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Atomkatastrophe: 50 Mann sollen Japan retten

Die ganze Welt schaut auf Fukushima: In dem japanischen Katastrophen-AKW kämpfen rund 50 Arbeiter gegen die atomare Katastrophe. Bei einem neuen Brand ist Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt - aber wie viel? TV-Sender bereiten die Bevölkerung bereits auf die Strahlengefahr vor.

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Izmir.Übül 15.03.2011, 21:58
70.

Zitat von PhysikerTeilchen
Meine Guete, braucht man denn wirklich mehr als Abitur, um den Krams zu verstehen? So ein Kraftwerksgelaende ist gross, und die Explosionen waren einfache (wenn auch grosse) Knallgas-Verpuffungen. Nicht gerade Atombomben oder sonst etwas. Da hat man schon gewissen Chancen, im Kontrollraum nicht mal eine Beule zu kriegen, oder? Und wer hat behauptet, dass alle Arbeiter aus den AKWs evakuiert wurden? Wer hat denn dann da rund um die Uhr daran gearbeitet, irgendeine Kuehlung fuer die Reaktorkerne in Gang zu kriegen? Wahrscheinlich Heinzelmaennchen, oder? Naja, aber ich gebe zu, dass es bei vielen Menschen eine recht naheliegende Reaktion sein kann, bei Nichtverstehen relativ komplexer Vorgaenge zu vermuten, dass andere Personen ("die Boesen") das Verstehen absichtlich durch Fehlinformation verhindern. Reiner Selbstschutz, sonst muesste man ja eigenes Unvermoegen diagnostizieren. Nebenbei bemerkt handelt es sich uebrigens in der Tat um Supermaenner (Frauen?) im besten Sinne des Wortes, naemlich Leute, die Gesundheit und Leben fuer das Wohl der Gemeinschaft riskieren. (Und ich will nicht mal ausschliessen, dass die Entscheidung dazu von finanziellen oder aehnlichen Anreizen beeinflusst wurde, aber das ist in diesem Fall wohl vollkommen egal - mehr denn je ist es das Ergebnis, was zaehlt.)
Allmählich kotzt es mich wirklich an, dass allen Kernenergiekritikern von deren Befürwortern irrationale Hysterie, Technikfeindlichkeit oder kognitive Defizite beim Verstehen "komplexer" physikalischer Zusammenhänge unterstellt wird. Keiner von uns ist so blöd, eine chemische Knallgas- mit einer thermonuklearen Fusionsexplosion zu verwechseln. Wenn Du so schlau bist, dann löse doch die Millennium-Probleme des Clay Mathematics Institute, da kannst Du im Handumdrehen immer noch schlappe 6 Mio. USD abkassieren (die Poincaré-Vermutung hat ja leider schon Grigoriy Perelman bewiesen).

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anfaengerin 15.03.2011, 21:59
71. Die Welt wird nie mehr sein, was sie war...

Zitat von IsArenas
Meinen Sie? Das waere ja eine gute Nachricht. Ich erwarte eher den Extra-Super-GAU nach dem Super-GAU, naemlich den, dass weiter an Kernenergie festgehalten wird. Kaeme jetzt die ganze Welt zur Einsicht, nur noch erneuerbare Energien zu nutzen, waere das ja eine Art Weltfrieden, gewissermassen ein neues Zeitalter. [...]
Da habe ich Herrn Bodendörfer da etwas anders interpretiert. Dass die Welt nun zur Einsicht kommt, ist völlig absurd. Wissen Sie selber. Aber die Folgen dieses "Atom-Unfalls" sind überhaupt noch nicht abzusehen. Wenn man "nur" den Ort Fukushima aufgeben muss, dann kann man das händeln. Wenn aber auch Sendai oder gar Tokio evakuiert werden müssen, und für die nächsten 25.000 Jahre unbewohnbar werden, dann wird es richtig eng. Bevölkerungstechnisch und weltwirtschaftlich. Man darf ja nebenbei den Mittleren Osten nicht vergessen. In Deutschland werden noch einige lernen müssen, dass unser Luxus nicht selbstverständlich ist.

Ich bete inständig, dass diese 50 Mann irgendetwas (IRGEND-etwas!) erreichen können, um die totale Katastrophe abzuwenden oder wenigstens einzugrenzen. Man KANN Fukushima nicht einfach sich selbst überlassen, damit würde man wissentlich Millionen von zusätzlichen Menschenleben aufs Spiel setzen. Die Männer sind Helden, ob sie etwas erreichen oder nicht. Sie versuchen es wenigtens!

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PureHate 15.03.2011, 22:00
72. Was ist da los?

Seit nun zwei Stunden wird nichts mehr im Liveticker protokolliert, ich höre nichts Neues mehr.
Sind dort wirklich 50 Mann und versuchen ihr Bestes? Oder wurde, wie von manchen hier behauptet, die KKWs evakuiert und sich selber überlassen? Dies kann ich allerdings nicht glauben.

Verschweigt uns die japanische Presse und Regierung etwas?

Ich finde die Situation höchst angespannt.

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Benjowi 15.03.2011, 22:00
73. Auch AKW's können auswandern

Zitat von systembolaget
... oder zu lesen. Letztendlich sind wir alle, die wir hier im gemütlich in Europa im Büro sitzen und uns hier auslassen, nur Ahnungslose oder eben auch Besserwisser mit einem gerüttelt Maß "German angst".
Nachdem bisher offensichtlich kein Land der Erde (außer Deutschland) Anlass sieht, seine Atompolitik ernsthaft zu ändern, wird Deutschland am Ende allein mit seiner hysterischen Reaktion dastehen. Es sollte mich auch nicht wundern, wenn EON oder ein anderer des Oligopols irgendwann knapp außerhalb der deutschen Grenzen Atomkraftwerke bauen würde-faktisch ist ein ähnlicher Zustand ja mit Temelin - das deutliche Anteile der Stromproduktion vielleicht sogar als "Ökostrom" verkleidet exportiert- schon gegeben und nach der deutschen Stilllegungsorgie wird die geplante Erweiterung von Temelin um zwei weitere Blöcke an Rentabilität gewinnen......

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wekru 15.03.2011, 22:00
74. jain

Zitat von sample-d
Hmm - ich denke da haben Sie nicht richtig zugehört - ich habe eigentlich alle Berichte verfolgt, und dass das Kraftwerk komplett evakuiert wurde habe ich nirgendwo mitbekommen...
Es war zu lesen, dass sich noch Polizisten und Feuerwehrleute bei den Reaktoren um Kühlung bemühen. Die Ingenieure und Techniker können da nichts mehr machen. Es gibt keine Technik mehr. Ferner stand gestern bereits im Raum, dass der Betreiber seine Leute abziehen wollte, woraufhin der Regierungschef in deren Zentrale stürmte mit der Aussage, dass ein Rückzug undenkbar sei.
Ich denke, die Leute sind am Ende ihrer Kräfte und können sowieso nichts mehr aufhalten. Jetzt müssen noch ein paar staatliche Befehlsempfänger ran, für die Ehre des Landes und vielleicht ein paar Stunden, die dadurch für andere gewonnen werden.

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mkalus 15.03.2011, 22:01
75. Ehrenkodex?

Zitat von eva1811
Fukushima - der Supergau ist wohl nicht mehr aufzuhalten und die 50 Samurai sind wohl jetzt schon ihr "Leben" los. Japans Ehrencodex und das Gesicht nicht verlieren, hat angesichts dieses Gaus eine andere Bedeutung bekommen.
Ersthelfer bringen sich regelmaessig in Gefahr um anderen zu helfen. Vielleicht wuerden sie ja wegrennen wenn Sie in so einem Kraftwerk arbeiten wuerden, aber es gibt genug Menschen die erkennen das es durchaus auch wichtigeres gibt wie nur sich selbst. Das hat wenig mit Japanischem Samurai Code und sehr viel mit der Opferbereitschaft zu tuen. Da gibt es ganze Buecher von.

Zitat von
Es geht inzwischen mehr als Japan an, wenn Fukushima explodiert bzw. die Brennstäbe derzeit von 3 Reaktoren (von insgesamt 6 soweit das herausgeklungen ist) freigelegt werden und durchbrennen, was wohl Tschernobyl weit in den Schatten stellt.
Richtig. Und Sie fragen sich warum diese 50+ Leute alles versuchen um das zu verhindern? 250km weit entfernt leben 35 Millionen Menschen. Da faellt die Rechnung recht leicht.

Zitat von
Wie steht es mit den Nachbeben und den anderen AKWs in diesem Bereich, diese hatten doch auch Störfälle gemeldet.
Scheinbar unter Kontrolle.

Zitat von
Die Stromversorgung wiederherzustellen, ist wohl die wichtigeste Aufgabe, die hier angesagt ist, nun gibt es sowas wie alternative Energiequellen, die schon genutzt wurden und ausgebaut werden könnten, falls nicht, Wasserkraft oder Kohle müsste doch auch vorhanden sein.
Nicht in Japan. Es gibt kein Oel, keine Kohle (oder zumindest sehr wenig) und auch keine Wasserkraft. Gehen Sie halt mal zu Google Earth und schauen sich die Landschaft etwas naeher an.

Zitat von
Was hier immer durchklingt, wird Fukushima eigentlich mal weg von den 50 Mann automatisch noch gesteuert (da immer durchklingt, die Kühlung, Anschlüsse muss wiederlaufen, nun da sind doch auch Handgriffe von Nöten, soviel zum Thema Samurai!).
Der Satz macht keinen Sinn.

Aber wenn die Frage war was die 50 Leute dort machen? Anschluesse ueberpruefen, Messgeraete ablesen und vermutlich versuchen Wasserleitungen zu legen um das ganze noch irgendwie zu kontrollieren. Ja, vermutlich wird keiner von denen das lange ueberleben, wie auch damals in Chernobyl.

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sorata 15.03.2011, 22:01
76. Erinnerungen

Soweit ich die Katastrophe bewerten kann, mit einigen Jahren Erfahrung in Japan,war der eigentliche Verursacher des Gaus gar nicht einmal das Beben, sondern die menschliche Unzulänglichkeit. Tepco mit der üblichen Verschleierungstaktik, eine Regierung abhängig, aber nicht ernst genommen von der Wirtschaftselite, weil auf der Gehaltsliste derselbigen, waren die Verursacher dieser Katastrophe. Auch ist es hilfreich zu wissen, dass die japanische Wirtschaft nicht ohne die Yakusa, Mafia à la
japonaise) funktionieren könnte. Dieselbige verdient hauptsächlich nicht mit Prostitution oder Drogenhandel, sondern in der mit Kernenergie. Wie sehr Tepco
selbst den japanischen Kanzler als Handlanger betrachtet, müsste inzwischen auch hier für Klarheit gesorgt haben. Die "Spezialisten", die in diesen AKWs arbeiten sind in der Regel unqualifiziert. Kein japanischer Experte würde für eine Firma wie Tepco arbeiten wollen, es würde sein CV ruinieren. Dann hat man also Leute, die während
einer Katastrophe in die Kantine gehen und vergessen, dass die Tanks für die Pumpen mit Benzin nachgefüllt werden müssen, weil sie sonst mit dem Pumpen aufhören. Mich hat in all meinen Jahren dort nichts wirklich beeindruckt, Akasaka
Mitsuike, Shibuya und Ropongi schon. Byblos und Shakey`s Pizza beeindruckten, Japan als wirtschaftlicher Konkurrent eher nicht.

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haggi45 15.03.2011, 22:02
77. Nachrichtensperre

Zitat von kenno
Vielleicht fällt es ja jemandem auf, das es faktisch seit Stunden eine Nachrichtensperre gibt.
Liegt vielleicht daran, dass es in Japan Nacht ist???

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IchOnline 15.03.2011, 22:02
78. Nix Genaues weiß man nicht

Zitat von firefly
Im Moment schein[t] keiner die Lage wirklich zu überblicken. Die "angeblichen" deutschen Atomexperten haben ja noch gestern gesagt, dass 48 Stunden nach Abschaltung kaum noch Gefahr für eine Kernschmelze besteht. Jetzt geht sogar Gefahr von zwischengelagerten Brennstäben aus? Ich dachte man hat alle Möglichkeiten durchgespielt bei der Restrisikobwertung? Dann muss man doch auch wissen, was bei so einem Störfall alles passieren kann.
Weiß man wohl auch. Wovon man aber keinen blassen Schimmer hat, das ist der gegenwärtige Zustand der Brennstäbe in Fukushima. "Teilweise Kernschmelze" ist ein weites Feld. Sind die Brennstäbe noch gut in Form, dann geht es tatsächlich nur um die Nachreaktionshitze. Sind sie aber so weit verschmolzen, dass schon wieder Kritikalität erreicht wird, dann kann von "Abklingen" keine Rede sein. Deshalb heißt es kühlen, kühlen, kühlen um zu verhindern, dass die Sache so richtig durchstartet.

Ich weiß nicht, was ich von dem 50-Mann-Selstmordkommando halten soll. Reichen die aus, um das alles in den Griff zu bekommen? Will man das restliche Personal in Sicherheit ausruhen lassen und dann Schichten fahren? Wann will man damit beginnen, eine dauerhafte Notkühlung einzurichten? Die wird nämlich nötig sein, um das Debakel für die nächsten Jahrzehnte unterm Deckel zu halten.

Wahrscheinlich hat man überhaupt keinen Plan und wartet bloß ab. Die 50 Leutchen haben mit ihrem Leben abgeschlossen, pumpen Meerwasser und spielen Feuerwehr für allfällige Brände und Explosionen. Wenn das ein paar Tage gutgeht wird man sich vorsichtig wieder auf das Gelände trauen und eine Bestandsaufnahme versuchen. Momentan würde das aber bedeuten, dass mit dem Super-GAU jederzeit gerechnet wird.

(Genau, Ihr Schlaumeier, ich schreibe fortan nur noch vom Super-GAU. Ich bin nämlich gegen eine atomkraftfreundliche - jaja - Sprachregelung, die den Größten Anzunehmenden Unfall mit dem Größten Auslegungs-Unfall gleichsetzt und dann auch noch impliziert, dass diese Auslegung schon reichen wird. Wenn das ein "GAU" sein soll, dann ist der "Super-GAU" für die übrigen Unfälle exakt der richtige Begriff.)

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n+x 15.03.2011, 22:04
79. ...

Zitat von katanga1
1. Die andauernde 400 mSievert Marke darf einfach nicht medial geknackt werden um Panik zu vermeiden.
Das ist Unsinn. Zum Vergleich: die natürliche Strahlungsbelastung liegt in D bei ca. 2,5 mSievert pro JAHR.
Sollten wirklich 400 mSievert pro Stunde gemeint sein und über längere Zeiten bestehen so ist das ein sehr sehr hoher Wert und wäre ein Grund für Panik.

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