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Amazonas-Brände: Bolsonaro will Hilfsgelder nur annehmen, wenn Macron sich entschuldi
AFP

Die G7 haben Brasilien Hilfsgelder für die Löscharbeiten im Amazonas angeboten. Präsident Jair Bolsonaro zeigte sich erst zurückhaltend, ist aber nun zu Gesprächen bereit - und erhält Rückendeckung von US-Präsident Trump.

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Stresspille 28.08.2019, 13:54
110. Gerecht untergehen

Zitat von politkrit
der nach und nach gerodet wurde für Äcker und Felder, für Städte und Straßen. Und der Wald, der jetzt noch steht, ist ganz überwiegend wirtschaftlich ausgebeuteter Nutzwald, kaum Urwald. Nun wollen wir dem Riesenvolk der Brasilianer, dem es wirtschaftlich viel schlechter geht als uns, verbieten, in ihrem Land das Gleiche zu tun! Dafür muss die Weltgemeinschaft dann aber viel bezahlen! Wenn Brasilien darauf verzichtet, sein nutzbares Staatsgebiet vollständig zu bewirtschaften, sondern stattdessen der Welt eine grüne Lunge zur Verfügung stellt, dann wäre eine ständige hohe Ausgleichszahlung dafür gerechtfertigt. Wohlgemerkt: Nicht nur eine Unterstützung bei der Brandbekämpfung. Sondern auch eine Ausgleichszahlung dafür, dass sie einen großen Teil ihres Staatsgebietes nicht nutzen, sondern der Weltgemeinschaft als grüne Lunge zur Verfügung stellen!
Man kann daraus auch eine Gerechtigkeitsdebatte machen.

Hilft aber nicht, denn wir werden daran untergehen, wenn alle aufstrebenden Staaten die Fehler der Europäer wiederholen wollen. Das ist darum nur sinnlose Sandkastenlogik.

Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Um 1800 gab es auf der ganzen Welt gerade mal 1 Milliarde Menschen. Jetzt sind wir bei bei etwa 8 Milliarden und wir stehen bereits jetzt vor einer Klimakatastrophe.

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bambata 28.08.2019, 14:01
111.

Der offene Brief unter Beitrag #69-71 vermittelt einen Eindruck davon, wie die brasilianische Presse inzwischen nach dem Willen ihres populistischen Staatslenkers gleichgeschaltet worden zu sein scheint. Zumindest kommt der Eindruck auf, wenn man die Zeilen von Sokrates II so liest.

Der werte Herr "Arzt, Schriftsteller, Forscher und Universitätsprofessor" (beeindruckende Vita!) sollte vielleicht mal ein paar internationale Medien bemühen, um sich einen etwas objektiveren Eindruck davon zu verschaffen, dass Macron mit keiner Silbe und sicher nicht auch nur mit dem entferntesten Gedanken kolonialistische Absichten verfolgte, sondern lediglich seiner mehr als berechtigten Sorge Ausdruck verlieh, dass hier im Augenblick eine von rücksichtslosen Menschen in Gang gesetzte Naturkatastrophe ihren Lauf nimmt und dass sich die Weltgemeinschaft in einer ohnehin kritischen Phase der Veränderung des Weltklimas solche egoistischen Alleingänge schlicht und ergreifend nicht mehr leisten kann. Mit "unser Haus brennt" war keine Vereinnahmung des Regenwaldes durch den Westen gemeint.

Und wenn der werte Professor dann noch neben seinen vielen Tätigkeiten ein wenig Zeit und Muße findet, seine klimatologischen Kenntnisse auf aktuellen Wissenstand zu bringen, dann sollte er sich mal mit den mikro- und makroklimatologischen Abläufen, die sich im Amazonas-Regenwald abspielen, auseinandersetzen. Zwar ist nicht ganz falsch, dass der Amazonas Regenwald nicht die oft postulierten 20% des weltweiten Sauerstoffs produziert und den weit überwiegenden Teil davon auch selber wieder aufbraucht, dennoch gehen je nach Art der Pflanzen und des Mikroklimas 1 - 6% des durch Pflanzen produzierten Sauerstoffs in die Atmosphäre über (Quelle).

Viel schwerer wiegt aber die fehlende Kohlenstoffaufnahmefähigkeit des irreversibel abgeholzten bzw. brandgerodeten Waldes sowie die zusätzliche, unnatürliche, gewaltige Emission von CO2 über die Brandrodung. Weiterhin erschwerend kommt hinzu, dass der Regenwald nach Ansicht von Wissenschaftlern an einem Tipping-Point angelangt sein könnte, der dazu führen wird, dass die dem Waldsystem inherenten Wasserkreisläufe nicht mehr funktionieren und der ehemalige Wald nach kurzer Nutzung als Weide- oder Anbaufläche in einen irreversiblen Savannenzustand übergeht, da die Fähigkeit des Waldes, seine Wasserzufuhr etwa zur Hälfte selbst zu erzeugen und zu regulieren, also Areale gewissermaßen selbst zu beregnen, verloren geht. Bis zu 50% des Amazonas Waldes könnten dadurch zu einer Savanne verkommen. Möglicherweise werden laut dem Bericht Assessment of the Risk of Amazon Dieback der Weltbank vom Februar 2018 (Quelle siehe unten) sogar 75% des Amazonasregenwalds bis 2025 dauerhaft verloren sein. 2075 seien möglicherweise nur noch 5 % des Waldes im Westen Amazoniens übrig. Der Vorgang ist eine Folge der Entwaldung, des Klimawandels, der Brandrodungen und aufgrund der durch die verstärkte Erosion einsetzenden Wüstenbildung teilweise irreversibel.

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bambata 28.08.2019, 14:03
112.

Eine Folge davon wird sein, dass die Trockensaisons deutlich länger andauern und damit auch erhebliche Konsequenzen für dichter besiedelte Regionen im Süden mit sich bringen werden. Wissenschaftler nehmen an, dass dieser Tipping-Point des mittlerweile zu 17% abgeholzten bzw. brandgerodeten Regenwaldes bei weiteren 3% Rodung erreicht sein wird und ab dann faktisch unumkehrbar sein wird. Und auch wenn man wissenschaftlich keine hochpräzisen Größenordnungen bestimmen kann, sondern nur plausible Eckdaten, so sollte man Voraussagen zu irreversiblen Tipping Points nicht unbedingt durch Try and Error validieren.

Quellen:
Sciencemag: Amazon Tipping Point
Worldbank: Assessment of the risk of Amazon dieback
World Economic Forum: Point of no return
Amazon Rainforest heading to point of no return
Amazonas-Regenwald - Aktuelle Lage

Für diesen Tipping-Point sind übrigens nicht die jährlichen Abholzungen maßgeblich, sondern die schlussendlich aufkummulierten Gesamtflächen, die gerodet wurden. Unter welchem Präsidenten oder Präsidentin das erfolgt(e) spielt dabei keine Rolle. Festzustellen bleibt aber, dass die Rodungen seit Bolsonaros Amtsantritt wieder massiv zugenommen haben. Dies und seine rücksichtslose Herangehensweise und sein unmögliches und zutiefst peinliches und verstörendes Auftreten sorgen dann verständlicherweise für einen internationalen Aufschrei.

Liebe Brasilianer, Ihr seid auf dem besten Wege, Euch mit Eurem fragwürdigen Präsidenten zum Buhmann des Planeten zu entwickeln. Und das ist angesichts des nicht minder durchgeknallten US-Präsidenten eine bemerkenswerte Leistung. Ich weiss, dass viele Brasilianer Bolsonaro zum Teufel wünschen und das ist auch gut so. Ihr seid diejenigen, die die katastrophale Politik am Ende ausbaden werdet, damit eine kleine Clique an Landbesitzern ihren Reichtum auf Kosten der Bevölkerung und der Umwelt mehren kann. Seht zu, dass Ihr den Typen so schnell es irgend geht wieder loswerdet und zum Teufel jagt. Das Handelsabkommen mit der EU - da lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster - wird unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht durchzusetzen sein, jedenfalls nicht mit Brasilien als Teilnehmer. Wenn das unterschriftsreif sein wird, werden in Europa Zehntausende auf die Strassen gehen, um gegen einen Abschluss desselben zu demonstrieren und die Politik in Europa wird sich schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit beugen müssen. Ich persönlich jedenfalls werde bei den Demos so lange mitlaufen, bis das Abkommen vom Tisch ist.

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lasalette13 28.08.2019, 16:01
113. So ist es richtig !

Die Bürger wählen dessen Führer, also sind letztlich die Bürger/Wähler schuld an solchen Mehrdiktatoren als Demokraten ! Hoffenlich enbtschuldigt sich Marcron nicht, denn dies wäre wieder ein Sieg für "BolsoNero" .

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Sokrates II 28.08.2019, 17:38
114. Die andere Sichtweise

Wenn man sieht, wie gerade internationale Firmen ( auch Europaeische ), welche im Amazonasgebiet massgeblich am Raubbau und der Umweltverschmutzung vor Ort beteiligt sind, kommt der Verdacht auf, dass es nicht um Umweltschutz geht, sondern dass man mit der Diskussion der “Internationalisierung „ nur ein Stueck vom Kuchen abbekommen moechte. Die Bodenschaetze und vor allem der Amazonas selbst als groesstes Suesswasserreservoir wecken halt Begehrlichkeiten .

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urbaan 28.08.2019, 19:52
115. "Erdaufgang"

Es gibt da ein berühmtes Bild bekannt als "Erdaufgang" in der Mondumlaufbahn vor ca. 50 Jahren, fotografiert von der Besatzung der Apollo 8, das erste Bild in Farbe. Es zeigt wie die Erde über den Rand des Mondes aufgeht. Als das Ereignis an Bord der Apollo 8 eintrat, versammelten sich alle sofort um Standbilder der atemberaubenden Aussichtzu machen, welche ihnen die Bahn um den Mond bot. Heute gibt es ein modern rekonstruiertes Video über das Ereigniss. Es zeigt was man gesehen hätte, wenn es mit einer modernen Kamera gefilmt worden wäre. Die farbenprächtige Kugelunserer Erderagt alsvertrautes Bild auf, während sie über einer fernen,fremdartigen Mondlandschaftaufgeht. Die Szenerie ist von der Idee her die Umkehrung eines von der Erde aus beobachteten,alltäglichen Mondaufganges. Viele sahen damals in der Szene auch ein Symbol der gesamten Menschheit: Diese großeblaue Murmel (bes. charakteristische Merkmalesind die Meere und die Wälder) -- das sind wir ! -- wir alle leben dort !
Schaut man sich heute den großen blauen Planeten an, dann überkommt einen ein Schauer aus Kälte und tiefe Traurigkeit. Es ist nicht die einzelne ökologische Tragödie ansich sondern die Gesamtheit aller. Was macht der Mensch: Als einzige Antwort auf die Amazonas Regenwaldbrände überhäufen sich Staatsmänner mit Beschuldigungen und Beleidigungen.

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Beethoven_1770 29.08.2019, 08:45
116.

Zitat von Sokrates II
Wenn man sieht, wie gerade internationale Firmen ( auch Europaeische ), welche im Amazonasgebiet massgeblich am Raubbau und der Umweltverschmutzung vor Ort beteiligt sind, kommt der Verdacht auf, dass es nicht um Umweltschutz geht, sondern dass man mit der nur ein Stueck vom Kuchen abbekommen moechte. Die Bodenschaetze und vor allem der Amazonas selbst als groesstes Suesswasserreservoir wecken halt Begehrlichkeiten .
Welche Diskussionen um Internationalisierung? Lesen und Hören Sie in Deutschland etwas über Internationlisierung des Amazonas? Es gibt keine Diskussion um Internationlisierung. Was stellen Sie sich darunter denn überhaupt vor? Dass ausländische Mächte in Brasilien einmarschieren und den Amazonas beschlagnahmen oder was?
Und es sind Ihrer Meinung also die bösen Ausländer, die im Amazonas für Raubbau und Umweltverschmutzung sorgen, um an Wasser und Bodenschätze zu kommen. Welche ausländischen Firmen sind das denn? Nennen Sie doch mal Ross und Reiter.
Was Sie hier alles aan Fake-News von sich geben, ich lese und staune.

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Neandiausdemtal 29.08.2019, 17:53
117. Leider stimmt das fast immer!

Zitat von kuac
Auch Deutsche Rinder, Schweine und Hühner werden mit Soja aus Brasilien hochgepäppelt. Eine andere Alternative gibt es bisher nicht, es sei denn Sie essen nur Bio. Was essen die Bio-Rinder?
Mein Rindfleisch stammt aber tatsächlich meist von Viechern, die in der Nachbarschaft auf der Weide grasen (bei Restaurant- und Kantinenessen sieht es höchstwahrscheinlich leider anders aus). Das löst aber leider das Problem bei Geflügel und Schwein nicht. Daher habe ich meinen Fleischkonsum eingeschränkt, außer eben bei Rindfleisch .

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fred_m 29.08.2019, 18:37
118. Empfehlenswerte Informationen

Zitat von bambata
Für diesen Tipping-Point sind übrigens nicht die jährlichen Abholzungen maßgeblich, sondern die schlussendlich aufkummulierten Gesamtflächen, die gerodet wurden. Unter welchem Präsidenten oder Präsidentin das erfolgt(e) spielt dabei keine Rolle. Festzustellen bleibt aber, dass die Rodungen seit Bolsonaros Amtsantritt wieder massiv zugenommen haben.
Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!

Ich kann jedem empfehlen, die aufgeführten Links etwas genauer anzuschauen.

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Beethoven_1770 29.08.2019, 22:38
119.

Ich habe eine Frage an die IT-Abteilung. Sobald ich bei einem Zitat, das heißt also der Beitrag auf den ich antworte, eine Textpassage mit [i] kursiv oder mit [b] fett hervorheben möchte, verschwindet die Textpassage zwischen den Klammern.
So habe ich auf folgende Passage eines Beitrages geanwortet:

Wenn man sieht, wie gerade internationale Firmen ( auch Europaeische ), welche im Amazonasgebiet massgeblich am Raubbau und der Umweltverschmutzung vor Ort beteiligt sind, kommt der Verdacht auf, dass es nicht um Umweltschutz geht, sondern dass man mit der Diskussion der “Internationalisierung „ nur ein Stueck vom Kuchen abbekommen moechte.

In meinem Beitrag #116 sind dann aber drei Wörter gelöscht: Es sind die drei Wörter "Diskussion der Internationalisierung". Ich rede in meinem Beitrag von der Internaliseirung des Amazonsgebites, aber in meinen Bezug auf das Zitat meines Vorgängers ist gerade diesr Bezug "Internationalisierung" gelöscht.
Da frage ich mich, was soll das? Warum ist es bei Spon nicht möglich, in Zitaten bestimmte Textpassagen in eckigen Klammern fett oder kursiv herovorzuheben, ohne dass die Textpassage gelöscht wird? Ich wende mich an Forist Sokrates II und rede von Internationaisierung, aber in emeinem Zitat steht davon nichts, weil es gelöscht wurde.

Kann ich dafür mal endlich von euch eine Erklärung erhalten?

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