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Altruismus-Forschung: Die Suche nach dem Guten in uns

Wie können Menschen zu selbstlosem Handeln und Mitgefühl gebracht werden? Um eine Antwort zu finden, stecken Hirnforscher mitunter gar Mönche in Kernspintomografen. Jetzt haben sich Ökonomen in der Schweiz mit dem Dalai Lama zusammengetan, um sich dem Wesen des Guten zu nähern.

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vjm 12.04.2010, 17:58
10. Selbstloses Handeln?

...Manchmal, so sagt der Religionsführer, lasse er sich ganz selbstlos von einer Mücke stechen und Blut saugen. "Ein Wohlgefühl stellt sich nachher allerdings nicht ein."

Wer über diesen Satz Meditiert braucht keine Anleitung mehr über selbstloses Handeln. Sind wir doch ständig darauf ausgerichtet, dass auch Altruismus und Mitgefühl in Wohlgefühl zu enden hat, so verlangt es nun mal unser Ego. Nichts ist umsonst in unserer Wohlfühlgesellschaft.

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rusikala 12.04.2010, 18:56
11. Spricht man über Erziehung von Kindern oder über Erwachsenenbildung?

Zitat von sysop
Wie können Menschen zu selbstlosem Handeln und Mitgefühl gebracht werden? ...

Zitat von vom Artikel
...Ihn interessiere aber, ob man Menschen zum Altruismus erziehen könne...
Die Erziehung von Kindern erfordert Rituale, in die sie einbezogen werden - hierzu haben, zumindest von ihrem Ansatz her, die Religionen einiges an Kompetenz zu bieten. Zum Beispiel die "Litanei", die im Ritual gesungen wird - das "ewige" Wiederholen, Einprägen eines Satzes - eine jahrtausende alte Kultur-Praxis.

Leider aber reicht die Kompetenz nicht dazu aus, eine Breitenwirkung in der Welt der Erwachsenen zu finden. Man könnte in unserer Zeit den Eindruck gewinnen, dass die uns kulturell nächste Religion, die kath. Kirche, aktuell zB eher zu einer moralischen Verwahrlosung neigt, als zu "einem Hort des Guten".

Nicht nur für Kinder, sondern auch für verantwortunsbewußte Erwachsene ist jedoch das "Üben" - zB zum Erlernen des Klavierspiels - eine gute Grundlage dafür, sich zu Ändern. Über das Üben ist eine Veränderung seiner Gefühlswelt möglich, also ein Verändern des Halb- und Vollbewußten.

Übrigens, auch Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778) hat, aus dem Gedächtnis zitiert, in etwa "vom grundsätzlich Guten in jedem Menschen" gesprochen - nur geholfen hat es wenig - schon die französische Revolution ist in einer moralischen Verwahrlosung sondergleichen untergegangen.

Vielleicht stimmt an unserem Weltbild etwas nicht? - Schon in der ältesten Bibel, der Genesis, gibt es einen strafenden, auch wütenden, manchmal geradezu bösartigen Gott. Da gibt es die ersten Anweisungen und Anleitungen zum Genozid. - Irgendwie scheint diese monotheistische Idee, die Idee von einem personalen Gott wohl nicht so das Gelbe vom Ei gewesen zu sein.

Und zuletzt: Wenn man eine Sprache gebraucht, wie oben SPON zitiert, sitzt man in dieser Fragestellung bereits wieder voll in der Falle. Wir sind eigentlich nur noch am Kreisen; Das Bild dazu ist: So beißt sich der Hund in den Schwanz.

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abfallverwertung 12.04.2010, 19:45
12. Der Westen und die Wohlfühl-Romantik des Ostens

Dalai Lama als Paradebeispiel für "das Gute" bzw. Altruismus? Weil ein Mann im Gewand im Fernsehen auftritt, dabei grinst und Platitüden als Lebensweisheit von sich gibt? Dieser hirnlose Hype hier im Westen ist inzwischen mehr als ausgeartet.

Der Dalai Lama ist bei genauerer Betrachtung ein Fall für die Pathologie: Als Kind von über eine Sekten-Zeremonie zufällig ausgewählt und dann fortan wie ein Halbgott von seinem Gefolge behandelt. Er selbst glaubt diesen Irrsinn, dass er eine Lama-Reinkarnation sei, dank Gehirnwäsche seit frühester Kindheit. In Wahrheit ist das nichts anderes als eine anerzogene psychische Störung - nicht weniger bekloppt als an solche Dinge wie unbefleckte Empfängnis zu glauben.

Jetzt düst er von Bodyguards umringt zu TV-Shows, grinst doof in die Kamera und sagt so viel wie: "Was du nicht willst was man dir tu'...". Welch Weisheit! Dieser Mann ist schlicht eine Lachnummer und meine Knödel kochende Oma kann mir bessere Lebenstipps geben als dieser größenwahnsinnige, senile alte Mann, der in einem der schlimmsten Armenviertel Indiens eine riesige goldene, millionenteure Buddhastatue errichten lassen wollte, anstelle das Geld den Armen zu geben. Ganz zu schweigen von seiner Freundschaft mit dem Chef der Aum-Sekte, die in Japan die Giftgas-Anschläge verübt hat oder der Tatsache dass der Lama in seinem Herrschaftsgebiet per Gesetz andere Glaubensrichtungen verbieten und kritische Zeitungen schließen ließ. Wie selbstlos doch der Lama ist...

Und von wegen Buddhismus friedfertig: Man sollte nicht vergessen, mit welcher Brutalität die Mönchskaste in Tibet über das Volk dort geherrscht hat, bevor die Chinesen einmarschiert sind. Schlimmste Folterstrafen wie das Abhacken von Gliedmaßen usw. wurden dort von der herrschenden Mönchskaste angeordnet, das Volk aufs Schlimmste ausgebeutet und in Hunger gelassen, während die Mönche selbst es sich richtig gut gehen ließen und reihenweise junge Mädchen und Frauen für ihre seltsamen Rituale sexuell missbrauchten (man lese sich bitte mal in die religiösen Bräuche der Gelbmützen-Sekte ein). Die Gelbmützen waren übrigens nur an der Macht, weil sie Jahrzehnte zuvor eine konkurrierende Sekte, die Rotmützen, abgeschlachtet hatten.

Und dann kommen so ein paar naive Gemüter daher und meinen, der Dalai Lama wäre eine Art Vorbild für gutes Handeln. Man sieht, welche Macht die mediale Verdummung über die Menschen hat. Das Bild vom weisen alten Mann aus dem Osten lässt sich hierzulande eben gut verkaufen, um ein romantisches Bild bzw. den Durst nach Exotik zu bedienen - der gleiche Blödsinn wie all die Wohlfühl- und Gutmenschen-Kacke, die man in Form von Räucherstäbchen und Lebenstipps-Literatur in den Läden bekommt.

Mir kommt es fast hoch, wenn ich die naiven Gestalten aus der Fraktion der Popkultur-Esoteriker und Freizeit-Hippies sehe, wie sie mit "Free Tibet"-Transparenten in westlichen Großstädten demonstrieren und sich dabei toll fühlen, während sie in Wahrheit auf medialen Blödsinn hereingefallen sind und nicht die geringste Ahnung davon haben, was hinter dem so angeblich freundlichen Gesicht des Dalai Lama steckt. Das ist fast noch schlimmer als der Irrtum um die Figur der "Mutter Theresa" - in ihrem ehemaligen Wirkungsumfeld unter den Indern besser bekannt als "Todesengel von Kalkutta"...

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schna´sel 12.04.2010, 22:05
13. Schuster bleib bei Deinem Leisten

Zitat von Arne11
Die stärkste Form von Altruismus ist bekanntermassen der Verwandtenaltruismus. Mehr als Eltern die sich für ihre Kinder opfern geht nicht. Gibt auch eine schöne Wikipedia Seite dazu. Es wurde immer wieder bemerkt dass solche extrem naiven Ideen wie Kommunismus zwar nicht in einer Gesellschaft, aber innerhalb einer Familie tatsächlich funktionieren.
Mein Gott muss der naiv gewesen sein, der meinte mit seinem Opfertod die ganzen Menschheit erlösen zu können. So naiv, dass sich historich in seinem Namen eine Zivilisation entwickeln konnte, in der sich Menschen zu technischen und zivilisatorischen Höchstleistungen vorher nie gekannter Art haben aufschwingen können.
Aber hat nicht diese Zivilisation im gleichen Maße auch Horrorszenarien und Unmenschlichkeit hervorgebracht? Da stellt sich wirklich die Frage, ob der nicht seine Mamma und seinen Pappa, uns alle hätte glücklicher machen können, wenn er sich nicht so schwärmerisch einer derartig illusionären Idee verschrieben und als Schreiner in den elterlichen Betrieb eingestiegen wäre. Was wäre uns alles erspart geblieben, hirnlose Lachnummern und senile Psychopathen eingeschlossen...

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Tsardian 12.04.2010, 23:19
14. Titel

Zitat von abfallverwertung
Jetzt düst er von Bodyguards umringt zu TV-Shows, grinst doof in die Kamera und sagt so viel wie: "Was du nicht willst was man dir tu'...". Welch Weisheit! Dieser Mann ist schlicht eine Lachnummer und meine Knödel kochende Oma kann mir bessere Lebenstipps geben als dieser größenwahnsinnige, senile.....
Genauso wenig wie man die katholische Religion für den kindesmissbrauch verantwortlich machen kann, kann man den Buddhimus für das feudale System in Tibet vor der Invasion durch die Chinesen verantwortlich machen. Das hat nichts mit der Religion zutun. Verbrechen werden von Menschen und ihren eigenen Schwächen ausgeführt.
Die Chinesen waren dann nach der Invasion aber auch nicht besonders freundlich in Tibet, auch ganz ohne Religion.

Achja und Feudalherrschaft ist natürlich nicht das beste System, aber ihr Posts ließt sich als ob sie ein direktes Sprachrohr der KPC wären, ganz so schlimm ist der Dalai Lama und Tibet vor der chinesischen Besetzung auch nicht gewesen. ;)

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Ursprung 13.04.2010, 02:36
15. Altruistisch gleich Wohlwollensvermutung

Der Biologe Roessler arbeitet und publiziert ueber das Thema.
Nach meinem Dafuerhalten gehoeren er und seine Theorien ganz vorn in den Kreis der Altruismusforscher.
Nach ihm ist die Wohlwollensvermutung das Ei des Kolumbus in der Evolution, eine biologische Volte der doppelten Irrung zum Wohle einzelner In dividuen und der weiteren Evolution, hinein in eine vorher nicht moegliche gewesene Dimension, in der wir schon mitten drin sind.
Danach waere der von uns Menschen wahrgenommene Altruismus eine stringente, wenn auch nicht zwingend gewesene Entwicklung des Lebens.
Doch diese Wohlwollensvermutung ist nun mal in der Welt und die Geschoepfe nehmen zu, die damit prima und besser fahren als andere ohne sie, die eher aussterben werden.
Es ist auch die Kunst des Laechelns, nicht nur gesichtsmuskulaer, sondern verhaltensvorteilhaft:
das Kind laechelt die Mutter an, weil es vermutet, die Mutter mag das und gibt deshalb schneller zu essen, also ein rein egoistischer Anlass. Gleichgueltig oder gelangweilt zu scheinen waere kontrapunktiv fuer das Baby.
Die Mutter laechelt das Kleine an, weil sie glaubt, das dies das Kind mag.
Dem ist es aber a priori egal, das Laecheln, es will Futter, sonst nichts.
Doch es laechelt zurueck in der Hoffnung, die Mutter mag dies Zuruecklaecheln. Also noch mehr Futter.
Die Vogelkinder verfahren so mit ihren Vogeleltern, die Katzen mit den Menschen (um die Beine gehen, trotz Gefahr getreten zu werden), ein fast universales und auf den ersten Bick total ueberfluessiges Verhaltensrepertoire.
Auf den zweiten Blick aktiviert es aber sonst nicht zugaengliche Ressourcen, die sehr egoistisch ausgenutzt werden koennen.
So gesehen, verfahren die Altruisten in summa erheblich rationeller als die, die das noch nicht fuer sich entdeckt haben.
Altruismus ist demnach nicht etwas ein religioeses oder ethisches Produkt. Sondern umgekehrt: es ist eine rationelle Bioveranlagung, die wir uns nicht erarbeitet haben, sondern ererbt. Religion ist das Vehikel des Sozialverhaltens, in dem wir diese Bioveranlagung im sozialen Kontext umsetzen koennen.
Wenn wir uns dabei "edel" fuehlen, ist genau das von der Evolution so entwickelt worden: ein Erfolgsgefuehl bei richtig angewandtem egoistischen Verhalten.

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Ursprung 13.04.2010, 03:19
16. Katze im heissen Blechofen

Zitat von abfallverwertung
Dalai Lama als Paradebeispiel für "das Gute" bzw. Altruismus? Weil ein Mann im Gewand im Fernsehen auftritt, dabei grinst und Platitüden als Lebensweisheit von sich gibt? Dieser hirnlose Hype hier im Westen ist inzwischen mehr als ausgeartet. Der Dalai Lama ist bei genauerer Betrachtung ein Fall für .... was hinter dem so angeblich freundlichen Gesicht des Dalai Lama steckt. Das ist fast noch schlimmer als der Irrtum um die Figur der "Mutter Theresa" - in ihrem ehemaligen Wirkungsumfeld unter den Indern besser bekannt als "Todesengel von Kalkutta"...
Ich empfehle diesem "Abfallverwertungs"-Strategen die Beschaeftigung mit den relativ neuen Thesen (seit den sechziger Jahren, bislang sonst allenfalls Fachkreisen bekannt) des westlichen Biologen Roessler ueber den doppelten Irrtum der Wohlwollensvermutung.
Und was diese fuer den hoffentlichen Fortbestand der derzeitigen Spezies in der Welt noch eine Weile lang auf sich haben koennte.
Lesen Sie mal den 2. Absatz mit der Katze im Backofen auf der 2. Seite vom Aufsatz "Personattraktor: im Sprung zum Punkt Omega", Roessler, Tuebingen, ISSN 1863-3285,
www2.hu-berlin.de/leibniz-sozietaet/journal/archive/3_07/Roessler.pdf.
Achtung: es koennte Ihnen den Altruismus und damit auch die plakative Funktion einer Figur wie der des Dalai Lama und deren Einordnung in das System des Alls plastisch begreifbar machen! Und zwar ganz unabhaengig davon, wer oder was der Mensch hinter der Medienfigur sonst noch ist.

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Schradin 13.04.2010, 08:29
17. Unsinn vom Egoisten Gen

"Der Mensch besitzt gar ein Egoismus-Gen. So lautet das Mantra vieler Biologen."
Das ikst ABSOLUTER Unsinn. Kein biologe würde das so primitiv ausgedrückt behaupten.
C. Schradin, Verhaltensbiologe, Universität Zürich

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Uhlenspigel 13.04.2010, 09:02
18. ... schon erstaunlich

... dass man das Rad gerne immer wieder neu erfindet. Sogenannter "Altruismus" ist für Evolutionsbiologen/evolutionäre Verhaltensökologen nun wirklich seit den 60ern ein Forschungsthema, und es ist keineswegs so wie im Artikel dargestellt eine "Annahme der Biologen", dass der Mensch "egoistisch" sei. Ameisen leben ebenfalls sozial und sind nicht "egoistisch", sondern "opfern" sich "altruistisch" bedingungslos für den Erhalt der Kolonie. Das tun sie, weil sie über Verwandtenselektion am Fortpflanzungserfolg der Kolonie genetisch partizipieren. Die entsprechenden Theorien zur kin selection hat Hamilton in den 60ern publiziert. Entsprechend muss man also, wenn man Biologe ist, davon ausgehen, dass sozial lebende Organismen eine genetische Grundlage für das Leben von Sozialität besitzen; beim Menschen wird das nicht anders sein als bei Ameisen. Entsprechend werden organische und hormonelle Strukturen vorhanden sein, die soziale Interaktionen überhaupt ermöglichen. Ein breitgelatschtes Beispiel auf zellulärer sind die Spiegelneuronen, ein anderes im Bereich Hormone das im Artikel erwähnte Oxytocin.

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delta058 13.04.2010, 09:02
19.

Zitat von Tsardian
Achja und Feudalherrschaft ist natürlich nicht das beste System, aber ihr Posts ließt sich als ob sie ein direktes Sprachrohr der KPC wären, ganz so schlimm ist der Dalai Lama und Tibet vor der chinesischen Besetzung auch nicht gewesen. ;)
Vor allem wenn man bedenkt wie viele Menschen in China auf Anordnung dieser Machthaber um verhungert, gefoltert eingesperrt und missbraucht wurden. Wirklich verbessert hat sich die Situation der Tibeter mit dem EiInmarsch der Chinesen also nicht. Außerdem ist es doch merkwürdig wie wenig die echten Tibeter (also nicht die Millionen hinzugeholten Chinesen) ihre tollen Befreier auch nach 60 Jahren leiden können.

Trotzdem finde ich es auch merkwürdig ausgerecnet bei religiösen Führern nach dem Altruismus zu suchen, so was findet man meist eher in den unteren Rängen, Macht korumpiert nun mal.

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