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goliath1980 02.11.2019, 17:41
1. Die Himmelscheibe von Nebra.

Ist wohl der wertvollste (Einzel) Gegenstand den Deutschland besitzt. Gefunden von Sondengängern die dafür bestraft wurden. Fakt ist, das ohne diese "Straftat", die Scheibe wahrscheinlich nie gefunden worden wäre! Das kann man verstehen-muss man aber nicht,oder?

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whitewisent 02.11.2019, 18:03
2.

"Die Arbeit mit Sondlern bindet inzwischen ziemlich viel Kapazitäten in den nicht gerade üppig ausgestatteten Behörden."

Ich durfte als Kind mal bei einer Ausgrabung teilnehmen. Und habe seitdem sowohl viel Respekt für Archäologen hinsichtlich der theoretischen Arbeit, aber sehe seitdem einen großen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Menschen dieses Fachbereichs erheben tatsächlich den Anspruch, die Einzigen zu sein, welche ein Anrecht haben, in der Erde nach Funden der Vergangenheit zu suchen. Nur entschuldigen sie es Jahr für Jahr, dass Nichts geschieht, weil sie weder über das Personal noch über die Finanzen verfügen. Im Zweifelsfall wählt man dann auch lieber eine Fundestelle im Mittelmehrraum oder Südostasien, und nicht in der Osteifel oder der Südlausitz. Selbst hier mitten in Berlin wird nicht das Recht genutzt, dass Mittelalter zu finden. Man steckt zwar den Claim ab, und behindert damit Verkehr und Baustellen, nur dann wartet man darauf, das Gratisstudenten als Helferlein kommen, um ab und zu mal paar Steine umzugraben. Aber das natürlich wie vor 100 Jahren milimetergenau auf Papier dokumentiert, denn Technik ist entweder zu teuer oder ungeeignet für den Außeneinsatz (sry kein Witz, nichtmal genügend Stromkabel für den Außenbereich gabs bei meinem letzten Besuch (Akkus wurden in der nahen Bäckerei aufgeladen). Es ist also nicht allein das "Raubgräbertum", was hier das Problem ist, sondern dass ein Fachbereich seine kulturellen und gesellschaftlichen Aufgaben nicht einmal konzeptionell erfüllen will.

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holzghetto 02.11.2019, 18:07
3. nunja

ich habe zwar selbst eine Sonde, habe diese aber seit 10 Jahren nicht mehr benutzt. Wenn man o.g. Texte etwas überspitzt deutet, dann wird da eine Metallsonde mit einer Schusswaffe gleichgesetzt! Das Sondengesetz ist leider sehr unausgereift da man ja auf dem eigenen Grundstück frei sondeln darf. ;) Das kann auch gerne auf einem Wikingerfriedhof liegen da hat das Land garnix einzuwenden, es sei denn es wurde langwierig vor Gericht erstritten das dort das Sondeln verboten ist. Bis das passiert ist wurde alles ausgebuddelt. Ich selbst bin für geschichtliche Aufarbeitung aber man sollte hier eindeutig differenzieren, da man Sonden nicht nur im Fachhandel sondern auch über die Weiten des Internets beziehen kann.

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proffessor_hugo 02.11.2019, 18:24
4.

Kann mich #1 nur anschließen. Auch in der Paläoontologie ist das so. Die beambteten "Fachleute" bleiben doch lieber im Büro. Beispiele sind u.a. das Römerlager im Harzvorland und unzählige Fossilien....

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darthmax 02.11.2019, 18:46
5. Suchen und finden

Der Staat muss dann eben selbst mal Sondengänger beschöftigen, z. Frühpensionäre, denen frische Luft gut tut.
Die Fundstücke der Grabräuber wären sonst auch zum Teil verloren, und waren die Archäologen früher nicht selbst Schatzräuber.
Die Herkunft der Museumsstücke ist zumeist sehr zweifelhaft, angefangen beu Nofretete bis hin zur Museumsinsel oder dem britischen Museum.
Wenn es für die Finder vom Staat Geld und Anerkennung gibt, dann wäre es alles legaler.

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Freifrau von Hase 02.11.2019, 18:52
6. @1

"Das kann man verstehen-muss man aber nicht,oder?"

Ist doch ganz einfach: Auf Ihr eines positive Beispiel kommt eine hohe Dunkelziffer von Raubgrabungen, wo Informationen für immer vernichtet wurden. Ganz abgesehen davon, dass es im Falle einer Fundunterschlagung auch eine verbotene eigene Bereicherung ist.

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jostauler 02.11.2019, 18:59
7. Sondengänger = Raubgräber

Sondengänger argumentieren, wie auch hier oben, dass ohne ihre Tätigkeit der Archäologie wichtige Fundstücke nicht bekannt würden und sie deshalb diesem Wissenschaftzweig helfen wollen. Fakt ist, dass die meisten Sondengänger nur gezwungenermaßen den Fachämtern ihre getätigten Funde mitteilen und begutachten lassen; es geht ihnen schlichtweg um die Vervollständigung ihrer privaten Sammlungen, also um Bereicherung. Die Bodendenkmalpflege ist aufgrund der gültigen Gesetze und der aktuellen Rechtssprechung gezwungen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die Problematik ist klar. Beispiel: Liegt eine Münze (Fund) in einer Feuerstelle (Befund) so piept das Suchgerät. Die Sondengänger durchwühlen dann mit Klappspaten bis zu 50 cm Tiefe so lange die Stelle, bis sie die Münze gefunden und geborgen haben. Dabei wird keine Rücksicht auf den Befund gelegt, vielleicht ein Steinkranz um die Feuerstelle, darinnen neben Holzkohle verbrannte Knochen. Das wird alles zerstört; dabei könnten die Kohlen und Knochen dem Fachmann wichtige Angaben liefern und die Münze als Datenträger (Datierung) ist auch nicht mehr vorhanden. Den Archäologen ärgert es, aber wir arbeiten ja im Auftrage und für die Allgemeinheit (die uns auch finanziert); es ist unserer aller Vergangenheit, die von den Sondlern vorsätzlich und unter fadenscheinigen Argumenten zerstört wird.
Jost Auler, Archäologe und Historiker (Dormagen)

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Horst Scharrn 02.11.2019, 19:14
8.

Das Problem ist die Gesetzeslage in Deutschland, die es Privatpersonen quasi unmöglich macht etwas legal zu finden.
Die Gesetzeslage sieht nämlich so aus, dass wenn man was findet es einem nicht gehört sondern dem Staat. Mit sehr viel Glück bekommt man einen mickrigen Finderlohn, aber meist bekommt man eine Anzeige wenn man einen Fund meldet, wegen Sachbeschädigung, versuchter Unterschlagung, Raubgräberei etc.
Der Finder hat also die möglichkeit entweder den Fund offiziell zu melden und sich der Gefahr der strafrechtlichen Verfolgung auszusetzen und einen finanziellen Schaden oder sogar eine Freiheitsstrafe davonzutragen, oder aber die Möglichkeit den Fund nicht zu melden und irgendwann mal als altes Familienerbstück oder Flohmarktfund zu Geld zu machen und finanziell davon zu profitieren.
Und jetzt raten wir mal für welche der beiden Möglichkeiten sich die Leute wohl meistens entscheiden.

Wenn wirklich Interesse daran bestünde die Archäologie in Deutschland voranzutreiben gäbe es ein Gesetz in dem drinsteht:
"Archäologische, durch Privatpersonen gemachte Funde gehören dem Staat. Der Finder erhält vom Staat eine Entschädigung die dem aktuellen Marktwert des Fundes entspricht. Eine strafrechtliche Verfolgung des Finders ist ausgeschlossen wenn dieser den Fund und dessen Fundort innerhalb von zwei Wochen nach Entdeckung bei der jeweils zuständigen Behörde anzeigt und gegenüber Dritten nicht nennt."

Die Leute hätten keine Angst mehr davor, das gefundene Zeug zu melden und abzugeben und die meisten Probleme wären gelöst.

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burlei 02.11.2019, 19:14
9. @#1 und #4

Dass die Himmelsscheibe ohne Raubgräber nicht gefunden worden wäre, ist ja nur die halbe Wahrheit.

Dei Raubgräber hatten den Fund dieser Scheibe ja nicht dem Land Sachsen-Anhalt gemeldet, sondern zunächst einmal für 31.000 DM an einen Kölner Händler verscheuert. Zunächst 1999 in Berlin, später in München sollte dann der Fund für 1 Millionen DM verkauft werden. Da sich herum sprach, dass der Fund eigentlich dem Land Sachsen-Anhalt gehörte, lies der seriöse Kunsthalle die Finger davon und der Fund wechselte noch mehrmals von einem Hehler zum anderen, bis der Fund dann von den Behörden sicher gestellt werden konnte. Die Raubgräber bekamen 4 bzw 9 Monate Haft auf Bewährung, zwei Hehler 6 bzw 12 Monate, ebenfalls auf Bewährung.

Raubgräber sind Kriminelle. Sie zerstören mehr, als der Fund in der Regel wert ist. Trotzdem sollte der Staat die Sondengängerei legalisieren wenn auch mit Auflagen. Einen Anreiz kann er auch bieten, z.B. dass der Finder einen Teil des Wertes des Fundstücks erhält. Trotzdem sollte ein Sondengänger immer im Hinterkopf behalten, dass das, was er macht ein krimineller Akt ist. Lebensgefährlich noch dazu, denn ich möchte nicht wissen, wie viele Sondengänger sich heute, 75 nach Ende der Schlacht im Hürtgenwald die Wälder dort unsicher machen. Ihre Hoffnung, Hinterlassenschaften (Waffen, Munition, Orden und Ehrenzeichen) zu finden. Wenn sie Pech haben, finden sie nur eine scharfe Mine....

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