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Behandlung von Krampfadern: Therapie-Oldie schlägt Lasertechnik

Jeder zweite Erwachsene leidet an Venenschwäche. Wie lassen sich Krampfadern am besten beseitigen -*mit einer Operation oder per Laser?*Deutsche Ärzte haben*zwei Verfahren verglichen und stellen fest: Beide helfen. Doch die moderne Methode birgt deutliche Nachteile.

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Leo60 21.09.2011, 17:37
1. Krampfadern

Zitat von sysop
Jeder zweite Erwachsene leidet an Venenschwäche. Wie lassen sich Krampfadern am besten beseitigen -*mit einer Operation oder per Laser?*Deutsche Ärzte haben*zwei Verfahren verglichen und stellen fest: Beide helfen. Doch die moderne Methode birgt deutliche Nachteile.
Es waere interessant zu wissen, ob bei beiden Methoden ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist und wenn ja wie lange. Könnte unter Umständen das Syndrom "restless legs" mit der Entfernung von Krampfadern beseitigt werden?

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neoy 21.09.2011, 18:05
2. Vorsicht: Fehlinformation!

Zitat von Leo60
Könnte unter Umständen das Syndrom "restless legs" mit der Entfernung von Krampfadern beseitigt werden?
Mitnichten. Das Restless-legs-Syndrom (RLS) hat absolut nichts mit Krampfadern/Varizen zu tun! Es handelt sich nach gängiger Lehrmeinung bei RLS um eine Art "Stoffwechselstörung" des Dopamin-Systems im Zentralen Nervensystem, das typische klinische Bild besteht aus Missempfindungen im Bereich der Beine (meistens), einhergehend mit Bewegungsdrang sowie einer tageszeitlichen Rhythmik mit Betonung der Abend- und Nachtstunden, daraus resultieren häufig Schlafstörungen. Zur Einordnung eines RLS und Differenzierung von anderen Krankheitbildern ist eine Vorstellung beim Neurologen sinnvoll, hier kann auch eine medikamentöse Therapie erfolgen. Operativ ist dem RLS nicht entgegen zu treten, auch wenn gelegentlich Gegenteiliges behauptet wird.

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Martinl 21.09.2011, 19:03
3. Falsche Information durch Spiegel-Autor!

Der Autor sollte schon korrekt zitieren. Die Rückfall-/Rezidivgefahr ist nicht bei der Lasertherapie, sondern beim Stripping höher! Nur der sonographisch messbare Rückfluss (Reflux) ist bei der Lastertherapie erhöht, das ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Wiederauftreten von neuen Krampfadern! Insofern stimmt die Aussage nicht.

Im Newsletter des Ärzteblattes steht:

"Primärer Endpunkt der Studie war das erneute Auftreten von Varizen nach den REVAS-Kriterien (Recurrent Varices After Surgery). Sie waren zwei Jahre nach der Behandlung im Lasertherapie-Arm von 16,2 Prozent der Patienten erfüllt gegenüber 23,1 Prozent nach der Stripping-Operation, ein tendenzieller Vorteil für die Lasertherapie also, der aber das Signifikanzniveau verfehlte.

In einem anderen Punkt war die Lasertherapie jedoch deutlich unterlegen. Die Duplex-Sonografie zeigte bei 17,8 Prozent einen saphenofemoralen Reflux an, während dies bei der Operation nur bei 1,3 Prozent der Patienten der Fall war. Dies ist nach Ansicht der Autoren ein Befund, der weitere Nachbeobachtungen der Patienten erfordert."

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fuzzi-vom-dienst 21.09.2011, 19:34
4. sehr schlampig recherchiert!

Meine Frau hatte vor über vier Jahren kräftige Krampfader-Probleme. Zur Debatte standen die beiden geschilderten Verfahren. Da meine Frau SEHR große Narkose-Probleme hinter sich hatte, entschieden wir uns für die Lasertherapie, ein seit etwa 15 Jahren (!) bewährtes Verfahren mit einer Rezidiv-Quote von etwa 5 bis 10 % gegenüber Standardmethode mit 25 %; wir haben uns da sehr genau informiert.

Während viel AOKs z.T. fast kostendechende Zuschüsse geben, auch die DA ähnlich handelt, leistet sich die Techniker-Krankenkasse den Spleen, die Methode als "neues, nicht erprobtes Verfahren" zu deklarieren - und weigert sich zu zahlen! Es sei denn, man lässt die OP in einem von zwei von der TK herausgepickten Zentren machen - dann wird die OP bezahlt, aber die peripheren Kosten bleiben am Patienten hängen (Fahrtkosten, notwendiger Hotelaufenthalt - auch für den Faher usw.). Bei meiner Frau wurden gleichzeitig beide Beine gemacht, das kostete etwa 1.600 EUR. Die Standard-OP hätte etwa 4.200,- gekostet, aber das hätte die TK bezahlt!
Die Sache ist seit Jahren gerichtsanhängig. Deswegen werde ich dazu nichts weiteres schreiben, wofür ich um Verständnis bitte.

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fuzzi-vom-dienst 21.09.2011, 19:45
5. KH-Aufenthalt

Zitat von Leo60
Es waere interessant zu wissen, ob bei beiden Methoden ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist und wenn ja wie lange. Könnte unter Umständen das Syndrom "restless legs" mit der Entfernung von Krampfadern beseitigt werden?

Die Standard-Methode erfordert 2 bis 5 Tage KH, mehrere Wochen Krankschreiben usw.

Die Lasermethode wird im Regelfall ambulant gemacht, die Patienten gelten im Schnitt nach etwa zwei Wochen wieder als arbeitsfähig. Weshalb SEHR viele Betriebskrankenkassen diese Methode bevorzugen mund bezuschussen. Und wenn jetzt das Ärzteblatt mit so einem Stuss kommt, ist das natürlich Wasser auf die Mühlen der GKVs, die schon jetzt mauern!
Es würde mich mal interssieren, wo diese irren Werte zusammenfantasiert wurden.
Wir haben uns vor der OP meiner Frau SEHR gründlich informiert und solche Werte fanden wir nirgends!

Tipp (haben wir leider auch erst hinterher erfahren): Der Arzt soll den Patienten als "Risikopatienten" klassifizieren und unbedingt eine Nacht im KH behalten; dann wird seltsamerweise auch die Lasertherapie bezahlt (so wurde das jedenfalls von unserer GKV telefonisch bestätigt, als wir NACH der OP begannen, uns mit dieser krümelsucnenden GKV auseinanderzusetzen).

Und nochmal: Die Lasertherapie ist erheblich billiger,
hat kein Narkoserisiko,
hat eine nachweislich geringere Rezidiv-Quote,
lässt den Patienten schneller wieder auf die Beine kommen!

Warum werden eigentlich solche Methoden schlechtgeredet?!

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petitaki 21.09.2011, 20:56
6. Spatula-Haken-Methode

Weder Laser noch Stripping: einfacher schneller und billger als mit der Spatula-Haken-Methode bzw. Varady-Methode geht es nicht...ohne KH-Aufenthalt, ohne Narkose, ohne riesen Schnitte, ohne Narbe, ohne Verbrennung...

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Aspirin 21.09.2011, 22:15
7. interessant...

Zitat von fuzzi-vom-dienst
Da meine Frau SEHR große Narkose-Probleme hinter sich hatte, entschieden wir uns für die Lasertherapie, ein seit etwa 15 Jahren (!) bewährtes Verfahren mit einer Rezidiv-Quote von etwa 5 bis 10 % gegenüber Standardmethode mit 25 %; wir haben uns da sehr genau informiert.
Nur ineressenhalber haben sie eine Quelle für die Prozentangaben? (Danke im Voraus)

Habe selbst in der Phlebologie gearbeitet und kann (natürlich nur subjektiv) berichten, dass die Patienten nach der Laserung schneller wieder arbeitsfähig waren.

Mich wundert auch die Angabe des Artikels
Zitat von
Allerdings war die Lebensqualität der Stripping-Gruppe mitunter besser als die der Laser-Gruppe, denn ihre Wunden entzündeten sich seltener, und die Patienten hatten kaum Schmerzen.
Denn die gestrippten Patienten hatten (auch hier rein subjektiv) häufig Serome, Nahtinsuffizienzen und Infekte.

In derPhlebologie steckt noch viel Forschungspotential und Bedarf

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fuzzi-vom-dienst 22.09.2011, 05:57
8. sorry!

Zitat von Aspirin
Nur ineressenhalber haben sie eine Quelle für die Prozentangaben? (Danke im Voraus) Habe selbst in der Phlebologie gearbeitet und kann (natürlich nur subjektiv) berichten, dass die Patienten nach der Laserung schneller wieder ....
Sorry, da muss ich kapitulieren. Die OP liegt vier Jahre zurück, verlief optimal. Ich habe nichts mehr gespeichert. Auf die Schnelle habe ich nur noch folgende Links gefunden, die Ihrer Bitte sicherlich nicht so ganz entsprechen, aber vielleicht besser als nichts sind:

http://www.angiologie-bs.de/aabasis3.html

http://www.praxisportal.de/newsletter/Newsletter_09.pdf

Es gibt im Internet jede Menge Veröffentlichungen mit Zahlenwerten, wahrscheinlich inzwischen auch neuere Berichte und Langzeit. Einfach mal ein bisserl googlen.

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Gunhild Simon 22.09.2011, 09:32
9. Op

Zitat von Leo60
Es waere interessant zu wissen, ob bei beiden Methoden ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist und wenn ja wie lange. ...?
Ich habe mir im UKE eine Krampfader an der Innenseite der Wade entfernen lassen. Das war ein sehr professionelles Vorgehen.

Der Eingriff wurde ambulant vorgenommen. Er dauerte 20 Minuten mit einer Art örtlichen Betäubung. Nach einer zweistündigen Ruhepause konnte ich - etwas beinbandagiert - in Begleitung die Klinik verlassen.

Es waren zwei kleine Schnitte gemacht worden, die jetzt, nach sechs Monaten, als Narben kaum noch sichtbar sind.
Nach der OP mußte ich eine Weile einen schwer anzuziehenden Kompressionsstrumpf (nach Vermessung des Beins aus dem Sanitätsgeschäft erworben) tragen.

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