der Lage zu sein, seine kurzfristige Gier zu kontrollieren und stattdessen weitsichtige und wirklich große Pläne zu schmieden - Pläne, die seinem Intellekt eigentlich angemessen wären. Schade um die vertane Chance. Vermutlich wird unsere Zivilisation innerhalb von Jahrtausenden auf einem verdreckten und ausgelaugten Planeten verdorren, anstatt zu den Sternen zu fliegen.

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mustermannfrau 04.10.2018, 09:12
24. Na ja ...

Zitat von NauMax
Welche Rakete von Space-X lässt die Ariane 5 denn "alt aussehen"? Die Falcon 9 sicher nicht, denn die konkurriert von der Nutzlast her eher mit der Russischen Proton M, während die Ariane 5 mehr als die fünnfache Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit verfrachten kann und gegenwärtig praktisch das Monopol für den Transport von Nutzlasten in einen geostationären Orbit innehat. Nur das Kunststück, ihre beiden Booster wieder landen zu lassen beherrscht sie nicht.
Die Falcon 9 schafft immerhin ungefähr die hälfte der Masse in einen LEO (mehr geht wegen des Nutzlastadapters (!) nicht) und ungefähr das, was Kommunikationssatelliten typischerweise wiegen in einen GTO.
Die Ariane 5 kann da zwar mehr, ist aber auf Doppelstarts mit einem kleineren Satelliten angewiesen, da derzeit keiner (außer die Chinesen) Kommunikationssatelliten baut, die 10 Tonnen oder mehr wiegen (inkl. dem Treibstoff für den Transfer von GTO in den GEO).
Die Ariane 5 hat aber einen Vorteil: der letzte Misserfolg war vor 16 Jahren beim Jungfernflug der ESC-Variante, SpaceX hat in den letzten 4 Jahren gleich zwei davon gehabt.
Btw. Monopol sieht da anders aus, das war mal vor so fünf Jahren der Fall.

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mustermannfrau 04.10.2018, 09:27
25. Danke!

Zitat von spiegelzelt
Würde bereits heute keine Art Grundlagenforschung in der bemannten Raumfahrt betrieben würde es sogar 2000 Jahre dauern, bis „sinnvolle“ bemannte Raumfahrt möglich wäre.
Und in der Tat halte ich das als den wirklich einzigen Grund, bemenschte Raumfahrt zu betreiben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind im Verhältnis zu denen der unbemenschten eher marginal, wirtschaftliche so gut wie gar nicht vorhanden.
Jedoch wird der Mensch irgendwann die Erde verlassen müssen – spätestens in 5 Mrd. Jahren ... möglicherweise aber schon sehr viel früher!?

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trustableman 04.10.2018, 09:58
26. Bemannte Raumfahrt vs. Effizienz & Nutzen

Die bemannte Raumfahrt für jeweilige, nationale Public Relation Ziele hochzujubeln statt in die unbemannte Raumfahrt effizient, multinational vernetzt und in wissenschaftlich sinnvolle Forschung zu investieren, das wird seit dem Beginn dieser unsäglichen Sputnik follow ups weiter vorangetrieben. Nicht mehr und nicht weniger. Noch interessanter wird die Analyse der Mittel für F & E wenn man die 'dual use' Anwendungen für militärische Zwecke hinzuzieht. Darüber schweigen aber die Beteiligten geflissentlich, das kann der Spiegel sicher besser recherchieren als in diesem vorgelegten PR-Gag.

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schwerpunkt 04.10.2018, 09:58
27.

Zitat von Orthoklas
"Kennt jemand die Bankverbindung der DLR oder der ESA? Ich hab' noch Kaffeegeld übrig." Dann spenden Sie Ihr Geld doch besser Kindern, die nichts tun essen haben: Somalia, Südsudan, Jemen, Syrien, Mali...
Leider erkennen viele wie Sie nicht, dass so eine "Spende" im Endeffekt, wenn auch langfristig, mithilft, dass diejenigen welche Sie genannt haben, nachhaltiger für ihre Existenzsituation sorgen können, als wenn man diesen mehr oder weniger direkt das Geld in die Hand drückt.
Solche Missionen befeuern auch Visionen bei den Menschen und schaffen dadurch die Grundlage, dass mittel- bis langfristig prozentual mehr Menschen die eigene wirtschaftliche Existenz sichern können .. auch in den von Ihnen genannten Ländern.

Drittens:
wenn wir als eine der führenden Wirtschaftsnationen nicht durch Innovationen für die Zukunft unserer eigenen Kraft sorgen können, wird auch hier bald niemand sein, der spenden kann und werden selbst auf Spenden hoffen müssen.
(Wenn ich nichts in meine eigene Berufsausbildung investiere, auf Kosten meiner derzeitigen Existenzsicherung, dann werde ich auf Dauer nur damit beschäftigt sein, für mein unmittelbares Überleben zu kämpfen.)

Achja … Viertens:
Das eine schließt das andere ja nicht aus. Es gibt hier kein "entweder - oder", sondern ein "sowohl - als auch". Dass es weltweit ein derartiges Ungleichgewicht gibt und Menschen in z.B. Afrika direkt vom Hungertot bedroht sind, ist KEINE Frage des Geldes. Es gäbe mehr als genug Geld und Nahrung auf der Welt um allen derzeit lebenden Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, dass mehr bietet als pures Überleben … und trotzdem z.B. deutlich ambitionierte Projekte der bemannten Raumfahrt zu betreiben.
Ein Problem, weshalb es trotzdem so ein Ungleichgewicht gibt, sind u.a. Menschen, welche von allen anderen selbstloses Handeln fordern, zu welchem sie selbst nicht bereit sind. Oder wie haben sie das Endgerät finanziert, mit dessen Hilfe Sie hier posten können anstatt die dafür aufgebrachten finanziellen Mitteln direkt nach Afrika zu überweisen?

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schwerpunkt 04.10.2018, 10:05
28.

Grundsätzlich eine vernünftige Betrachtungsweise, der ich trotzdem nicht zustimmen kann, da meiner Ansicht nach auch die unbemannte Raumfahrt im Endeffekt auch/nur deswegen sinnvoll ist, damit wir (die Menschheit) langfristig sich von diesem Planeten Erde aus im Weltall ausbreitet.
Andersherum:
Würden wir uns dauerhaft und bewusst auf diesen Planeten beschränken und festlegen, dass wir uns niemals als Menschheit im All verteilen, könnten wir auch die unbemannte Raumfahrt einstellen (und jegliche andere Aktivität), da wir somit unseren Untergang festlegen (auf welcher Zeitskala auch immer … ob in 50 Jahren oder in 500 Millionen Jahren). Wir würden uns damit darauf beschränken, für die verbliebene Zeit möglichst bequem zu vegetieren und jeden Horizont da zu lassen wo er ist.

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schwerpunkt 04.10.2018, 10:09
29.

Zitat von trustableman
… Noch interessanter wird die Analyse der Mittel für F & E wenn man die 'dual use' Anwendungen für militärische Zwecke hinzuzieht. Darüber schweigen aber die Beteiligten geflissentlich, das kann der Spiegel sicher besser recherchieren als in diesem vorgelegten PR-Gag.
Das hätten Sie mal als Kritikpunkt anbringen sollen, als damals einer unserer Ahnen aus einem Stein eine erste Klinge schlug um Fleisch zu zerteilen und Felle herzustellen.
Abgelehnt aufgrund möglicher militärischer Anwendungsmöglichkeit?

Wenn man jegliche Entwicklung nach diesem Prinzip hin durchforsten uns ablehnen würde, dürften wir sofort in den Urschlamm zurück kriechen. Eine militärische Anwendung von Entwicklung bringt uns eventuell auch dorthin, aber eben nur vielleicht.

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