Forum: Wissenschaft
Der Fluch der 32: Schiefe Zähne, kluger Kopf!
Corbis

Als unsere Vorfahren zu klugen Werkzeugmachern wurden, konnten sie auch ohne kräftiges Gebiss überleben. Also schrumpfte der Kiefer. So entstand eine Platznot, unter der wir noch heute leiden.

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gpavlov08 16.04.2014, 13:46
1. homo sapiens

übersetzt = weiser mann/mensch

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dubdidu 16.04.2014, 14:05
2.

Die Idee, dass es irgendwas mit Evolution oder Genen zu hat, dass unsere Jugend heute mit Zahnspange rumlaufen muss, ist nicht korrekt.

Der Zahnarzt und Forscher Weston Price hat, um 1930 herum, bei jahrelangen Studien isolierter Menschengruppen mit traditioneller Ernährung wahrlich erstaunliches entdeckt:
Bei traditioneller Ernährung spielt Karies keine Rolle und auch die Kiefer der Menschen sind voll ausgebildet. Die Zähne sind schön gerade. Sobald diese Menschen ihre Ernährung umstellen auf den westlichen Lebenstil, werden die Zähne schlecht und die Kiefer der Kinder sind unvollständig ausgebildet. Weston Price zeigt, dass dieser Effekt auch innerhalb der Familie passiert: Erstes Kind traditionell ernährt, Kiefer schön. Dann stellen die Eltern um auf Weissbrot, Zucker und Dosenfutter. Zweites Kind hat dann einen zu engen Kiefer. Mit genetische Anpassung hat das logischerweise nichts zu tun.

Wer sich mal ganz alte Fotos von hierzulande ansieht, wird bemerken, dass zur Zeit unserer Urgroßeltern die Kinder dieses typische "Pausbackengesicht" hatten. Heute sieht man fast nur noch diese schmalen Gesichter.

Ich hab auch mal ein Werbeschild aus dem Jahr 1930 gesehen, in dem Lebertran angeprisen wurde damit Kinder ein normal entwickeltes Gesicht bekommen.

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ilek 16.04.2014, 14:21
3.

Zitat von sysop
Als unsere Vorfahren zu klugen Werkzeugmachern wurden, konnten sie auch ohne kräftiges Gebiss überleben. Also schrumpfte der Kiefer. So entstand eine Platznot, unter der wir noch heute leiden.
Die Kernfrage ist aber auch dieser Artikel schuldig geblieben: Wir haben zu wenig Platz im Mund, weil unsere Schnauze zurückgebildet ist. Aber warum hat sich unsere Schnauze zurückgebildet? Was hat das Gehirnwachstum damit zu tun?

Ich bin da kein Fachmann, aber das kann ich so nicht nachvollziehen. Welchen biologischen Vorteil hat es, wenn man eine kürzere Schnauze hat und gleichzeitig ein großes Gehirn?

Im übrigen gibt es auch Schmalnasenaffen, die ein viel kleineres Gebiss (mit 32 Zähnen) haben als wir und trotzdem weniger Platzprobleme, weil der Mundraum groß genug geblieben ist.

Es gibt ja noch die Theorie der "aquatichen Phase", zu der auch ein eher vertikal als horizontal angeordneter Kopf gehört - aber die hat wiederum andere Schwächen...

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nsa 16.04.2014, 14:27
4.

Zitat von sysop
Andere Säuger dagegen, wie etwa unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, haben stets gut lachen. Deren Zähne stehen nämlich beneidenswert schön in Reih und Glied ... Ob also etwa harte Schalen sich nicht viel besser mit Ästen oder Steinen öffnen ließen als mit den Backenzähnen.
Darauf sind Schimpansen aber auch gekommen, das beantwortet die also nicht die Frage warum Schimpansen keine Probleme mit 32 Zähnen haben.

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glamax 16.04.2014, 14:56
5.

[QUOTE=ilek;15441365]...Welchen biologischen Vorteil hat es, wenn man eine kürzere Schnauze hat und gleichzeitig ein großes Gehirn?/QUOTE]

Wahrscheinlich ganz einfach Ressourceneinsparung. Größeres Gehirn war hilfreich und den Ressourceneinsatz wert, der große Kiefer war nicht mehr nötig und wurde wegrationalisiert. So eine Kieferverkleinerung ist als stetiger Prozess evolutorisch wohl recht gut machbar. Eine Verringerung der Zähneanzahl hingegen benötigt dann doch eine plötzlichere und deutlichere Umkonstruktion.

Irgendwo habe ich einmal die Hypothese gelesen, dass der Mensch den Neandertaler verdrängt hat, weil sein Kalorienbedarf geringer war.

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taglöhner 16.04.2014, 14:58
6.

Die meisten Foristen haben erkannt, dass hier einem Wissenschaftsredakteur ein pseudoevolutionsbiologischer Bockmist aus der Feder geflossen ist. Woher er diesen wohl hat? Aus dem verlinkten Paper jedenfalls nicht.

Ob ihn vielleicht ein Kumpel, der Wohlstandsbürger einträglich mit selstdefiniert "notwendiger" Kieferorthopädie und prophylaktischen M3-Ektomien versorgt, dazu inspiriert hat?

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joachim_m. 16.04.2014, 15:29
7. optional

Da haben wohl einige die Evolutionslehre nicht verstanden. Es gibt kein Naturgesetz, dass wenn sich die Kiefergröße, egal aus welchem Grunde verändert, die Zähne gleich groß bleiben oder vielleicht sogar noch größer werden, der evolutionäre Druck arbeitet dann dahin, dass auch die Zähne kleiner werden, weil zu große Zähne in einem dafür zu kleinen Kiefer ein evolutionärer Nachteil sind; dass sie in jungen Jahren schief stehen, ist dabei noch das geringste Problem, denn dadurch gibt es es Folgeproblem, dass es früher und häufiger in jüngeren Jahren zu Folgeproblemen, schlechte Zähne bis hin zum Verlust eines erheblichen Teil des Gebisses kommt, was bei Tieren immer letztlich zum Tode des Individuums führt.

Bei den Menschen muss also dieser evolutionäre Druck entfallen sein - und er ist es auch. Auch schon zu Zeiten ohne zahnärztliche Kunst konnten Menschen sogar ganz ohne Zähne überleben, denn wir können auch außerhalb des Körpers die Funktion von Zähnen zwar nicht optimal aber ausreichend ersetzen. Dann gibt es eben Kartoffelbrei oder völlig verkochtes Fleisch statt Pommes und Steak, um es bildhaft auszudrücken, und damit ist zumindest viel aus dem evolutionären Druck herausgenommen. Und wer länger lebt, weil er sich auch mit schlechten oder gar ganz ohne Zähne ernähren kann, kann auch mehr Nachkommen zeugen und somit die Erbanlagen für ein weniger gutes Gebiss weitergeben. Damit fehlt von dem evolutionäre Druck, die Zahngröße an einen im Laufe der Generation kleiner gewordenen Kiefer anzupassen, des weiteren der Druck, dass bestimmte genetisch bedingte Zahnfehlstellungen, die letztlich zu einem früheren Verlust von Zähnen führen, aus dem Genpool so gut wie verschwinden.

Schuld ist zwar insoweit letztlich unser Großhirn, dass die Erfindung - um im Bild zu bleiben - von Kartoffelbrei und verkochten kleinen Fleischstückchen zu ermöglichen, und damit den evolutionären Druck, brauchbare Zähne zu haben, erheblich milderten, aber der Artikel greift zu kurz, wenn er diesen wichtigen Aspekt ausklammert, denn es gibt einen Ursachen-Wirkungszusammenhang, der über verschiedene Stationen läuft und erklärt nichts, wenn er letztlich einfach behauptet, dass die Verkleinerung der Kauleiste bei Beibehaltung der Zahnmenge zu Problemen führt. Das ist zwar nicht falsch, aber die entscheidende Frage ist doch wohl die, wieso sich insoweit nichts geändert hat: Und da ist in dem Artikel schlicht das große Schweigen angesagt.

Es gibt, wenn der Kiefer kleiner wird, zwei möglich Lösungsansätze: Der erste ist, dass es weniger Zähne gibt oder dass diese schmaler werden; dann ist wieder genug Platz für alle Zähne da. Wieso das nicht passiert ist, ist doch die entscheidende Frage. Aber dazu sagt der Artikel nicht wirklich etwas aus. Jedenfalls gibt es kein Naturgesetz, dass die durch ein größeres Gehirn ermöglichten Erfindungen dafür sorgen, dass zwar der Kiefer kleiner, die Zähne und ihre Anzahl aber gleich bleiben; das muss einen Grund haben, und der fehlt in dem Artikel komplett!

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mhwse 16.04.2014, 15:30
8. Sapientia:

Zitat von gpavlov08
übersetzt = weiser mann/mensch
Klugheit, Weisheit, Vernunft
Vernünftigkeit, Besonnenheit

Steht da .. könnte man aber in den meisten Fällen bezweifeln ..

rührt wohl daher .. dass die weiter zum Hirnstamm hin organisierten Teile des Gehirns - jederzeit - die Kontrolle übernehmen können und so die weiter aussen ansässige Geschwulst der Weisheit - die auch den Kiefer überlappt auch als solche abkanzeln können ..

Stanislaw Lem hat das ja ein paar Mal weit akribischer dargestellt ..

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ichbinich1 16.04.2014, 15:31
9. wohl dem...

...der sich nur mit 30 Zähnen rumschlagen muss, ohne dass irgendetwas gezogen wurde. Dann ist nämlich sogar noch Platz für eine Lücke zwischen den einzigen beiden oberen Schneidezähnen...

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