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Antibiotika im Bienenstock: Vielleicht gut gemeint - aber offenbar tödlich
DPA

Honigbienen sind unter anderem durch Milben und Pestizide gefährdet. In den USA macht ihnen offenbar auch die Antibiotika-Behandlung ihrer Bienenstöcke zu schaffen.

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der_kanzler_ 14.03.2017, 20:19
1. Der Bücherskorpion

Mir leuchtet nicht ein warum man beim bekämpfen der Varroa-Milbe nicht stärker auf den Bücherskorpion setzt. Mit ihm hat man doch ein ultimatives Mittel gefunden. Außerdem habe ich hier im Spiegel auch noch nichts über diesen kleinen Superman lesen können!

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allessuper 14.03.2017, 21:10
2. Bienen sind heilig.

Sie verdienen eine saubere Umgebung OHNE Pestizide und Antibiotika. Die Pharma-und Aggro-Industrie hat schon genug Unheil angerichtet. Sie soll für die Schäden aufkommen. Welches Wort davon versteht man nicht?

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rpr 14.03.2017, 21:57
3. Helplessly hoping

Zitat von der_kanzler_
Mir leuchtet nicht ein warum man beim bekämpfen der Varroa-Milbe nicht stärker auf den Bücherskorpion setzt. Mit ihm hat man doch ein ultimatives Mittel gefunden. Außerdem habe ich hier im Spiegel auch noch nichts über diesen kleinen Superman lesen können!
Das Sie bisher im Spiegel noch nichts gelesen haben liegt möglicherweise daran, dass er sich augenblicklich nicht als Superman verhält.
Augenblicklicher Stand der Forschung zu Bücherskorpion und andere Pseudoskorpion-Arten in Bezug zur Bekämpfung der Varroamilbe ist:
Die Pseudoskorpione können prinzipiell die Milben fangen und in ihrem Kot konnte mittlerweile auch nachgewiesen werden, das sie auch Milben gefressen haben. Eine merkliche Verringerung der Varroamilben im Bienenstock war jedoch nicht feststellbar (Ron van Toor, James Pinfold: Can chelifers be made to control varroa mites in beehives? Poster Presentation, 2016 New Zealand Apiculture Conference)

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allessuper 14.03.2017, 22:16
4. Ps.

Hier sollte "dumm gemeint" stehen. Ich möchte nicht einmal annehmen, dass es Leute gibt, die der Meinung sind, dass Pestizide und Antibiotika für Bienen gut seien. Hier geht es nur um Profit und um hingenommene Kollateralschäden, die evtl. Profit mindern. Bayer, Monsanto, Syngenta und die anderen Verkaputtmacher lassen grüßen.

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rpr 14.03.2017, 22:27
5. Heilig

Zitat von allessuper
Sie verdienen eine saubere Umgebung OHNE Pestizide und Antibiotika. Die Pharma-und Aggro-Industrie hat schon genug Unheil angerichtet. Sie soll für die Schäden aufkommen. Welches Wort davon versteht man nicht?
Vorab zu Ihrer Frage: Ich habe jedes Wort verstanden. In Bezug auf den Zusammenhang der Wörter hätte ich noch die eine oder andere Frage.
Sicherlich wären die Bienenzüchter nicht unglücklich wenn sie ihren finanzieller Schaden von Pharma- und "Aggro"-Industrie (wth ist das) ersetzt bekommen würden. Freiwillig wird das aber sicher nicht geschehen und für ein Gerichtsurteil bräuchte es den Nachweis, dass die Pharma- und "Aggro"-Industrie für die Varroamilben verantwortlich sind.
Ich kenne die Heiligen Gänse des Amun, die kapitolinischen Gänse waren auch heilig und in Indien sind die Kühe heilig. Zur Zeit Papst Urban VIII galten die Bienen als Symbol der göttlichen Weisheit, aber heilig waren sie nicht.
Welcher idealistischen Gruppierung gehören sie denn an, der die Biene heilig ist?

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cassandros 14.03.2017, 23:05
6. summ, summ, summ um die Apotheke herum

Zitat von allessuper
Hier sollte "dumm gemeint" stehen. Ich möchte nicht einmal annehmen, dass es Leute gibt, die der Meinung sind, dass Pestizide und Antibiotika für Bienen gut seien. ......
Obwohl du das möchtest, gibt es solche Leute.
Weißt du, was das für Leute sind?
Es steht gleich am Anfang der Meldung:
"In den USA präparieren viele professionelle Imker ihre Bienenstöcke mehrmals jährlich mit dem gängigen Breitband-Antibiotikum Tetracyclin."
(Lies doch einfach den Text zur Schlagzeile!)
Wenn "professionelle Imker" ihre Bienen so behandeln, sollen sie sich bitte an die richtige Nase fassen: die eigene.

Die Anwendung dieses pharmazeutischen Wirkstoffs in Eigenregie stellt eine mißbräuchliche Verwendung dar.
Für die Dummheit irgendwelcher Bienenfuzzis muss die Industrie nun wirklich nicht haften.

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Koda 14.03.2017, 23:27
7. Zum Bücherskorpion von der eite Mellifera e.V.

....Zu glauben, dass er als ein effektives Mittel zur Bekämpfung der Milben im Bienenstock verwendet werden kann, erscheint jedoch aus verschiedenen Gründen abwegig. Selbst unter für ihn guten Bedingungen gibt es in einem Bienenkasten immer nur wenige Exemplare. Um eine Milbe zu erlegen, benötigt er dreißig bis sechzig Minuten; seine Entwicklung aus dem Ei zum adulten Tier dauert mehrere Wochen; für Häutung, Eiablage und Überwinterung zieht er sich immer wieder zurück.

Dass Bücherskorpione als Untermieter im Bienenstock leben, ist lange bekannt. Eindrückliche Videoaufnahmen aus jüngerer Zeit zeigen nun erstmals, wie der Pseudoskorpion Varroamilben auf der dem Schieber oder Beutenboden jagt und aussaugt. Aber er wurde noch nie auf einer Biene beobachtet oder gar in Brutzellen der Bienen, wo sich während eines großen Teiles der Bienensaison 75% der Varroamilben zu Vermehrung aufhalten. Er findet zudem reichlich Nahrung im Bienenvolk, wie z.B. Wachsmottenlarven, Bienenläuse und Pollenmilben. Es ist kaum anzunehmen, dass er sich bevorzugt auf die Jagd nach schwer zu fangenden lebenden Varroamilben macht, so lange er auch einfacher an Nahrung kommt.

Der Bücherskorpion ist trotzdem wichtig. Er ist ein Indikator für ein gesundes Stockklima, das auch anderen Mitbewohnern ein Überleben garantiert. Er ist in der Beute, was der bunte Schmetterling in der Landschaft ist: Ein auffälliges Zeichen für eine intakte Lebensgemeinschaft, deren Vielfalt sich unserer Aufmerksamkeit entzieht.

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markus.pfeiffer@gmx.com 14.03.2017, 23:40
8. Sachliche Ergänzungen

Im Artikel hat sich leider ein sachlicher Fehler eingeschlichen.:

- "Forscher um Nancy Moran von der University of Austin haben festgestellt, dass nach einer längeren Behandlung mit Tetracyclin deutlich mehr Tiere sterben als ohne das Medikament."
-> Ohne Medikamente sterben in betroffenen Völkern letztendlich mehr Tiere - nämlich alle

Trotzdem ist eine Antibiotikagabe nicht sinnvoll, da die Antibiotika nur gegen die vegetative Form des Paenibacillus Larvae (Verursacher der Amerikanischen Faulbrut) wirkt, nicht aber gegen die Sporenform. Somit halten die Antibiotika die Infektion des Bienenvolkes nur (eine Zeit lang) in Schach, beenden sie aber nicht.
Dies ist noch vor drohenden Resistenzen und Rückständen im Honig der (gute) Hauptgrund, weshalb die Gabe von Antibiotika an Bienen in der EU verboten ist.
Die Ausbreitung der Amerikanischen Faulbrut lässt sich nur wirkungsvoll eindämmen, indem die Waben der betroffenen Bienenvölker verbrannt und die Beuten (Bienenwohnungen) aufwändig desinfiziert oder ebenfalls verbrannt werden. Die Bienen selbst können ggf. über ein Kunstschwarmverfahren gerettet werden, wobei das Verhindern der weiteren Ausbreitung der AFB immer im Vordergrund stehen sollte. (Dadurch werden unzählige andere Bienen "gerettet".)

Leider regiert in allen anderen Teilen der Welt hier der kurzfristige Blick auf die "Wirtschaftlichkeit"; würden alle den in der EU praktizierten Weg der Bekämpfung der AFB gehen, wäre diese womöglich schon weitgehend ausgerottet.

So profitieren vor allem die Hersteller der Antibiotika und quasi jeder Honig von außerhalb der EU ist mit den (für Menschen ungefährlichen) Faulbrut-Sporen "kontaminiert".

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Miere 15.03.2017, 00:22
9. In den USA streuen sie sich auch Antibiotikum-Pulver auf Schürfwunden, statt Desinfektionsmittel zu benutzen.

Und dann wundern sie sich, dass es immer mehr resistente Bazillen gibt.

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