Forum: Wissenschaft
Bauen wie vor 1200 Jahren: Meßkirch meißelt sich ins Mittelalter
Bert M. Geurten

In Baden-Württemberg wird eine komplette mittelalterliche Klosterstadt gebaut - unter streng historischen Bedingungen: Maschinen und Regenmäntel sind verboten, Kaffee gibt es nicht. Forscher hoffen so auf neue Erkenntnisse über das neunte Jahrhundert.

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DonCarlos 19.03.2012, 21:14
110. Die Ehre der Karls

Zitat von artusdanielhoerfeld
"...wie zu den Tagen Karls des Großen" KdG hat nie existiert, der, genau wie 300 Jahre Mittelalter zwischen 600 und 900 n.Chr., von der katholischen Kirche erfunden worden war, um von der infamen Ermordung des Merowingergeschlechtes abzulenken, das der Familie Jesu entstammte. Als "Nachweis" der Existenz Karls des Großen dient lediglich der handschriftliche Haken unter einer Urkunde und ein Münzfragment mit den Buchstaben "olu", das einmal "Karolus" geheißen haben soll. Es gibt keine zeitgenössischen Schriften, die den Mann erwähnen, keine Münzen, auf denen sein Abbild wäre, nur die romantische Vorstellung von einem alles einenden Kaiser.
Charlemagne - Wikipedia, the free encyclopedia
Keine Münze?
OK, aber der Witz an dem ganzen was in Meßkirchen passiert ist was ganz anderes. Der Initiator Bert Geurten hat einen kleinen Wunsch:
Zitat von
"Ich möchte nur in der Krypta als Gründervater eine Gruft bekommen. Da können sie dann kommen und Kerzen für mich anzünden."
Keine Ahnung, was in 1000 Jahren aus dieser digitalen Bemerkung geworden ist. Liegt Bert Geurten dort in der Krypta, ist er wahrscheinlich für die Archäologen bedeutender als Merkel oder Gauck.

Ihr Carlos.

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derfflinger 19.03.2012, 23:23
111. Versuch einer Antwort...

Zitat von 47/11
... in allen Ehren , aber muss es denn gerade ein Kloster sein ? Gibt es keine sinnvolleren Anlagen aus dem Mittelalter ???
Wenn man so über den Artikel unter Berücksichtigung Ihres Einwurfes nach denkt, kann man zu dem Schluss kommen, das es vielleicht daran liegt, dass die Pläne authentisch sind und nicht Ergebnis von archäologischen Forschungen. Die haben naturgemäss immer eine der Methode innewohnende "Unschärfe".

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derfflinger 19.03.2012, 23:30
112. Das ist das Ende!

Zitat von ChopinSG
Natuerlich kann jeder mit seinem Geld und seiner Zeit machen was er will, doch ist dies schon typisch fuer unsere 'Rentnerrepublik', regiert von einem weltfremden, satten Bildungsbuergertum. Ist ja irre interessant so ein Kloster und wenn wir dann noch aus den letzten Zukunftstechnologien aussteigen, dann koennen unsere Kinder wenigstens in original nachgebauten Kloestern ihr karges Leben fristen. Die freuen sich schon auf so Jobs wie Fremdenfuehrer fuer asiatische Reisegruppen in Originaltrachten...... Mir ist Angst und Bange!
Endlich mal jemand, der es begriffen hat!
Wenn das Projekt wirklich durchgezogen wir, ist das sicherlich das Ende der Erneuerbaren Energien, wenn nicht sogar das Ende der medizinischen, astronomischen, physikalischen etc.. Forschung.
Angst und Bange kann einem höchstens vor der intellektuellen Potenz dieses Beitrages werden!
D

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artusdanielhoerfeld 20.03.2012, 01:54
113.

Zitat von DonCarlos
Keine Münze?
Nein, denn unter den wenigen aufrichtigen Historikern ist klar, dass die vereinzelt gefundenen Münzen mit "Karolvs"-Prägung von Karl III., genannt "Der Einfältige" (879 - 929) stammen.

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helva 20.03.2012, 08:25
114. kann mich nur anschließen

Zitat von vhe
würd ich dort den Koch machen. Ehrlich. Und für 9 Monate Mini-Lohn hätt ich auch die Kohle. Leider werd ich in meiner Firma als Programmierer gebraucht. Klar, Die Hauptnahrung damals waren Breie, aber Fleisch, Fisch, Obst, und Gemüse gabs auch da schon. Was es nicht gab, waren jede Menge E-Nummern.
Wenn ich weg könnte, würde ich es auch machen, ich würde mich sogar für niedere Arbeiten verpflichten...
Hauptnahrungsmittel im Mittelalter dürfte Suppe/Eintopf gewesen sein. Nur mal so am Rande.
Falls ich kann, werde ich mir das Projekt auf jeden Fall ansehen, obwohl Frankreich näher liegt.

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indigofalter 20.03.2012, 09:43
115. Toi Toi Toi

Das find ich super und ich hoffe dass alles klappt und unsere Behörden (WKD, Gesundheitsamt usw.) da keinen Strich durch die Rechnung machen. Traum und Wirklichkeit werden trotzdem schwer vereinbar sein, da die ganze entsprechenden Infrastruktur darum herum nicht vorhanden ist. Ein bisschen Acker wird die Leute nicht ernähren.

Ich bin gespannt was daraus wird, ich wohn ganz in der Nähe und werde sicherlich regelmäßig vorbeischauen und hoffentlich auch mitmachen können.

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schensu 20.03.2012, 10:36
116.

Zitat von DonCarlos
Es geht um den kompletten Chor. Wie Sie hier auf dem Bild sehen können fehlen für einen Bau außer dieser Zeit die typischen, weit ausladenden Stützpfeiler einer typischen Kirche im gotischen Stil. Wenn Sie sich das Foto groß ansehen erkennen Sie in den Fenstern Querstreben.
Ja, die hatte ich gemeint. Das sind sogenannte Zugeisen.
Eine Strebe hingegen...
Strebe
...Sie erkennen den Unterschied?


Zitat von
Da liegen Sie falsch. Selbst das ältere karolingische Oktogon hatte einen Ringanker aus Eisen. Die sogenannte Pfalzkapelle wurde um 800 herum gebaut. Suchen Sie einfach mal nach Ringanker, Dom und Aachen im Internet.
Das mag ja so sein. Diese umlaufend eingelegten und gestückten Eisen sind aber quer, d.h. auf ihren schwachen Querschnitt hin, gar nicht für die Horizontalkaftkomponente aus dem Dachtragwerk ausreichend widerständig. Sie stellen lediglich eine statisch weniger relveante und deshalb mehr konstruktive Zulage dar.
Auf Ihrem Foto sind die abgetreppten Strebepfeiler, wenn auch nicht so ausladend, doch immer noch da.
Dass die nicht so ausladend sind, ist dem relativ flachen Dach geschuldet.
Ich war zwar schon mal drin, kann aber nicht mehr sagen, ob das Dach über ein Sprengwerk verfügt oder ein in Höhe der Mauerkrone befindliches Zugband hat.
Wissen Sie da mehr?

Im Veitsdom zu Prag (als Beispiel) sind die Zugeisen gut zu sehen:
Datei:Domchor Prag.jpg

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schensu 20.03.2012, 10:45
117.

Zitat von Hermes75
Dann wird der Stahlbeton früher oder später zerbröseln... Stahlbeton ist definitiv kein Material für die Ewigkeit. Es ist praktisch unvermeidlich, dass der Armierungsstahl irgendwann anfängt zu rosten und dann den Beton absprengt. Wie lange das dauert hängt von der Dicke und Qualität der äußeren Betonschicht ab. Die Erfindung des Stahlbetons ist noch nicht einmal 200 Jahre her. Nicht armierter Beton kann jedoch ziemlich lange halten, wie man bei einigen römischen Gebäuden sehen kann. Wenn ein Gebäude wirklich lange stehen soll, dann ist reiner Naturstein ohne metallische Bewährung immer noch die beste Wahl.
Reicht die Karbonatisierungsfront nicht bis an den Stahl passiert gar nix.
Lorient z.B. wird die Dinger für zig Generationen nicht loswerden.
http://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Bunker_in_Lorien

Allerdings beträgt die Betondicke ca. 7,50 m! Ich gehe davon aus, dass die Bewehrung >> 3 cm Betondeckung hat und der Stb möglicherweise von einem unbewehrten Mantel umhüllt ist.
Jedenfalls kann selbst das raue Seeklima den Verfall nicht so recht beschleunigen...

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Ontologix II 20.03.2012, 10:55
118. Staatsknete

Zitat von Hermes75
Niemand hindert Sie daran IHR Geld für wichtigere Forschungen auszugeben...
Hier wird auch MEIN Geld ausgegeben, denn über die Gemeinnützigkeit sind wir alle bei diesem Projekt dabei. Ich gebe aber zu, dass es noch sinnlosere gibt, die von der Allgemeinheit mitfinanziert werden, wie z.B. der Profi-Fußball.

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lyseas 20.03.2012, 11:01
119.

Zitat von mwinter
Das ist ja alles gut und schön, aber man würde sich wünschen, dass genauso viel Arbeit und Eifer in Experimente fließen würde, wie wir in ZUKUNFT leben werden, wie wir unsere Zivilisation weiterentwickeln und voranbringen können, statt immer nur den Blick zurück in die "gute alte Zeit" zu richten. Diese allgegenwärtige rückwärtsgewandte Mentalität ist der eigentliche Grund, warum die westliche Zivilisation vor die Hunde geht. Zum Glück war das nicht zu jeder Zeit so, sonst würden wir heute noch in Höhlen leben!
1. Archäologie, ich bin selbst Archäologe, ist eine absolut notwendige Hilfswissenschaft der Historiographie

2. "Wenn diejenigen, welche vor uns die Begebenheiten aufschrieben, das Lob der Geschichte selbst versäumt hätten, so wäre es vielleicht nötig, jedermann zur Erwerbung und eifrigen Lesung von solchen Geschichtsbüchern zu ermahnen, da es kein geeigneteres Mittel der Belehrung für die Menschen gibt als das Wissen von den Taten der Vorzeit. Da aber nicht einige und nicht nebenbei, sondern alle sozusagen damit anfingen und damit schlossen, dass sie sagten, der Unterricht aus der Geschichte sei die echteste Bildungs- und Übungsschule für die Staatsgeschäfte, und die Erinnerung an fremde Schicksale sei die wirksamste und einzige Lehrmeisterin, die Wechsel des Glücks würdevoll zu tragen, ... Denn wo gibt es einen so stumpfsinnigen und gleichgültigen Menschen, der nicht zu wissen wünschte, wie und durch welche Staatsform beinahe die ganze bewohnte Welt in nicht ganz 53 Jahren überwältigt und unter die alleinige Herrschaft der römer gebracht worden ist?" Polybios 1, 1, 1-5

Bezieht sich zwar auf Rom, hat aber Gültigkeit in und für jede(r) Zeit.

3. Gott sei Dank gibt es nicht nur solche kleingeistigen Banausen, die keinerlei Interesse an den Errungenschaften der Vergangenheit haben, sondern auch eine große Masse an Interessierten. Nach eigener Erfahrung aus Notgrabungen sind diese Interessierten häufig die Leute, von denen man es weniger erwartet, z. B. der Bauarbeiter, der sich weigert, ein Gräberfeld zu planieren nur weil dort ein neuer Netto-Markt für schnell steigende Profite sorgen soll.

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