Forum: Wissenschaft
Bestsellerautor über Einsamkeit: Die Methode Spitzer
DPA

Manfred Spitzer, der mit der "Digitalen Demenz", hat ein neues Buch geschrieben. Diesmal geht es um Einsamkeit, aber auch an der ist wieder irgendwie das Internet schuld. Warum kaufen die Leute sowas eigentlich?

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geranie.rose 11.03.2018, 15:39
40. zu adal

Sie haben im Prinzip Recht: Peter würde auch dann dick werden, wenn er den ganzen Tag vor einem Buch säße. Damit wird aber das Problem der Sucht verharmlost. Zwar können auch Bücher süchtig machen, in der Regel ist aber ihr Suchtfaktor viel kleiner als der von Computerspielen. Kurzum: Hätte Peter Bücher und keinen Computer, der ihn süchtig macht, würde er sich mehr an der frischen Luft bewegen, und dann wäre er auch nicht so dick. Nachweisen läßt sich das nicht, klar, aber es klingt in unseren Ohren durchaus plausibel. Auch Ockham würde das für eine gute Theorie halten.

Ob die einfachste Erklärung immer und in allen Fällen die beste ist, da habe ich allerdings Zweifel. Wir haben es oft mit Wechselwirkungen zu tun, die ich mit Erklärungen nach der Rasiermesser-Devise nicht gut in den Griff kriege. Bleiben wir noch einmal bei Peter: Je mehr Zeit der Junge vor dem PC verbrachte, desto weniger bewegte er sich, desto dicker wurde er, desto mehr wurde er von den anderen Kindern gehänselt, desto mehr flüchtete er sich in seine Cyberwelt, und nun begann ein Kreislauf, in dem Wirkungen zu Ursachen wurden. Wir haben es also mit einer komplexen Erklärung zu tun, nicht mit einer möglichst einfachen a la Ockham.

Komplexe Theorien haben überdies den Vorteil, daß man mit ihnen Abweichungen besser erklären kann. Also das Beispiel: Harry sitzt genauso viel vor dem Computer wie Peter, aber er ist nicht so dick wie Peter. Hier muß man eine Variable einschalten. Etwa: Harry hat eine andere genetische Disposition als Peter, daher wird er nicht dick, obwohl auch er sich kaum bewegt. Letztlich aber, und das ist mein Argument, können wir nichts beweisen, wir können nur - wie Spitzer - mehr oder weniger plausible Vermutungen anstellen.

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ManeGarrincha 11.03.2018, 15:49
41. Einsam

Herr Spitzer mag einsam sein, aber mit der Art von Autorenschaft, die angeblich wissenschaftlich ist, sich auf Studien stützt und alles weiß, ist er nicht alleine, zu nennen wären da etwa sein katholischer Kollege und Flachdenker Manfred Lütz und auch Herr Sarrazin. Traurige Gestalten.

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DieHappy 11.03.2018, 16:01
42.

Sehr geehrter Autor Herr Stöcker,

sie werfen Herrn Spitzer, unterfüttert mit 3 Beispielen, das Arbeiten mit falschen Fakten vor, sprich es wäre mindestens tendenziös / selektiv wenn nicht gar gelogen bzw. erfunden.
Dann schau ich mir doch mal ihre Argumente an.

Sie sagen, dass die 6,2% für die NPD (7,7% bei Männern) keine Steigerung belegen würden, da gab es doch mal sogar 14% Werte.
In der Studie selber, werden aber diese alten Ergebnisse 0-14% kritisiert, weil diese Studien nicht wirklich aussagekräftig seien.
Zudem verwendet Spitzer als Beleg für diese Steigerung eben nicht nur diese eine von ihnen rausgesuchte, sondern mehrere, die diesen Umstand nahelegen.
Wenn sie sich die Zahlen eben dieser anderen Untersuchungen ansehen, werden sie feststellen, dass Spitzer mit seiner Steigerungs These wohl recht hat.

0,5-2,5%
http://flexikon.doccheck.com/de/Narz...r /> 0,0-0,4%
http://psychiatriegespraech.de/psych...r /> unter 1%
https://www.gesundheit.de/krankheite...cht/narzissmus

Dann ihr 2. Argument, die Kritik vom eigentlich von mir geschätzten Werner Bartens samt Link zu einem Artikel. Dort behauptet er mal eben in einem Satz, dass die Aussage, dass Kalorien Verzicht das Leben verlängert, völliger Unsinn ist.
Da ist die Studienlage aber ziemlich eindeutig, dass es es eben doch so ist, dass Kalorien Reduktion das Leben verlängert.
Was darf ich also von dieser Kritik halten?

Und die Gegenrede von Appel / Steiner sehe ich nicht als Diskreditierung Spitzers. Wenn ich mir nämlich seine Gegenrede gegen Appel / Steiers Argumente ansehe, überzeugen diese mich mind. genauso. Da sehe ich also keinen Beleg.

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dernameistprogramm 11.03.2018, 16:30
43. Leider können auch Sie nicht in die Zukunft schauen

Zitat von ds_ge
Als Lehrer an einer weiteführenden Schule habe ich täglich mir der "Jugend" (13 -18) zu tun. Meine Beobachtungen (vor der Stunde wird gechattet und gespielt was der Akku hergibt, nach der Stunde, noch im Klassenraum, ist das Handy schneller entsperrt, als die Sachen eingepackt (so sie denn mitgebracht wurden... das Handy vergessen sie nie!) und, wenn es nicht hart kontrolliert und sanktioniert wird, wird auch während der Stunde nichts unversucht gelassen, um mal schnell Whatsapp und Snapchat zu checken) stimmen mich doch bedenklich: Wollen wir, als Gesellschaft, nur noch Menschen, die mit ihrer Aufmerksamkeit in einer virtuellen Welt unterwegs sind? Sind per Internet versandte Nachrichten und Bilder wichtiger als das direkte und persönliche Gespräch? Ist die psychische Gewalt, die im Internet ausgeübt und erfahren wird besser als die Rangelei auf dem Schulhof? Wird die Gewalt, wenn es denn zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, nicht durch die Handybilder und die Verbreitung derselben im Internet nicht gefördert und das Gefühl dafür, wann man aufhört (früher: wenn einer auf dem Boden liegt, heute, wenn das Blut wegen der Tritte gegen den Kopf aus den Ohren läuft) zerstört? Wenn ich als junger Mensch immer und überall Zugang zu Gewalt (und Pornografie) über mein Smartphone habe, wenn ich mich am Nachmittag nicht mehr mit Freunden verabreden muss, sondern von meinem Zimmer aus mit ihnen chatten oder sogar virtuellen Sex mit ihnen haben kann (und die Bilder danach auf den Handys von Freunden und im Netz landen), wenn ich meine, nichts mehr lernen zu müssen, denn ich kann es ja "googeln", dann frage ich mich schon, wie unsere Gesellschaft in 25 Jahren aussehen wird: Vielleicht ein wenig so, wie im Pixar Film Wall-e Ich glaube, vor diesem Szenario möchte Herr Spitzer warnen: Vielleicht manchmal etwas zu plakativ und reisserisch, aber vielleicht ist dies auch nötig, damit er gehört wird.
... dazu haben Sie als Lehrkraft einfach die falsche Ausbildung (und ich gehe mal davon aus, dass auch Sie wenig Zusatzausbildungen o. Ä. durchlaufen). Ebenfalls sind Sie nicht dazu ausgebildet worden, die Folgen der Nutzung von social media im Detaill abzuschätzen (die paar Seminare im Studium bringen es dann auch nicht, zumal ja auch viele Prof'Innen gerade im Lehramtsstudium nicht einschlägig in diesem Bereich ausgewiesen sind). BtW und mit Bezug auf Ihre letzten Zeilen: warum sollte Herr Spitzer gehört werden? Und was rechtfertigt dann die Wahl seier "Mittel"? MfG

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DieHappy 11.03.2018, 16:30
44.

Hier die funktionierenden Links:
NPD 0,0 - 0,4%
http://psychiatriegespraech.de/psych...epidemiologie/

unter 1%
https://www.gesundheit.de/krankheite...cht/narzissmus

0,5 - 2,5%
http://flexikon.doccheck.com/de/Narz...chkeitsstörung

Da sehen die 6,2% in der großen Studie doch direkt anders aus.

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Zoroaster1981 11.03.2018, 17:05
45.

Fragt sich, ob die digitalen Medien die Ursache sind für den "grassierenden Narzissmus" oder nur ein Mittel, diesen auszuleben. Ich glaube nämlich nicht, dass durch Smartphones & Co "Normalos" zu Narzissten geworden sind.
Auch früher machte man Photos. Wenn ich mir so manche Portraits aus dem 19. Jahrhundert ansehe, dann habe ich eher den Eindruck, damals ging es wesentlich mehr um Äußerlichkeiten als heutzutage.

Wieso ist es eigentlich so erstrebenswert, ein Buch von vorne bis hinten lesen zu können? Lesen von Romanen bildet kaum, zumindest kenne ich viele dumme oder ungebildete Menschen, die Romane lesen. Menschen, die eher "vergeistigte" Literatur lesen, fehlt es häufig an der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Sie warten ab, wägen ab und erklären immer nur, wieso dieses oder jenes so nicht geklappt habe oder klappen wird. Liegt sicher nicht an den Büchern, die sie lesen, sprich, da ist der Kausalzusammenhang eher anders rum.

Ansonsten: Rumhocken tut man auch beim Bücherlesen. Für die Augen ist dies ebenso nicht gesund.
Und ob man dadurch kritischer wird, wenn man von vorne bis hinten ein Buch liest, in dem der Autor seine Meinung mehr oder weniger stark miteinbezieht, zweifle ich ebenso an.

Übrigens: glauben Sie, früher waren die Menschen wirklich kritischer als heute? Früher gab es weniger Wechselwähler. Der Arbeiter wählte die SPD, egal, wie wenig er dadurch vertreten worden ist, der Konservative oder Katholik/Protestant CDU/CSU.

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benz driver 11.03.2018, 17:09
46.

Angst sells! Zu deutsch: Angst verkauft! Was auch immer den Autor dieser Bücher antreibt, ist kurz um Angst, die er noch dazu geschickt unter die Leute bringt. "Schöne heile Welt" ist eben nicht so interessant. Der Herr Spitzer scheint die "richtigen" Themen für eine Menge Leute zu liefern.

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DianaSimon 11.03.2018, 17:59
47. Spitzer bringt mehr als Stöcker

Wer Kinder und Jugendliche in der Familie hat, macht sich Gedanken über deren so andere Lebensumwelt. Die Bücher von Spitzer erklären gut und verständlich, wie das Hirn funktioniert und wie es sich entwickelt. Dieses Wissen braucht man, um in der Familie nicht einfach kritiklos dem Zeitgeist und der Werbung zu folgen, sondern Regeln zu entwickeln, wie der Medienkonsum in der Familie aussehen soll. Deshalb lassen Sie sich von Miesepetern wie Stöcker nicht verunsichern und hören Sie sich Spitzer mal auf youtube an. Dann können Sie leichter entscheiden, wessen Sichtweise Ihnen mehr bringen wird.

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potenz 11.03.2018, 18:13
48. Danke dafür!

Endlich sagt's mal jemand hier, wo's vielleicht auch wahrgenommen wird! Ein von mir hoch geschätzter Kollege an der Uni Heidelberg hat's schon vor Jahren gesagt - bloß lesen dort halt nur wenige mit:
http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2012/09/06/meinungsmache-statt-wissenschaft/

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Andreas999 11.03.2018, 18:28
49. Miteinander reden, statt übereinander schreiben

Ich finde es schade, dass nur über Herrn Spitzer geschrieben wird und nicht die direkte Auseinandersetzung mit ihm in Form eines Interviews gesucht wird. Denn häufig werden in Sendungen mit ihm Studien zitiert, die vermeintlich seine Aussagen widerlegen, jedoch einer genaueren Überprüfung nicht standhalten. Wenn es tatsächlich um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht, sollte man ihm mit Achtung begegnen. Sonst droht die Gefahr, ihn zum Märtyrer zu machen. Ja, sein neues Buch könnte sich gut verkaufen. Jedoch sollten wir uns vor Augen führen, dass die Computer- und Medienindustrie auch nicht unentgeltlich arbeitet.

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