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Energiewende: Deutschland sucht den Superspeicher

Aus Licht mach Gas, aus Luft mach Druck: Wind und Sonne*spielen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Doch was tun, wenn*bei bedecktem Himmel*Flaute herrscht? Für die Energiewende sind*vor allem*leistungsfähige Speichertechniken nötig. Aber gibt es die überhaupt?

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Michael Giertz 15.04.2011, 12:31
1. Kohle aus Luft und Wasser!

Zitat von sysop
Aus Licht mach Gas, aus Luft mach Druck: Wind und Sonne*spielen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Doch was tun, wenn*bei bedecktem Himmel*Flaute herrscht? Für die Energiewende sind*vor allem*leistungsfähige Speichertechniken nötig. Aber gibt es die überhaupt?
Wenn wir bei Speichermedien nur stumpf an Akkus denken, dann gibt es mit größter Wahrscheinlichkeit keinen Energiespeicher, der die notwendige Kapazität für den energieintensiven aber sonnen- und meist auch windarmen Winter besitzt. Die dazu notwendigen Akkus wären gewaltig in der Anzahl und würden vermutlich mehr als nur einen voll bestückten Keller Platz benötigen.

Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, dass Akkus nicht grad umweltfreundlich sind, weder in der Produktion noch am Ende ihres Lebenszyklus. Es werden hochgiftige Chemikalien und seltene Materialien eingesetzt, letztere können nur durch landschaftszerstörenden und umweltschädigenden Bergbau gewonnnen werden.

Sagen wir mal so: für umweltfreundliche Energie umweltzerstörende Akkus anzuschaffen macht keinen Sinn.

Der "Superspeicher" kann, nach aktuellem Wissensstand, eigentlich nur chemisch sein. Im Extremfall müssen wir chemische Werke aufbauen, welche aus Kohlenstoffdioxid und Wasser wieder Öl oder Kohle gewinnen kann - also die bei der Verbrennung stattfindenden Prozesse umkehren. Das ist sicher möglich, aber verbraucht sicher eine Menge Energie. Damit wäre das Ziel eindeutig: diese Prozesse müssen möglichst effizient die Energie einspeichern können, eventuell mit einem Wirkungsgrad von über 75%. Dann wäre es möglich, Solar- und Windenergie über den Sommer zu speichern und im Winter wieder freizugeben. Die zu lagernden Verbrennungsstoffe dürften weitaus weniger Platz beanspruchen als Akkus ... ob sie umweltfreundlicher sind in ihrer Herstellung, kann ich aber nicht sagen.

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doctorwho 15.04.2011, 12:33
2. .

Zitat von sysop
Aus Licht mach Gas, aus Luft mach Druck: Wind und Sonne*spielen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Doch was tun, wenn*bei bedecktem Himmel*Flaute herrscht? Für die Energiewende sind*vor allem*leistungsfähige Speichertechniken nötig. Aber gibt es die überhaupt?
hui . der spon bemerkt gerade das die gesamte stromindustrie seit anbeginn ( 150 jahre ) prägende manko .

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yggdra 15.04.2011, 12:38
3. Thema verfehlt

Ach, was ist da noch an Aufklärungsarbeit zu leisten! Endlich haben auch die vorletzten Ewiggestrigen gemerkt, dass die zukünftige Stromerzeugung dezentral ist. Nur der kurze gedankliche Schritt, dass auch die Speicherung weitgehend dezentral sein wird, der klappt noch nicht. Ob es wieder mehr als zwanzig Jahre dauern wird, bis die Erkenntnis bei den "Fachleuten" der Energiewirtschaft, Energiepolitik und Energiejournalistik ankommt? Warum wohl werden seit Jahrzehnten und in Stückzahlen von Hunderten von Millionen Bleibatterien hergestellt? Jeder Haushalt mit Keller und/oder Garage hat das Potential, einige Dutzend Kilowattstunden zu speichern. Wenn damit Geld verdient werden kann, läuft das ganz von selbst, wie bei Windenergie und Fotovoltaik. Das Problem ist wieder nur, dass nicht die Großunternehmen (einschließlich der Stadtwerke) wesentlich daran verdienen können. Deshalb muss und wird es ohne sie laufen.

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Cui Bono? 15.04.2011, 13:00
4. Die Einstellung muss ich ändern

Energie gibt es satt, und auch die Energienutzungstechniken werden immer leistungsfähiger.
Das zentrale Problem sind die Speichertechniken.
Aber das eigentliche Problem dahinter ist, dass unsere Gesellschaft viel zu verwöhnt ist/bislang war von energiedichten Stoffen wie etwa Erdöl.

Dadurch wurde (weil aus betriebswirtschaflticher Sicht weniger rentabel) leider NICHT im großen Stil in Forschung und Entwicklung investiert - und ich meine richtig (!) Geld.

Das rächt sich nun.
DEnn wir sind im Zeitverzug - fossile Energie wird stetig teurer und damit alle daran gekoppelten Produkte und Dienstleistungen, die uns umgeben.
Analogie zum Laptop: Der Engpassfaktor für Laptops ("mobile"! Arbeitsgeräte) liegt im Energiespeicher/Akku.

Statt mal vernünftige Akkus zu entwicklen und zu verbauen, wird immer nur auf immer noch mehr Leistung gesetzt.
Wie ich finde ein Rückschritt, wenn das Gerät nach 2-3 Std. platt ist (Jevons Paradoxon: Gewinne durch verbesserte Akkus wird durch Leistungsteigerung der CPUs etc wieder aufgezehrt)

Also, liebe Ingenieure, legt euch ins Zeug, es lohnt sich!

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AllesGrau 15.04.2011, 13:00
5. Dazu fällt mir ein,

dass ich schon Firmen mit zweifarbigen Steckdosen
gesehen habe, die roten Steckdosen waren an der
Notstromversorgung und die normalen nicht.
Könnte man flächendeckend einführen, an die rote
Steckdose mit 24/7 Garantie kommt halt der Kühlschrank
oder die TK-Truhe (die man in Großstädten sowieso
nicht mehr braucht und abschaffen sollte!), die
Unterhaltungselektronik kommt an die normale Steckdose.

Man kann die Notstromversorgung durchaus auf den
Endkunden abwälzen, statt über die Anbieter zu regeln!
Entweder man schafft sich eine Notstromversorgung an,
oder man lässt es bleiben. Ein gutes Notebook schafft
heute auch 6 Stunden ohne externen Strom.
LED-Notbeleuchtung über billige Akkus kann man für
2-5 Euro in jede Lampe einbauen.
Es wird auch immer wieder vergessen, dass man mit
jedem PKW zur Not Strom erzeugen kann, es hat also
sowieso jeder ein Notstromaggregat in der Garage
oder vor der Haustür stehen.

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Jenli 15.04.2011, 13:01
6. Es droht ein böses Erwachen ...

Zitat von sysop
Aus Licht mach Gas, aus Luft mach Druck: Wind und Sonne*spielen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Doch was tun, wenn*bei bedecktem Himmel*Flaute herrscht? Für die Energiewende sind*vor allem*leistungsfähige Speichertechniken nötig. Aber gibt es die überhaupt?
... vertraut man auf das "Märchen vom Wind" und die Legende von der Speicherung:

Erfahrungen aus Großbritannien:
"Average output from wind was 27.18% of metered capacity in 2009, 21.14% in 2010, and 24.08% between November 2008 and December 2010 inclusive.
There were 124 separate ....."
http://klimablog.blog.de/2011/04/14/...wind-11002798/

Eine Verwendungsmöglichkeit für den gerade nicht verwendeten Strom ist die Herstellung von Wasserstoff und dessen Speicherung. Doch wer wird in Deutschland Millionen to Wasserstoff in der Nähe haben wollen, die - im Störfall -Unmengen von Knallgas erzeugen können? Wer will Pumpspeicherwerke in der Nähe haben? Auf der Schwäbischen Alp bekämpft eine Bürgerinitiative gerade die Anlage eines neuen Pumpspeicherwerks. Jahrelange Prozesse stehen ins Haus. Die Deutschen neigen zu Romantik und Traumtänzerei in Energiefragen.

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benediktuszweifel 15.04.2011, 13:08
7. Herr, lass Hirn regnen

Es ist unfassbar: es geht doch ums Monopol, Leute! Warum glaubt Ihr, hat REW etc. immer auf große AKWs gepocht? Weil das die beste Möglichkeit war, ihr Monopol zu erhalten, zentrale statt dezentrale Stromversorgung.
Jetzt versuchen sie, zentrale satt dezentrale Stromspeicherung zu erzwingen, sichert auch das Monopol. Ungeheuer viel Strom geht aber durch den langen Transport verloren. Die Lösung wäre dezentrale Stromerzeugung und dezentrale Stromspeicherung. Letztere z.B. in den Akkus der Elektroautos, die bald überall vor allem herumstehen werden. Dänemark hat ein Modell.
Dazu käme: Gleichstromnetze in allen Häusern, private Windanlagen und Fotovoltaik. Hauptnachteil der Akkus: Gewicht, macht aber nix im Haus. Dort kann man doch 1 Tonne Akkus hinstellen statt 6 Tonnen Öltank, oder?
Also: dass man Strom nur in riesigen Wasserspeichern speichern können soll, das meint die RWE (siehe Fotostrecke Spiegel). Jetzt geht es um die politische Entschgeidung: Konkurrenz im Stromgeschäft und Dezentralisierung: ja oder nein. Aber die Lobbybegrenzung ist ja wieder mal gescheitert letzte Woche im Bundestag. Würde mich intressieren, wieviel der Berliner Korrupten in den Aufsichtsräten sitzen oder auf der Gehaltsliste stehen der 4 großen Versorger?

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Cassandra105 15.04.2011, 13:11
8. **********************

Zitat von Jenli
... vertraut man auf das "Märchen vom Wind" und die Legende von der Speicherung: Erfahrungen aus Großbritannien: "Average output from wind was 27.18% of metered capacity in 2009, 21.14% in 2010, and 24.08% between November 2008 and December 2010 inclusive. There were 124 separate ....." Eine Verwendungsmöglichkeit für den gerade nicht verwendeten Strom ist die Herstellung von Wasserstoff und dessen Speicherung. Doch wer wird in Deutschland Millionen to Wasserstoff in der Nähe haben wollen, die - im Störfall -Unmengen von Knallgas erzeugen können? Wer will Pumpspeicherwerke in der Nähe haben? Auf der Schwäbischen Alp bekämpft eine Bürgerinitiative gerade die Anlage eines neuen Pumpspeicherwerks. Jahrelange Prozesse stehen ins Haus. Die Deutschen neigen zu Romantik und Traumtänzerei in Energiefragen.
Also zurück auf die Bäume, denn wenn es keine Lösung gibt, sind wir in einigen Jahrzehnten Weg vom Fenster. Selbst wenn dann noch Rohstoffe vorhanden sind, werden die Preise für die Masse der Menschen nicht mehr bezahlbar sein und natürlich auch alles, was entsprechend Energie zur Herstellung benötigt.

Was Sie sagen bedeutet also letztlich nur folgendes: Party bis zum Schluss, zu retten ist da eh nichts.

Aber auf Untergangspropheten sollte man nicht hören.

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Auerswald 15.04.2011, 13:12
9. Sympathische Idee

Zitat von AllesGrau
dass ich schon Firmen mit zweifarbigen Steckdosen gesehen habe, die roten Steckdosen waren an der Notstromversorgung und die normalen nicht. Könnte man flächendeckend einführen, an die rote Steckdose mit 24/7 Garantie kommt halt der Kühlschrank oder die TK-Truhe (die man in Großstädten sowieso nicht mehr braucht und abschaffen sollte!), die Unterhaltungselektronik kommt an die normale Steckdose.
Das ist eine sympathische Idee, wobei man mit ein wenig Intelligenz sicherlich ein Großteil der Geräte daheim auf beide Systeme aufteilen kann, sodaß möglichst wenig Energie verbraucht wird.

Übrigens ist es heute in ländlichen Regionen nicht unüblich, daß sogenannte "Gefriergemeinschaften" existieren. Eigentlich ein Überbleibsel aus der Zeit, als sich noch nicht Jedermann eine Tiefkühltruhe leisten konnte. Aber es gibt sie immer noch, wie dieser Artikel hier zeigt:

http://www.suite101.de/content/gemei...schaft-a103447

Insgesamt lässt sich mit Nachdenken und genauer Planung sehr viel Energie einsparen. Im Moment begünstigen die noch preiswerten Stromtarife den menschlichen Hang zur Faulheit. Aber ich hoffe, das wird sich ändern.

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