Forum: Wissenschaft
Der Fluch der 32: Schiefe Zähne, kluger Kopf!
Corbis

Als unsere Vorfahren zu klugen Werkzeugmachern wurden, konnten sie auch ohne kräftiges Gebiss überleben. Also schrumpfte der Kiefer. So entstand eine Platznot, unter der wir noch heute leiden.

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ilek 16.04.2014, 16:37
10.

[QUOTE=glamax;15441702] Zitat von ilek
...Welchen biologischen Vorteil hat es, wenn man eine kürzere Schnauze hat und gleichzeitig ein großes Gehirn?/QUOTE] Wahrscheinlich ganz einfach Ressourceneinsparung. Größeres Gehirn war hilfreich und den Ressourceneinsatz wert, der große Kiefer war nicht mehr nötig und wurde wegrationalisiert. So eine Kieferverkleinerung ist als stetiger Prozess evolutorisch wohl recht gut machbar. Eine Verringerung der Zähneanzahl hingegen benötigt dann doch eine plötzlichere und deutlichere Umkonstruktion. Irgendwo habe ich einmal die Hypothese gelesen, dass der Mensch den Neandertaler verdrängt hat, weil sein Kalorienbedarf geringer war.
Das ist unbefriedigend, weil dieses Argument (Ressourceneinsparung) ja auch für kleinere Zähne zutreffen würde. Das würde zu einem insgesamt kleineren (sozusagen skalierten) Kauapperat führen.
Laut dem Artikel ist er aber bei home sapiens eben nicht gleichmäßig kleiner geworden. Außerdem hat er sich in der Form geändert, so dass der Kauapperat kaum noch hervortritt. Stirn, Nase und Mund sind annähernd übereinander angeordnet.

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Konrad_L 16.04.2014, 16:41
11. Oh, das ist peinlich.

Danke an Taglöhner für den Hinweis. Ich habe den verlinkten Artikel gerade mal überflogen. Das ist zwar kein Gebiet, auf dem ich mich sonderlich auskenne, aber immerhin habe ich die Zahnbildung gestern in der Vorlesung behandelt, und mache die Knochenbildung nächste Woche. Ganz ahnungslos bin ich also auch nicht.
Und taglöhner hat recht: Der Artikel sagt nichts, überhaupt gar nichts, zur Frage, wieviele Zähne in einem Kiefer Platz haben. Es geht um das unterschiedliche Timing, mit der die verschiedenen Schädelknochen bei Säugetieren entstehen, und darum, dass das Schädelstück über dem Gehirn bei Arten mit großem Gehirn besonders spät fertig wird. Zu den Kieferknochen: Kein Wort.
Schade. Gestern fragte mich ein Student nach den Weisheitszähnen. Ich hätte ihm gerne nächste Woche die Antwort gesagt.

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Rebecca 16.04.2014, 20:07
12. Ich habe die Zahnlücke von meiner Großmutter geerbt...

...und so war die Spangenbehandlung nicht so effizient wie sich es sich vorgestellt haben. Pausbacken habe ich! Und die OP eines Weisheitszahn ist das Schlimmste was ich je erlebt habe. Ich dachte ich sterbe bei der OP. Hinterher sah ich aus wie Frankensteins Monster. Das ganze Gesicht blau. Wer es nicht braucht der hat Glück.

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fuerbrie 16.04.2014, 20:16
13.

Zitat von joachim_m.
Auch schon zu Zeiten ohne zahnärztliche Kunst konnten Menschen sogar ganz ohne Zähne überleben, denn wir können auch außerhalb des Körpers die Funktion von Zähnen zwar nicht optimal aber ausreichend ersetzen. Dann gibt es eben Kartoffelbrei oder völlig verkochtes Fleisch statt Pommes und Steak, um es bildhaft auszudrücken, und damit ist zumindest viel aus dem evolutionären Druck herausgenommen.
Dies scheint in der Tat der wahrscheinlichste Grund für die Häufigkeit schiefer Zähne zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Größe des Gehirns viel damit zu tun hat. Wichtiger ist, dass perfekte Zähne einfach nicht benötigt wurden. In jedem Teil des Körpers, der nicht benötigt wird, sammeln sich im Laufe der Evolution zufällige Mutationen an, bis er nicht mehr funktional ist oder vollständig verschwindet. Also denke ich, dass ab der Erfindung der Breiherstellung unsere Zähne über die Generationen immer schiefer geworden sind. Wahrscheinlich ist der Hauptgrund, warum viele Leute immer noch natürlicherweise ganz okay aussehende Zähne besitzen, deren Beitrag zur Attraktivität.

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M123 16.04.2014, 22:52
14. nette Theorie, leider falsch

Dr. Weston Price hat ja als einer der ersten erkannt, dass die kleinen Kiefer eine Degenerationserscheinung darstellen.
Dieses Wissen gibt es seit nunmehr 100 Jahren und heutzutage sogar kostenlos. Der interessierte Leser mag hier schauen: http://journeytoforever.org/farm_library/price/pricetoc.html

Leider ist auch der heutige Wissenschaftsbetrieb nicht frei von Mythen und Irrglauben.

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hartmut_s 17.04.2014, 04:47
15. nicht neu

So hat mir das der Zahnarzt (oder Kieferorthopäde, weiß ich nicht mehr) schon vor 25 Jahren erklärt, als mir aus genau diesen Gründen 4 gesunde Zähne gezogen wurden, darauf wurde eine Zahnspange verwendet, um über 2 Jahre die Lücken zu scließen.
Durch den Platzmangel stand vorher ein Schneidezahn immer weiter nach vorne.

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taglöhner 17.04.2014, 08:39
16.

Zitat von Konrad_L
Danke an Taglöhner für den Hinweis. Ich habe den verlinkten Artikel gerade mal überflogen. Das ist zwar kein Gebiet, auf dem ich mich sonderlich auskenne, aber immerhin habe ich die Zahnbildung gestern in der Vorlesung behandelt, und mache die Knochenbildung nächste Woche. Ganz ahnungslos bin ich also auch nicht. Und taglöhner hat recht: Der Artikel sagt nichts, überhaupt gar nichts, zur Frage, wieviele Zähne in einem Kiefer Platz haben. Es geht um das unterschiedliche Timing, mit der die verschiedenen Schädelknochen bei Säugetieren entstehen, und darum, dass das Schädelstück über dem Gehirn bei Arten mit großem Gehirn besonders spät fertig wird. Zu den Kieferknochen: Kein Wort. Schade. Gestern fragte mich ein Student nach den Weisheitszähnen. Ich hätte ihm gerne nächste Woche die Antwort gesagt.
Na viel Spaß bei der Recherche! Ich schätze mal, dass wie es hier mit einem Wohlstandsphänomen zu tun haben. Früher erkannte man den Deutschen an den Badestränden der Welt an seiner Blinddarmnarbe...

Ein Rat: Begegnen Sie angeblich naturwissenschaftlichen Aussagen von Ärzten oder Anthropologen stets mit gesunder Skepsis!

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Eva K. 17.04.2014, 10:18
17. Weisheit mit Zähnen

Zitat von Axel Wagner, SPON
Und es kommt noch schlimmer: Die große Pein plötzlich durch das Zahnfleisch dringender Weisheitszähne erinnert schmerzhaft an jene Epoche tierischer Vergangenheit, als sogar noch mehr als 32 Zähne die Kiefer unserer Ahnen zierten.
Ja, Herr Wagner, da ist es bei Ihnen wohl wirklich schlimm gekommen, daß Sie auf einmal mit 36 Beißerchen gesegnet sind. Wohin bloß mit all diesen Dingern. Merke: Die Weisheitszähne gehören zur 32er-Zahnformel, es sind die achten. Zähne in jedem Quadranten. Ein neunter Zahn im Quadrant ist ein Ausnahmefall. So habe ich schöne 32 Zähne, sieben davon in jedem Quadranten, macht insgesamt 28, und vier in einer Schachtel im Schrank - als Weisheitsreserve sozusagen.

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rat_i 17.04.2014, 10:40
18.

[QUOTE=glamax;15441702] Zitat von ilek
...Welchen biologischen Vorteil hat es, wenn man eine kürzere Schnauze hat und gleichzeitig ein großes Gehirn?/QUOTE] Wahrscheinlich ganz einfach Ressourceneinsparung. Größeres Gehirn war hilfreich und den Ressourceneinsatz wert, der große Kiefer war nicht mehr nötig und wurde wegrationalisiert. So eine Kieferverkleinerung ist als stetiger Prozess evolutorisch wohl recht gut machbar. Eine Verringerung der Zähneanzahl hingegen benötigt dann doch eine plötzlichere und deutlichere Umkonstruktion. Irgendwo habe ich einmal die Hypothese gelesen, dass der Mensch den Neandertaler verdrängt hat, weil sein Kalorienbedarf geringer war.
Genau dieser Erklärungsansatz hat mich immer gestört...Warum sollte es denn sinnvoll sein, ein weniger starkes Gebiss zu haben? So groß dürfte die Ressourceneinsparung dadurch ja auch wieder nicht sein.

Eine zufriedenstellende Begründung findet man erst, wenn einem bewusst wird, wo der Kaumuskel ansetzt - nämlich an der Schädeldecke. Größere Kaumuskeln brauchen eine stabile Verankerung, daher muss die Schädelplatte bei Affen mit starkem Gebiss bereits früh verknöchern. Dadurch wird aber verhindert, dass das Gehirn weiter wachsen kann. Beim Menschen wächst dieses über die gesamte Kindheit weiter, daher darf der Schädel gar nicht so früh verknöchern - er muss ja mit dem Gehirn mitwachsen. Eine kräftige Kaumuskulatur würde auf einem nicht verknöchterten Schädel aber gar keinen Halt finden bzw. Druck auf diesen ausüben, den der Schädel dann nicht aushält.

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pharaoh80 21.04.2014, 13:09
19. Gebiss passt sich nicht an???

Eigentlich ist es sehr wohl so, dass sich unser Gebiss der Kieferverkleinerung allmählich anpasst. Nur halt recht langsam. Sieht man sich unsere oberen vier Schneidezähne einmal im Spiegel an, so wird man sehr schnell feststellen, dass die beiden mittleren (1er genannt) wesentlich größer sind, als die äußeren beiden (die 2er). Das war nicht immer so. Bei unseren frühen Vorfahren waren nämlich alle vier oberen Schneidezähne gleich groß. Und es geht noch weiter: Der obere 2er ist nämlich ein Auslaufmodell und wird in ferner Zukunft ganz aus unserem Mund verschwinden. ...was bei einigen Menschen bereits jetzt schon von Geburt an der Fall ist.
So lehrt es uns die Zahnmedizin. ;-)

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